Silk and Paper

24. März 2016

BLAUes Gewand

Filed under: privat, sprach-RÄUME lyrik — silkandpaper @ 11:33 AM

Am Saum der Kontinente ,
aufgefädelt das tiefe Blau des Meeres.
Die Welt, eine Dame im Wolkendunst
auf der Suche nach gelber Seide,
wirft sich im Auf-und Abwoben
an die Strände.

Knöpfe aus Permutt und
bernsteinerne Fibeln halten das Gewand
aus Traum und Erwachen,
und die  Sirenen, ihre Kammerzofen,
halten immer noch nach Odysseus Ausschau .

Am Saum der Kontinente
werden wir angespült, winzige Organismen
inmitten von Galaxien.
Auf der Suche nach dem, was wir nie verloren,
weil wir es nie besessen hatten.

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22. November 2015

ERinnerungen

Filed under: DER mensch als fremder ORT, kurzgeSCHICHTen, privat, wahrNEHMungen — silkandpaper @ 7:21 AM


Als ich noch Kind war, sagte mein Vater, dass jede Schneeflocke ein guter Gedanke sei, der nun als kleiner Stern hernieder fällt auf die Erde um zu helfen, die Düsterkeit der zu früh hereinbrechenden Nächte auszuleuchten. Wenn man dann tagsüber durch dieses herabgefallene Sternenmeer liefe, würde man ein leises Knirschen hören…

Er meinte, ich solle dem Knirschen des Schnees gut zuhören, denn dies wären die
Worte, die in diesen Gedanken versteckt wären.Jeden Morgen lief ich
zum Fenster um zu schauen, ob es geschneit hätte. Stundenlang konnte ich
schweigend durch den Park laufen. Ringsum war es von einer besonderen Stille.
Der Park war ein großes weißes Zimmer, welcher alle lauten Geräusche
verschluckte, damit man den eigenen Schritten lauschen konnte. Wenn es begann zu
schneien, öffnete ich meinen Mund und fing mit meiner Zunge die Schneesterne
auf. Sie zerrannen sofort.
In meinem kindlichen Glauben war ich mir sicher,
dass ich ein paar gute Gedanken auf meiner Zunge schmelzen lassen würde.

Später,wenn ich durchgefroren und müde nach Hause kam und die Eltern mich fragten, wie denn der Nachmittag mit den Freunden war, was ich denn erlebt hätte, erzählte ich davon, wie ich diese oder jene Flocke erhascht hatte. Ich plapperte und plapperte. Meine Eltern schmunzelten und mein Vater meinte, es müssten aber viele Schneegedanken gewesen sein, die ich heute gegessen hätte.

Über den Winternächten meiner Kinderzeit lag immer ein besonderer
Schimmer. Es waren Nächte voller Geschichten. Voller Geheimnisse. Ich wollte vom
Vater wissen, was denn mit all den guten Gedanken geschähe, die in diesen
weichen Flocken zur Erde herabschwebten und deren leise knirschenden Worte man
nie richtig verstehen konnte. Sie würden doch schmelzen und versickern, sie
würden einfach weg sein! Aber nein, sagte er, sie verstecken sich nur unter der
Erde. Die guten Gedanken würden dann als Grashalme aus der Erde sprießen. Ich
schaute den Vater ungläubig an und lachte dann los.

Er schmunzelte und wusste wohl, dass ich ihm hier nicht glauben wollte, doch er wäre nicht mein Vater gewesen, wenn er keine Erklärung gefunden hätte. Siehst du, Gedanken und Worte kommen in vielerlei Gestalt daher. Als Schnee, der knirscht, als Gras, das rauscht, als Musik, die ein Lied wird. . Deshalb solltest Du immer die Ohren
spitzen und auf die Dinge um dich herum gut achten, damit du später, wenn du
groß sein wirst, immer die richtigen Worte findest.


Mein Vater deckte mich zu und blickte zum Fenster. Draußen schneite es immer noch. Und ich wünschte mir viel Schnee.

.

diese Geschichte habe ich auch unter Pseudonym   anderswo veröffentlicht

 

 

18. Juni 2014

Und wieder mal hat Ralf einen Preis gewonnen.

