Silk and Paper

30. April 2014

die ZEIT hat zeit

Filed under: sprach-RÄUME lyrik — silkandpaper @ 1:26 PM

wald-zeichnung

Als die Zeit sich zum Schlummer niederlegte,

und ihre Augenlider  müde sanken

bäumte ein Wind sich auf,

eines nachmittags im Sommer.

Mit wildem Heulen rief er nach mir

und riss den Traum vom Blütensaum,

und von der Ewigkeit 

und fuhr mit einer kalten Klinge

durch die leise raschelnde Seide

der Pappel.

Silbrig fiel das erste Laub,  ein winziges Stück

herausgeschnittene Schönheit dieses Tages.

Wie eine Seite des Tagebuches

rollte und blätterte es Erinnerungen auf

an Zeiten, wo die Liebe hungerte.

Ich hörte, wie trockenes Gras

am Spiegel meines Lebens kratzte

und dort hellblinde Streifen hinterließ.

Mühsam musste es sich

am Glas reiben, um dahinter zu gelangen

und tausende Wiesen braucht es

um solches Gras zu finden.

Die Zeit hat Zeit.

.

copyright MAR

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20. April 2014

EIN-riss

Filed under: DER mensch als fremder ORT, wahrNEHMungen — silkandpaper @ 7:31 PM

Dali  Aufbruch zur großen Reise. Hölle

                                                                                         Dali. Illustrationen zur Göttlichen Komödie von Dante. Aufbruch. Hölle

Dali ist ein Schattenmeister. Die Landschaft groß und flächig , die einem fast unsichtbar scheint und träge vor sich hinfließt.

…da ein einziger Schatten. Wie ein Riss im Gemälde.   Langgestreckt zerteilt er das Bild in scheinbar drei Teile. Fast eine Dreifaltigkeit. Wäre es nicht der Aufbruch in die Hölle .

EIN-blick

Filed under: DER mensch als fremder ORT, Uncategorized, wahrNEHMungen, WEGkreuzungen — silkandpaper @ 7:10 PM

dali  göttliche Komödie vergil                                                              Dali. Illustrationen zur Göttlichen Komödie von Dante. Vergils Antlitz. Fegefeuer

In einer Ausstellung blieb mein Blick am Gesicht Vergils hängen . Als erstes fiel mir der einfältige Ausdruck auf, mein Attribut wandelte sich dann langsam in „frommer“ Ausdruck, später dann in „ängstlich-heilig“. Ich tat mich schwierig damit…

 

 

Auf den zweiten Blick und beim näheren Herangehen an das Bild entdeckte ich erst jetzt die versetzten, verschobenen Gesichtszüge, die das Gesicht Vergils mit diesem merkwürdigen und typischen „Christusschmerz“ überzog. Nur der grüne Blätterkranz , der eben keine Dornenkrone ist, lenkt mich wieder zurück zu auch anderen Blättern der Illustrationen in der Ausstellung .

Zwei Zeichnungen davor zieht ein Engel die Schubladen aus seinem Leib und man kann nur ahnen, dass sie wahrscheinlich nicht besonders gut gefüllt sind. 

engel dali

                                                            Dali. Illustrationen zur Göttlichen Komödie von Dante. Engel. Fegefeuer

… so wie Vergil’s Antlitz mich anschaut, so schaue ich ihn nun an. Das suggerierte „Heilige“ IMMER in der verschobenen Perspektive; und auch Engel , so heilig wie sie sein mögen, passen nun sogar in ihre eigenen Schubladen. So anders als im Leben auf der Erde scheint es im Fegefeuer nicht zuzugehen.

Filed under: Uncategorized, wahrNEHMungen — silkandpaper @ 11:04 AM

buschwind

Im Moorwald, wo alles im Begriff des Ersterbens zu sein scheint, schmilzt das Bild des Lebens auf einen kleinen Ausschnitt mit zwei Buschwindröschen zusammen, und nicht genug, es bleibt in einem blitzenden Regentropfen hängen.

Und diese kleine,  runde,  perlengleiche Universum scheint so perfekt, dass ich mich in dieser Schönheit von Durchsichtigkeit verliere, und all meine Erinnerungen und alles Erlebte aus vielen Jahren darin Platz finden

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