Silk and Paper

2. Juli 2016

Wenn Männer in Bewegung kommen-muss sogar der Kopf herhalten !



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Wenn Männer in Bewegung kommen-muss sogar der Kopf herhalten !

Natürlich musste wieder die gute, alte U-Bahn den Hintergrund liefern, um Geschichten entstehen zu lassen, kleine Begebenheiten und Begegnungen. Wo sonst ist man auf so engem Raum beisammen und kann sich ungestört an den Gesichtern der mitfahrenden Gäste sattsehen.
25 Minuten Fahrtzeit bieten schon einen recht schönen Zeitrahmen für einen Einakter, der fast aufführungsreif wäre, ob wegen meiner Begriffsstutzigkeit oder der belustigenden Reaktion des Fahrgastes mir gegenüber, wer weiß.
Station Berliner Straße, der Umsteigehafen für die Neuköllner Richtung , immer auch die passende Gelegenheit, einen Sitzplatz zu ergattern. Wunderbar, gleich in der ersten Reihe macht jemand einen Sitzplatz frei und ich packe mich mit Handtasche, Büchertasche und einem etwas dickerem Paket, was zur Post sollte, an die Fensterreihe.
Mir schräg gegenüber sitzt ein Mann so in den Fünfzigern. Graumeliertes Haar und einen sehr gepflegten grauen Bart. Etwas unruhig rutscht er auf dem Sitz hin-und her und schaut zur Decke, zum Boden, auf die Mitreisenden und dann bleibt sein Blick auf mir stehen. „was meinen Sie? Ibo gut? “ Am Akzent höre ich, dass er kein geborener Berliner ist. Ibo, das ist ein mir geläufiger Name , den ich mal hier und mal da gehört habe, der Mann einer Freundin heißt Ibo, also gehe ich in diesem Moment davon aus, dass der Mann Türke ist, und die geläufige Koseform benützt.
Ich schaue ihn ganz irritiert an und antworte (man will ja nicht unhöflich sein), dass ich nicht wüsste, ob Ibo gut sei, denn ich kenne Ibo nicht.
“ Du Deutsche bist, oder? Ich habe fragen alle Leute und keiner kennt Ibo! “ Ich entschuldige mich höflich und sage, dass ich ihn heute zum ersten Mal sehe und bin etwas belustigt über den Fortgang der Unterhaltung. Mittlerweile schaut der Nachbar von der anderen Seite auch schon in unsere Richtung…
„Ja, aber alle Leute  gesagt, Ibo das Beste und ist gut und ich nicht verstehe, warum keiner Ibo weiß.“
Ich glaube in meinen Augen zeigte sich schon ein Anflug von Heiterkeit, denn ich mutmaßte, dass er vielleicht aus gekränkter Eitelkeit heraus nun volle Unterstützung für sich und seinen edlen Charakter suchte- ausgerechnet in der U- Bahn, wo die Leute meist genervt oder sich gestört fühlen, wenn man was von ihnen will.
Ich mache dem Gespräch ein Ende und meinte zu ihm, dass ich nicht verstehe, was er von mir will.

Kaum gesagt, steht er auf und fährt mit seiner Hand in die Hosentasche. Er wühlt und sucht und zieht ein Päckchen heraus. Ein kleines weißes zerknülltes Etwas mit der Firmenaufschrift : Pharma. “ Du gucken, hier, alle sagen Ibo gut und du nicht kennen?“
Ich schaue auf die Packung und lese die großen Buchstaben IBU und etwas kleiner gedruckt: Ibuprofen .
Ich musste plötzlich so breit lachen – er meinte Tabletten!
Ich versicherte ihm, dass ich Ibuprofen kenne und dass es Tabletten gegen Schmerzen seien. “ Ja, ich wissen, Frau aus Laden hat gesagt, sehr gut. Was denken du? “ Ja, ich sage ihm, dass ich gute Erfahrung mit IBUPROFEN hatte und er diese ohne Sorge nehmen kann.

Sichtlich aufatmend , aber mit gekräuselter Stirn , stand er nun auf und steuerte auf den Wagenausgang zu. Hier, am Kotti musste er raus. Beim Aussteigen höre ich ihn murmeln :

“ uuuuhhhhhhhhh, ich Kopfschmerzen jetzt haben. Frauen mir immer Kopfschmerzen machen“.
Ich liege innerlich fast flach vor Lachen auf dem Waggonboden. Ich war mir gar nicht bewusst, dass man, wenn sich mit mir unterhält, immer IBU bei der Hand haben muss…

 

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22. November 2015

ERinnerungen

Filed under: DER mensch als fremder ORT, kurzgeSCHICHTen, privat, wahrNEHMungen — silkandpaper @ 7:21 AM


Als ich noch Kind war, sagte mein Vater, dass jede Schneeflocke ein guter Gedanke sei, der nun als kleiner Stern hernieder fällt auf die Erde um zu helfen, die Düsterkeit der zu früh hereinbrechenden Nächte auszuleuchten. Wenn man dann tagsüber durch dieses herabgefallene Sternenmeer liefe, würde man ein leises Knirschen hören…

Er meinte, ich solle dem Knirschen des Schnees gut zuhören, denn dies wären die
Worte, die in diesen Gedanken versteckt wären.Jeden Morgen lief ich
zum Fenster um zu schauen, ob es geschneit hätte. Stundenlang konnte ich
schweigend durch den Park laufen. Ringsum war es von einer besonderen Stille.
Der Park war ein großes weißes Zimmer, welcher alle lauten Geräusche
verschluckte, damit man den eigenen Schritten lauschen konnte. Wenn es begann zu
schneien, öffnete ich meinen Mund und fing mit meiner Zunge die Schneesterne
auf. Sie zerrannen sofort.
In meinem kindlichen Glauben war ich mir sicher,
dass ich ein paar gute Gedanken auf meiner Zunge schmelzen lassen würde.

Später,wenn ich durchgefroren und müde nach Hause kam und die Eltern mich fragten, wie denn der Nachmittag mit den Freunden war, was ich denn erlebt hätte, erzählte ich davon, wie ich diese oder jene Flocke erhascht hatte. Ich plapperte und plapperte. Meine Eltern schmunzelten und mein Vater meinte, es müssten aber viele Schneegedanken gewesen sein, die ich heute gegessen hätte.

Über den Winternächten meiner Kinderzeit lag immer ein besonderer
Schimmer. Es waren Nächte voller Geschichten. Voller Geheimnisse. Ich wollte vom
Vater wissen, was denn mit all den guten Gedanken geschähe, die in diesen
weichen Flocken zur Erde herabschwebten und deren leise knirschenden Worte man
nie richtig verstehen konnte. Sie würden doch schmelzen und versickern, sie
würden einfach weg sein! Aber nein, sagte er, sie verstecken sich nur unter der
Erde. Die guten Gedanken würden dann als Grashalme aus der Erde sprießen. Ich
schaute den Vater ungläubig an und lachte dann los.

Er schmunzelte und wusste wohl, dass ich ihm hier nicht glauben wollte, doch er wäre nicht mein Vater gewesen, wenn er keine Erklärung gefunden hätte. Siehst du, Gedanken und Worte kommen in vielerlei Gestalt daher. Als Schnee, der knirscht, als Gras, das rauscht, als Musik, die ein Lied wird. . Deshalb solltest Du immer die Ohren
spitzen und auf die Dinge um dich herum gut achten, damit du später, wenn du
groß sein wirst, immer die richtigen Worte findest.


