Silk and Paper

15. Juli 2015

nur eine strassenecke WEITER


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Nirgendwo in der Stadt ist die Melancholie so durchsichtig wie in dieser Straße. Rechts und links der Fahrbahn trotzen alte baufällige Häuser der städtebaulichen Fantasie. Die Türen sind mit Brettern zugenagelt. Ich betrete diese Straße sehr selten, aber genau deshalb ist sie in die Galerie der besonderen Erinnerungen aufgenommen. Sie hängt, wie ein Bild an einer Wand in meinen Erinnerungen fest. Und wie in einer Galerie auch, macht es die Beleuchtung oder die Verdunkelung, dass sich meine Sicht auf diese Straße wandelt.

Mitten in Kreuzberg schneidet sie die Oranienstraße in Stücke- eines von vielen Stücken, die wie kleine Kuchenstücke beim Bäcker einfach so daliegen, jedes mit einem anderen Belag, mit anderen Früchten. Streuselkuchen neben Tortenstück…

Auch hier, im Kreuzberger Stadtplan schiebt sich diese Straße wie ein Messer durch den Kuchen und teilt mitten auf der Fahrbahn dieses Viertel in Sushi-Asia -Bioläden und in Kebab-Döner-Teestube- Ausbesserungsschneiderei.

Das Licht an diesem Herbsttag holt all die ungeputzten Fenster aus ihrem dunklen Dasein hervor; der Staub wirbelt zwischen Licht und Schatten und der noch warme Wind trägt den Geruch von Bratkartoffeln mit Gurkensalat auf den Gehsteig. Mein Blick heftet sich auf den Boden, es ist ratsam aufzupassen, wo man hintritt. Hier ist der Bürgersteig übersät mit kleinen Dingen, die man selbst nur 100 Meter weiter nicht finden würde. Abgerissene Kinokarten, zerfetzte Zeitschriften, Gewürztüten von Chinasuppen, Holzstäbchen von Kebab, Servietten voller Ketschup, einen abgeschleckten Lolli, Schokoladeneispapier, eine leere Wasserflasche Marke Irgendwoher, eine alte Garnrolle, ein alter Fahrradschlauch, 2 Cent, eine Hülle von Papiertaschentüchern….und das ließe sich beliebig fortsetzen. Aber es sind nicht nur die Dinge, die meine Aufmerksamkeit fordern, sondern auch die Geräusche und das bewegte Straßenbild.

Spazierengehen in Kreuzberg; unterwegs zum Künstlerhaus Bethanien zu einer Ausstellung, die sich mit der Kunst des Spazierengehens befasst. Fast, so scheint es, ist es gewollt, dass ich diese Strecke zu Fuß zurücklegen muss, so als solle ich mich einstimmen auf Räume, die das „erlaufene“ Leben eingefangen hat. Diese Straße stimmt mich ein und ich überlege, ob ich nicht noch ein paar Umwege machen sollte.

Ganz hinten, am Ende der Straße sehe ich ein grünes, großes Licht. Es ist der Park, der das ehemalige alte Krankenhaus mit hohen Bäumen umschließt. Das Herbstlicht schimmert durch die Blätter und winkt mir aus der Ferne zu. Das Leben um mich herum erscheint mir so dicht, so prall gefüllt von allerlei Leid und Freude, voller Tragödien und Dramen- fast so, als wären all diese Geschichten der vergangenen hundert Jahre in diese alten Mauern der Häuser hineingeschrieben. Da ist der grüne Platz zwei Straßenzüge weiter wie ein guter Freund, der mir zu sagen scheint: Komm, ich nehme dich in meine Arme und du kannst dich hier ausweinen. Und dabei ist dieses Weinen nicht einmal gewollt- es hat sich einfach so als kleine Tränen in meinen Augen verirrt. Es ist eine merkwürdige Mischung aus Wehmut und Glücksempfinden. Die Melancholie als kleine Schwester der Trauer- Trauer darüber, dass die Zeiten der Häuser einfach vorbei sind und ein Glücksgefühl darüber , dass man trotzdem noch ihre Schönheit wahrnehmen kann.

