Silk and Paper

16. Mai 2017

gestEIN

Filed under: DER mensch als fremder ORT, sprach-RÄUME lyrik — Schlagwörter: , , — silkandpaper @ 7:28 PM

traummar

Tage brechen herunter ,

sie gleiten nicht leise , wie sonst, davon.

Der dumpfe Rhythmus allzu früher Morgen,

der die Nächte ausradiert,

als hätte es sie nie gegeben…

Im bröckelnden Gestein der Zeit

ist Erinnerung vergraben,

verschüttet unter schweren Lasten

des längst vergessenen Geschehens …

Im Geräusch fallender Steine,

hinter grauen Fäden aus Staub

versteckt sich ein Wispern.

Abwesenheit von Sprache.

.

©

6. November 2016

ZUgfahrt

Filed under: DER mensch als fremder ORT, Uncategorized, wahrNEHMungen — silkandpaper @ 1:33 PM

 

Zugfahrt durch Brandenburg

Als Vagabund in meinem eigenen Leben teile ich den Himmel mit Allen und auch dieses Gefühl, durch Zeit und Raum zu reisen, um wieder dort zu sein, wo es nach meinem Ich aussieht. Vorbei an Bahnhöfen und stillgelegten Gleisen, an zerfallenen Häusern und Bäumen, die durch den Zufall und der Hilfe des Windes dort Wurzeln geschlagen haben. Ich schaue zum Fenster hinaus und denke mir, wie es wohl sein würde, wenn ich ein Bewohner dieser oder jener Stadt sein sollte…die Scheibe zwischen Zug und Draußen macht einen transparenten Schnitt…ich fahre weiter, die Häuser huschen vorbei und möchte wie eine wohlerzogenen Fremde freundlich „Guten Tag “ sagen. Ich habe immer das Gefühl, dass Menschen in anderen Städten mehr Freundlichkeit verdienten, wenn man nur für Sekunden , nämlich in der Zeitspanne des Haltens auf dem Bahnhof, bei ihnen zu Gast ist. Menschen steigen ein und ich mache Platz am Fenster für eine alte Dame, die gern rausschauen möchte….Auch am Gang kann man gut sitzen und wie ein Voyeur andere Menschen beobachten, die es nicht bemerken, dass ich in ihren Gesichtern Geschichten lese….

Obwohl es regnete und es sehr ungemütlich schien, war doch die Heimreise eine wiederum schöne Erfahrung des Reisens. Schade nur, dass es immer so schnell vorbeihuscht, das Leben dort draußen, weil die Zeit der langsamen Züge ein für alle Mal vorbei ist. Ich möchte sehr gern mal wieder eine lange Wanderung machen, mit Übernachtungen im Freien und den Geräuschen der Dunkelheit. Aber dazu muss es einfach wärmer sein. Ich hoffe sehr, dass mir der nächste Sommer einige warme Tage beschert und ich in die Mark Brandenburg mal wieder wandere. Diese karge , mit Kiefern bewachsene Landschaft …

Diese Landschaft rund um Berlin bietet sich an, dass man sich seinen meditativen Gedanken hingeben kann…sich zu berauschen an der Leere , die den Horizont so nahe an mich herankommen lässt, sich unter den Alleen, die bis hinauf nach Polen die Straßen säumen, behütet und geschützt zu fühlen, sich in Kornfelder hineinzuwerfen und den Duft der Erde einzuatmen, mit den Augen ins Blau zu blinzeln, in ein Blau, aus dem ich mir am liebsten ein Stück herausschneiden möchte, um es als Splitter weiterzuverschenken… als Vagabund kann ich das tun, denn mir gehört die Welt in diesem Moment. Ich möchte den Sommer wie ein großes Glas Erfrischungsgetränk genießen, durch es hindurchschauen und die Perlen der Kohlensäure aufsteigen sehen, die mir, wenn ich es zu schnell trinke einen „hicks“ verpassen. Ich möchte die Süße der Aromen auf der Zunge spüren, sie erahnen , und die Frische eines Regentages gleichzeitig an meinen Lippen kitzeln lassen.

Die Landschaft lässt mich das sein, was ich immer bin: ein Kind dieser braunen satten Erde, ein Grashalm, eine Kirsche , ein Holunderbusch…Dieses Schwirren in der Luft , die mir zugleich Melancholie und ein Kribbeln im Bauch verspricht, dieses Rauschen des Vorstadtzuges, der Familien ins Grüne bringt, hinaus in die Natur und mich wieder nahe an mich selbst heran… Es wäre ein wundervoller Traum, dieses zögernde und heranschleichende Tänzeln an das , was Nähe ausmachen könnte. Unter einem Baum liegend die weißen Fäden der Wolken zu sehen, die in den Himmel ein zartes Gewebe malen, einen Schleier, der alle meine Gedanken und Träume hinweg nimmt und mich verbindet mit allen Menschen, die mein Herz rühren und verbindet mit denen, die sich in geistiger und sehnsuchtsvoller Verbundenheit an diesem Schleier zurück hangeln , um sich gleichermaßen im Blau der Träume und des Himmels zu gefallen und über dem Baum, unter dem ich liegen werde, die Worte und Gedanken durch die Blätter säuseln können. Berlin Frühherbst . Ich bin wieder hier.