Mein Vater deckte mich zu und blickte zum Fenster. Draußen schneite es immer noch. Und ich wünschte mir viel Schnee.

.

diese Geschichte habe ich auch unter Pseudonym   anderswo veröffentlicht

 

 

1. November 2015

ZEITengrenzgänger

Filed under: DER mensch als fremder ORT, going underGROUND, wahrNEHMungen, WEGkreuzungen — silkandpaper @ 7:12 AM

Zeitengrenzgänger

20 Zeilen, 50 oder manchmal nur 10. Und dann ein Punkt. Das Buch sinkt in
meinen Händen und ruht sich aus auf meinem Schoß. 200 Seiten Buchstaben, die
leise wippend und zitternd an jeder Station sich von neuem ordnen müssen. Und
wenn ich sie wieder an mein Gesicht führe, vor meine Augen, die hungrig sind
nach Druckerschwärze, stillen sie meine Sehnsucht nach fast Vergessenem.

Ich dachte mir ein bisschen frech, dass ich mindestens 10 Seiten pro Fahrtrichtung
lesen werde – doch nun bin ich, nach einigen Tagen des Querlesens zur Erkenntnis
gekommen, dass ich so etwas nicht machen kann. Es wäre ein Frevel, eine
unverzeihliche Eile. Nun bleibe ich auf den Seiten lange haften; blättere zurück
und manchmal bewegen sich unsichtbar, und nur für mich allein, meine Lippen.

Mein Gesicht verschwindet hinter den Blättern, so nah, dass mein Sitznachbar nicht mitlesen kann. So etwas mochte ich noch nie, denn ich habe dann immer das Gefühl, als würde ein Jemand aus meinen Gedanken heraussuchen, was ihm ohnehin nicht Auskunft geben könnte, wieso ich dieses Buch und kein anderes lese. Ohnehin würde er falsche Schlüsse ziehen über mich. Wer ich bin, das kann man nicht über einen Blick meiner Schulter definieren, nicht über zwei, drei mitgelesene Worte. Es soll kein Egoismus sein, es ist eben nur eine Marotte von mir.
Früher hatte ich ein Blatt einer Zeitung als Umschlag benützt, Es
war immer erst mein Geheimnis, bevor ich es mit anderen teilte. Sogar das
Titelblatt.

Ich bin kein Bestseller-Leser und es kommt kaum vor, dass ich im Mainstream schwimme, wenn es um Bücher geht. Ich meide Stapel, die zu Türmen
aufgerichtet in Buchläden das Licht schlucken und das Gefühl vermitteln, dass
ich ganz klein wäre, weil ich noch nicht jeden Buchstaben aus diesem Berg von
„the best“ kenne. Ich finde, Bücher sollen Menschen wachsen lassen und nicht
klein machen.

Wenn ich Bücher lese, dann habe ich eine Reise vor mir. Der erste Blick auf die erste Seite, das Überfliegen des Klappentextes, die Fußnoten, die Personenanhänge…das sind alle Entdeckungen, die ich aufsauge und sie bleiben in mir; und jeder Buchstabe, jedes Wort kriecht in den letzten Winkel meines Selbst. Nichts kommt mir mit so viel Aufforderung zur Phantasie entgegen, wie Seiten eines ungelesenen Buches.

Die Protagonisten meiner Bücher fahren mit mir U-Bahn .Sie sitzen mit mir auf einer Bank oder hängen mit einem Arm am Haltegriff. Sie lassen mich teilhaben an ihrem ganz menschlichen Chaos und an dem Alltäglichen. Und sie müssen mit meinem Chaos leben lernen, wenn auch nur schaukelnd und zitternd auf Papierseiten gebannt, und verblättert zur nächsten Seite….

Manchmal müssen sie tagelang mit mir hin-und herfahren,
weil sich ihr Leben träge und schwer durch den Tag quält. Und das, obwohl ich
beschwingt bin.

Doch mit diesem Buch, was seit einer Woche Heimat in meiner
Tasche fand, ist alles etwas anders.
20 Zeilen, 50 Zeilen, vielleicht eine Seite. Zwischen jedem Wort ist ein anderes Leben versteckt. Ganze Universen und Galaxien ! Ein Satz, den ich mit den Augen abtaste, scheint aus verschiedenen Leben zu sein. Die scheinbare Absurdität ist die Sprache unter der Sprache und eigentlich ist jedes Wort, was dort steht, schon zu viel. Man hat das Gefühl, er ist einer der Autoren die mit Nichtgeschriebenem noch mehr ausdrücken können, als mit Worten. Und dass es sich so unmittelbar offenbart, das ist etwas Seltenes.
Reduziert auf Wesentliches. Jede bunte Bemalung oder helle Belichtung der Worte wäre Zerstörung. An diesem Wesentlichen muss man stehenbleiben und die Wucht der scheinbaren Klarheit innerlich aushalten.

Jede kleine Story hat ihre Geheimnisse, sind Räume mit Wänden und einem Fundament, welches manchmal schwankt. An manchen Geschichten geht man mit einem Lächeln vorüber und trägt einen Duft mit sich fort, der sanft betäubt, dann aber, wenn die Kopfnote, wie bei einem Parfum, verflogen ist, die Herznote offenbart. Atmosphärische kleine Welten, die wie zufällig hier auf unserem Planeten zurückgelassen wurden.

Richard Brautigan’s Universen aus dem Tokio-Montana-Express fallen herab wie Schnee. Sie fallen auf mein Gesicht, sie fallen auf meine Hände, legen sich auf meine Schulter und sie schmelzen nicht. Was für ein merkwürdiger Zustand.

Ich lese und lese und ich denke, dass dieser Mann irgendwann einmal durch mein Leben spaziert sein muss, als ich selbst dort war, in Japan, meiner Herzenswelt, wo er auch weilte.
Er scheint wie ein Unsichtbarer durch mich hindurch gelaufen zu sein. Einige meiner Erinnerungen hat er scheinbar mit sich genommen. Oder hat er seine Erinnerungen in mir vergessen?

Ein Zeitengrenzgänger.

Aber sind das nicht alle Menschen, die sich auf Bücher einlassen? Doch wer geht schon ständig auf der Grenzlinie spazieren?
Wo war er, als ich dort war? In welchem Abteil des Zuges, der in die gleiche Richtung
fuhr…?

12 schwarze Zeilen auf weißem Papier. Ganz dicht an sich gedrängt,
damit der Inhalt nicht so einfach aufsteigt wie Atem. Worte als Aggregatzustände.

Ich blicke von meinem Buch auf und stelle fest, dass ich eine Station zu weit gefahren bin. Heute werde ich zu spät kommen, dachte ich.
Aber ich dachte auch, dass es nicht tragisch sei, wenn ich mich eines Freundes
wegen verspäte. Dieses Buch ist mein Freund. Und der Mensch, der es mir
empfohlen hat, verdient meine ferne Bewunderung. Er kannte mich kaum , aber woher wusste er nur, dass im Tokio-Montana-Express unfassbar viel versteckt war , was ich schon lange verloren glaubte und unbedingt wiederfinden sollte…
Ich ahne, dass manche Fremde manchmal mehr von einem wissen, als es manchmal Freunde je können.