In dieser morbiden Tristesse dieser Straße scheinen sich viele Erinnerungen verborgen zu halten, die ich seit Kindertagen mit mir herumtrage… Der Geruch von Bohnerwachs, angebrannter Milch, ein Hauch muffiger Luft aus geöffneten Kellerfenstern; schwarze Kohle schimmert durch das fast blinde Glas, eine alte Frau lehnt sich aus dem Fenster, die Arme auf ein Sofakissen gestützt… sie möchte teilhaben am Leben draußen… Die klobigen Türen zu den Gewerbehöfen stehen weit offen, wie große Münder schlingen sie alles hinein, was angeliefert wird. Zwischen Zwiebeln und Stoffballen spielt ein Kind, ein Auto hupt; der Bus schiebt sich um die Ecke und hält.

Ich überquere die Oranienstrasse, und eile dem Platz entgegen, wo ich mich verabredet habe. Still und fast verlassen liegt dieses große Haus, umsäumt von einem verwilderten Park- einige Häuser werden immer noch von Autonomen bewohnt. Ich bin zu früh – also nutze ich die Zeit und durchquere die Parktangente in Richtung Kirche. Ich erinnere mich, dass dahinter die Berliner Mauer war und aus irgendeinem Grund genau hinter der Kirche noch ein kleines Grundstück war, das, da sich bisher kein Besitzer gemeldet hatte, das einzige Niemandsland in Berlin ist . Schon Jahrzehnte wird dieses Stück Land als Garten genutzt. Ein türkischer Gastarbeiter hatte sich dort einen Gemüsegarten angelegt und sich ein Baumhaus gebaut, wild und ohne einen Behördenstempel … Zwischen Wildwuchs und 3 Meter hohen Sonnenblumen sehe ich dicke Kürbisse und Kohlrabi, Bohnen hangeln sich an einem Lattenrost, der als Balkonbrüstung dient und vor dem Eingang zum Gartenhäuschen hat der alte Mann einen Tisch an seinen Beinen einzementiert und die dicke grüne Ledercouch dahinter scheint sagen zu wollen: He, der Tee ist gleich fertig- setz dich.

Es ist schon belustigend, wie mitten in der Großstadt ein alter Mann eine Lücke im Gesetz erkannt hat und hier sein Paradies, seine Robinsonade auf Erden hat. Der Alte dreht sich seine Zigarette, zwei Touristen lassen sich mit ihm fotografieren, ich bleibe stehen und schaue belustigend zu. So ein sympathischer Anarchist… Hinter der halbgeöffneten Laubentür hantiert seine mit Blumenkopftuch behütete Frau und es summt ein Gaskocher… Es ist still auf der Straße. Mittags zwei Uhr, da ruht das Leben für eine kurze Zeit. Mittagsschläfer haben die Fensterläden geschlossen und der Kindergarten seine bunten Vorhänge. Ich möchte irgendwie verweilen in diesem Moment. Die Zeit anhalten. Lachen und Weinen zugleich. Ein unbekanntes Gefühl ergreift Besitz von mir…ich kann nicht einorden, was es mir sagen will. Alles kommt so dicht an mich heran, das ich es mit den Händen greifen könnte- sogar das gelbe Licht ist voller Gestalt. Es wirft Schatten und tanzt zwischen den Büschen und Häusern.

Hinein in das Haus, welches mit Kunstwerken und begehbaren Museumsräumen zum Verweilen einlädt… in den Gängen hört man Kinder Klavierspielen üben und über endlosen Flure gelangt man zu Werkstätten und Ausstellungen.

Die Welt und die Dinge sind da. Jemand macht Fotos, andere durchqueren Straßen, andere zeichnen und wieder andere ziehen eine Spur hinter sich her wie ein roter Faden…Alles, was man sieht und wahrnimmt, findet Platz im Menschen. Man malt sich seine eigenen Bilder in der Galerie der Erinnerungen und es scheint , je dicker die Schicht Farbe auf den Fantasiebildern ist, um so durchsichtiger wird das Leben, umso mehr durchschaut man sich und die Sehnsucht nach der Welt, die man noch nicht entdeckt hat.