 

 

 

 

 

 

 

.

wie immer Copyright  by myself

1. Oktober 2016

Seh(n)sucht nach der Leere


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Mongolei 2016

Anfangs konnte ich die Stille nicht beschreiben. Sitzend auf Steinen, den Blick über eine nicht enden wollende Weite geschickt, kam nur der eine Gedanke: wer hier noch mit sich und der Welt hadert, dem ist nicht zu helfen.
Hier versickert die Zeit und entschwindet dem Horizont entgegen. Der leichte Wind, streifend über Grashalme, Wildblumen, Gehölz, nimmt den Staub von meinen Haaren mit .
Zwischen zwei Steinkolossen schaukelt ein Spinnennetz. Fast einträchtig nebeneinander- eine große an Beinen behaarte Spinne und eine kleine Spinne , flinkere Spinne , die bei der ersten nicht vom Wind herbeigeführten Erschütterung am Netz flüchtet.
Durch das Netz schimmerte der Himmel wie blasses Wasser , geteilt in die abgerundeten Dreiecke des Spinnennetzes und ganz weit hinten, da wo man die Erde abrunden sah , klammerte sich schon die Dunkelheit an das Licht . Die klebrige Flüssigkeit an den Spinnenfäden glitzerten wie winzige Splitter aus Glas
Die Stille verändert sich und verschwimmt mit der Weite, die mich umgibt , zu einer Leere. Es scheint, als stünde man inmitten einer gläsernen Kuppel, die jedes Geräusch und jede Bewegung für Bruchteile von Sekunden auslöscht, fast so, als wolle diese Leere auch mich für diese Bruchteile nicht anwesend haben.
Wenn man inmitten der Wüste steht und die Dämmerung vom Rande der Erde langsam , wie einen schwarzen Flügel eines übergroßen Vogels auf sich zuschweben sieht , sieht man die wenigen Büsche inmitten dieser gelben , sandigen Fläche aufflackern .
Als ob die letzten Sonnenstrahlen fast biblische Worte herauf beschwören wollten – brennende Dornbüsche, flackernde Flammen , kurz bevor sich zu der schon vorhandenen Leere und Stille noch die pechschwarze Dunkelheit gesellte.
Doch sind es nur Momente von diesem Dreiklang Leere, Stille, Dunkelheit. Sobald sich das Auge an das Schwarz gewöhnt hatte , brachen durch die Himmelsdecke tausende und abertausende Sterne , die so funkelten, als wolle jeder einzelne dem staunenden Zuschauer zuzwinkern.
Wie in einem Spiel schienen Stille, Leere und Dunkelheit verschwistert zu sein, verbandelt um diesen einen Moment auszukosten, bis die Sternenpracht sich ausdehnt und dem kühleren Wind nun Raum gewährt. Um die wenigen Felsbrocken, die wie scheinbar in der Wüste verirrt schienen , strich die Brise aus dem Nirgendwo und ließ hörbar ein leises Geräusch zurück. Fast wie ein Seufzen oder ein leichtes Atmen.
An solchen Tagen mutete es sich an, als läge dieses Land auf einem anderen Planeten. Alles bezeugte, dass dieser Flecken Erde etwas ganz Altes ist, etwas so kraftvoll Ursprüngliches, dass man sich plötzlich seiner eigenen Dimension bewusst wird. Und seiner Kleinheit.
Die Draußenwelt mit ihrem Lärm, Schmutz und der Gier nach Reichtum war weit weg . Hier zählte nur der Moment, das Jetzt, das gerade Anstehende.
Für ein paar Tage und Nächte hörte man nichts von alledem , was außerhalb dieses Landes lag. Mittendrin im Wiegen des Steppengrases.

 

wie immer :  ©  bei mir

„Das Einfache, das eigentlich immer vor unseren Augen Seiende ist es, was dem Leben jede Doppelsinnigkeit nimmt und das Sein klar benennt.

https://silkandpaper8.wordpress.com/2016/09/29/leere-und-fulle/     „

29. September 2016

Leere und Fülle


wald-zeichnung

Eingemachtes  (2011)

