Silk and Paper

denn papier ist etwas ganz EIGENES


 

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Papier. Jeden Tag berühren wir Papier in seiner verschiedensten Form. Zeitungspapier, Briefe, Verpackungsmaterial, Tüten, Kartons…
Im Vorübergehen streichen wir mit den Händen unbewusst über die Rinde der Straßenbäume. Im Herbst sammeln wir Kastanien, welkes Laub, Stroh…
Wir nehmen diese Dinge als gegeben hin und die Funktionalität des Gebrauchspapiers ist uns so selbstverständlich, dass man darüber schon nicht einmal nachdenkt, wenn die zusammengeknüllte Zeitung oder das Verpackungsmaterial im Papierkorb und später im Müll landet.

Dabei wird der Weg zur Herstellung des Papiers traditionell als „Kunst des Papiermachens“ bezeichnet und ist eines der wenigen Handwerke, die noch in dieser totalen technisierten Welt eine Nische findet. Papier ist nicht gleich Papier , das lernt man verstehen , wenn man beginnt, diese Papierobjekte aus alten Büchern, handgeschöpftem Papier und Seide in den Händen zu halten.
Mit der Auseinandersetzung philosophischer Aspekte entstand mein Buch „ Washi- eine Reise ins Japanpapier“ und so begann eine außergewöhnliche Liebe zum Material Papier . Die literarische und handwerkliche Auseinandersetzung mit dem “ Papier “ hatte mehrere Japanreisen zur Folge und auch das Erlernen des Papierschöpfens in traditionellen Papiermühlen . Das bewusste Auseinandersetzen mit allen Arten von Papier hat eine ganz besondere Liebe zum Handwerk in mir geweckt und den Wunsch gefestigt, dem handgeschöpftem Papier einen besonderen Platz in diesen Objekten einzuräumen aber auch das Bewusstsein für dieses körperlich schwere Handwerk lebendig zu halten.
Mit dem Respekt zum Material hat alles begonnen, mit dem Sammeln und Aufbewahren von Papier und alten Büchern aus handgeschöpftem Papier begann das innovative „ Verwerten „ des Papiers .
Und das deutsche Wort „ Verwerten“ beinhaltet das Wort „ WERT „ und daraus erklärt sich von selbst die Philosophie meiner künstlerischen Arbeit .
„Wert“ in Bezug auf „ Wertschätzung“ des Materials. Das anfängliche Experimentieren mit den verschiedenen Papierarten hat auch den Blick erweitert für die Rohmaterialien und Neben- und Abfallprodukten aus Holz, Gräser, Baumrinden, Stroh aber auch Seide ( vergessen wir nicht : Seide entsteht durch das Verwerten des Kokons der Seidenraupen, die wiederum ausschließlich mit Maulbeerbaumblätter gefüttert werden…) es scheint, als schließe sich hier ein ganz wichtiger Kreislauf der Natur wieder und durch die besondere Definition des Papiers als Material mit philosophisch erklärbarem Hintergrund öffnet sich für den Betrachter und im Besonderen im Gespräch mit mir oftmals eine ganz eigene Welt.
Unter meinen Händen entstanden „ Dinge aus NICHTS“ : Taschen, Kästchen, Boxen, Schmuck, kunstvolle Verpackungen. Es entstehen Dinge von eigenwilliger Schönheit, denn meine Maxime ist es , die Formenvielfalt der Kartons und auch die Papierschnipsel möglichst so zu belassen, wie sie waren . Gerade dies macht den Reiz der Objekte aus, denn selbst Risse , Kniffe, Knitter im Material fordern mich heraus, gerade diese „Mängel“ als reizvolle Blickfänge einzuarbeiten und damit auch die verschiedenen Strukturen im Material Papier offenlegen zu können. Bei vielen Objekten erkennt man , das Papier ein organisches Material ist, denn es umschließt wie eine zweite Haut Kartonagen, Dosen, Verpackungen und lässt das Rohmaterial des handgeschöpften Papiers erspüren, erahnen.
Es versteht sich von selbst, dass so entstandene Objekt UNIKATE sind und auch mit Blick auf ihre Funktionalität so gearbeitet sind, dass die anfänglich als Kunstobjekt gedachte Tasche oder Dose durchaus  Gebrauchsgegenstand  sein kann. Selbst die Klebstoffe und Verbundmaterialien wurden mit Blick auf die Feinheit der Struktur des Materials Papier sorgfältig abgestimmt. Die Papierschichten und Kartonagen sind mit einem Klebstoff aus alten Rezepten aus der Barockzeit miteinander verbunden, der in der Regel für antike Papiere, Dokumente oder Möbel verwendet wird. Die Oberflächen der Dosen Boxen, Kästchen und Taschen werden mit ökologisch vertretbaren Lacken versiegelt, Baumwolle und Seide zwischen den Papierschichten stabilisieren das Papier zusätzlich. Die Perlen, Seidenbänder und Knöpfe sind nicht nur als Blickfang gedacht . Die Bänder und Verschnürungen unterstreichen den Charakter der Objekte; so werden nämlich keine Metallknöpfe oder Metallverschlüsse verwendet. So ist auch das Berühren der Objekte als eine sinnliche Erfahrung gedacht und es ist mir durchaus erwünscht, die Objekte zu berühren, so dass der Tastsinn wieder sensibilisiert wird.
Mit den Objekten , die in vielem ganz bewusst an japanische INRO erinnern , soll auch wieder der Sinn geschärft werden , das aufgrund des veränderten Kultur-und Kunstverständnisses viele nützliche Dinge aus dem Alltag verschwinden, die abgesehen von ihrer Nützlichkeit auch einfach schön und ästhetisch anzuschauen waren . So wie die erwähnten INRO , die im alten Japan Medizindosen waren , die am Kimonogürtel getragen wurden.

Die Philosophie, die hinter diesen Arbeiten steckt, macht auf jeden Fall einen Blick frei auf die Definition der „ Weite und die Unendlichkeit des NICHTS“ .
NICHTS kann ALLES sein – im philosophischen Sinn. Und so entsteht aus dem scheinbaren NICHTS eine Vielfalt, die Kreativität und Phantasie aktiviert und anregt, und darüber hinaus wieder die Sinne sensibilisiert und das Bewusstsein zu einer ganz eigenen Ästhetik weckt. Denn Papier ist etwas ganz Eigenes. 

 

 

  © Text und Objekte von MAR

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bags made by  MAR / silkandpaper/ Fotos: Ralf Schwieger- Paris /Info siehe Links – Taschen Handarbeit  von MAR

paper-andsilk-emblem.jpg… in eigener Sache: die Gedichte und Geschichten, Fotos und Bilder unterliegen dem copyright  hier in diesem Blog als                     © MAR /silkandpaper 

6 Kommentare »

  1. Wirklich tolle Objekte. 🙂

    Kommentar von Marvin — 7. Januar 2009 @ 8:57 PM

    • danke marvin… ,-)

      Kommentar von silkandpaper — 18. Januar 2009 @ 12:28 AM

  2. Das sind tolle Sachen. Ich bin beeindruckt. Wunderschön.

    Liebe Grüße

    Kommentar von marielautgedacht — 30. Januar 2009 @ 10:34 AM

    • vielen dank marie…. 😉

      Kommentar von silkandpaper — 1. Februar 2009 @ 6:16 PM

  3. Eine meiner Lieblingsseiten 🙂
    Ich würde gerne mehr davon sehen.(Event.sogar besitzen..)
    Danke Mar, LG Hatira

    Kommentar von Hatira — 23. November 2009 @ 4:33 PM


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