Und diese Welt kann wirklich bei jedem nur einen Straßenzug weiter liegen.

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2. Juli 2012

Toasted Susie is my ice-cream! …oder WARum Gertrude Stein schuld ist, daß ich Fußnoten liebe

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Toasted Susie is my ice-cream!
…oder warum Gertrude schuld ist, daß ich Fußnoten liebe.

Wenn der Mittsommer 1 naht, dann beginnt in meinem Körper eine andere Zeit zu ticken. Ich weiss nicht warum, aber irgendetwas sagt mir, das dieser Sommer mein Frühling sein wird…Ich laufe durch den Park und obwohl keine 50 Meter weiter die Stadt tobt- duftet das Gras wie die Wiesen, die mich umfangen und gebettet hatten, als ich mir den ersten Kuss 2 des Lebens geben lies . Ich würde mich am liebsten in diese ganz hohes Halme fallen lassen , so daß sie über meinem Kopf zusammenschlagen. Nur ein kleines Guckloch bleibt ,durch das ich einen blauen weißgepuderten Himmel schaue und dieses grasgrünscheinende Wunder des Sommers entführt mich auf den Wogen 3 eines unbeschreiblichen Glücks ins Land der Phantasie…
So ein wundersamer warmer Tag im Juni , der in eine laue Nacht hinübergleitet… Die Mittsommernacht schleicht sich an mit einem glucksendem Lachen, verstohlen blinzelt sie mir zu und flüstert, das sie doch eigentlich aus dem Süden stamme; sie sei nur vor der Hitze geflüchtet, sie bräuchte 4 eine Auszeit von all dem Lärm an den Stränden und dort im Süden, käme sie nicht mehr dazu, sich auszuruhen. Sie, die Nacht würde dort zum Tag gemacht …
Ich lache hell auf. Was redet sie da, diese leise, schöne, besondere Nacht? Hat sie vergessen, das im schattenlosen Stundenreich dieser wenigen Tage im Juni das ganze Mysterium 5 von Dichtern zu Hause ist? Entlang an den wie von perlenkettenumsäumten Inseln Finnlands oder in den sternenfunkelnden Wassern der Newa 6 in den Petersburgern Weißen Nächten 7 ?
Nein, knistert die Mittsommernacht- die Nacht kann auch zum Tag werden, aber die besten Geheimnisse haben ich den Menschen entlockt, wenn die Magie 8 erwacht, die von Licht und Dunkelheit ausgeht. Hier kann man die Mittsommergeheimnisse aus Menschen entlocken, hier im Norden 9

Ich blicke auf. Noch immer sitze ich am Rande der Wiese , mitten im Park. Es ist taghell und ich frage mich, wo hier der Norden sei! Das warme Licht wärmt auch meine Haut , schon fast zuviel, doch dann sage ich mir, es muss doch etwas dran sein, das ich mit dem herannahenden Mittsommer ein Zwiegespräch 10 führe.
So ganz ist mir die Sache nicht geheuer 11 …und bevor man zu glauben bereit sei, das ich Selbstgespräche führte, muss ich sagen, nein, das tue ich nicht! Zumindest nicht laut. Es klingt kompliziert, ist es aber nicht.
Mir fiel dabei ein Spruch von Gertrude Stein 12 ein: Komplikationen sind immer einfach, aber eine andere Sichtweise als die der ganzen Welt ist ganz selten.

Warum fallen mir solche Worte immer ein, wenn die Nächte länger werden? Warum lese ich an solchen Tagen Bücher über die Zeit 13, über Gravitation 14 , über Zeitsprünge und Wortschleifen, über Geheimnisse fremder Menschen, über Reisen zum Mond und über Schwarze Löcher 15, die als Quader 16 wie in Kubricks 17 Film 2001: Odysee im Weltraum über allem lautlos schweben…

Ist es zu kompliziert 18 , vom Duft einer Sommerwiese , weiter über die Sehnsucht nach der Liebe im Moment , über die Mittsommernacht hin zur Gravitation im Weltall zu gelangen? Wenn Komplikationen einfach sein sollen, ja was sind dann die einfachen Dinge? Kompliziert?
Ich muss wieder innerlich lachen! Natürlich ist es so. Oder nicht?