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Kein Kärtchen wird es sein  , das eine neue Anschrift verkündet- sondern mehrere Gedanken, die mir kamen, als ich eines Morgens ganz anderswo aufwachte.
Der kurze Gedanke als Splitter eines fast vergessenen Refugiums , des Briefeschreibens zum Zwecke des Nachsinnens um Dinge, die etwas mehr bedürfen, als nur das Aussprechen oder des Zurückbleibens eines Fragezeichens; wie die Frage nicht unbedingt einer Antwort bedarf, weil sie selbst schon Antwort ist.
Und doch raubt manche Frage den Wörtern beim Aussprechen jeglichen Inhalt, weil das Was, Wie, Warum nur eine Fixierung von etwas Abstrakten ist.   Des Öfteren sogar Kehrbilder dessen, was man sagen will Das Schöne am aussprechen dessen  ist, dass es sich aus einer Gedankenwelt heraus zu etwas wandelt, was man fast anzufassen könnte- ein Ding ohne Dinghaftigkeit, und doch eine Wirklichkeit, die freischwebend über allem stehen kann, weil sie dem, was noch kein ausgesprochenes Wort ist, eine Möglichkeit gibt, sich dem Dinghaften anzunähern.
Zeit ist, wie ich schon seit Jahren darüber denke  und nachsinne , etwas, was dinghaft daherkommt, ja fast wesenhaft; wir geben der Zeit Raum und Begrenzung, indem wir sie zu Stückwerk verarbeiten, zu Tagen, Wochen, Jahre und Sekunden, Momente- und doch ist sie nur ein Provisorium , welches uns eine fragile Heimat zusichert…
Der Alltag in seiner manchmal erdrückenden Einfachheit geht an die Substanzen- oft meint man, dass der höhere Sinn des Seins in dieser ständigen Wiederkehr verloren ginge, und dabei ist es gerade diese Einfachheit der Wiederholungen, die alle Strukturen des Lebens an sich jeden Tag für uns erfahrbar und erkennbar macht.
Egal was wir tun, selbst wenn man alles Unvorhergesehene als Außerkraftsetzen des eigenen Lebensentwurfes bestätigt wissen will; es ist nur  ein kurzes Moment, das uns zum Nachdenken zwingt , und wir dennoch das Triviale tun – das Triviale, was uns davor schützt, unaussprechliche Wortgebäude fürs Dasein zu konstruieren, denn nichts anderes ist es, das Dasein… ein zeiträumliches , unser Denken begrenzendes Provisorium …
Das einfache im Alltag, das Wesenhafte der Dinge, das Benennen von Gegenständen, die wir berühren, sind Vorstufen zum Sein, welches vom Da-sein bis zur Vollendung geführt werden.
Geht etwas zu Bruch, ist es nicht mehr… so glauben wir zumindest, und wir denken, wir bräuchten diese Splitter und Scherben nicht unbedingt… doch und wie Splitter, wie Scherben sehe ich Dasein und Sein durch das Universum treiben, Wegelagerer, die irgendwann auf den selben Zug aufspringen…
Dasein und Sein sind Abstrahierungen, die wir uns zugestehen zu  glauben, dass beides dasselbe sei. Und dabei macht man doch tagtäglich ganz andere Erfahrungen, die zwar das Dasein, auch das der Dinge,  begrenzt relativieren und somit benennbar machen, aber das Sein als geheimnisspendendes Ewige beunruhigt uns,  und glaubt uns wissen zu machen, dass wir in dieses Ewige ganz und gar eingehen, verschmelzen, wenn das Dasein endet.
Eine kurze Zeitspanne – und doch angefüllt von Da-seiendem und auch dem Abwesendem …so ist dieses halbe Jahr , das ich hatte, um der noch heimatlosen neuen Wohnung meinen Atem einzuhauchen.
Als ich die Decke meiner Wohnung anstreichen wollte, rieselte das Stroh und der Putz auf mich hernieder und mit allerlei Werkzeug und meinem Tun habe ich mir schnell wieder das Dach über dem Kopf repariert. Dort etwas und da etwas, und die Zeit schmolz zusammen und es war “Arbeitszeit”.
Langsam aber sicher kommt die Zeit, wo ich wieder etwas mehr Stunden aufbringen kann , mich auch wirklich umzuschauen und die Gegenstände und Möbel, die Situationen und Erinnerungen an Altes wieder ihren ursprünglichen Namen erhalten: Heimat für die Heimat in mir selbst…

Es fehlte zuweilen an Gestaltenfülle, an der geistigen Nahrung , die eine gute Tasse Kaffee zum Kaffee macht- es fehlen mir die Kaffeehäuser, wo man sitzen, Zeitung lesen und palavern kann, so recht aus dem Stegreif;  und dann gehen mir manchmal die Gedanken durch, wenn der Kopf raucht .
Nirgends habe ich diese Lust am so gar nicht sinnfreien Schwatzen erlebt, als in der Erinnerung an meinen Vater,  an den Kaffee nach dem guten Essen. Mein Vater hat ihn immer in einer Selbstverständlichkeit gefordert, weil dessen Familie diesen Brauch aus der alten Heimat  bis ins Heute bewahrt hat. Ein bisschen haftet mir diese Erinnerung an, weil ich sie in meinem Tun lebendig halte.
Doch auch Trauer nach dem Erkennen des  Verlustes,  dem Wiederfinden von  Momenten der Zerrissenheit . Zwischen Kindheit und dem Umherziehen in fremden Städten, zwischen dem Hinüberretten von familiären Bräuchen und Traditionen blieben nur Bruchstücke erhalten, Ob man aus Alt Neu machen könnte, wenn man die Fragmente wieder in eine brauchbare Form bringen kann?