Filed under: privat — silkandpaper @ 11:39 AM

 

ralf

15. Juni 2014

FRAGmENte

Filed under: DER mensch als fremder ORT, kurzgeSCHICHTen, privat, wahrNEHMungen — silkandpaper @ 4:44 PM

 

Foto © Ara Güler

Foto © Ara Güler

Die erste Fähre

Alles hat anders angefangen. Momente in der Zeit , die überraschend sich ändern, wenn man nach Ausflüchten oder Erklärungen sucht, wenn man sich für etwas  rechtfertigen wollte oder auch nur, um dem Moment,  der abrupt eine Wende nahm, einen Anfang zu schenken. 

Alles hat anders angefangen, es war nicht immer wie letzte Nacht …so begann auch er, und packte den Stapel loser Bögen fast unachtsam auf die noch vom Regen feuchte Bank neben sich, legte dann die Handflächen auf die Oberschenkel und bog vier Finger seiner Hand zu einer kleinen, offenen Faust;  er zuckte aber sogleich wieder zurück –   die Bügelfalten!   Immer und immer wieder hatte ihn wohl  auch seine Mutter erklärt, dass einen feinen Herrn ausmacht, dass die Bügelfalten in jeder Situation überall scharf und geradlinig den Stoff optisch teilen sollten… Oder war es eine Verlegenheitsgeste, dass seine Hände sich in die Beine krallen wollten und nur die Scheu, andere könnten seine Enttäuschung oder Trauer sehen, hielt ihn ab.  

Der Freund, der ihm gegenüber saß, blinzelte ihm zu und meinte nur, ach so – und geendet hat es anders? Augenblicklich wurde ihm gewahr dass er sich über den Freund lustig gemacht hatte und versuchte, den missglückten Scherz in eine andere Richtung zu lenken und setzte eine ernste Miene auf…Es folgte ein langes Schweigen

Nein, meinte er, sprang von der Bank auf  und beschrieb dramatisch mit den Armen einen halbrunden Bogen und schaute dabei hinauf zum morgendlich blass ausgesternten Himmel. Nein, das meinte ich nicht, sprach er zu sich selbst und dann sah er seinen Freund aus den Augenwinkeln an . Siehst du nicht, wie unerreichbar das Tiefste, das Blaueste, das Unberührbarste ist?  Dieser Himmel, dieses Wunder, welches meine ganze Seligkeit beschreiben kann.  Dann wird es hell und alles ist weggewischt.  Oder dort, diese zitternde, welke Blüte, die auf dem Wasser schaukelt, und die uns beim längeren Hinschauen etwas vorgaukeln kann, was gar nicht da ist. Die Nacht geht,  als hätte sie es nie gegeben…

Du denkst, das Schicksal sei grau. Du denkst, es sei wie diese dunkle Wolke, die über den Köpfen dahingleitet, und dass es hier und da  gerecht etwas von seinen Wehmutsliedern und Freudentrillern verteilt, aber dem ist nicht so. Das Schicksal ist weiß. Es ist ein ausgefranstes Stück Papier. Da, wo gestern noch die Worte standen, die ich für meine  Einzige  geschrieben habe, sind Buchstaben ausradiert und Satzzeichen abgerissen und nun liegt es an mir allein, sie wiederzufinden.  Man  geht auf die Suche und jedes Mal, wenn man denkt, dass sich das Schicksal erfüllen könnte, weht ein Wind daher und reißt dir das soeben Gefundene wieder aus den Händen.

Einen Schritt rückwärts taumelnd griff er nach dem ersten Bogen, der mit zahlreichen durchgestrichenen Wörtern versehen, und nun zwischen seinem Zeigefinger und Daumen im Fahrtwind tanzte 

Du denkst das Schicksal sei grau, weil die Tinte, die im Regen verläuft, sich so ins Weiß frisst, dass es von Weitem so scheint, als würde es zu einer Pfütze verschwimmen. Es ist alles ganz anders. 

Mit den letzten Worten nahm er sein Manuskript und warf es von der Fähre. 