Jetzt wünschte ich mir mehr Ehrgeiz 19 , den Dingen auf den Grund zu gehen. Aber die laue Luft träufelt 20 sich in meinen Kopf und über meinen Körper , und wie ein Netz legen sich die verschiedenen Gedanken über mein Gesicht…schön eingeteilt in übersichtliche Vierecke… der erste Gedanke in dieses Kästchen, der zweite Gedanke in dieses Kästchen, der dritte dort hinein und der vierte da…
Na bitte! Alles wohlgeordnet. Jedes Ding hat seinen Platz. Dort in der Mitte ist noch ein Kästchen frei. Was oder wen kann ich dort unterbringen, verbannen, einbinden, anbinden ? Vielleicht passt noch ein Gedanke hinein. Ein Gedanke ist flexibel 21 , er ist ein bisschen flüchtig , er kann sich auch mal kleinmachen, wenn alles andere darum herum sich drängelt und schubst und breit macht. Ein Gedanke kann sich auch mal hinter etwas verbergen 22 . Wenn er sich ganz klein macht , passt er sogar hinter das T 23 , welches schmal und fast unsichtbar für so vieles stehen kann.

Der Weg aus dem Park nach Hause führt mich am Eisladen vorbei. Warum nicht ein Eis essen! Ich versüße mir die komplizierte , einfache Welt und kann plötzlich Gertrude 24 verstehen, die in der scheinbaren Abstraktion 25 der Worte die Mystik des alltäglichen Rätsels versteckte.
„Toasted Susie is my ice-cream“ 26 .
Wie ich meine bizarre 27 Gedankenwelt in kleine Netze unterteile, so hat jeder Dichter seinen eigenen Weg, die Worte für sich stehen zu lassen, und sie doch als ein Ganzes zusammenzufügen.

Natürlich bin ich ein Stümper 28 gegen Gertrude Stein, aber trotzdem nenne ich sie manchmal heimlich „Schwester“. So wie ich Baudrillard 29 manchmal meinen „Bruder“ nenne…
Man fragt sich natürlich anhand all dieser scheinbar nicht miteinander verknüpften Dinge, wie sie wohl zueinander fanden.
Sie sind die einfachen Dinge, die kompliziert sind, sie sind die Fußnoten , die einen Text begleiten und die , wie das Kleingedruckte oft übersehen werden. Früher habe ich sie geflissentlich überlesen, diese besternten oder durchnummerierten Erklärungen . Und irgendwann ertappte ich mich dabei, das ich zuerst die Fußnoten las und dann erst das Buch. Das mag bizarr klingen, aber diese literarische Meditation 30 hatte fast das, was ich im Alltag oft mache: ich wende mich dem fast Unsichtbaren zu und entdecke plötzlich darin einen anderen Kosmos 31.

Ich wünsche Euch viel Spass beim Lesen und vielleicht stolpert Ihr mal über eine Fußnote, die Ihr sonst [bersehen hättet…

Habt Ihr mitgezählt ? Es sind 31 Fußnoten- für jeden Tag im Monat eine!


…………und hier sind die Fussnoten…………………..

