Silk and Paper

30. Oktober 2013

Filed under: sprach-RÄUME lyrik — silkandpaper @ 3:14 PM

laub1

Das rote  Weinlaub,

gebündelt in der Hand,  ist ein schöner Strauß

vom Sommer Abschied zu nehmen.

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herbstnACHt

Filed under: sprach-RÄUME lyrik — silkandpaper @ 12:15 PM

Bild 056

Die Schneebeere borgt sich

 nun das Licht des Mondes,

und überflutet im Dämmer

sogar  den ersten Schatten

 

Der Wind spielt Flöte

mit hohlen Straßenlaternen.

Lieder von gelben und blauen Tagen,

und von der Liebe, die wir einst hatten.

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25. Oktober 2013

SCHLÜSSElloch…

Filed under: legENDEn von romeo und julia, privat, wahrNEHMungen — silkandpaper @ 5:32 PM

Hör den Geschichten zu,
die Dich zu den Verstecken Deiner Erinnerungen führen.
Sie blühen auf , wenn im Herbst die Blätter verwehen,
Im Sommer beschirmt der grüne Schatten Dein Leben,
im Herbst zerpflückst du den Strauch wilder Beeren
die eine fremde Süße verströmen.
Hör zu, wenn die Einsamkeit beginnt, Dich zu berauschen.
Erinnere Dich, denn dies ist der Schlüssel zu Deiner Kindheit,
ist das Zeugnis, unter dem Du mit Deiner Unterschrift
Dein SEIN besiegelst

*

Gestern hatte ich den ganzen Tag Zeit. Ich saß in einer Freundes Wohnung fest und wartete geduldig auf den Monteur. Es war sehr still und nur das Ticken der Uhr durchbrach die Ruhe . Aus Sorge, ich könnte das Läuten an der Tür überhören, stellte ich auch nicht einmal das Radio an. Mein Blick verlor sich im Grün des Balkons, im Rot der Früchte, die bald geerntet werden müssen, im wässrigen Himmel. Draußen wurde es gestern wirklich Herbst. Die Baumspitzen endeten kurz vor der 4. Etage. Eine Pappel, die auf dem Gelände gegenüber all die Jahre stand, war geborsten und hing traurig in der Form einer Eins nach unten . Genau in der Mitte, so schien es, war der Bruch, der Riss, der durch das Holz ging. Früher ging ich öfters dort spazieren. Da war es noch eine wilde Wiese und kein Bauamt wäre auf den Gedanken gekommen, dort eine Strandbar zu eröffnen…

In all der Stille und Ergriffenheit über die noch immer erhabene Schönheit dieses sterbenden Baumes dachte ich , dass im Frühjahr sicher eine gärtnerische Hand den Baum fällen wird. Bis dahin wird auf diesem Platz ebenso eine Stille einkehren wie hier in diesem Zimmer. Der Winter ist ein Genesungschlaf der Natur.

Wenn sich im Sommer die Marienkäfer über den wilden Beifuß hermachen, der sich überall in Städten und auf Mittelstreifen der Straßen breitmacht, so verliere ich diese Pflanze als Fixpunkt; denn der Regen wird ihn fortschwemmen, zum Verwelken bringen… Er wird sich im Schlamm seinem Tod ergeben und dann im Winter werde ich ihn sogar zeitweilig vergessen . Das unsichtbare Seil zwischen meinem Blick und dem Erblickten wird scheinbar durch die erste Kälte zerrissen- fast wie eine schwebende Spinnwebe, die meine Hand mit einem Streich wegwischen kann. Ich bemerkte, dass ich schon wieder dabei war, in der mir auferlegten Stille mich diesen Dingen wie kaum sichtbaren Spinnfäden oder unsichtbaren imaginären Bändern zwischen mir und der Natur zu nähern, und dabei war es doch nur ein flüchtiger Blick, der am Baum gegenüber haften blieb…

Tausende solcher Momente streifen mich, wenn ich auf der Straße gehe oder bei einem Spaziergang im Park. Mir fiel ein, dass ich ähnlich empfunden hatte, als ich am Sonntag auf dem alten böhmischen Friedhof war, der sonst für Fremde geschlossen ist,  ich aber einen kurzen Spaziergang durch diese Reihen der Gräber aus dem 17. Jahrhundert machen konnte…

Seit Jahren stahl ich mit einem Blick durch das Schlüsselloch des großen gusseisernen Tores Ausschnitte dieses kleinen Friedhofes; immer wollte ich die alten verwitterten Grabsteine lesen, und als ich dann davor stand, war mir so, als kannte ich sie alle, diese böhmischen Einwanderer. Die Fremdheit wich und mit der archaischen Erinnerung an das, was mit uns allen geschehen wird,  kam die Vertrautheit. Der Zauber, die fast kindliche Neugier, mit der ich immer durch das Schlüsselloch lugte, verwandelte sich in ein Bild , das ich schon lange zu kennen geglaubt und nun , beim Annähern fand es wieder an den Platz in meiner verlorengeglaubten Erinnerung .

Nähert man sich den Dingen zu sehr, wird der Zauber leicht zerstört, wird der flüchtige Augenblick wie zu einem festen Bestandteil einer Gemäldegalerie, zu schweren dicktropfig-festen Ölgemälden, die das leichtfüßige Leben manchmal unnötig beschweren.

