Silk and Paper

27. Januar 2015

SCHATTENmenschen

Filed under: sprach-RÄUME lyrik — silkandpaper @ 11:46 AM

winter

Wie sie heraustreten, diese Menschen,
die bis dahin verschwunden waren
im grauen Mauerwerk
ihrer bröckelnden Fassaden.

Sie lösen sich langsam
wie ein Schatten aus dem Stein,
und machen den Tag noch dunkler
und kälter als sonst.

Wie alte Haut schält sich der Mörtel
und staubt den Schnee ein,
der wie ein Blatt Papier, tausendmal radiert,
grau eingefärbt  wird.

Ein schwacher Wind steigt auf,
nur gerade soviel, dass er aufstieben lässt,
was in der Luft liegt , und auftreibt
in den beginnenden Tag.

Belegt sind sogar deren  Worte,
und aufgerieben vom Sand,
der über die Straßen weht und
vor dem Sturz im Schnee bewahren sollte.

Nicht immer gleitet der Mensch
auf eisigem Boden aus. Doch er
kann stürzen und fallen und
Staub werden-  durch seine Worte.

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25. Januar 2015

sICH selbst nahe kommen

Filed under: sprach-RÄUME lyrik, wahrNEHMungen — silkandpaper @ 5:36 PM

Nichts verführt so einfach

wie die Selbsttäuschung.

Sie entschwert jeden Zweifel

und findet noch Halt

an der letztem Silbe

längst verklungener Worte –

– und doch,  irgendwo

hält sich wartend in jedem

etwas bereit,

was noch den Ursprung kannte,

bevor man es mit Unverstand

löschte…

24. Januar 2015

WACHsamkeit

Filed under: sprach-RÄUME lyrik, wahrNEHMungen — silkandpaper @ 12:40 PM

glut

Ich mag keine Begrenzungen ,

keine Perfektion,

keine Kleinlichkeiten,

keine Beschönigungen,

keine Beschwichtigungen.

Lieber sind mir verwilderte Waldsäume,

Unfertiges, was noch getan werden will,

Großzügigkeit, die die Seele weitet,

Klares, was man aussprechen sollte,

Beunruhigungen, die mich wachsam machen.

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