1. Als Mittsommer wird die Sommersonnenwende am 20., 21. oder 22. Juni bezeichnet. In den nordischen Ländern wird es Nächte zu dieser Jahreszeit kaum dunkel.
2. Der Kuss- ist eine Ausdrucksform einer Emotion. Die Bedeutung des Kusses, insbesondere in der Öffentlichkeit ist jedoch kulturell unterschiedlich.
3. Wogen- sind eine spezielle Wellenform. Die Gravitation bildet Wellen wenn Wasser durch Einwirkung einer Störung zum Schwingen angeregt wird. Beispiele für Störungen sind der Wind, der verantwortlich ist für den Seegang auf den Meeren. Ins Wasser geworfene Steine und Strömungshindernisse erzeugen Wellen, fahrende Schiffe begleitet eine Bugwelle. Seebeben können Tsunamis hervorrufen. Wogen des Glücks ist die literarische Umschreibung des Auf und Ab der Emotionen bei Menschen
4. bräuchte- brauchen, benötigen
5. Mysterium- ist ein Geheimnis … Gemeint ist dabei nicht etwas, was man normal mitteilen könnte , sondern ein komplexer, oft paradoxer Sachverhalt von existenzieller und religiöser Tragweite, der sich der direkten Mitteilung und logischen Analyse wesentlich entzieht.
6. Newa- (russisch Нева) ist ein 74 km langer Fluss in Russland, der vom Ladogasee in die Ostsee fließt. Sie durchquert dabei Sankt Petersburg.
Obwohl die Newa mit 74 km ein sehr kurzer Fluss ist, ist sie vergleichsweise
wasserreich. In der Nacht zwischen 2 und 5 Uhr werden die Newa-Brücken
aufgeklappt, woraufhin zwischen zahlreichen Stadtteilen keine Verbindung mehr
besteht.
7. In den Weißen Nächten von Ende Juni bis Mitte Juli ist die Passage der
Schiffskonvois ein Schauspiel, das sich tausende Menschen trotz der
nachtschlafenden Zeit ansehen.
8. Magie- aus dem altpersischen Magusch, der Bezeichnung der medischen
Priester) ist der Versuch, Ereignisse, Menschen und Gegenstände auf
übernatürliche Weise zu beeinflussen.
9. Norden- ist eine Haupthimmelsrichtung. Die Bezeichnung leitet sich vom
Althochdeutschen nord und der Indogermanischen Einheit -ner für links oder
unter ab, was möglicherweise auf „links der aufgehenden Sonne“ zurückzuführen
ist. Norden hieß auch „Septentrio“, auf das Siebengestirn bezogen.
10. Zwiegespräch- ein Dialog , teils mit sich selbst hinterfragend geführt, u.a. als eine Form philosophischer Erörterung mit der Absicht, zu tieferer Einsicht in einer Frage zu gelangen.
11. Nicht geheuer- nicht geheuer sein : sein Unwesen treiben, gespenstern, herumgeistern, umgehen, irrlichtelieren…in diesem Fall heisst es somit: die Sache ist mir zu unheimlich…
12. Gertrude Stein- Gertrude Stein gehörte mit ihrer extrovertierten Art zu den Kultfiguren der Kunst- und Literaturszene ihrer Zeit. Durch einen von ständigen Wortwiederholungen geprägten Stil wollte sie nach eigenem Bekunden den Kubismus der abstrakten Malerei in die Literatur übersetzen. Mit ihren Schriften zählt sie zu den Avantgardistinnen des 20. Jahrhunderts. Mit dem Satz Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose (aus dem Gedicht Sacred Emily im Band Geography and Plays von 1913) prägte sie ihre eigene Stilfigur des Lithismus, einer Art der verbalen Tautologie. In Paris eröffnete sie einen Salon, der sich zu einem Zentrum der schriftstellerischen Avantgarde entwickelte. Sie gehörte der neuen revolutionären Generation an. Sie war jung genug, die Künstler zu verstehen, reif genug, um sie zu fördern und vermögend genug, um die Bilder zu kaufen. Und so kaufte sie viele Bilder der damals noch verkannten Genies: Cézanne, Monet, Renoir, Daumier, Gauguin. 1907 lernte Gertrude ihre Lebensgefährtin Alice B. Toklas kennen. 1909 veröffentlichte sie ihr erstes Buch Three Lives im Selbstverlag. Mit der Textsammlung Tender Buttons (1914) wandt sie sich verstärkt der experimentellen Literatur zu.
13. Zeit – bezeichnet die vom menschlichen Bewusstsein wahrgenommene Form der Ordnung des Auftretens von Ereignissen. Das menschliche Empfinden von Zeit ist von ihrem Vergehen geprägt, einem Phänomen, das sich bisher einer naturwissenschaftlichen Beschreibung entzieht und als Fortschreiten der Gegenwart von der Vergangenheit kommend zur Zukunft hin wahrgenommen wird.