Abends nehme ich, um nach Hause zu kommen, eine andere U-Bahn-Linie. Etwas erschöpft vom Tag, der ein bisschen melancholisch war. Wie auf Reisen. Man weiß, irgendwann kommt man an, doch ich sitze immer noch in diesem imaginären Express aus den Gedanken eines Dichters und kann den Zug nicht verlassen. Trotzdem muss ich irgendwo an einer Station aus der U-Bahn aussteigen. Boddinstaße. Hier war ich schon lange nicht mehr. Obwohl ich für 3 Jahre hier gelebt hatte. Ich laufe zur Treppe, die zur Straße hinauf führt. Oben höre ich den Verkehr und fernes Rufen und Lachen fremder Menschen. Lärm.

Ein Graffiti, mit weißer Farbe mitten vor die Stufen
geschrieben, lässt mich für nur 3 Sekunden länger verweilen.

Zwei Worte
stehen da: „Kopf hoch!“

Weiße Buchstaben auf schwarzem Grund.
Und ganz klein daneben hatte jemand hinzugefügt: Das Leben ist schön!
Doris Prabhu aka MAR

Ps. Das Graffiti findest Du in der U-Bahnstation Boddinstraße- in der Hoffnung, dass es dort lange lesbar bleibt

Der Lesetipp kam von J….  zwischen Tür und Angel .

ps: Inzwischen sind  Monate vergangen. Tausende von Menschen sind über das Graffiti hinweggelaufen.  Nun ist es ganz verblasst und nur wenn man ganz ganz nahe heran geht, kann man es noch gerade so lesen.   April 2012

pps Jetzt haben wir November 2015. Der U-Bahnhof Boddinstraße wurde saniert und repariert. Alle Spuren sind verschwunden.

 .

27. Oktober 2015

ABSCHIED vom Licht

Filed under: kurzgeSCHICHTen, wahrNEHMungen — silkandpaper @ 5:42 AM

Abschied vom Licht.

Die Straße zerfällt in kleine Gevierte. Haus für Haus und Fenster für Fenster. Gelb und Ocker zaubern die Hausanstriche mediterrane Stimmung in die Luft. Hoch oben, wo die Giebel an den Himmel anstoßen, scheint sich das azurblaue Meer zu spiegeln und die Wolken gleiten wie weiße Segelboote dahin. Obwohl die Sonne gleich untergehen wird, streichelt die Wärme meine Haut. In dieser Zeit, wo sich Tag und Nacht die Hände reichen, strömt aus den Häusern der ganze Duft des vergangenen Tages. Geräusche von Betriebsamkeit dringen an mein Ohr. Klappern. Lachen. Weinen. Das Trällern einer Frau. Ein Glas fällt zu Boden. Der Kellner im Straßencafé eilt fort und versucht es aufzufegen. Für einen Bruchteil bricht sich die Sonne in diesen Scherben. Grell und weiß springt ihr Strahl wie eine Brücke auf die Reise ins Dämmerlicht, ins Innere des Cafés und klettert wie eine Tonleiter an Tassen und Tellern entlang, die dort auf einem Bord über dem Tresen stehen, um sie zum Klingen zum bringen, wie eine leise Melodie. Das glänzende, glatte Weiß des Porzellans badet förmlich im Licht, wie Körper, die aneinandergereiht am Strand nach Sonne und Wärme rufen. An einer Straßenecke wartet ein großer Schatten. Dort ist die Sonne schon entschwunden. Nur in einer Fensterscheibe spiegelt sich der letzte Rest vom Tag. Abschied vom Licht. Abschied von meiner Straße, die ich jeden Tag entlang eilte, Abschied von der Treppe am Morgen…
Abschied ist wie ein Schmerz, der sich in alles bohrt, was mit dem Leben verbunden scheint. Ich nehme die Helligkeit eines Himmels am Abend zum Anlass, all meine Sehnsucht nach noch Unbekanntem hinein zu legen. Die Morgen, die kommen, werden anders sein, und die Abende. Das zersplitterte Glas und seine bizarre Welt einer zerbrochenen Eleganz, der Kellner, das Café- alles wird entschwunden sein, wenn ich um die Ecke biege. Für einen Moment schließe ich die Augen. Wenn ich sie wieder öffne, ist das vorbei, was jenes Schimmern ausmachte, als ich an den Dingen vorüberging. Abschied vom Licht. Und ich lasse es gehen.


© Doris Prabhu/ MAR

15. Juli 2015

nur eine strassenecke WEITER


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Nirgendwo in der Stadt ist die Melancholie so durchsichtig wie in dieser Straße. Rechts und links der Fahrbahn trotzen alte baufällige Häuser der städtebaulichen Fantasie. Die Türen sind mit Brettern zugenagelt. Ich betrete diese Straße sehr selten, aber genau deshalb ist sie in die Galerie der besonderen Erinnerungen aufgenommen. Sie hängt, wie ein Bild an einer Wand in meinen Erinnerungen fest. Und wie in einer Galerie auch, macht es die Beleuchtung oder die Verdunkelung, dass sich meine Sicht auf diese Straße wandelt.

Mitten in Kreuzberg schneidet sie die Oranienstraße in Stücke- eines von vielen Stücken, die wie kleine Kuchenstücke beim Bäcker einfach so daliegen, jedes mit einem anderen Belag, mit anderen Früchten. Streuselkuchen neben Tortenstück…

Auch hier, im Kreuzberger Stadtplan schiebt sich diese Straße wie ein Messer durch den Kuchen und teilt mitten auf der Fahrbahn dieses Viertel in Sushi-Asia -Bioläden und in Kebab-Döner-Teestube- Ausbesserungsschneiderei.

Das Licht an diesem Herbsttag holt all die ungeputzten Fenster aus ihrem dunklen Dasein hervor; der Staub wirbelt zwischen Licht und Schatten und der noch warme Wind trägt den Geruch von Bratkartoffeln mit Gurkensalat auf den Gehsteig. Mein Blick heftet sich auf den Boden, es ist ratsam aufzupassen, wo man hintritt. Hier ist der Bürgersteig übersät mit kleinen Dingen, die man selbst nur 100 Meter weiter nicht finden würde. Abgerissene Kinokarten, zerfetzte Zeitschriften, Gewürztüten von Chinasuppen, Holzstäbchen von Kebab, Servietten voller Ketschup, einen abgeschleckten Lolli, Schokoladeneispapier, eine leere Wasserflasche Marke Irgendwoher, eine alte Garnrolle, ein alter Fahrradschlauch, 2 Cent, eine Hülle von Papiertaschentüchern….und das ließe sich beliebig fortsetzen. Aber es sind nicht nur die Dinge, die meine Aufmerksamkeit fordern, sondern auch die Geräusche und das bewegte Straßenbild.

Spazierengehen in Kreuzberg; unterwegs zum Künstlerhaus Bethanien zu einer Ausstellung, die sich mit der Kunst des Spazierengehens befasst. Fast, so scheint es, ist es gewollt, dass ich diese Strecke zu Fuß zurücklegen muss, so als solle ich mich einstimmen auf Räume, die das „erlaufene“ Leben eingefangen hat. Diese Straße stimmt mich ein und ich überlege, ob ich nicht noch ein paar Umwege machen sollte.