Bräuche haben es etwas Heimatliches an sich, so denke ich zuweilen.
Bräuche – braucht man und so schlägt es wieder den Bogen zum neuen Heim, welches langsam wieder zu dem wird, was es in der alten Wohnung war…
Es ist paradox, doch den Sinn im “Verlassen der Heimat” als Verlust zu empfinden, finde ich in mir nicht wieder.
“Heimat” ist man doch immer selbst. Anfangs scheint es, dass man beim Verlassen des Vertrauten fast so trauert, wie um einen Menschen, und wenn ich daran denke, wie sehr mich damals die schiefe Tür meines Badezimmers an die Familie Sahin  erinnerte, an ihr zweites Zuhause , oder besser an ihre neue Heimat… wird es durchscheinig , wie das Triviale auf Gegenstände und Situationen zielt ( denn Triviales muss einfach sein…) um sich nicht im Dschungel entglittener Gedanken wiederzufinden .
Es  ist es wohl eine Wahrheit, die man im Seinsprozeß macht: Abschiede sind das vorübergehende Reduzieren der Wirklichkeit. sie sind eine kurzfristige bedeutungsschwere Trauer, die, wie hier zum Beispiel, die Heimat in eine Begrenzung zurückwirft.
Hier war es die Tür, die für das Eintreten und Hinzukommen einer ganzen Familie stand – und doch nur eine Zeitsequenz Dazugehöriges sein,  kann für die Dauer ihres  Wohnens,  und nun auch von mir verlassenen Wohnung.  Oder auch  das Rattern und Vibrieren der U-Bahn, die symbolisch für das immerwährende Kommen und Gehen stand, für Menschen, die unwissentlich durch mein Leben hindurch fuhren …
Dass diese Erinnerungen mehr als bloße ästhetisch-anmutende Darbietungen meines Lebens sein müssen, mehr als Grenzhaftes, welches sich auf Jahre festlegen lässt, erfahre ich nun wieder neu.
Mag sein, dass es der Frühling mit der Erneuerung von erwachendem  Leben wiederum einen flüchtigen Blickwechsel erlaubt mit den Dingen , die man verloren, entschwunden oder versteckt geglaubt hat , aber die Wirklichkeit der Jahreszeiten , ihres einfachen Daseins , welches das menschliche Sein in Hochgefühle und Lebensfreude katapultiert, sie macht, dass sich die vermeintliche Leere wieder füllt.
Fast bin ich geneigt zu sagen, es sei das helle, gelbe Licht, welches sich wie ein sorglos-anmutender Schleier einer Braut über alles noch Winterliche legt; aber es ist eigentlich der Schatten, die tanzenden Linien der Äste eines Baumes, die vom Licht künden.           Wäre der Schatten nicht, würde ich das Licht nicht erkennen und auch nicht benennen können.
Das Einfache, das eigentlich immer vor unseren Augen Seiende ist es, was dem Leben jede Doppelsinnigkeit nimmt und das Sein klar benennt. Es ist nicht an magisch heraufbeschworene Bedingungen gebunden, nicht ans Rätselhafte oder unsichtbar Verworrene- es ist wie die Wurzeln jenes Baumes… Es ist einfach da.
Das Was, Warum und Wie – benennen muss es nicht. Man muss es nur sehen.

MAR /silkandpaper 2011

(more…)

12. September 2016

mongolei wüste gobi wüste karakourum kurze EINdrücke 2016

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img_20160824_165306-1img_20160824_161452img_20160824_065037img_20160824_131033img_20160824_124040img_20160824_064930gobi-abendimg_20160819_161858hinter-unserer-jurte

 

27. November 2015

Filed under: DER mensch als fremder ORT, sprach-RÄUME lyrik, Uncategorized — silkandpaper @ 6:48 AM

 


glut 

Der Morgen wäscht die Nacht vom Himmel,

im roten Gewande steht er in dem Raum…

durchschreitet die Weite,

dort, wo alles Platz hat sich festzuhalten.

Meine Seufzer und auch mein  Lachen

berühren Tage und Wochen und schweben davon

in bauschigen Wolken mit dem Geruch von Winterschnee

und münden wie schmelzendes Eis in jenen Versen,

die an kalten Tagen

die ruhende Barke am Ufer zum Schwanken bringt.

 Himmelsstürmer , die letzten Vögel ,

die davonfliegen zum nahen Baum ,

um wie Tupfen in der grauen Landschaft,

die ausgefranst und kalt und immer wieder neu gezeichnet,

eine Ahnung zu sein ,

vom Lebendigen zwischen all dem Schweigen.