14. Gravitation – ist eine der vier Grundkräfte der Physik. Sie bezeichnet das Phänomen der gegenseitigen Anziehung von Massen. Sie ist die Ursache der irdischen Schwerkraft oder Erdanziehung, die die Erde auf Objekte ausübt.
15. Schwarze Löcher – Als Schwarzes Loch bezeichnet man ein astronomisches Objekt, welches aufgrund seiner hohen Dichte die Raumzeit so stark krümmt, dass von außen aus gesehen nichts in endlicher Zeit aus seiner inneren Region austreten kann. Die Grenze dieses Bereiches heißt Ereignishorizont.
16.Quader – Ein Quader ist ein dreidimensionaler Körper mit
sechs rechteckigen Flächen, dessen Winkel alle rechte Winkel sind,
acht rechtwinkeligen Ecken und zwölf Kanten, von denen jeweils vier gleiche
Längen besitzen und zueinander parallel sind.
Gegenüberliegende Flächen eines Quaders sind kongruent (deckungsgleich).
17.Stanley Kubrick – war ein US-amerikanischer Regisseur, Produzent und
Drehbuchautor. Seine Filme werden vor allem für ihre tiefe intellektuelle Symbolik
und ihre technische Perfektion gepriesen. Als Regisseur war er sowohl berühmt
wie berüchtigt dafür, jede Szene bis ins kleinste Detail zu perfektionieren und
dabei meist die Schauspieler bis an ihre psychischen und physischen Grenzen zu
führen. Die Hauptthemen seiner Filme sind die Unnahbarkeit der Realität und das
Scheitern der Menschlichkeit, ausgedrückt durch das einfache Akzeptieren, das
Ignorieren oder das Ringen der Protagonisten mit ihren dunklen, inneren Kräften
auch ihren Trieben.
18. kompliziert – Kompliziertheit kommt aus dem lat. complicare
„zusammenfalten“, „zusammenlegen“, „verwickeln“
19. Ehrgeiz- gemeint ist jedoch die mittelalterliche Bedeutung Gier, also „nach Ehre gieren“ und nicht etwa „mit Ehre geizen“) versteht man das mehr oder weniger starke Bemühen, ein bestimmtes Ziel zu erlangen, etwa Anerkennung, Autorität, Ruhm, Ehre oder Geld. Er zielt unter anderem auf eine Bewahrung oder Steigerung des Selbstwertgefühls in einer Gemeinschaft aus Wettbewerbern und steht in enger Beziehung zur eigenen Eitelkeit.
20. träufelt- tröpfeln, tropfen lassen
21. flexibel – lat. flectere biegen, beugen; hier heisst es : biegsam, anpassungsfähig
22. verbergen- verdecken, verstecken
23. T – ist der 20. Buchstabe des lateinischen Alphabets und ein Konsonant. Der Buchstabe T hat in deutschen Texten eine durchschnittliche Häufigkeit von 6,15 %. Er ist damit der siebthäufigste Buchstabe in deutschen Texten.
24. Gertrude – Gertrude Stein
25. Abstraktion – von abs-trahere – „abziehen, wegschleppen, -führen; entfernen, trennen“) bezeichnet meist allgemein einen Vorgangs des Weglassens von Einzelheiten und des Überführens auf etwas Allgemeineres oder Einfacheres.
26. Toasted Susie is my ice-cream – Wortkomposition aus dem Werk von Gertrude Stein
27. bizarr – absonderlich, eigenartig, eigenwillig, merkwürdig, seltsam, fantastisch, ausgefallen, befremdend, ungewöhnlich
28. Stümper – hier zum Gebrauch im Sinne von elend, jämmerlich
29. Baudrillard – Jean Baudrillard (* 20. Juli 1929 in Reims; † 6. März 2007 in Paris) war ein französischer Medientheoretiker, Philosoph und Soziologe. Er gilt als einflussreicher, aber auch umstrittener Vertreter des postmodernen Denkens. Baudrillard studierte Germanistik an der Sorbonne in Paris. Von 1958 bis 1966 war er Deutschlehrer , zugleich betätigte sich Baudrillard als Literaturkritiker und Übersetzer (Friedrich Hölderlin, Bertolt Brecht, Peter Weiss) und studierte Philosophie und Soziologie an der Universität Paris-Nanterre. 1968 promovierte er dort mit der Arbeit Le Système des Objets („Das System der Dinge“)
30. Meditation – (lat. meditatio = „das Nachdenken über“; auch in der Bedeutung „zur Mitte ausrichten“ von lat. medius = „die Mitte“) ist eine in vielen Religionen und Kulturen geübte grundlegende religiöse oder spirituelle Praxis. Durch Achtsamkeits- oder Konzentrationsübungen soll sich der Geist beruhigen und sammeln.
31. Kosmos – Der Begriff Kosmos (griechisch κόσμος, kósmos – die (Welt)Ordnung, auch Schmuck, Anstand) bezeichnet: das Universum (den gesamten Weltraum)