Ganz hinten, am Ende der Straße sehe ich ein grünes, großes Licht. Es ist der Park, der das ehemalige alte Krankenhaus mit hohen Bäumen umschließt. Das Herbstlicht schimmert durch die Blätter und winkt mir aus der Ferne zu. Das Leben um mich herum erscheint mir so dicht, so prall gefüllt von allerlei Leid und Freude, voller Tragödien und Dramen- fast so, als wären all diese Geschichten der vergangenen hundert Jahre in diese alten Mauern der Häuser hineingeschrieben. Da ist der grüne Platz zwei Straßenzüge weiter wie ein guter Freund, der mir zu sagen scheint: Komm, ich nehme dich in meine Arme und du kannst dich hier ausweinen. Und dabei ist dieses Weinen nicht einmal gewollt- es hat sich einfach so als kleine Tränen in meinen Augen verirrt. Es ist eine merkwürdige Mischung aus Wehmut und Glücksempfinden. Die Melancholie als kleine Schwester der Trauer- Trauer darüber, dass die Zeiten der Häuser einfach vorbei sind und ein Glücksgefühl darüber , dass man trotzdem noch ihre Schönheit wahrnehmen kann.

In dieser morbiden Tristesse dieser Straße scheinen sich viele Erinnerungen verborgen zu halten, die ich seit Kindertagen mit mir herumtrage… Der Geruch von Bohnerwachs, angebrannter Milch, ein Hauch muffiger Luft aus geöffneten Kellerfenstern; schwarze Kohle schimmert durch das fast blinde Glas, eine alte Frau lehnt sich aus dem Fenster, die Arme auf ein Sofakissen gestützt… sie möchte teilhaben am Leben draußen… Die klobigen Türen zu den Gewerbehöfen stehen weit offen, wie große Münder schlingen sie alles hinein, was angeliefert wird. Zwischen Zwiebeln und Stoffballen spielt ein Kind, ein Auto hupt; der Bus schiebt sich um die Ecke und hält.

Ich überquere die Oranienstrasse, und eile dem Platz entgegen, wo ich mich verabredet habe. Still und fast verlassen liegt dieses große Haus, umsäumt von einem verwilderten Park- einige Häuser werden immer noch von Autonomen bewohnt. Ich bin zu früh – also nutze ich die Zeit und durchquere die Parktangente in Richtung Kirche. Ich erinnere mich, dass dahinter die Berliner Mauer war und aus irgendeinem Grund genau hinter der Kirche noch ein kleines Grundstück war, das, da sich bisher kein Besitzer gemeldet hatte, das einzige Niemandsland in Berlin ist . Schon Jahrzehnte wird dieses Stück Land als Garten genutzt. Ein türkischer Gastarbeiter hatte sich dort einen Gemüsegarten angelegt und sich ein Baumhaus gebaut, wild und ohne einen Behördenstempel … Zwischen Wildwuchs und 3 Meter hohen Sonnenblumen sehe ich dicke Kürbisse und Kohlrabi, Bohnen hangeln sich an einem Lattenrost, der als Balkonbrüstung dient und vor dem Eingang zum Gartenhäuschen hat der alte Mann einen Tisch an seinen Beinen einzementiert und die dicke grüne Ledercouch dahinter scheint sagen zu wollen: He, der Tee ist gleich fertig- setz dich.

Es ist schon belustigend, wie mitten in der Großstadt ein alter Mann eine Lücke im Gesetz erkannt hat und hier sein Paradies, seine Robinsonade auf Erden hat. Der Alte dreht sich seine Zigarette, zwei Touristen lassen sich mit ihm fotografieren, ich bleibe stehen und schaue belustigend zu. So ein sympathischer Anarchist… Hinter der halbgeöffneten Laubentür hantiert seine mit Blumenkopftuch behütete Frau und es summt ein Gaskocher… Es ist still auf der Straße. Mittags zwei Uhr, da ruht das Leben für eine kurze Zeit. Mittagsschläfer haben die Fensterläden geschlossen und der Kindergarten seine bunten Vorhänge. Ich möchte irgendwie verweilen in diesem Moment. Die Zeit anhalten. Lachen und Weinen zugleich. Ein unbekanntes Gefühl ergreift Besitz von mir…ich kann nicht einorden, was es mir sagen will. Alles kommt so dicht an mich heran, das ich es mit den Händen greifen könnte- sogar das gelbe Licht ist voller Gestalt. Es wirft Schatten und tanzt zwischen den Büschen und Häusern.

Hinein in das Haus, welches mit Kunstwerken und begehbaren Museumsräumen zum Verweilen einlädt… in den Gängen hört man Kinder Klavierspielen üben und über endlosen Flure gelangt man zu Werkstätten und Ausstellungen.

Die Welt und die Dinge sind da. Jemand macht Fotos, andere durchqueren Straßen, andere zeichnen und wieder andere ziehen eine Spur hinter sich her wie ein roter Faden…Alles, was man sieht und wahrnimmt, findet Platz im Menschen. Man malt sich seine eigenen Bilder in der Galerie der Erinnerungen und es scheint , je dicker die Schicht Farbe auf den Fantasiebildern ist, um so durchsichtiger wird das Leben, umso mehr durchschaut man sich und die Sehnsucht nach der Welt, die man noch nicht entdeckt hat.

Und diese Welt kann wirklich bei jedem nur einen Straßenzug weiter liegen.

12. September 2014

der BÜCHER-verkäufer

Filed under: DER mensch als fremder ORT, kurzgeSCHICHTen, wahrNEHMungen, WEGkreuzungen — silkandpaper @ 8:11 PM

Ich wollte schon immer wissen, wohin die Wörter gehen, wenn sie geschrieben und abgeheftet, eingetütet und abgeschickt, im schlimmsten Falle zurückgeschickt, und dann in Schubladen überdauern.Wo sind sie?
Meine kindlichen Fantasien gingen soweit,das ich abends im Bett liegend, Zwiesprache hielt mit diesen Gefangenen in der alten Schreibtischlade.Ich befreite sie aus dem hölzernen Verlies und siehe da; diese Freiheit schien ihnen gut zu bekommen. Sie fochten kleine Kämpfe an meiner Seite aus, ließen Schneeweißchen und Rosenrot , Kalif Storch, das Katerlieschen oder Nasreddin auferstehen und fanden sogar noch die Kraft Widerworte zu erfinden gegen meine Mutter, die verzweifelt versuchte, die Nacht zum Schlafen zu nützen …
Und dann-endlich! Schulanfang.

Da sind die Wörter! Ich hatte sie entdeckt an einem Schwarzen Brett. Eine schwarze Schiefertafel … Ein Schwarzes Brett, das wusste ich , ist nur für wichtige Dinge vorbehalten. Hier ist der Ort, der mein Rätsel löst. Meine Freunde waren wie durch ein Wunder aus ihrem Versteck befreit sie spazierten über leeres Papier und waren sogar bereit, sich zwischen kleinen roten und blauen Zeilen einzuzwängen (aberwitzige gab es trotzdem und die wurden vom Rotstift der Lehrerin bestimmt aber liebevoll gemaßregelt … )
Meine Wörter! Mama hatte keine Chance mehr. Meine Wörter – sie waren frei! Wie ich.
Überall konnte ich sie mit hinnehmen, sie schaukelten gern auf meinen Knien, wenn der Bus mich zur Schule fuhr. Ihr neues Zuhause, meine Fibel …

Wo sind die Wörter nur hingegangen, hingegangen, mit denen ich streiten konnte, mich wieder versöhnte, ihnen zustimmte, sie ablehnte, sie nicht verstand oder mich auch in ihren Wohlklang verliebte. Wörter, die allein durch ihre Lautmalerei mich mit allem versöhnten, was unverständlich blieb.