Auf den Zweigen knarren auch meine Worte,

die den Draußenort zu einer Landschaft verdichten,

sich mit dem Holz verzargen , um nun im ersten Licht

zum Nichts zu verglühen; als weißer Rauch für einen Tag…

©

MAR 

22. November 2015

ERinnerungen

Filed under: DER mensch als fremder ORT, kurzgeSCHICHTen, privat, wahrNEHMungen — silkandpaper @ 7:21 AM


Als ich noch Kind war, sagte mein Vater, dass jede Schneeflocke ein guter Gedanke sei, der nun als kleiner Stern hernieder fällt auf die Erde um zu helfen, die Düsterkeit der zu früh hereinbrechenden Nächte auszuleuchten. Wenn man dann tagsüber durch dieses herabgefallene Sternenmeer liefe, würde man ein leises Knirschen hören…

Er meinte, ich solle dem Knirschen des Schnees gut zuhören, denn dies wären die
Worte, die in diesen Gedanken versteckt wären.Jeden Morgen lief ich
zum Fenster um zu schauen, ob es geschneit hätte. Stundenlang konnte ich
schweigend durch den Park laufen. Ringsum war es von einer besonderen Stille.
Der Park war ein großes weißes Zimmer, welcher alle lauten Geräusche
verschluckte, damit man den eigenen Schritten lauschen konnte. Wenn es begann zu
schneien, öffnete ich meinen Mund und fing mit meiner Zunge die Schneesterne
auf. Sie zerrannen sofort.
In meinem kindlichen Glauben war ich mir sicher,
dass ich ein paar gute Gedanken auf meiner Zunge schmelzen lassen würde.

Später,wenn ich durchgefroren und müde nach Hause kam und die Eltern mich fragten, wie denn der Nachmittag mit den Freunden war, was ich denn erlebt hätte, erzählte ich davon, wie ich diese oder jene Flocke erhascht hatte. Ich plapperte und plapperte. Meine Eltern schmunzelten und mein Vater meinte, es müssten aber viele Schneegedanken gewesen sein, die ich heute gegessen hätte.

Über den Winternächten meiner Kinderzeit lag immer ein besonderer
Schimmer. Es waren Nächte voller Geschichten. Voller Geheimnisse. Ich wollte vom
Vater wissen, was denn mit all den guten Gedanken geschähe, die in diesen
weichen Flocken zur Erde herabschwebten und deren leise knirschenden Worte man
nie richtig verstehen konnte. Sie würden doch schmelzen und versickern, sie
würden einfach weg sein! Aber nein, sagte er, sie verstecken sich nur unter der
Erde. Die guten Gedanken würden dann als Grashalme aus der Erde sprießen. Ich
schaute den Vater ungläubig an und lachte dann los.

Er schmunzelte und wusste wohl, dass ich ihm hier nicht glauben wollte, doch er wäre nicht mein Vater gewesen, wenn er keine Erklärung gefunden hätte. Siehst du, Gedanken und Worte kommen in vielerlei Gestalt daher. Als Schnee, der knirscht, als Gras, das rauscht, als Musik, die ein Lied wird. . Deshalb solltest Du immer die Ohren
spitzen und auf die Dinge um dich herum gut achten, damit du später, wenn du
groß sein wirst, immer die richtigen Worte findest.


Mein Vater deckte mich zu und blickte zum Fenster. Draußen schneite es immer noch. Und ich wünschte mir viel Schnee.

.

diese Geschichte habe ich auch unter Pseudonym   anderswo veröffentlicht

 

 

1. November 2015

ZEITengrenzgänger

Filed under: DER mensch als fremder ORT, going underGROUND, wahrNEHMungen, WEGkreuzungen — silkandpaper @ 7:12 AM

Zeitengrenzgänger

20 Zeilen, 50 oder manchmal nur 10. Und dann ein Punkt. Das Buch sinkt in
meinen Händen und ruht sich aus auf meinem Schoß. 200 Seiten Buchstaben, die
leise wippend und zitternd an jeder Station sich von neuem ordnen müssen. Und
wenn ich sie wieder an mein Gesicht führe, vor meine Augen, die hungrig sind
nach Druckerschwärze, stillen sie meine Sehnsucht nach fast Vergessenem.

Ich dachte mir ein bisschen frech, dass ich mindestens 10 Seiten pro Fahrtrichtung
lesen werde – doch nun bin ich, nach einigen Tagen des Querlesens zur Erkenntnis
gekommen, dass ich so etwas nicht machen kann. Es wäre ein Frevel, eine
unverzeihliche Eile. Nun bleibe ich auf den Seiten lange haften; blättere zurück
und manchmal bewegen sich unsichtbar, und nur für mich allein, meine Lippen.

Mein Gesicht verschwindet hinter den Blättern, so nah, dass mein Sitznachbar nicht mitlesen kann. So etwas mochte ich noch nie, denn ich habe dann immer das Gefühl, als würde ein Jemand aus meinen Gedanken heraussuchen, was ihm ohnehin nicht Auskunft geben könnte, wieso ich dieses Buch und kein anderes lese. Ohnehin würde er falsche Schlüsse ziehen über mich. Wer ich bin, das kann man nicht über einen Blick meiner Schulter definieren, nicht über zwei, drei mitgelesene Worte. Es soll kein Egoismus sein, es ist eben nur eine Marotte von mir.
Früher hatte ich ein Blatt einer Zeitung als Umschlag benützt, Es
war immer erst mein Geheimnis, bevor ich es mit anderen teilte. Sogar das
Titelblatt.