© MAR /  silkandpaper 2007

14. Januar 2008

GEISTer

Filed under: all you need is FUN-tasy, sprach-RÄUME lyrik — Schlagwörter: , , , , — silkandpaper @ 8:10 AM

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Gedicht, bei der Hausarbeit entstanden…

und wieder habe ich
das alte Haus herausgeputzt
und hab‘ mich neu in es verliebt.

die alten Dielen; brüchig , honigfarben
knistern, zwitschern, singen…
gut, dass es sie gibt.

ich höre meine eigenen Schritte
selbst auf
Zehenspitzen gehend

manchmal sehe ich die
nächtlichen Gespenster
durch die Räume wehend

sie flüstern Märchen,
deshalb höre ich sie .
es widerhallen keine Tritte

sie flattern durch die Träume
lachen leis und
nehmen mich in ihre Mitte.

und heute , als ich ihre Spuren suchte
da fand ich sie als kleinen Fleck
auf einen dieser Bretter.

Naschkatzen sind sie.
es war braune Schokolade.
mein Scheuerlappen war ihr Retter.

ich wischte sie weg und
mit einem Wehmutstropfen
der Erinnerungen

erkunden sie nun
als Aufwischwasser aufgeweicht
die Kanalisationen

und heute Nacht, wenn alles schläft
dann suchen sie ein neues Haus
und werden bei Dir wohnen.

 

mar. 12. januar 2008

7. September 2007

zweites frühstück ! oder wenn der TAG gelaufen ist


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Irgendwann hatte ich Euch, liebe Leser das Dessert versprochen, nach der aufgewärmten Suppe hatte ich ja eine Woche Zeit, mir ein Rezept zu überlegen.
Und ungewollt bin ich in eine ganz „alte“ Zeit hineingeschlittert, gestern, als ich mich an die die Zutaten für eine nette Liebesgeschichte erinnerte , Julia und Romeo aufleben lassen wollte , und dabei feststellte, das Julia eigentlich ein Romeo war… Meine Laune war dahin und es war einfach gestern wie im Theater, wenn der Startenor sagt: heute bin ich sehr angeschlagen, lässt lieber die Primadonna meinen Part singen…( Tenöre sind so zickig , das weiss ich aus eigener Erfahrung…) Was macht man denn, wenn man im virtuellen Theater improvisieren muss…Dieses chaotische Suchen nach einer Notlösung…

Das hat mich ein bisschen an meine Zeit erinnert, als ich noch eine Kunstgalerie und ein Künstlercafe mit einer Theaterbühne in Berlin hatte und man tatsächlich so eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung den Bühnenvorhang neu installieren muss.

First Part: MAR auf der Leiter in schwindelnder Höhe , den Schlagbohrer in der Hand und unten stehend der Künstler des Abends, der aus lauter Panik, das seine Vorstellung ausfallen würde, an den Fingernägeln zu kauen begann.
Ist zwar nicht das leckerste, aber es hat ihn offensichtlich beruhigt.
Schweissperlen auf der Stirn, Schritt für Schritt stieg ich dann die Leiter hinab, geschafft.

