Silk and Paper

26. Juli 2012

wenn Männer in Bewegung kommen- und sei es nur eine Fata Morgana

Filed under: wahrNEHMungen, wenn männer in beWEGung kommen-und sei es... — silkandpaper @ 7:41 AM

Seit langer, langer Zeit läuft er mir hinterher, der alte Herr S..
Anfangs tat er jungenhaft und hüpfte wie ein gerade geschlüpfter Wiesenschreck mit den ersten Sonnenstrahlen um die Wette. Um Aufmerksamkeit heischend ließ er mich dann gar nicht mehr aus dem Augen und nun sitzt er mir tagtäglich im Nacken. Obwohl er so viele Jahre auf dem Buckel hat und , wenn man von diesem Alter ausgeht,  erwartet man , dass er schwerfällig und laut durch die Lande stapft; doch schleicht er sich an und bringt mich dazu, immer noch an seinen jugendlichen Leichtsinn zu glauben.
Er ist an manchen Tagen dick und schwer und zaubert trotz dieser Behäbigkeit Gefühle von Tanzen und Springen und die Sehnsucht nach leichtem Wein an holzigen Sommergartentischen in mein Herz. Immer wieder drängt er sich auf. Jedes Jahr macht er seine Runde und bleibt am liebsten dort, wo es nach Winzerseligkeit und Waldbeeren duftet. Da ich hier und da den ersten frischen Wein schon trinken kann, vermute ich, dass er immer zur gleichen Zeit wie ich hier Ferien macht. Die Vermutung liegt nah, denn kaum bin ich hier angekommen, schleicht er mir hinterher und bringt mich echt zum Schwitzen. Gegen Mittag heftet er sich besonders gern an meine Fersen und pustet mir seinem heißen Atem in den Nacken. Diese Aufdringlichkeit! Obwohl ich versuche, seiner Nähe zu entfliehen, setzt er mir nach wie ein Springinsfeld oder ein Gigolo, und ist manchmal schon eher dort, wo ich gerade hingehen wollte.
Ab und zu flüstert er mir zu und meint zu mir, ich solle mich nicht so anstellen, denn schließlich müsste ich ihn schon lange genug kennen; zumindest so lange genug, um zu wissen, dass ich ihm nie ausweichen kann. Ganz schön schlimm, der alte Herr. Und so von sich überzeugt.
Da ich gelernt habe, freundlich zu Alten zu sein., verdrehe ich nur die Augen, seufze und setze mir einfach die Sonnenbrille auf, damit er nicht sehen kann, wie er mir , wie an manchen Tagen, mit seiner Eintönigkeit auf die Nerven geht. Immer dasselbe! Er versucht ganz frech, meinen ganzen Körper abzutasten. Ich kann ihm nicht einmal auf die Finger schlagen, denn jedes Mal, wenn ich aushole, springt er beiseite und kichert lausbübisch. Er begnügt sich allerdings nicht, nur mich zu erinnern, dass er allgegenwärtig ist, sondern er streckt seine Hände auch nach allen anderen aus, die sich auf der Landstraße oder im Wald bewegen. Ihm ist es einerlei, ob er mit seinem Überschuss an Energie mitten im Blickfeld steht oder hinter einem Busch hockt.
Er ist wie ein Liebhaber, den man nicht abschütteln kann. Er weiß genau, sobald er sich dann tatsächlich aus dem Staub macht, wird man ihm nachweinen und spätestens nach einem halben Jahr herbeisehnen. Der alte Herr ist so was von selbstsicher. Und während ich hier auf einer Parkbank sitze, macht er sich so breit, dass er mit seinem schweren Duft von wilden Rosen und Wiesenblumen mir fast den Atem nimmt. Nicht einmal das bemerkt er. Er umarmt mich, hüllt mich ein mit seinem Schmeicheln und bringt mich dazu, die Tastatur einfach Tastatur  sein zu lassen. Er verleitet mich zum Faulenzen, zum Träumen und zur Trägheit. Ich sage mir, dass es sicher für einen Tag nicht schaden könnte, auf seine jahrhundertealte Weisheit zu hören, aber dann winkt er mich schon wieder mit seinen langen Fingern hin zum Teich hinter den Bergen, wo die Straußwirtschaft lockt.
Und schon hat er mich da, wo er mich haben wollte. Ich laufe hinter ihm her.

24. Juli 2012

INsel

Filed under: KLANGsprache, WEGkreuzungen — silkandpaper @ 10:47 AM

23. Juli 2012

kurze SÄTZE gut

Filed under: DER mensch als fremder ORT, wahrNEHMungen, WEGkreuzungen — silkandpaper @ 8:23 AM

 

…….