Ist der unbeschwerte Augenblick im Sommer nur schmückendes Beiwerk zu den von Sonnenglut durchtränkten Beeten, so wird er im Winter der einzige Halt, an dem man sich durch die kalten Jahreszeiten hangelt.. Wertigkeiten verschieben sich durch die Dinge von Außen, werden von ihnen durchdrungen und einer Metamorphose ausgesetzt. Schöne Dinge werden weniger schön und die weniger schönen Dinge erhalten durch ihr einmaliges , kurzes Aufflackern wie mit Diamanten bekränzt. Denkt man an die frostgemalten Blätter in Rinnstein, die wie Gold in der Wintersonne funkeln , doch sobald sie im Schatten eintauchen, sind sie doch nur moderndes Laub.

Das Haus gegenüber, der gütige Schattenspender im Sommer wird nun im Herbst der bedrohliche Riese, der das Licht verschluckt. Auf der Straße , die unter mir lag, war schon dieses Ersterben der Natur zu erahnen. Ich dachte, dass es nicht von ungefähr käme, dass man im Herbst soviel an Abschied denkt und an das Nimmerwiedersehen, oder gar an den Tod. Natürlich weiß ich, dass der Frühling wieder völlig andere Bilder zaubert; könnte einfach nur sagen: dass doch alles Gute im Inneren läge, im Verborgenen und dass die kalte, schmutzige Welt drumherum diesen guten Kern des Wissens um die Wiederkehr nie anzutasten vermag, trotzdem.

Denn wenn ich das Ruhen, das Nichtstun und das Ausharren der Natur betrachte, weiß ich, dass zwar wie zum Beispiel der Frost als Allegorie zum Draußen vieles ersterben lässt, aber dass auch der gleiche Frost nötig ist, um chemische Prozesse in einem Pflanzensamen in Gang zu setzen, die gewährleisten, dass das Verborgene unter der Erdkruste im Frühling sogar Pflastersteine aufbrechen kann, nur um die Schönheit seiner Blüte ans Licht zu bringen.

Es ist merkwürdig, wie dieser schattige Tag in meinen Gedanken Assoziationen freisetzt… So wie ein Schatten das Licht nur kurz verbergen kann, so wie Glasscheiben oder glattpolierter Asphalt die restliche Sonne reflektieren, so reflektieren Menschen auch in dunklen Momenten ihres Lebens diese Kraft, die im Übergang der Jahreszeiten liegt . Man kann plötzlich in diesem Riss der Zeit, der sich zwischen dem abrupten Übergang von Sommer zum Herbst schiebt, sich selbst klar und deutlich erkennen. Man kann verstehen, dass das Ungeordnete, das Dunkle oder Verborgene nach einem Gesicht verlangt.

Aber da nur der Tod die Rätsel für all das Verborgene auflösen kann und Ordnung ins SEIN bringt, erklärt man sich selbst das Unerklärbare am Kommen und Gehen, am Wechsel der Jahreszeiten, die uns Menschen an den Zeitabschnitten dieser Welt  festzurren, als gälte nur dieses eine Gesetz. Uns wird in diesen kleinen aufhellenden Zeitrissen klar, dass wir das Gesicht, nachdem man ein Leben lang sucht , nie selbst sehen werden, sondern nur die Menschen, die schlussendlich da sind, wenn der letzte Herbst kommt.

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ps. die Fotos sind alte Grabsteine ca. 1702 -1716 vom Böhmischen Gottesacker in Berlin Neukölln/ Rixdorf

MAR 2009

6. Oktober 2013

Liebe ist wie der Monat März

Filed under: all you need is FUN-tasy — silkandpaper @ 3:35 PM

Frühlingsnacht. Immer und immer wieder der Himmel wie ein geöffnetes Auge über mir und eine Wolke von süßer, schwerer Sehnsucht zerstreut meine Gedanken und hüllt mich ein. –Meine Augen sind schwer  Und meine Lider sinken… Träume , süß wie geheime Liebkosungen steigen aus meinem Bett und hüllen mich ein.- Die Liebe ist wie Rebellion. Wandelbar wie der März Und so voller Allüren Liebe ist wie ein Seemann. der mit unbrauchbarer Karte im Nebel erst wieder im fahlen Licht der Morgendämmerung weiter sucht – In der Schönheit des Morgens öffne ich meine Augen noch einmal und bin vom frühen Licht geblendet- Und werde durch etwas wiederbelebt wie von einem süßen braunen Gebräu .-Doch wie ein Killer kehrst du zurück Du bringst ein Chaos mit dir.Du entblätterst dich aus den Kleidern und dann gräbt sich eine Schere in meinem Kopf Und mein Verstand ist in Aufruhr.

5. Oktober 2013

Roma- Lyrik und Musik

Filed under: DER mensch als fremder ORT, KLANGsprache, wahrNEHMungen, WEGkreuzungen — silkandpaper @ 9:28 PM

Romanes- die unbekannte Sprache

Hier ein Link zu  Roma-Musik und Lyrik

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2. Oktober 2013

splittER

Filed under: sprach-RÄUME lyrik — silkandpaper @ 12:22 PM

wald-zeichnung

Die letzten Herbsttage-

 flatternd im milden Wind

  wie bunte Wäschestücke

 an der Leine.

Ihr fröhliches Schnalzen

wird im Flüstern enden,

im Knarzen, wenn bald

der Frost an ihnen reißt.

Die Kälte wird dann

jedes Geräusch zersplittern.

Es wird leise sein,

als gäbe es die Zeit nicht.

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