 

 

 

 

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Foto © Ara Güler

Foto © Ara Güler

Am Morgen

 

Es roch nach Wasser. Und auch nach Verbranntem .

Das Streichholz glimmt langsam aus, krümmt sich und bleibt verformt im Aschenbecher liegen.

Der Herr aus Istanbul lehnt sich zurück und lässt den Blick über die feuerrote Zigarettenspitze schweifen. Drüben, auf der asiatischen Seite macht wahrscheinlich gerade der Fährmann das kleine Boot startklar und wird sich sicher nicht in die süße Melodie der Wellen verlieben können wie er, der eigentlich die Nacht ausklingen lässt und bereit ist, diesem frischen und wassergeschwängerten Morgen eine romantische Note zu verleihen. Der Bootsinhaber hört das Scheppern der Kette, das dumpfe Anstoßen seines Bootes am Boot des Nachbarn und vielleicht,  in einem stillen Moment , das Kreischen der Möwen.

 

Der Herr streckt nun die Beine aus und bemerkt, dass die Schuhe, die er am Abend zuvor blank putzen ließ, die Wege durch die Nacht nicht gut überstanden haben. Überall waren senffarbene Spritzer und die Laufsohle war sogar von einer dunkelbrauen Kruste überzogen. Aber nach einer Sommernacht wie dieser, wo er in Gassen und Straßen Menschen ausweichen musste, wo er, leicht angetrunken, hinaus aus der Taverna trat und hinein in eine Pfütze undefinierbarer Farbe; nach so einer Sommernacht verlangt es niemanden nach Perfektion oder gar nach einer Reinlichkeit, die nur Menschen zur Schau trugen, die ihren Lebensinhalt in der beschaulichen Wohnung zu finden vermögen.

 

Auch das typische Hinunterbeugen, um schnell mit einem Stück Papier über die Schuhe zu fahren, konnte er getrost unterlassen- er war allein . Und das war etwas Besonderes in einer Stadt wie Istanbul. Es sind nur wenige Momente am Morgen, wo es den Anschein hatte, dass die Häuser tief und schwer in den Bergen hingen, dass die Minarette ihre hölzernen Luken geschlossen hatten , dass selbst das Wasser zu flüstern schien.

Er war allein, besser gesagt, er war einsam. Nur das wusste er in diesem Moment noch nicht.

 

 

 

ps als ich vor 20 Jahren in Istanbul war, Fragmente aus dem Reisetagebuch. Heute habe ich zwischen fliegenden Blättern 2 Notizen gefunden. Ich dachte mir, es lohne sich, sie aufzuheben.

 

 

 

 

8. November 2013

… aus der erINnerung

Filed under: privat, sprach-RÄUME lyrik, wahrNEHMungen — silkandpaper @ 6:07 PM

romakapelle

Roma-Kapelle in Berlin -Friedenau

Ist es ein Vers? ein Gedicht? Ohne Reim,

wenn ich schreibe,
dass die Musiker heute
aufspielten auf der Straße
und sie bei jedem Menschen stehenblieben
der ihnen zulächelte…

Klingende Münze

in einem Becher aus Papier…
Ein Kind tanzt und lacht und
im Geschäft nebenan lassen die Verkäuferinnen
ihre Hände sinken, um der Straßenkapelle lauschen…
Ist das ein Poem, dieses Bild?

Ein betrunkener Mann

läuft an der Mauer entlang und weint
leise Tränen  und spricht von der
verlorenen Liebe. Am Blumenstand greift er sich
einen Strauß und ohne zu bezahlen
flieht er davon.

Im U-Bahnhof wartet er mit den gestohlenen Blumen

und erinnert sich plötzlich, dass er
niemanden mehr hat, wen er damit glücklich machen kann.
Flüsternd überreicht er einer alten Frau
das Bouquet und schläft auf der Bank seinen Rausch aus.
Ist das ein Lied? Ist das ein Vers?