Mein erstes Buch, ABC …
Hier sollte ich meine Suche beginnen, hier und bei seinen Geschwistern, den Tausenden anderen Büchern.
Wie ich herausgefunden hatte, sind meine kleinen Freunde von damals schon immer Vagabunden gewesen, das hatte es mir erschwert, auf die Suche zu gehen. Alles wegschließen, einsperren, verfremden oder verstecken hat sie nicht davon abbringen können, Grenzen zu überschreiten. Damals wusste ich noch nicht, das meine Freiheit auch ihre Freiheit bedeutete.

Jetzt, wenn ich mich erinnere, habe ich sie teilweise sogar genötigt, von mir wegzugehen. Mein erster Liebesbrief, er kam nie mehr zurück … er wäre auch ohne Sinn geblieben in meinen Händen, hätte die Wörter nie wieder verwenden können.
Oder auch die harschen Worte auf dem Zettel in der Küche mit der Aufforderung, das Leben doch endlich in Ordnung zu bringen …

Ja, damals haben sich die Wörter vorwitzig und unbedacht, überschwänglich und selbstverliebt in meinem Bleistift hineingeschlichen …
Nun aber , wenn ich den kleinen Vagabunden nachreisen konnte in ihre andere Welten, beschlich mich ein wenig Furcht, ob sie mich noch erkennen und ob ich sie wiederfinden könnte, dort in der Fremde, unter anderem Namen. Mit der Fantasie eines Kindes vielleicht aber jetzt ?

Eins- zwei- drei- vier-Eckstein., wer kennt ihn nicht, den Kindervers, zum Auszählen, zum Verzögern der Zeit , wenn man jemanden suchen sollte. Versteck spielen.
Zuerst sucht man in allen herkömmlichen Nischen, Ecken und Winkel.,sie sind vertraut. Ganz selten begann man mit der Suche an den unmöglichsten Plätzen …
Aber meine Wörter? Sie sind, das wusste ich, nicht die einfachsten unter meinen Freunden. In kluger Weise haben sie sich in den quirligen Zwischentönen aller Sprachen versteckt.
Und dann?
Also sollte ich mich an sie heranpirschen, sie beobachten, ihre neue Ausdrucksweise lernen, sie neu entdecken. Gleichwohl wie sie verändert erscheinen, sie sind doch meine Kindheit, die mir nicht abhandenkommen darf!

Und ich hatte Hilfe auf der Suche nach ihnen; ausgerechnet von den Wörter-Büchern, die je wie man es auslegen mag, Freund oder Feind der Wörter sein konnten.

Diese Allianz hat mich in fremde Länder verschlagen, und dort habe ich einige meiner alten Freunde wiederentdecken können libra, book, kniga, hon, journal, gazjeta …
Doch meine wichtigste Erkenntnis, die tiefste Entdeckung bescherte mir ein alter Mann, ein alter Bücherverkäufer auf einem Markt.

Beim Hinabbeugen zu ihm zogen in Höhen und Tiefen Stimmgewirr an meinem Ohr vorbei; das Geräusch klappernder Schritte untermalte das Rascheln suchender Hände in alten Kartons. Es schien, als wollten sich alle Töne in diesem einen Moment selbst überbieten, wie die Radiosender, die im schnellen Auf und Ab des Senderknopfes zu etwas Ungeordnetem werden- und sich trotzdem ausbalancieren. Dieses Geschwirr machte mich fast glauben taub zu sein.

Die Worte des Mannes erreichten mich nicht mehr, ich sah nur seine Augen, und der Luftzug, der mich beim Hinabbeugenstreifte , legte sich wie ein unsichtbarer Film auf sein Gesicht.
Er lächelte mich an und mir schien, als wolle er die Zeit meiner langjährigen Suche einfach hinwegwischen mit der Geste, doch hier an seiner Seite Platz zu nehmen.

Schwungvoll schob er mir über die alten Holzplanken Bücher entgegen, halb aufgelöste Bündel von Papieren, Geschriebenes, Gewesenes, Wörter. Alt wie dieser Mann und älter! Plötzlich wird dieser Händler für mich durchsichtig, transparent, durchschaubar, denn er offenbarte mir mit seinen Erinnerungen eigentlich mein Leben!
Behutsam strich er über die alten Schriftzeichen, zärtlich wendete er die Seiten und versuchte mir zu erklären, dass heutzutage so etwas kaum noch jemand lesen könne, gerade die Jüngeren, die sich mit den Abkürzungen in der Sprache ihre eigenen Barrieren bauen, sie verstünden dies nicht mehr, selbst nicht das gesprochene Wort …

Woran erinnerte mich dieser Bücherhändler? So nahe und vertraut schien er mir, wie er mit einfachen Worten versucht, die komplizierten Schriftzeichen zu erklären. Fast wie ein Museumsführer gestikulierte er mit den Fingern in der Luft, Zuschauer scharrten sich um uns – wir waren eine willkommene Belustigung, der alte Mann und die junge Fremde … und ich fühlte mich fast wie inmitten einer Skulpturengalerie, und meine Neugier ließ mich sogar fast versteinern.

Ich fühlte mich so unkundig, so zurückgewiesen, so verloren in den einfachen Worten des Mannes, in denen sich alles spiegelte, was eine Kultur und sein Wissen ausmachte. Die Bücher, die er mir entgegenstreckte, diese alten papiernen Dokumente vergangener Zeit, von Insekten von der ersten bis zur letzten Seite

durchlöchert, von der Gerbsäure und der feuchten Sommerluft mit braunen, unansehnlichen Rändern zu bizarren Landkarten nicht existierender Kontinente gekennzeichnet – diese Bücher bestanden noch aus jenen Substanzen von Material und Ideellen, die mit den Menschenwörtern verwoben schienen; weil sie so unmittelbar aus der Vergangenheit kommend mich in dieser Gegenwart überwältigten. Fast kam es mir einer Indiskretion gleich, das Berühren dieser Seiten, dieser Worte, es schien mir wie ein Offenlegen alter Akten, an deren Inhalt sich niemand so recht heranwagen will, hat sich doch schon diese oder jene Wahrheit über die Angelegenheit gelegt …
Und da waren sie, die Wörter!

Versteckt in einem Bild, in einem in sich selbst verschlungenen
Schriftzeichen, in einer alten ausgeblichenen Holzschnitt-Illustration.Sie sind mit der schwarzen Tusche in das weiche Papier gesunken, haben die Zeiten überdauert in den Zwischentönen einer anderen Sprache!

Der alte Mann lebt heute nicht mehr, doch er ist immer für mich gegenwärtig. Sein gestikulierendes Gespräch hatte mir die Tür zu meiner Kindheit geöffnet, hat die hölzernen Schreibtischschubladen in meiner Erinnerung wieder geöffnet, hat das was am Verglimmen schien wieder entfacht. Dass was am eigenen Widerschein verfremdet schien, hatte wieder einen Klang und ein Gesicht erhalten.Wörter. Ich habe sie wieder gefunden.