Second Part: Abendkasse. Im Rücken unsere angesäuselte französische Bardame ( wir wissen ja, der Rotwein…! ) drängelnde Besucher im handtuchgroßen Cafe, direkt daneben in der Küche gingen Teller zu Bruch, das Klopapier staute sich in der Gästetoilette, jemand hatte die Hintertür offengelassen und wildfremde Menschen warfen Blicke in die Künstlergarderobe, wo gerade die Pianistin noch einmal den BH zurechtrückte- ein spitzer Aufschrei ihrerseits, als sie durchs Fenster in wildfremde Männeraugen sah… und MAR überall gleichzeitig sein müssen…das auch noch in hochhackigen Schuhen , mit den putzverschmierten Händen von der Vorhangmontage mal schnell durchs Haar gestrichen- die Lacher waren nicht auf meiner Seite- aber endlich, endlich . Der Herr Künstler gab das Signal zum Anfangen, die kleine Tresenklingel rief den letzten Cafe-Gast zum Rendezvous mit der Muse ( „nehmen Sie doch Ihr angebissenes Brötchen mit in den Saal…. geht schon –hier eine Serviette „)…. Türe zu.
Kassensturz gleich….die Gage muss ausgezahlt werden, nachher, wenn alles vorbei ist , wenn man am Habitus der Pianistin das Gefühl hatte, es hätte Rubinstein persönlich gespielt…
Aber das ist später. Nach diesen unglaublichen 60 letzten Minuten vor dem Bühnenvorhang brauchte ich erst einmal eine Pause. Herrlich! Das Cafe ist leer, ein zwei verprengte Stammgäste vom Wohnhaus gegenüber hocken beim Bierchen an der Theke, ich suchte mir die alte Ledercouch in der hintersten Ecke und genehmigte mir einen heissen Tee.

Third Part: Die Künstlergarderobe ist verwaist, der angetragene Smoking hängt traurig und zerdrückt auf der Stange, die billige Schminke von „Frau Rubinstein“ liegt verstreut vor dem blinden Spiegel ; warum müssen Künstler denn immer nur so schlampig sein?
Alle sind auf und davon. Die Luft ist zum Schneiden dick. Die französische Bardame kichert mit Stammgast Nr. 1 ( ich sehe das nicht so eng…. er ist ein alter Feinschmecker, Giselle ist sicher nur das Appetitshäppchen, der Hauptgang steht zu Hause auf dem Tisch…) Ich sperre ab und lass die beiden allein… müde bin ich.
12 Uhr nachts. Wie komme ich jetzt nach Hause ? Warum ist es denn schon wieder so spät geworden.

6 Uhr ist die nacht für mich vorbei. Von Schönheitsschlaf keine Spur- kaum hingelegt, klingelt der Wecker schon wieder.
Rein in die Dusche , kaltes Wasser, denn schließlich sollte ich gut ausgeschlafen wirken, wenn ich meinen Brotjob nachgehe…. Die 10 Minuten, die ich mich noch einmal kurz umgedreht hatte, haben keine Wunder bewirkt. Ich brauche meinen Kaffee- ach was , ich brauche das Doppelte von dem, was sonst in meinem Kaffee chemisch an Coffein als Inhaltstoff nachweisbar ist.
Vorhang . Ende. Verbeugung . Abgang.

Ps. Ach ja, das Dessert! Das habe ich fast vergessen…
Im realen Leben, so wie zu der Zeit meiner kleinen Galerie-Bühne konnte ich in Laufe des Abends nur Tee oder Saft trinken… so etwas ist einfach professionell , sagt man in der Branche .
Aber hier, im virtuellen Reich, da lehne ich mich zurück auf meiner Couch, der zickige Tenor ist Legende,
“ Frau Rubinstein“ spielt jetzt tatsächlich im Boston Philharmonischen Orchester, Rosenstolz sind berühmt geworden, das Cafe ist zum Reisebüro mutiert für exklusive Schiffsreisen…Was kümmert mich das alles .
Ich sitze hier nach dieser gelungenen Vorstellung von Romeo und Julia , nach allem hin und her (danke den Akteuren ! ) … und geniesse mein Dessert: Champagner…
Champagner für Alle !
Aufs Haus natürlich….

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