Der Himmel steht wie ein großes Gewölbe

und es riecht nach Musik und
nach Blumen, die gerade knospen.
Die Bäume spielen Traubaldachin und
die Häuser stehen Spalier,
wenn der Bräutigam umsonst zum Altar schreitet…

…mit gestohlenen Blumen und der Kapelle

aus einem anderen Land. Männer, die kleine Münzen
von uns erbitten, um morgen das tägliche Brot
kaufen zu können…mit dem Lächeln der Frau,
die unerwartet beschenkt in die Bahn einsteigt.
Ist das ein Vers, ein Bild? es ist: Leben.

.

©MAR  / 2008 auf dem Heimweg in der Rheinstrasse in Berlin erlebt

25. Oktober 2013

SCHLÜSSElloch…

Filed under: legENDEn von romeo und julia, privat, wahrNEHMungen — silkandpaper @ 5:32 PM

Hör den Geschichten zu,
die Dich zu den Verstecken Deiner Erinnerungen führen.
Sie blühen auf , wenn im Herbst die Blätter verwehen,
Im Sommer beschirmt der grüne Schatten Dein Leben,
im Herbst zerpflückst du den Strauch wilder Beeren
die eine fremde Süße verströmen.
Hör zu, wenn die Einsamkeit beginnt, Dich zu berauschen.
Erinnere Dich, denn dies ist der Schlüssel zu Deiner Kindheit,
ist das Zeugnis, unter dem Du mit Deiner Unterschrift
Dein SEIN besiegelst

*

Gestern hatte ich den ganzen Tag Zeit. Ich saß in einer Freundes Wohnung fest und wartete geduldig auf den Monteur. Es war sehr still und nur das Ticken der Uhr durchbrach die Ruhe . Aus Sorge, ich könnte das Läuten an der Tür überhören, stellte ich auch nicht einmal das Radio an. Mein Blick verlor sich im Grün des Balkons, im Rot der Früchte, die bald geerntet werden müssen, im wässrigen Himmel. Draußen wurde es gestern wirklich Herbst. Die Baumspitzen endeten kurz vor der 4. Etage. Eine Pappel, die auf dem Gelände gegenüber all die Jahre stand, war geborsten und hing traurig in der Form einer Eins nach unten . Genau in der Mitte, so schien es, war der Bruch, der Riss, der durch das Holz ging. Früher ging ich öfters dort spazieren. Da war es noch eine wilde Wiese und kein Bauamt wäre auf den Gedanken gekommen, dort eine Strandbar zu eröffnen…

In all der Stille und Ergriffenheit über die noch immer erhabene Schönheit dieses sterbenden Baumes dachte ich , dass im Frühjahr sicher eine gärtnerische Hand den Baum fällen wird. Bis dahin wird auf diesem Platz ebenso eine Stille einkehren wie hier in diesem Zimmer. Der Winter ist ein Genesungschlaf der Natur.

Wenn sich im Sommer die Marienkäfer über den wilden Beifuß hermachen, der sich überall in Städten und auf Mittelstreifen der Straßen breitmacht, so verliere ich diese Pflanze als Fixpunkt; denn der Regen wird ihn fortschwemmen, zum Verwelken bringen… Er wird sich im Schlamm seinem Tod ergeben und dann im Winter werde ich ihn sogar zeitweilig vergessen . Das unsichtbare Seil zwischen meinem Blick und dem Erblickten wird scheinbar durch die erste Kälte zerrissen- fast wie eine schwebende Spinnwebe, die meine Hand mit einem Streich wegwischen kann. Ich bemerkte, dass ich schon wieder dabei war, in der mir auferlegten Stille mich diesen Dingen wie kaum sichtbaren Spinnfäden oder unsichtbaren imaginären Bändern zwischen mir und der Natur zu nähern, und dabei war es doch nur ein flüchtiger Blick, der am Baum gegenüber haften blieb…

Tausende solcher Momente streifen mich, wenn ich auf der Straße gehe oder bei einem Spaziergang im Park. Mir fiel ein, dass ich ähnlich empfunden hatte, als ich am Sonntag auf dem alten böhmischen Friedhof war, der sonst für Fremde geschlossen ist,  ich aber einen kurzen Spaziergang durch diese Reihen der Gräber aus dem 17. Jahrhundert machen konnte…

Seit Jahren stahl ich mit einem Blick durch das Schlüsselloch des großen gusseisernen Tores Ausschnitte dieses kleinen Friedhofes; immer wollte ich die alten verwitterten Grabsteine lesen, und als ich dann davor stand, war mir so, als kannte ich sie alle, diese böhmischen Einwanderer. Die Fremdheit wich und mit der archaischen Erinnerung an das, was mit uns allen geschehen wird,  kam die Vertrautheit. Der Zauber, die fast kindliche Neugier, mit der ich immer durch das Schlüsselloch lugte, verwandelte sich in ein Bild , das ich schon lange zu kennen geglaubt und nun , beim Annähern fand es wieder an den Platz in meiner verlorengeglaubten Erinnerung .

