Silk and Paper

31. Juli 2015

Wolf Kahlen. Ruine der Künste. EVENT

Filed under: Uncategorized — silkandpaper @ 8:58 PM

ruine doris     bitte selbst vergrößern.

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20. Juli 2015

zeitSCHATTEN

Filed under: sprach-RÄUME lyrik — silkandpaper @ 3:15 PM

Alles wirft Schatten,
auch die Stunden,
zusammengebündelt zu Tagen
Stunden und Wochen…
Scheitelpunkt.
Mittagsstunde, im Zenit.

Die dämmrige Zunge,
ihr dunkler Hauch,
ummantelt Dich und die Dinge.
Er löst sich auf, scheinbar,
der vorher das Bild
in den Staub zeichnete.

Und plötzlich lässt Dich
das Leben los.
Befreit von Allem. Entkleidet.
Nackt wie am Tag der Geburt
und des Sterbens.
Zeitschatten – ein Augenblick.

15. Juli 2015

nur eine strassenecke WEITER


traum-mutter-kind.jpg

Nirgendwo in der Stadt ist die Melancholie so durchsichtig wie in dieser Straße. Rechts und links der Fahrbahn trotzen alte baufällige Häuser der städtebaulichen Fantasie. Die Türen sind mit Brettern zugenagelt. Ich betrete diese Straße sehr selten, aber genau deshalb ist sie in die Galerie der besonderen Erinnerungen aufgenommen. Sie hängt, wie ein Bild an einer Wand in meinen Erinnerungen fest. Und wie in einer Galerie auch, macht es die Beleuchtung oder die Verdunkelung, dass sich meine Sicht auf diese Straße wandelt.

Mitten in Kreuzberg schneidet sie die Oranienstraße in Stücke- eines von vielen Stücken, die wie kleine Kuchenstücke beim Bäcker einfach so daliegen, jedes mit einem anderen Belag, mit anderen Früchten. Streuselkuchen neben Tortenstück…

Auch hier, im Kreuzberger Stadtplan schiebt sich diese Straße wie ein Messer durch den Kuchen und teilt mitten auf der Fahrbahn dieses Viertel in Sushi-Asia -Bioläden und in Kebab-Döner-Teestube- Ausbesserungsschneiderei.

Das Licht an diesem Herbsttag holt all die ungeputzten Fenster aus ihrem dunklen Dasein hervor; der Staub wirbelt zwischen Licht und Schatten und der noch warme Wind trägt den Geruch von Bratkartoffeln mit Gurkensalat auf den Gehsteig. Mein Blick heftet sich auf den Boden, es ist ratsam aufzupassen, wo man hintritt. Hier ist der Bürgersteig übersät mit kleinen Dingen, die man selbst nur 100 Meter weiter nicht finden würde. Abgerissene Kinokarten, zerfetzte Zeitschriften, Gewürztüten von Chinasuppen, Holzstäbchen von Kebab, Servietten voller Ketschup, einen abgeschleckten Lolli, Schokoladeneispapier, eine leere Wasserflasche Marke Irgendwoher, eine alte Garnrolle, ein alter Fahrradschlauch, 2 Cent, eine Hülle von Papiertaschentüchern….und das ließe sich beliebig fortsetzen. Aber es sind nicht nur die Dinge, die meine Aufmerksamkeit fordern, sondern auch die Geräusche und das bewegte Straßenbild.

Spazierengehen in Kreuzberg; unterwegs zum Künstlerhaus Bethanien zu einer Ausstellung, die sich mit der Kunst des Spazierengehens befasst. Fast, so scheint es, ist es gewollt, dass ich diese Strecke zu Fuß zurücklegen muss, so als solle ich mich einstimmen auf Räume, die das „erlaufene“ Leben eingefangen hat. Diese Straße stimmt mich ein und ich überlege, ob ich nicht noch ein paar Umwege machen sollte.

Ganz hinten, am Ende der Straße sehe ich ein grünes, großes Licht. Es ist der Park, der das ehemalige alte Krankenhaus mit hohen Bäumen umschließt. Das Herbstlicht schimmert durch die Blätter und winkt mir aus der Ferne zu. Das Leben um mich herum erscheint mir so dicht, so prall gefüllt von allerlei Leid und Freude, voller Tragödien und Dramen- fast so, als wären all diese Geschichten der vergangenen hundert Jahre in diese alten Mauern der Häuser hineingeschrieben. Da ist der grüne Platz zwei Straßenzüge weiter wie ein guter Freund, der mir zu sagen scheint: Komm, ich nehme dich in meine Arme und du kannst dich hier ausweinen. Und dabei ist dieses Weinen nicht einmal gewollt- es hat sich einfach so als kleine Tränen in meinen Augen verirrt. Es ist eine merkwürdige Mischung aus Wehmut und Glücksempfinden. Die Melancholie als kleine Schwester der Trauer- Trauer darüber, dass die Zeiten der Häuser einfach vorbei sind und ein Glücksgefühl darüber , dass man trotzdem noch ihre Schönheit wahrnehmen kann.

