Silk and Paper

2. Juli 2016

Wenn Männer in Bewegung kommen-muss sogar der Kopf herhalten !



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Wenn Männer in Bewegung kommen-muss sogar der Kopf herhalten !

Natürlich musste wieder die gute, alte U-Bahn den Hintergrund liefern, um Geschichten entstehen zu lassen, kleine Begebenheiten und Begegnungen. Wo sonst ist man auf so engem Raum beisammen und kann sich ungestört an den Gesichtern der mitfahrenden Gäste sattsehen.
25 Minuten Fahrtzeit bieten schon einen recht schönen Zeitrahmen für einen Einakter, der fast aufführungsreif wäre, ob wegen meiner Begriffsstutzigkeit oder der belustigenden Reaktion des Fahrgastes mir gegenüber, wer weiß.
Station Berliner Straße, der Umsteigehafen für die Neuköllner Richtung , immer auch die passende Gelegenheit, einen Sitzplatz zu ergattern. Wunderbar, gleich in der ersten Reihe macht jemand einen Sitzplatz frei und ich packe mich mit Handtasche, Büchertasche und einem etwas dickerem Paket, was zur Post sollte, an die Fensterreihe.
Mir schräg gegenüber sitzt ein Mann so in den Fünfzigern. Graumeliertes Haar und einen sehr gepflegten grauen Bart. Etwas unruhig rutscht er auf dem Sitz hin-und her und schaut zur Decke, zum Boden, auf die Mitreisenden und dann bleibt sein Blick auf mir stehen. „was meinen Sie? Ibo gut? “ Am Akzent höre ich, dass er kein geborener Berliner ist. Ibo, das ist ein mir geläufiger Name , den ich mal hier und mal da gehört habe, der Mann einer Freundin heißt Ibo, also gehe ich in diesem Moment davon aus, dass der Mann Türke ist, und die geläufige Koseform benützt.
Ich schaue ihn ganz irritiert an und antworte (man will ja nicht unhöflich sein), dass ich nicht wüsste, ob Ibo gut sei, denn ich kenne Ibo nicht.
“ Du Deutsche bist, oder? Ich habe fragen alle Leute und keiner kennt Ibo! “ Ich entschuldige mich höflich und sage, dass ich ihn heute zum ersten Mal sehe und bin etwas belustigt über den Fortgang der Unterhaltung. Mittlerweile schaut der Nachbar von der anderen Seite auch schon in unsere Richtung…
„Ja, aber alle Leute  gesagt, Ibo das Beste und ist gut und ich nicht verstehe, warum keiner Ibo weiß.“
Ich glaube in meinen Augen zeigte sich schon ein Anflug von Heiterkeit, denn ich mutmaßte, dass er vielleicht aus gekränkter Eitelkeit heraus nun volle Unterstützung für sich und seinen edlen Charakter suchte- ausgerechnet in der U- Bahn, wo die Leute meist genervt oder sich gestört fühlen, wenn man was von ihnen will.
Ich mache dem Gespräch ein Ende und meinte zu ihm, dass ich nicht verstehe, was er von mir will.

Kaum gesagt, steht er auf und fährt mit seiner Hand in die Hosentasche. Er wühlt und sucht und zieht ein Päckchen heraus. Ein kleines weißes zerknülltes Etwas mit der Firmenaufschrift : Pharma. “ Du gucken, hier, alle sagen Ibo gut und du nicht kennen?“
Ich schaue auf die Packung und lese die großen Buchstaben IBU und etwas kleiner gedruckt: Ibuprofen .
Ich musste plötzlich so breit lachen – er meinte Tabletten!
Ich versicherte ihm, dass ich Ibuprofen kenne und dass es Tabletten gegen Schmerzen seien. “ Ja, ich wissen, Frau aus Laden hat gesagt, sehr gut. Was denken du? “ Ja, ich sage ihm, dass ich gute Erfahrung mit IBUPROFEN hatte und er diese ohne Sorge nehmen kann.

Sichtlich aufatmend , aber mit gekräuselter Stirn , stand er nun auf und steuerte auf den Wagenausgang zu. Hier, am Kotti musste er raus. Beim Aussteigen höre ich ihn murmeln :

“ uuuuhhhhhhhhh, ich Kopfschmerzen jetzt haben. Frauen mir immer Kopfschmerzen machen“.
Ich liege innerlich fast flach vor Lachen auf dem Waggonboden. Ich war mir gar nicht bewusst, dass man, wenn sich mit mir unterhält, immer IBU bei der Hand haben muss…

 

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