Nähert man sich den Dingen zu sehr, wird der Zauber leicht zerstört, wird der flüchtige Augenblick wie zu einem festen Bestandteil einer Gemäldegalerie, zu schweren dicktropfig-festen Ölgemälden, die das leichtfüßige Leben manchmal unnötig beschweren.

Ist der unbeschwerte Augenblick im Sommer nur schmückendes Beiwerk zu den von Sonnenglut durchtränkten Beeten, so wird er im Winter der einzige Halt, an dem man sich durch die kalten Jahreszeiten hangelt.. Wertigkeiten verschieben sich durch die Dinge von Außen, werden von ihnen durchdrungen und einer Metamorphose ausgesetzt. Schöne Dinge werden weniger schön und die weniger schönen Dinge erhalten durch ihr einmaliges , kurzes Aufflackern wie mit Diamanten bekränzt. Denkt man an die frostgemalten Blätter in Rinnstein, die wie Gold in der Wintersonne funkeln , doch sobald sie im Schatten eintauchen, sind sie doch nur moderndes Laub.

Das Haus gegenüber, der gütige Schattenspender im Sommer wird nun im Herbst der bedrohliche Riese, der das Licht verschluckt. Auf der Straße , die unter mir lag, war schon dieses Ersterben der Natur zu erahnen. Ich dachte, dass es nicht von ungefähr käme, dass man im Herbst soviel an Abschied denkt und an das Nimmerwiedersehen, oder gar an den Tod. Natürlich weiß ich, dass der Frühling wieder völlig andere Bilder zaubert; könnte einfach nur sagen: dass doch alles Gute im Inneren läge, im Verborgenen und dass die kalte, schmutzige Welt drumherum diesen guten Kern des Wissens um die Wiederkehr nie anzutasten vermag, trotzdem.

Denn wenn ich das Ruhen, das Nichtstun und das Ausharren der Natur betrachte, weiß ich, dass zwar wie zum Beispiel der Frost als Allegorie zum Draußen vieles ersterben lässt, aber dass auch der gleiche Frost nötig ist, um chemische Prozesse in einem Pflanzensamen in Gang zu setzen, die gewährleisten, dass das Verborgene unter der Erdkruste im Frühling sogar Pflastersteine aufbrechen kann, nur um die Schönheit seiner Blüte ans Licht zu bringen.

Es ist merkwürdig, wie dieser schattige Tag in meinen Gedanken Assoziationen freisetzt… So wie ein Schatten das Licht nur kurz verbergen kann, so wie Glasscheiben oder glattpolierter Asphalt die restliche Sonne reflektieren, so reflektieren Menschen auch in dunklen Momenten ihres Lebens diese Kraft, die im Übergang der Jahreszeiten liegt . Man kann plötzlich in diesem Riss der Zeit, der sich zwischen dem abrupten Übergang von Sommer zum Herbst schiebt, sich selbst klar und deutlich erkennen. Man kann verstehen, dass das Ungeordnete, das Dunkle oder Verborgene nach einem Gesicht verlangt.