Für das Schreiben ist Formenreichtum notwendig, beim Sprechen eher Ballast

Sprachwissenschaftler sehen deshalb den Formenreichtum als Übergepäck – allerdings eines, das man nicht ablegen kann. Auch wer das grammatische Geschlecht für lästigen Ballast hält, muss den Löffel, die Gabel und das Messer unterscheiden, wenn er korrekt Deutsch sprechen will.

Sind grammatische Formen also bloß zweckfreier Luxus, den man sich beim Sprachenlernen mühsam erarbeiten muss? Wer das behaupte, unterscheide nicht deutlich genug zwischen Sprechen und Schreiben, kritisiert Utz Maas von der Universität Graz: »Wer auf der Leiter steht und einen Nagel einschlagen will, muss nur »Hammer!« rufen, und jeder weiß, was er will. Für die schriftliche Kommunikation reicht das aber nicht.«

Schriftsprache verwandelt nicht nur Laute in Buchstaben. Es ist ein Medium der Abstraktion, das sich nicht auf den Kontext verlassen kann, denn es muss differenzierte Gedanken über räumliche und zeitliche Entfernungen hinweg vermitteln. »Dafür muss eine Sprache mithilfe geeigneter grammatischer Strukturen ausgebaut werden.« Für das Deutsche und andere europäische Sprachen leistete die lateinische Grammatik über Jahrhunderte hinweg Entwicklungshilfe. Selbst die chinesische Schriftsprache, die gern als Musterbeispiel grammatischer Sparsamkeit angeführt wird, habe ausgefeilte Satzkonstruktionen entwickelt, meint Utz Maas. Wirklich einfache Schriftsprachen, so scheint es, existieren nicht. Auch Deutsch bleibt – relativ – schwer.

Der gesamte Artikel ist im ZEIT-Archiv nachzuöesen. Verfasst hat ihn Wolfgang Krischke

http://www.zeit.de/2012/29/Sprache-Grammatik/komplettansicht

19. Juli 2012

dreissig

Filed under: Uncategorized, ZEITgeist und abgesang — silkandpaper @ 8:42 PM

ohne Worte!  Was soll aus diesen Kindern werden? Schrecklich, was man ihnen antut.

http://www.dumpert.nl/mediabase/11526/9165113a/index.html

neunundzwanzig

Filed under: ZEITgeist und abgesang — silkandpaper @ 7:56 PM

Deutschland

Hussam S., der seit 1990 in Deutschland lebt, wurde unter anderem zur Last gelegt, deutsche Übersetzungen von Audio- und Videobotschaften der al-Qaida im Internet veröffentlicht oder verlinkt haben. Außerdem hat er Webblogs und ein Forum mit strafbaren Inhalten eingerichtet. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Hussam S. alleiniger Verantwortlicher des größten Internetforums Deutschlands zur Anwerbung von al-Qaida-Unterstützern war. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Mann vorgeworfen, dass er sich 2008 und 2009 zum „Hauptakteur der deutschsprachigen, dschihadistischen Propaganda im Internet“ aufgeschwungen und zum „Heiligen Krieg“ aufgerufen hatte.

http://www.sueddeutsche.de/politik/urteil-gegen-hetze-im-internet-fuenf-jahre-haft-fuer-al-qaida-helfer-1.1315423

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Österreich

2.962 Postings hat der EDV-Techniker über diese Plattform verbreitet. Nur ein Beispiel davon, was er darin von sich gab: „Jude an sich ist eine Krankheit, welche jeden gesunden Volkskörper infiziert. Du kannst es querbeet durch die Geschichte verfolgen, was dieses Virus innerhalb der letzten 2000 Jahre angerichtet hat…“ Und auch auf der Website „alpen-donau.info“ soll der Niederösterreicher Hitler verherrlicht haben.

Entschuldigung vor Gericht: „Ich hab net viel nachdacht“
„Das war Müll. Es tut mir entsetzlich leid. Ich habe das aus reinem Frust gemacht. Meine Firma war in Konkurs gegangen, ich hatte keine Freundin und war ziemlich alleine. Die Probleme haben mich dazu gebracht“, verantwortete sich der Angeklagte. „Ich hab net viel nachdacht, was ich da schrieb. Und viel getrunken“, meinte er weiters. So hatten sich auch die Jugendlichen am Montag gerechtfertigt.

http://www.news.at/articles/1138/10/307395/neonazi-prozess-fuenf-monate-haft-judenhetze

Use the shuttle service !

Filed under: going underGROUND, kurzgeSCHICHTen — silkandpaper @ 1:55 PM

Use the shuttle service !

In Berlin wird gebaut! Neu ist das nicht, denn selbst denen in abgelegenen Winkeln der Stadt Lebenden  stellen sich sperrige und hässliche rot-weiß gestrichene Zäune in den Weg.