In dieser morbiden Tristesse dieser Straße scheinen sich viele Erinnerungen verborgen zu halten, die ich seit Kindertagen mit mir herumtrage… Der Geruch von Bohnerwachs, angebrannter Milch, ein Hauch muffiger Luft aus geöffneten Kellerfenstern; schwarze Kohle schimmert durch das fast blinde Glas, eine alte Frau lehnt sich aus dem Fenster, die Arme auf ein Sofakissen gestützt… sie möchte teilhaben am Leben draußen… Die klobigen Türen zu den Gewerbehöfen stehen weit offen, wie große Münder schlingen sie alles hinein, was angeliefert wird. Zwischen Zwiebeln und Stoffballen spielt ein Kind, ein Auto hupt; der Bus schiebt sich um die Ecke und hält.

Ich überquere die Oranienstrasse, und eile dem Platz entgegen, wo ich mich verabredet habe. Still und fast verlassen liegt dieses große Haus, umsäumt von einem verwilderten Park- einige Häuser werden immer noch von Autonomen bewohnt. Ich bin zu früh – also nutze ich die Zeit und durchquere die Parktangente in Richtung Kirche. Ich erinnere mich, dass dahinter die Berliner Mauer war und aus irgendeinem Grund genau hinter der Kirche noch ein kleines Grundstück war, das, da sich bisher kein Besitzer gemeldet hatte, das einzige Niemandsland in Berlin ist . Schon Jahrzehnte wird dieses Stück Land als Garten genutzt. Ein türkischer Gastarbeiter hatte sich dort einen Gemüsegarten angelegt und sich ein Baumhaus gebaut, wild und ohne einen Behördenstempel … Zwischen Wildwuchs und 3 Meter hohen Sonnenblumen sehe ich dicke Kürbisse und Kohlrabi, Bohnen hangeln sich an einem Lattenrost, der als Balkonbrüstung dient und vor dem Eingang zum Gartenhäuschen hat der alte Mann einen Tisch an seinen Beinen einzementiert und die dicke grüne Ledercouch dahinter scheint sagen zu wollen: He, der Tee ist gleich fertig- setz dich.

Es ist schon belustigend, wie mitten in der Großstadt ein alter Mann eine Lücke im Gesetz erkannt hat und hier sein Paradies, seine Robinsonade auf Erden hat. Der Alte dreht sich seine Zigarette, zwei Touristen lassen sich mit ihm fotografieren, ich bleibe stehen und schaue belustigend zu. So ein sympathischer Anarchist… Hinter der halbgeöffneten Laubentür hantiert seine mit Blumenkopftuch behütete Frau und es summt ein Gaskocher… Es ist still auf der Straße. Mittags zwei Uhr, da ruht das Leben für eine kurze Zeit. Mittagsschläfer haben die Fensterläden geschlossen und der Kindergarten seine bunten Vorhänge. Ich möchte irgendwie verweilen in diesem Moment. Die Zeit anhalten. Lachen und Weinen zugleich. Ein unbekanntes Gefühl ergreift Besitz von mir…ich kann nicht einorden, was es mir sagen will. Alles kommt so dicht an mich heran, das ich es mit den Händen greifen könnte- sogar das gelbe Licht ist voller Gestalt. Es wirft Schatten und tanzt zwischen den Büschen und Häusern.

Hinein in das Haus, welches mit Kunstwerken und begehbaren Museumsräumen zum Verweilen einlädt… in den Gängen hört man Kinder Klavierspielen üben und über endlosen Flure gelangt man zu Werkstätten und Ausstellungen.

Die Welt und die Dinge sind da. Jemand macht Fotos, andere durchqueren Straßen, andere zeichnen und wieder andere ziehen eine Spur hinter sich her wie ein roter Faden…Alles, was man sieht und wahrnimmt, findet Platz im Menschen. Man malt sich seine eigenen Bilder in der Galerie der Erinnerungen und es scheint , je dicker die Schicht Farbe auf den Fantasiebildern ist, um so durchsichtiger wird das Leben, umso mehr durchschaut man sich und die Sehnsucht nach der Welt, die man noch nicht entdeckt hat.

Und diese Welt kann wirklich bei jedem nur einen Straßenzug weiter liegen.

14. Juli 2015

drAUSsen vor der stadt

Filed under: sprach-RÄUME lyrik, wahrNEHMungen — silkandpaper @ 10:53 AM

mura

Wie ein warmer Atem, dieser Sommer,

der wie Schwebeteilchen

auf dem Zifferblatt meiner Zeit tanzt.

Melancholie und Heiterkeit

schwingen sich auf zum Reigen im Kornblumenfeld.

Und verlieren sich im Wetterleuchten.

Gefunden und verloren,

den Fußabdruck der Vergänglichkeit .

Nun sehe ich ihn am Himmel meines Lebens.

Die Wiese ,

das grüne Wissen um die Jahreszeiten…

Sie bettet mich

und lässt mich auch Teil  sein von dieser  warmen Erde.

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