In der Stille, im Lauten.

Sie sind die verstreuten Erinnerungen, sind innere Markierungspunkte, sind doppelt belichtete Fotos und Heimat für den Heimatlosen. Die Wörter, meine vagabundierenden Freunde der Kindheit, zu suchen schien. Fast aussichtslos auf der Suche nach ihnen bin ich mitunter im Niemandsland ankommen. Aber auch das ist gut so, denke ich. So treffend das Gedicht, welches der alte Bücherverkäufer mir zu übersetzen versuchte:

Der Mensch ist ein Wanderer, auch ich bin ein Wanderer. Der Frühling vergeht.

Ich wollte schon immer wissen, wohin die Wörter gehen. Sie sind überall. Sie sind frei. So wie ich.

Und ich bin mir ganz sicher, dass jeder seine Wörter wiederfinden kann.
Alte Bücherverkäufer gibt es überall.

MAR 2007

15. Juni 2014

FRAGmENte

Filed under: DER mensch als fremder ORT, kurzgeSCHICHTen, privat, wahrNEHMungen — silkandpaper @ 4:44 PM

 

Foto © Ara Güler

Foto © Ara Güler

Die erste Fähre

Alles hat anders angefangen. Momente in der Zeit , die überraschend sich ändern, wenn man nach Ausflüchten oder Erklärungen sucht, wenn man sich für etwas  rechtfertigen wollte oder auch nur, um dem Moment,  der abrupt eine Wende nahm, einen Anfang zu schenken. 

Alles hat anders angefangen, es war nicht immer wie letzte Nacht …so begann auch er, und packte den Stapel loser Bögen fast unachtsam auf die noch vom Regen feuchte Bank neben sich, legte dann die Handflächen auf die Oberschenkel und bog vier Finger seiner Hand zu einer kleinen, offenen Faust;  er zuckte aber sogleich wieder zurück –   die Bügelfalten!   Immer und immer wieder hatte ihn wohl  auch seine Mutter erklärt, dass einen feinen Herrn ausmacht, dass die Bügelfalten in jeder Situation überall scharf und geradlinig den Stoff optisch teilen sollten… Oder war es eine Verlegenheitsgeste, dass seine Hände sich in die Beine krallen wollten und nur die Scheu, andere könnten seine Enttäuschung oder Trauer sehen, hielt ihn ab.  

Der Freund, der ihm gegenüber saß, blinzelte ihm zu und meinte nur, ach so – und geendet hat es anders? Augenblicklich wurde ihm gewahr dass er sich über den Freund lustig gemacht hatte und versuchte, den missglückten Scherz in eine andere Richtung zu lenken und setzte eine ernste Miene auf…Es folgte ein langes Schweigen

Nein, meinte er, sprang von der Bank auf  und beschrieb dramatisch mit den Armen einen halbrunden Bogen und schaute dabei hinauf zum morgendlich blass ausgesternten Himmel. Nein, das meinte ich nicht, sprach er zu sich selbst und dann sah er seinen Freund aus den Augenwinkeln an . Siehst du nicht, wie unerreichbar das Tiefste, das Blaueste, das Unberührbarste ist?  Dieser Himmel, dieses Wunder, welches meine ganze Seligkeit beschreiben kann.  Dann wird es hell und alles ist weggewischt.  Oder dort, diese zitternde, welke Blüte, die auf dem Wasser schaukelt, und die uns beim längeren Hinschauen etwas vorgaukeln kann, was gar nicht da ist. Die Nacht geht,  als hätte sie es nie gegeben…

Du denkst, das Schicksal sei grau. Du denkst, es sei wie diese dunkle Wolke, die über den Köpfen dahingleitet, und dass es hier und da  gerecht etwas von seinen Wehmutsliedern und Freudentrillern verteilt, aber dem ist nicht so. Das Schicksal ist weiß. Es ist ein ausgefranstes Stück Papier. Da, wo gestern noch die Worte standen, die ich für meine  Einzige  geschrieben habe, sind Buchstaben ausradiert und Satzzeichen abgerissen und nun liegt es an mir allein, sie wiederzufinden.  Man  geht auf die Suche und jedes Mal, wenn man denkt, dass sich das Schicksal erfüllen könnte, weht ein Wind daher und reißt dir das soeben Gefundene wieder aus den Händen.

Einen Schritt rückwärts taumelnd griff er nach dem ersten Bogen, der mit zahlreichen durchgestrichenen Wörtern versehen, und nun zwischen seinem Zeigefinger und Daumen im Fahrtwind tanzte 

Du denkst das Schicksal sei grau, weil die Tinte, die im Regen verläuft, sich so ins Weiß frisst, dass es von Weitem so scheint, als würde es zu einer Pfütze verschwimmen. Es ist alles ganz anders. 

Mit den letzten Worten nahm er sein Manuskript und warf es von der Fähre. 

 

 

 

 

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Foto © Ara Güler

Foto © Ara Güler

Am Morgen

 

Es roch nach Wasser. Und auch nach Verbranntem .

Das Streichholz glimmt langsam aus, krümmt sich und bleibt verformt im Aschenbecher liegen.

Der Herr aus Istanbul lehnt sich zurück und lässt den Blick über die feuerrote Zigarettenspitze schweifen. Drüben, auf der asiatischen Seite macht wahrscheinlich gerade der Fährmann das kleine Boot startklar und wird sich sicher nicht in die süße Melodie der Wellen verlieben können wie er, der eigentlich die Nacht ausklingen lässt und bereit ist, diesem frischen und wassergeschwängerten Morgen eine romantische Note zu verleihen. Der Bootsinhaber hört das Scheppern der Kette, das dumpfe Anstoßen seines Bootes am Boot des Nachbarn und vielleicht,  in einem stillen Moment , das Kreischen der Möwen.

 

Der Herr streckt nun die Beine aus und bemerkt, dass die Schuhe, die er am Abend zuvor blank putzen ließ, die Wege durch die Nacht nicht gut überstanden haben. Überall waren senffarbene Spritzer und die Laufsohle war sogar von einer dunkelbrauen Kruste überzogen. Aber nach einer Sommernacht wie dieser, wo er in Gassen und Straßen Menschen ausweichen musste, wo er, leicht angetrunken, hinaus aus der Taverna trat und hinein in eine Pfütze undefinierbarer Farbe; nach so einer Sommernacht verlangt es niemanden nach Perfektion oder gar nach einer Reinlichkeit, die nur Menschen zur Schau trugen, die ihren Lebensinhalt in der beschaulichen Wohnung zu finden vermögen.

 

Auch das typische Hinunterbeugen, um schnell mit einem Stück Papier über die Schuhe zu fahren, konnte er getrost unterlassen- er war allein . Und das war etwas Besonderes in einer Stadt wie Istanbul. Es sind nur wenige Momente am Morgen, wo es den Anschein hatte, dass die Häuser tief und schwer in den Bergen hingen, dass die Minarette ihre hölzernen Luken geschlossen hatten , dass selbst das Wasser zu flüstern schien.

Er war allein, besser gesagt, er war einsam. Nur das wusste er in diesem Moment noch nicht.