Ich bin kein Bestseller-Leser und es kommt kaum vor, dass ich im Mainstream schwimme, wenn es um Bücher geht. Ich meide Stapel, die zu Türmen
aufgerichtet in Buchläden das Licht schlucken und das Gefühl vermitteln, dass
ich ganz klein wäre, weil ich noch nicht jeden Buchstaben aus diesem Berg von
„the best“ kenne. Ich finde, Bücher sollen Menschen wachsen lassen und nicht
klein machen.

Wenn ich Bücher lese, dann habe ich eine Reise vor mir. Der erste Blick auf die erste Seite, das Überfliegen des Klappentextes, die Fußnoten, die Personenanhänge…das sind alle Entdeckungen, die ich aufsauge und sie bleiben in mir; und jeder Buchstabe, jedes Wort kriecht in den letzten Winkel meines Selbst. Nichts kommt mir mit so viel Aufforderung zur Phantasie entgegen, wie Seiten eines ungelesenen Buches.

Die Protagonisten meiner Bücher fahren mit mir U-Bahn .Sie sitzen mit mir auf einer Bank oder hängen mit einem Arm am Haltegriff. Sie lassen mich teilhaben an ihrem ganz menschlichen Chaos und an dem Alltäglichen. Und sie müssen mit meinem Chaos leben lernen, wenn auch nur schaukelnd und zitternd auf Papierseiten gebannt, und verblättert zur nächsten Seite….

Manchmal müssen sie tagelang mit mir hin-und herfahren,
weil sich ihr Leben träge und schwer durch den Tag quält. Und das, obwohl ich
beschwingt bin.

Doch mit diesem Buch, was seit einer Woche Heimat in meiner
Tasche fand, ist alles etwas anders.
20 Zeilen, 50 Zeilen, vielleicht eine Seite. Zwischen jedem Wort ist ein anderes Leben versteckt. Ganze Universen und Galaxien ! Ein Satz, den ich mit den Augen abtaste, scheint aus verschiedenen Leben zu sein. Die scheinbare Absurdität ist die Sprache unter der Sprache und eigentlich ist jedes Wort, was dort steht, schon zu viel. Man hat das Gefühl, er ist einer der Autoren die mit Nichtgeschriebenem noch mehr ausdrücken können, als mit Worten. Und dass es sich so unmittelbar offenbart, das ist etwas Seltenes.
Reduziert auf Wesentliches. Jede bunte Bemalung oder helle Belichtung der Worte wäre Zerstörung. An diesem Wesentlichen muss man stehenbleiben und die Wucht der scheinbaren Klarheit innerlich aushalten.

Jede kleine Story hat ihre Geheimnisse, sind Räume mit Wänden und einem Fundament, welches manchmal schwankt. An manchen Geschichten geht man mit einem Lächeln vorüber und trägt einen Duft mit sich fort, der sanft betäubt, dann aber, wenn die Kopfnote, wie bei einem Parfum, verflogen ist, die Herznote offenbart. Atmosphärische kleine Welten, die wie zufällig hier auf unserem Planeten zurückgelassen wurden.

Richard Brautigan’s Universen aus dem Tokio-Montana-Express fallen herab wie Schnee. Sie fallen auf mein Gesicht, sie fallen auf meine Hände, legen sich auf meine Schulter und sie schmelzen nicht. Was für ein merkwürdiger Zustand.

Ich lese und lese und ich denke, dass dieser Mann irgendwann einmal durch mein Leben spaziert sein muss, als ich selbst dort war, in Japan, meiner Herzenswelt, wo er auch weilte.
Er scheint wie ein Unsichtbarer durch mich hindurch gelaufen zu sein. Einige meiner Erinnerungen hat er scheinbar mit sich genommen. Oder hat er seine Erinnerungen in mir vergessen?

Ein Zeitengrenzgänger.

Aber sind das nicht alle Menschen, die sich auf Bücher einlassen? Doch wer geht schon ständig auf der Grenzlinie spazieren?
Wo war er, als ich dort war? In welchem Abteil des Zuges, der in die gleiche Richtung
fuhr…?

12 schwarze Zeilen auf weißem Papier. Ganz dicht an sich gedrängt,
damit der Inhalt nicht so einfach aufsteigt wie Atem. Worte als Aggregatzustände.

Ich blicke von meinem Buch auf und stelle fest, dass ich eine Station zu weit gefahren bin. Heute werde ich zu spät kommen, dachte ich.
Aber ich dachte auch, dass es nicht tragisch sei, wenn ich mich eines Freundes
wegen verspäte. Dieses Buch ist mein Freund. Und der Mensch, der es mir
empfohlen hat, verdient meine ferne Bewunderung. Er kannte mich kaum , aber woher wusste er nur, dass im Tokio-Montana-Express unfassbar viel versteckt war , was ich schon lange verloren glaubte und unbedingt wiederfinden sollte…
Ich ahne, dass manche Fremde manchmal mehr von einem wissen, als es manchmal Freunde je können.