Sie sind klobige sommerliche und ungebetene Gäste auf den Bürgersteigen und Straßen, besonders dann, wenn man es eilig hat.

Wieder ist mir eine U-Bahn vor der Nase weggefahren. Der Zeitvertreib, Plakate oder Mitteilungen auf Werbeträgern anzuschauen, wird  in diesem Sommer nicht besonders von der BVG gefördert. Die meisten Termine sind schon längst verstrichen, die zum Urlaubmachen aufrufen und auch Bread and Butter (Vorsicht! Damit sind keine Stullen gemeint! ) sind schon längst vorüber.  Es ist irgendwie entschuldbar, dass es so gekommen ist- denn in einigen U-Bahnhöfen wird tüchtig gewerkelt und renoviert, so dass es sich für die Plakatedienste nicht auszahlt, etwas zu erneuern.

Zwischen Kreuzberg und Neukölln sind in den letzten Jahren Sprachschulen wie Pilze aus dem Boden geschossen- die Wirtschaftskrise beschert den Schulen einen unerwarteten Zulauf, denn Old-Germany wird ein begehrtes Pflaster werden.

Zwischen zwitschernden Chinesen und mit Händen lamentierenden Italienern, radebrechenden Franzosen und vom Restalkohol leicht angesäuertem Spät- sorry- Frühheimkehrer aus der Nachtbar am Südstern, machen es sich Diejenigen gemütlich, die zur Arbeit müssen.

Irgendwie hat das die BVG mitbekommen, dass es sich lohnen könnte, das Image aufzupolieren, denn kurz nachdem die U-Bahn am Hermannplatz in Richtung Spandau im Tunnel verschwindet, tönt eine Stimme , die den Fahrgast und seine Mitbegleiter informiert, dass man den Bahnhof Friedrichstraße nicht mehr erreichen kann, ohne Umwege in Kauf zu nehmen.  Für die Sprachschüler, die hier eigentlich eine wunderbare und typische Deutschübung hätten, oder auch für die lernfaulen und übermüdeten Touristen kommt ein englischsprachiger Nachsatz „ to use the shuttle-service from x to y.

Pendeln also sollen diejenigen, die in die östliche Mitte Berlins wollen. Auf Umwegen und anderen U-Bahnlinien irgendwie zur Friedrichstraße zu gelangen…Ratlose Gesichter, erschrockene Mienen, angestrengte Versuche zu verstehen, was wohin und wie am besten…Zeitverlust, Angst sich zu verlaufen, Sorge, den Anschluss zu verpassen, das plagte auch Berliner, die seit Anfang des Monats 45 Minuten länger einplanen, um zur Arbeit zu kommen.

Und dabei ist es wirklich viel schneller, viel einfacher, ohne Fahrgäste, Sprachstudenten oder schläfrige Nachtschwärmer zu verunsichern. :  get off Französische Straße, walk  for 5 minutes and you will  stand right in front of Friedrichstrasse. Mein Vorschlag: einen kleinen Flyer erstellen, mit  einer Liste aller Geschäfte, die auf dem Weg liegen. Inbegriffen ein Gutschein für einen starken Morgenkaffee im Cafe an der Ecke.

Die ohnehin seit langem überbewertete Friedrichstaße kommt so wirklich zu dem Prädikat, den sie eigentlich bis dahin zu Unrecht hatte: Großstadtmeile mit Flair. Ein Lacher, wenn man z.B. den Mehringdamm in Kreuzberg nach 20 Uhr entlang flaniert…Bis dato dümpelte die Friedrichstaße  besonders nach Geschäftsschluss leise und verkehrsarm vor sich hin.

Jetzt hätte man die gute Möglichkeit, ihr eine Auffrischungsspritze zu geben. Wie wäre es,  liebe BVG. Auch wenn wir ein tolles U-Bahnnetz haben, einen gut funktionierenden Busverkehr, Tram und sogar Schiffslinien –  als Berliner darf man eines nicht vergessen: Berlin ist ein Dorf! Und manchmal sollte man die Touristen durchs Dorf treiben.

2. Juli 2012

BLEIB treu

Filed under: kurzgeSCHICHTen, WEGkreuzungen — Schlagwörter: , , , , , , — silkandpaper @ 3:50 PM

lotti-brief.jpglotti-foto.jpg 

Immer, wenn ich unterwegs bin , werde ich innerlich hellwach .

Es ist so, als würde ich durch imaginäre Labyrinthe laufen, die ihre geheimnisvollen Wege auf meinem Spaziergang meinem Weg anpassen wollten; so als sollte ich da oder dort „anecken“ um aufmerksamer zu werden.

Spazierengehen ist für den einen das ziellose Laufen , für den anderen ein Bummel mit gezielter Neugier, die Menschen zu beobachten… auch , um irgendwie „Platz zu nehmen“ in dieser bewegten Welt an einem Wochentag mitten in Berlin.