Aber da nur der Tod die Rätsel für all das Verborgene auflösen kann und Ordnung ins SEIN bringt, erklärt man sich selbst das Unerklärbare am Kommen und Gehen, am Wechsel der Jahreszeiten, die uns Menschen an den Zeitabschnitten dieser Welt  festzurren, als gälte nur dieses eine Gesetz. Uns wird in diesen kleinen aufhellenden Zeitrissen klar, dass wir das Gesicht, nachdem man ein Leben lang sucht , nie selbst sehen werden, sondern nur die Menschen, die schlussendlich da sind, wenn der letzte Herbst kommt.

http://img143.imageshack.us/img143/8316/bild091b.jpg http://img193.imageshack.us/img193/56/bild090y.jpg http://img36.imageshack.us/img36/125/bild089w.jpg

ps. die Fotos sind alte Grabsteine ca. 1702 -1716 vom Böhmischen Gottesacker in Berlin Neukölln/ Rixdorf

MAR 2009

20. Oktober 2011

kitsune-sama

Filed under: DER mensch als fremder ORT, kurzgeSCHICHTen, privat, wahrNEHMungen, WEGkreuzungen — silkandpaper @ 9:31 AM

KITSUNE-SAMA

Als sie das Grundstück kaufte, war es der grandiose Ausblick vom Ende ihres Gartens hinunter in eine Zedernschlucht. Saß man auf der Bank hinter ihrem Haus, versteckte sich diese Abgrundtiefe hinter Pfeifengras und hochgewachsenem Gestrüpp. Diese ungeordnete Ordnung in ihrem Garten war etwas Typisches für Japan.

Damals,  mein Japanisch war nur auf ein paar Worte beschränkt, musste mein Begleiter  so freundlich sein, zu übersetzen.

„Als ich einzog, mussten wir den wirklich brachgelegenen  Garten umgraben. Jeden Tag habe ich innerlich geschimpft, wieso ich mir diese Arbeit aufhalse. Warum habe ich keinen Gärtner beauftragt?

Doch dann eines Tages, das wusste ich es. Dort hinten, kurz vor der Schlucht lagen zwei Füchse. Sie waren noch nicht lange tot; das Fell schimmerte noch rot-grau und die Innenohrseiten waren schneeweiß. Ihre Körper waren ineinander verschlungen, als hätten sie sich im Tode umarmt.

 

Ein Fuchspaar, zusammen alt geworden mitten in der Stadt. Zusammen gestorben in diesem Garten. Vielleicht habe sie hier tagelang ausgeharrt, nicht wissend, wie über die Schlucht hinweg zur anderen Seite zu gelangen. Vielleicht hatten sie hier schon lange vorher gelebt, haben ihre Jungen zur Welt gebracht, sind immer wieder heimgekehrt.

Nun lagen sie dort. Wehmut erfasste mich. Trauer. Ich hob ihnen ein Grab aus und habe sie so wie sie da lagen, sich umarmend, in einem weißen Tuch begraben.

Dort! Siehst du? Dort liegen sie.“

Ich erhob mich von der Bank und sah einen kleinen Hügel. Eine kleine Skulptur mit zwei sich umarmenden Füchsen stand inmitten von wildem Gras und Baumschösslingen.

Anrührend und wehmütig zugleich. Als ich ging, wusste ich nicht, wie ich mich bedanken sollte.  Aber meine Gastgeberin hat meinen  stillen Abschied verstanden. Sie umarmte mich. Ganz und gar untypisch  in Japan.

 

3 Wochen später kam mit der Post eine Hör-Kassette. Alles habe ich bis heute nicht verstanden und demnach nicht übersetzen können . Mit der Kassette kam auch ein kleines , weich umwickeltes Päckchen. Als ich es öffnete, war eine kleine Skulptur darin. Gerade so groß, dass ich sie mit meiner Hand umschließen konnte. Zwei Füchse. Sich umarmend.

Meine Gastgeberin wusste genau wie ich: wir waren verschwistert. .  Das Päckchen war mein Erbe.

Vier Wochen später starb sie .

Kitsune/ Fuchs/Füchse :  Bedeutung in Japan. 

.

29. März 2010

das INTERNet , dein freund und helfer, wenn ein ICH nicht mehr ausreicht

Filed under: privat, wahrNEHMungen — silkandpaper @ 12:16 PM

Wegen fortwährenden Stalkings sind einige Artikel

vorerst „ auf Eis „ gelegt. Die IPs und auch die über

Tor , Bundle u.ä. Anonymisierer erkennbaren

„Umwege“ liegen zur Prüfung bei einem Anwalt für

Internetrecht.

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