Abends nehme ich, um nach Hause zu kommen, eine andere U-Bahn-Linie. Etwas erschöpft vom Tag, der ein bisschen melancholisch war. Wie auf Reisen. Man weiß, irgendwann kommt man an, doch ich sitze immer noch in diesem imaginären Express aus den Gedanken eines Dichters und kann den Zug nicht verlassen. Trotzdem muss ich irgendwo an einer Station aus der U-Bahn aussteigen. Boddinstaße. Hier war ich schon lange nicht mehr. Obwohl ich für 3 Jahre hier gelebt hatte. Ich laufe zur Treppe, die zur Straße hinauf führt. Oben höre ich den Verkehr und fernes Rufen und Lachen fremder Menschen. Lärm.

Ein Graffiti, mit weißer Farbe mitten vor die Stufen
geschrieben, lässt mich für nur 3 Sekunden länger verweilen.

Zwei Worte
stehen da: „Kopf hoch!“

Weiße Buchstaben auf schwarzem Grund.
Und ganz klein daneben hatte jemand hinzugefügt: Das Leben ist schön!
Doris Prabhu aka MAR

Ps. Das Graffiti findest Du in der U-Bahnstation Boddinstraße- in der Hoffnung, dass es dort lange lesbar bleibt

Der Lesetipp kam von J….  zwischen Tür und Angel .

ps: Inzwischen sind  Monate vergangen. Tausende von Menschen sind über das Graffiti hinweggelaufen.  Nun ist es ganz verblasst und nur wenn man ganz ganz nahe heran geht, kann man es noch gerade so lesen.   April 2012

pps Jetzt haben wir November 2015. Der U-Bahnhof Boddinstraße wurde saniert und repariert. Alle Spuren sind verschwunden.

 .

30. Juni 2015

Sommer in Südbaden

Filed under: DER mensch als fremder ORT, Uncategorized, wahrNEHMungen — silkandpaper @ 12:09 PM

blau1

Sonntag- frühmorgens

Wieder aus der Zeit herausgefallen. Ringsum ist Leere und Stille in einer beängstigten, fast barockenen Pracht. Wiesen zittern in hellem Gelb und der Übergang vom Tag zur Nacht und von der Nacht zum Tag wird in allen Nuancen von Blau in den Himmel aufgetupft. Morgens wirft sich noch ein zarter Schleier aus Nebel über das Dorf und zeichnet es wie ein Bild aus Wasserfarbe hinein in das satte, nasse Grün. Von weit her hört man eine Stimme, die sogleich wieder vom Rauschen der jahrhundertjährigen Kandelaberkiefern verschluckt wird. In der sonntäglichen Frühe liegt das Dorf wie ausgestorben da. Eine Kellnerin macht sich vom Rösslehof auf den Weg ins Dorf- sie trägt schon ihre Tracht, weite, weiße Unterröcke und Spitzenbesatz, darüber ein dunkelgrünes, kleingemustertes Kleid mit einer burgunderroten , bodenlangen Schürze. In dem morgendlichen Erwachen wirkt sie wie ein Fremdkörper. Die Stunde nach dem Erwachen der Landschaft ist von einer Weite getragen, die nicht nur Träume, Erinnern, Gefühle und Gerüche in sich aufzusaugen scheint. In dieser Stunde wird die Stille vermessen, die Leere bekommt plötzlich Raum und der Tag erhält seinen besonderen Anstrich.
Die Schritte der Frau hallen auf dem Pflaster; sie stören und zerschneiden das gerade begonnene Gemälde in meinem Kopf. Die Leere, der frischgeborene Morgen, die in sich zusammengehaltene Stille wird augenblicklich weg gewischt.

Mich beschleicht der unschöne Gedanke, welch ein Störfaktor in manchen Augenblicken menschliche Wesen sein können. Zugleich ärgere ich mich über mich selbst, denn auch ich darf mich als Störfaktor nicht ausnehmen, auch wenn ich ruhig da stehe und die Weite auf mich wirken lasse.
Nach dem ersten unschönen Gedanken folgt dann auch schon der zweite – eher eine Beobachtung. Je weiter und ausgedehnter und je leerer von Menschen die Landschaft vor einem liegt, umso enger und konventioneller wirkt ein Mensch darin. Dieses Herkömmliche, Gewohnte des Menschen trägt einen Schatten auf die Vollkommenheit auf. Nicht so ein pudriger, verwischter Hauch, sondern ein harter, dunkler Strich, der wie ein Federmesser einen tiefen gezielten Schnitt durch ein Bild zieht, der alles zerstört.
Die Nacht und mit ihr die Dunkelheit hat in den Stunden des Ruhens und des Atmens ein Abbild von Schönheit und natürlicher Vollkommenheit gezaubert, welche in einem einzigen Moment zerrissen wird.


