Silk and Paper

19. Juli 2013

sOMmerträgheit

Filed under: wahrNEHMungen — silkandpaper @ 12:51 PM

rose

Leise schwebt das Blatt dem Boden entgegen. Es hatte sich von all den anderen Rosenblättern gelöst  und segelte wie ein kleines, fragiles  Boot in der Luft.

Ich erinnerte mich an meine Großmutter, die in einem solchen Fall sofort aufgesprungen wäre, um dieses Blatt auf einem Stück Papier trocknen zu lassen, um es in die Potpourrischale zu legen.

Mir setzte die Hitze viel zu sehr zu, deshalb blieb ich im Korbsessel  träge sitzen und beobachtete den geräuschlosen Fall. Im gleichen Moment wurde mir gewahr, das Blumen ja immer etwas Sterbendes sind, sobald sie geschnitten in einer Vase stehen.

Plötzlich kam mir Leidenschaft, Blumen zu trocknen um sie als Duftschale im Zimmer zu platzieren, merkwürdig vor. Man bewahrt etwas, was starb, um sich an seinem Duft zu erfreuen?

Ist das eine Vor-Erinnerung an das eigene Verblühen?  Die Natur vergeht , man fühlt  sich mit ihr eins , um sich auf die eigene Bootsfahrt vorzubereiten?

Das Blatt zitterte, als es auf dem Holzboden aufkam und wurde vom Luftzug, der um die Tür strich, noch ein wenig ins nächste Zimmer geweht. Ich blieb immer noch sitzen.

 

Ich möchte ein Rosenblatt sein. Ich würde gern im Sommer sterben.

.

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