Silk and Paper

27. Oktober 2016

אֱלוּל

Filed under: Uncategorized — silkandpaper @ 7:31 AM

Alles schien vorherbestimmt,
dass nach der Eins die Zwei folge
so wie der Regen im Herbst,
der den Staub der Stadt
mit sich nähme…

und dass sich das Blatt
wie ein zerrissenes Tuch
über das Leben lege, oder
die Melodie des Dreiklangs
in den Himmel zeichne…

Das vier Pfähle
die flatternden Tücher halten
für das Dach über dem Kopf,
und der Wind mit ewigen Raunen
den Stoff zerreibt…

Alles schien vorherbestimmt.
Von irgendwoher sollten Schritte hallen
und auf meinem Fensterbrett
würden die Winterveilchen 5 Blüten
ans Licht treiben.

Das Leben würde zur Bühne
und der Vorhang würde sich schließen
wie sechs Schleier vor meinem Gesicht.
…dort stünde ich still, für die Sekunden
die wie Tage einer Woche

auch sieben dunkle Nächte
im Raum der Verkleidungen
auf die Vollendung warten…
es würde Licht …und dem folgte
die Stille…

dass der weiße Rauch der Träume,
den müden Tag
für einen Moment einhülle,
aufstiege aus der Unendlichkeit
und die Acht in zwei Gleiche zerfiele…

Alles schien vorherbestimmt.
Auch die Ellipse, die sich in den Augen spiegelte,
wie der Mond im August
und der noch nicht wusste,
dass morgen Eylül sein würde.

 

 

 

 

 

 

Eylül oder Elul ist der achte Monat im Mondkalender d.h. August und September

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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1. Oktober 2016

Seh(n)sucht nach der Leere


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Mongolei 2016

Anfangs konnte ich die Stille nicht beschreiben. Sitzend auf Steinen, den Blick über eine nicht enden wollende Weite geschickt, kam nur der eine Gedanke: wer hier noch mit sich und der Welt hadert, dem ist nicht zu helfen.
Hier versickert die Zeit und entschwindet dem Horizont entgegen. Der leichte Wind, streifend über Grashalme, Wildblumen, Gehölz, nimmt den Staub von meinen Haaren mit .
Zwischen zwei Steinkolossen schaukelt ein Spinnennetz. Fast einträchtig nebeneinander- eine große an Beinen behaarte Spinne und eine kleine Spinne , flinkere Spinne , die bei der ersten nicht vom Wind herbeigeführten Erschütterung am Netz flüchtet.
Durch das Netz schimmerte der Himmel wie blasses Wasser , geteilt in die abgerundeten Dreiecke des Spinnennetzes und ganz weit hinten, da wo man die Erde abrunden sah , klammerte sich schon die Dunkelheit an das Licht . Die klebrige Flüssigkeit an den Spinnenfäden glitzerten wie winzige Splitter aus Glas
Die Stille verändert sich und verschwimmt mit der Weite, die mich umgibt , zu einer Leere. Es scheint, als stünde man inmitten einer gläsernen Kuppel, die jedes Geräusch und jede Bewegung für Bruchteile von Sekunden auslöscht, fast so, als wolle diese Leere auch mich für diese Bruchteile nicht anwesend haben.
Wenn man inmitten der Wüste steht und die Dämmerung vom Rande der Erde langsam , wie einen schwarzen Flügel eines übergroßen Vogels auf sich zuschweben sieht , sieht man die wenigen Büsche inmitten dieser gelben , sandigen Fläche aufflackern .
Als ob die letzten Sonnenstrahlen fast biblische Worte herauf beschwören wollten – brennende Dornbüsche, flackernde Flammen , kurz bevor sich zu der schon vorhandenen Leere und Stille noch die pechschwarze Dunkelheit gesellte.
Doch sind es nur Momente von diesem Dreiklang Leere, Stille, Dunkelheit. Sobald sich das Auge an das Schwarz gewöhnt hatte , brachen durch die Himmelsdecke tausende und abertausende Sterne , die so funkelten, als wolle jeder einzelne dem staunenden Zuschauer zuzwinkern.
Wie in einem Spiel schienen Stille, Leere und Dunkelheit verschwistert zu sein, verbandelt um diesen einen Moment auszukosten, bis die Sternenpracht sich ausdehnt und dem kühleren Wind nun Raum gewährt. Um die wenigen Felsbrocken, die wie scheinbar in der Wüste verirrt schienen , strich die Brise aus dem Nirgendwo und ließ hörbar ein leises Geräusch zurück. Fast wie ein Seufzen oder ein leichtes Atmen.
An solchen Tagen mutete es sich an, als läge dieses Land auf einem anderen Planeten. Alles bezeugte, dass dieser Flecken Erde etwas ganz Altes ist, etwas so kraftvoll Ursprüngliches, dass man sich plötzlich seiner eigenen Dimension bewusst wird. Und seiner Kleinheit.
Die Draußenwelt mit ihrem Lärm, Schmutz und der Gier nach Reichtum war weit weg . Hier zählte nur der Moment, das Jetzt, das gerade Anstehende.
Für ein paar Tage und Nächte hörte man nichts von alledem , was außerhalb dieses Landes lag. Mittendrin im Wiegen des Steppengrases.

 

wie immer :  ©  bei mir

„Das Einfache, das eigentlich immer vor unseren Augen Seiende ist es, was dem Leben jede Doppelsinnigkeit nimmt und das Sein klar benennt.

https://silkandpaper8.wordpress.com/2016/09/29/leere-und-fulle/     „

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