 

 

 

ps als ich vor 20 Jahren in Istanbul war, Fragmente aus dem Reisetagebuch. Heute habe ich zwischen fliegenden Blättern 2 Notizen gefunden. Ich dachte mir, es lohne sich, sie aufzuheben.

 

 

 

 

22. Dezember 2013

wINter

Filed under: DER mensch als fremder ORT, kurzgeSCHICHTen, Uncategorized, wahrNEHMungen — silkandpaper @ 10:19 AM

 

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Innerhalb von zwei Tagen ist nun der Winter eingebrochen und der Wind hat sich vom sanften Schmeichler in einen wilden Gesellen verwandelt. Immer wieder erstaunt es mich doch, wie die Natur uns überraschen kann mit Dingen, die uns Jahr und Tag begleiten. Wir bräuchten uns nur 9 Monate zurückzuerinnern und könnten den Hauch von Eis und Schnee fast spüren. Aber aus irgendeinem sicher erklärbaren Grunde vergessen wir diese Kälte und staunen überrascht, wenn der erste Schnee fällt und der Wind sein Gesicht an das Fenster drückt und die Scheiben leise knirschen.

Und doch, obwohl wir trotz der naturgegebenen Gabe, den ganzen Sommer hindurch einen Erinnerungsverlust zu haben , gibt es Momente oder Situationen, die einen wieder die Kälte spüren lassen , die damals unter die Kleidung kroch, die Hände klamm machte oder uns lieber ins Warme flüchten ließ.

Wie oft bedauerte ich die Verkäufer auf offenen Märkten, die sich fröstelnd in die Hände hauchten und von einem Bein auf das andere sprangen, um nicht ganz und gar in der Kälte zu erstarren. Sommers ist das ein herrlicher Zeitvertreib, dem bunten Treiben und den Gerüchen des Wochenmarktes nachzugehen, hier und da stehen zu bleiben, dem Schwatzen der Menschen zu lauschen. Doch im Winter hastete ich von Stand zu Stand, damit ich so flink wie es nur geht, wieder nach Hause ins Warme kam.
Doch die Vorweihnachtszeit forderte etwas mehr von mir ab. Dort die Nüsse, da die Rosinen, dort die Butter vom Bauern, da die Gewürze, nicht zu vergessen die Tanne…
Meine Zehen kribbelten, denn leider hatte ich in der Eile die ungefütterten Schuhe angezogen und die Kälte kroch durch das dünne Leder.

Ich wollte nur schnell irgendwo Wärme tanken, irgendwo die schweren Taschen absetzen und für einen Moment ausruhen. Die Kirche auf dem Marktplatz, immer geöffnet, war am nächsten, und so setzte ich mich in eine der langen, hölzernen Bänke. Es war still und die dicken Mauern schluckten den Marktlärm so einfach weg; eine dunkle, tiefe Stille lag in diesem Gemäuer. Nur das gefilterte Tageslicht fiel auf die Bankreihen und das hölzerne Interieur an den Wänden warf Schatten.
Anheimelnd war das nicht gerade, ich schien alleine zu sein, ein bisschen unheimlich. Plötzlich hörte ich ein Geräusch; es klang wie ein ganz tiefes, schweres Atmen und dann – ein klagendes Schluchzen. Einige Reihen vor mir saß ein Mann und weinte. Offensichtlich wähnte er sich allein in der Kirche, denn sein Weinen wurde immer lauter und wirklich schmerzerfüllt.
Ich war unsicher, ob ich mich bemerkbar machen sollte; wollte ich ihn doch nicht beschämen, wenn er hier alleine weinen wollte; andererseits dachte ich, bräuchte er Trost. Und so stand ich etwas geräuschvoller auf und ging zu ihm. Ich setzte mich auf die Bankreihe hinter ihm und fragte, ob er Hilfe brauche. Meine Hand legte ich ihm auf die Schulter, damit er das Gefühl bekäme, dass jemand da ist, der Trost spenden kann. Er weinte weiter und während er sich die Nase wischte erzählte er mir, dass seine Freundin ihn nach langer gemeinsamer Zeit verlassen hätte, ohne Vorwarnung, ohne einen für ihn ersichtlichen Grund, nur mit seiner Mutmaßung, dass sie wahrscheinlich einen anderen Mann hat. Gerade jetzt in dieser so kalten, dunklen und einsamen Zeit könne er es nicht in seiner Wohnung ertragen, alleine zu sein. Ich schaute mich fast demonstrativ um und meinte, dass es hier auch nicht gerade vor Menschen wimmele.
Na ja, meinte er, er war auf dem Markt und wollte einkaufen und es wurde ihm kalt. Wie mir, sagte ich ihm, ich wollte auch schnell meine Füße wärmen, bevor ich weiter müsse, um dann nach Hause zu gehen.
Ich schlug ihm vor, in eines der Cafés zu gehen, die ringsum den Marktplatz einrahmten.
Dort wäre es noch wärmer, es wäre heller und es gäbe was Warmes zu trinken,
kurzum lud ich ihn zum Kaffee ein. Nach einer kurzen zögerlichen Pause sagte er zu.  Später, nach fast 3 Stunden im Cafè, glühten nicht nur meine Füße,  sondern auch mein Kopf rauchte. Der Mann erzählte mir aus seinem Leben, so als hätten wir uns schon Jahre gekannt. Und doch ist etwas völlig Einfaches, einem Fremden all das zu sagen, was man seinen Freunden oft nicht mehr sagen kann. Ich war völlig unvorbelastet, völlig frei von Wertung und völlig offen für seinen Kummer, seine schönen Erinnerungen. Alles packte er auf diesen Kaffeehaustisch mit der weißen Papierdecke. Ich brauchte nur zuhören, nicken, trösten. Er musste keine Scham haben, keinen falschen Stolz, denn wir waren nur Bekannte für ein paar Stunden und wussten ungesagt, dass man sich wohl nie wieder begegnen würde.
Draußen wurde es dunkel und an den Einfachscheiben des Cafés begann von den Rahmen her der Frost seine weißen Eisblumen zu zeichnen. Ich sagte ihm dass, wenn die Eisblumen schmelzen, sein Schmerz über die verloren gegangene Liebe vorüber sein wird und dass diese erste, schmerzliche Erinnerung an diese Einsamkeit im Winter fast vergessen sein wird, sobald es wieder wärmer wird. Natürlich klänge dies sehr simpel und fast schon wieder wie aus einem Kitschroman, aber er solle mir glauben und versuchen, den Winter mit der Erinnerung an schöne Sommer und mit der Erwartung an die Wärme des Frühlings zu überstehen.

Welche Art von Abschiedsgruß kann man denn einem Menschen sagen, den man nicht wiedertreffen würde, den man nicht kennt und trotzdem um dessen Schmerz weiß?

Da war mir die Metapher der ewigen Wiederkehr im Kreislauf der Jahreszeiten recht. Ich reichte ihm die Hand und wir gingen verschiedene Wege. Lange habe ich zu Hause noch nachgedacht.  Natürlich konnte ich ihm nicht helfen, natürlich nicht die Probleme lösen, die ein trauerndes Herz nun für Monate mit sich herumträgt. Ich war der fremde  Mensch, dem selbst kalt war, dem fröstelte. Der Zufall führte uns für 3 Stunden  in einem Café zusammen.