hiza wiese

Sonntag- nachmittags
Eigentlich braucht man nicht in melancholische, französische Filme zu gehen. Ich meine jetzt solche Filme, die auf den tiefen Grund des Daseins hinabtauchen und dem Resteuropäer glauben machen will, dass nur die Nouvelle Vogue , voran mit Truffaut, Godard und Resmais in der Lage war, die Tristesse des alltäglichen Lebens so gekonnt darzustellen, dass man danach zu streben suchte, nur wie die Helden auf der Leinwand zu leiden, zu lieben und zu sterben. Man könnte zu dem Schluss kommen, dass das einfache profane Leben eines Hochschwarzwaldbauern nicht genug Handlungsspielraum böte, um ohne in einen Heimatschinken zu verfallen, die Schwere des nichtsnutzigen Lebens darzustellen…
Weit gefehlt.
Zwischen Mahd und einer sonntäglichen Jause regt sich in einem Dorf wirklich nichts mehr. Der Gedanke, dass der Tod hier gerade seinen Urlaub macht, liegt sehr nah. Der Anblick eines einsamem Grashalmes, der in einer weichen Windböe zittert, bohrt sich mit Schmerz in des Wanderers Körper. Die Trauer einer ganzen Welt versammelt sich auf der einsamen Dorfwiese und das Rauschen des trocknenden Grases klingt wie Weinen und Wispern, so als wäre noch das verhallende Gebet des morgendlichen Gottesdienstes hier zu Gast.
Sonst hört man nichts. Man kann sich verinnerlichen, dass man trotz des Wissens, dass hier Menschen leben, sehr, sehr einsam ist. Auf der Dorfstraße nähert sich ein Auto. Die Räder reiben sich auf dem warmen Asphalt mit nur einen Wusch: schnell weg von hier. Wie in einem schwarz-weißen Film schieben sich düstere Gedanken zwischen die Geräusche der Stille, dem Reiben der Reifen, dem Rascheln des Grases. Wenn man hier stürbe, jetzt gleich, gäbe es niemanden, der es bemerken würde. In drei Stunden vielleicht, wenn mal eine dickliche Frau beim Bäcker den Feiertagskuchen abholen will. Oder ein Kind, welches sich gelangweilt zu Nachbars Zaun trollt, um dort eine Blume abzureißen.
So viel Einsamkeit an einem Ort bekommt schon das Prädikat „ besonders erwähnenswert“. Leider dreht man keinen Film darüber. Na ja, vielleicht einen Zeichentrick-Manga- Comic -Strip, der die Traurigkeit eines Feiertags auf einem deutschen Dorfe so lustig und zum Brüllen komisch darstellen würde, das er vielleicht zum Kassenschlager werden könnte, wenn es denn hier ein Kino gäbe.
Die runde Wiese mit den geköpften Blumen und dem geschnittenen Gras trauert noch vor sich hin , wiegt sich in der Stille des dahinsterbenden Tages, da dröhnt und poltert es mit einem Höllenlärm hinter meinem Rücken los. Eine Rennfahrergruppe prescht wie ein Schwarm großer gieriger Tiere auf Gerätschaften einer sogenannten Zivilisation und ihrer technischen Möglichkeit der Fortbewegung über den Weg durchs Dorf. Die Helme sehen aus wie Köpfe übergroßer, gefährlicher Wespen. Der Fahrtwind zwischen den Speichen singt und schnurrt. Die Melancholie geht dahin.
Hier wäre jetzt der Abspann, der Soundtrack würde sich in den Singsang der Speichenmusik einfädeln und wenn die Radfahrer stoppen, würden die Geigen einsetzen, die dann der Kamera folgend, klangvollendet den Vorhang senken lässt.
Sagt mir mal einer, dass man mitten im dörflichen Wohlstand und grüner Pracht nicht traurig sein kann. Filmreif. Und Schnitt.

2. März 2015

Enis Behic Koryürek / An den Ufern der Donau

Filed under: DER mensch als fremder ORT, Uncategorized, wahrNEHMungen — silkandpaper @ 11:18 AM

Evimden uzakta, annemden uzak;
Kimsesiz kalmışım yad ellerinde.
Bir vefa ararım kalbe dolacak
Gurbetin yabancı güzellerinde.

Tuna’nın üstünde güneş batarken
Sevgili yurdumu andırır bana.
Bir hayal isterim Boğaziçi’nden
Bakarım “İstanbul!” diye her yana.

İstanbul! Ey sedef mehtaplarından
Hülya gözlerime ilk ışık veren!
Buranın ufkunda yanıp tozlanan
En munis renge de biganeyim ben.

Ah, orda renklerin -şark güneşile
Naz eden- sihirbaz ahengi vardır.
Bu akşam yurdumu andırsa bile
Ah, orda akşamın bin rengi vardır.

*

Weit von meinem Haus, meiner Mutter fern;

Verlassen, allein,in fremden Händen

mir unbekannter exotischen Schönen

Sucht mein Herz nach ewiger Treue.

Mit der Donau verschmilzt die Abendsonne,

in mir das Heimatland verflochten,

davon ein Bild, inmitten des Bosporus

auf das vor meinen Augen Istanbul erstehe.

Istanbul, mondhelles Perlmutter,

meiner Augen Luftschloss, erstes Licht am Ufer, 

angestaubt der Horizont,

die aufgetragenen Farben in mir fremd

Ach, dort des Ostens Tagesschimmer

Verzierte Illusion mit derlei Farben,

meinem Heimweh gleich an diesem Abend.

Ach, dort die Abendröte tausend Farben hat!

Deutsche Interpretation  silkandpaper / MAR  ©

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