Das ist nun schon Jahre her. Wenn ich eingangs das überraschende Erstaunen über den Wintereinbruch beschrieb und die gewollten Erinnerungsverluste über die Kälte, so wundert es mich doch manchmal, dass ich diesen Mann nie vergessen habe. Immer wenn es zum ersten Mal schneit in meiner Stadt, denke ich an diese 3 Stunden, denke ich an diesen Mann, der weinte und sich nicht scheute, sein Herz auszuschütten. Es ist wirklich merkwürdig. So viele Menschen haben seither meinen Weg gekreuzt und an viele von ihnen kann ich mich nicht erinnern. Doch mir dünkt es, dass dieses Erlebnis immer wenn es Winter wird, mit dem kalten Wind angeflogen kommt, an meine Scheiben klopft und meine Gedanken über die Stadt hinweg trägt zu diesem fremden Mann.
Das Leben ist wirklich voller Geheimnisse.

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 Copyright MAR / Silkandpaper

unter Pseudonym in Foren veröffentlicht

5. März 2013

siebenUNDdreissig

Filed under: going underGROUND, kurzgeSCHICHTen, wahrNEHMungen, ZEITgeist und abgesang — silkandpaper @ 2:05 PM

…der Albtraum einer U-Bahnfahrt. Früher habe ich auf meinem Blog immer die netten Begebenheiten in der U-Bahn zu Kurzgeschichten verarbeitet. Die Zeiten scheinen vorbei zu sein. Diebstahl, Zusammenschlagen, Beschimpfen.
Heute erlebt: 1. Klasse hat Schulausflug. Alle Kinder sitzen. Die Lehrerin, eine ganz Nette, spielt mit den Kindern Wissenstest, damit die Fahrt nicht langweilig wird. So was ist wirklich selten, dass sich die Begleiter so engagieren. Klein- Muhamad muss aus der Reihe tanzen und sich so hinsetzen, dass seine Schuhe des Nachbarsjungen Hose beschmutzen. Die Lehrerin:“ Muhamad, bitte setze Dich so hin, dass Du niemanden trittst.“ Klein- Muhamad hat beide Ohren „zu“ und setzt sich nun noch so hin, dass die Schuhe voll in den Laufraum der U-Bahn ragen. Die Lehrerin nimmt Muhamad hoch  in den Arm und setzt ihn wieder richtig herum hin, und erklärt ihm, dass es nicht gut ist, Fahrgäste mit den Schuhen zu beschmutzen. Klein -Muhamad juckt das nicht und setzt sich prompt wieder anders hin und tritt dabei die Nachbarin. Wieder fordert ihn die nette Lehrerin auf, doch bitte nicht so etwas zu machen, außerdem wollten sie eh gleich aussteigen und alle Kinder sollen bitte zuhören. Klein- Muhamad juckt es nicht. Die Lehrerin setzt ihn wieder anders herum hin. Das macht sie wirklich sanft und freundlich… Klein Muhamad holt aus und schlägt nach der Lehrerin “ Fass mich nicht an, Du ungläubige Schlampe! „.

19. Juli 2012

Use the shuttle service !

Filed under: going underGROUND, kurzgeSCHICHTen — silkandpaper @ 1:55 PM

Use the shuttle service !

In Berlin wird gebaut! Neu ist das nicht, denn selbst denen in abgelegenen Winkeln der Stadt Lebenden  stellen sich sperrige und hässliche rot-weiß gestrichene Zäune in den Weg.

Sie sind klobige sommerliche und ungebetene Gäste auf den Bürgersteigen und Straßen, besonders dann, wenn man es eilig hat.

Wieder ist mir eine U-Bahn vor der Nase weggefahren. Der Zeitvertreib, Plakate oder Mitteilungen auf Werbeträgern anzuschauen, wird  in diesem Sommer nicht besonders von der BVG gefördert. Die meisten Termine sind schon längst verstrichen, die zum Urlaubmachen aufrufen und auch Bread and Butter (Vorsicht! Damit sind keine Stullen gemeint! ) sind schon längst vorüber.  Es ist irgendwie entschuldbar, dass es so gekommen ist- denn in einigen U-Bahnhöfen wird tüchtig gewerkelt und renoviert, so dass es sich für die Plakatedienste nicht auszahlt, etwas zu erneuern.

Zwischen Kreuzberg und Neukölln sind in den letzten Jahren Sprachschulen wie Pilze aus dem Boden geschossen- die Wirtschaftskrise beschert den Schulen einen unerwarteten Zulauf, denn Old-Germany wird ein begehrtes Pflaster werden.

Zwischen zwitschernden Chinesen und mit Händen lamentierenden Italienern, radebrechenden Franzosen und vom Restalkohol leicht angesäuertem Spät- sorry- Frühheimkehrer aus der Nachtbar am Südstern, machen es sich Diejenigen gemütlich, die zur Arbeit müssen.

Irgendwie hat das die BVG mitbekommen, dass es sich lohnen könnte, das Image aufzupolieren, denn kurz nachdem die U-Bahn am Hermannplatz in Richtung Spandau im Tunnel verschwindet, tönt eine Stimme , die den Fahrgast und seine Mitbegleiter informiert, dass man den Bahnhof Friedrichstraße nicht mehr erreichen kann, ohne Umwege in Kauf zu nehmen.  Für die Sprachschüler, die hier eigentlich eine wunderbare und typische Deutschübung hätten, oder auch für die lernfaulen und übermüdeten Touristen kommt ein englischsprachiger Nachsatz „ to use the shuttle-service from x to y.

Pendeln also sollen diejenigen, die in die östliche Mitte Berlins wollen. Auf Umwegen und anderen U-Bahnlinien irgendwie zur Friedrichstraße zu gelangen…Ratlose Gesichter, erschrockene Mienen, angestrengte Versuche zu verstehen, was wohin und wie am besten…Zeitverlust, Angst sich zu verlaufen, Sorge, den Anschluss zu verpassen, das plagte auch Berliner, die seit Anfang des Monats 45 Minuten länger einplanen, um zur Arbeit zu kommen.

Und dabei ist es wirklich viel schneller, viel einfacher, ohne Fahrgäste, Sprachstudenten oder schläfrige Nachtschwärmer zu verunsichern. :  get off Französische Straße, walk  for 5 minutes and you will  stand right in front of Friedrichstrasse. Mein Vorschlag: einen kleinen Flyer erstellen, mit  einer Liste aller Geschäfte, die auf dem Weg liegen. Inbegriffen ein Gutschein für einen starken Morgenkaffee im Cafe an der Ecke.

Die ohnehin seit langem überbewertete Friedrichstaße kommt so wirklich zu dem Prädikat, den sie eigentlich bis dahin zu Unrecht hatte: Großstadtmeile mit Flair. Ein Lacher, wenn man z.B. den Mehringdamm in Kreuzberg nach 20 Uhr entlang flaniert…Bis dato dümpelte die Friedrichstaße  besonders nach Geschäftsschluss leise und verkehrsarm vor sich hin.

Jetzt hätte man die gute Möglichkeit, ihr eine Auffrischungsspritze zu geben. Wie wäre es,  liebe BVG. Auch wenn wir ein tolles U-Bahnnetz haben, einen gut funktionierenden Busverkehr, Tram und sogar Schiffslinien –  als Berliner darf man eines nicht vergessen: Berlin ist ein Dorf! Und manchmal sollte man die Touristen durchs Dorf treiben.

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