Nach langer Zeit bin ich wieder einmal durch Charlottenburg gelaufen…herrschaftliche Häuser, Gedenktafeln , gepflegte Cafés, S-Bahnbögen mit Nobelgeschäften…. Flatterhaftes herbstliches Wetter war an diesem Tag…Die Sonne flirtete mit dem Glas in den Fenstern , das Licht auf den vielen Scheiben reflektierte und baute sich ein Prisma in der durchsichtigen Luft …doch sobald man sich einer Strassenecke näherte, wehte ein kalter Wind um die Ecke, so das ich den Mantelkragen hob, um mein Gesicht darin zu verbergen.

Der erste wirklich kalte Tag nach diesem goldenen Oktober. Ich hatte mich mit einer guten , alten Freundin getroffen , die hier in der Nähe wohnte.

Mommsenstraße, Sybelstraße, Leibnizstraße…ein vertrautes Viertel – da wo ich früher Lotti Huber begegnet war, als sie mit ihrem Einkaufsrolli wie jeder andere auch durch den Supermarkt spazierte ,und auch bei Strassenfesten sie auf der Bühne stand und mitfeierte. Ich erinnere mich immer daran, wenn ich mit dem Bus durch die Straße fahre – und ich sagte zu mir selbst, das ich doch noch mal die Briefe von Lotti durchlesen sollte, die hier zu Hause in einer Schachtel zwischen all den Fotos und Papieren liegen. „Ja, ja, ja…“ so flog mir gestern ihre Schrift entgegen, als ich ein altes Foto von ihr fand.

Diese Aufforderung zum bedingslosen SEIN macht mich nach all den Jahren immer noch glücklich und vor allen Dingen sicher, daß Leben gelebt werden sollte und nicht, daß unvorhergesehene Geschehnisse im Leben eines Menschen dieses unbändige und wundervolle Leben festkettet, anbindet oder dem Gleichklang einer gelangweilten Zufriedenheit unterordnet.

Mit den Gedanken an Lotti laufe ich weiter und sehe weder rechts noch links. Ich laufe einfach so wie ein Mensch im Dunkel, der den Heimweg kennt … fast wie in Trance überquere ich Straßen und lasse alle Geschäfte, Cafés, Goldschmieden und Weinläden links liegen. Es ist nicht einfach, sich von einer Minute zur anderen aus dem Leben und aus der Erinnerung eines Menschen davonzustehlen. An diesem Montagmorgen ist es auf den Straßen nicht still. In dieser Gegend gehören die Straßen den Touristen , die im Literaturcafé oder im Kollwitz-Museum verweilen möchten. Der Kurfürstendamm ist bevölkert von Menschen, die in dieser Stadt nicht zu Hause sind; Menschen, die mit aufgerissenen Augen und verzweifelten Gesichtern ihren Stadtplan studieren, immer in der Sorge, sich zu verlaufen…

“ Könnten Sie mir weiterhelfen?“ Ein Frau mittleren Alters klammerte sich an einem Stadtführer fest und wußte nicht mehr weiter.

Sie suchte die Bleibtreustrasse, ein Café, dort habe sie sich verabredet. Für mich eine willkommene und heitere Unterbrechung meines Spaziergangs und ich änderte meinen Weg ein wenig ab , um die Frau bis zum Café zu begleiten. Natürlich hätte ich auch einfach den Weg erklären können, aber ich war selbst schon lange nicht mehr in der Bleibtreustraße gewesen. Früher hatte ich dort immer die Kinder meiner Freundin aus der jüdischen Grundschule abgeholt. Heute ist die Grundschule längst anderswo und das Eisentor wird nicht mehr von Polizisten bewacht wie damals… Es ist eine Erinnerung, die mich immer beklommen machte…

Erleichtert stimmt die Frau meiner Begleitung zu: so könne sie pünktlich sein, sich nicht verlaufen und vor allem mit einer Berlinerin schwatzen. Ich erzählte ihr kurz, warum ich in Gedanken versunken war und sie hörte aufmerksam zu. Ja, sie könne sich an Lotti Huber erinnern, die verrückte, alte Dame aus dem Fernsehen…Beneidenswert, wie Lotti in ihrem Alter so witzige und auch frivole Statements im Theater zum besten zu geben konnte.

Ja, sagte ich ihr. Dieses „verrückte“ Leben macht doch , daß wir wach bleiben , daß wir offene Augen haben und den Mut , immer wissen zu wollen, was hinter dem ganz normalen Wahnsinn des Lebens steckt…

Wer will das nicht: einmal ausbrechen aus Normen und einmal sein eigenes Ich wirklich sehen können, bizarr und absurd Erscheinendes als völlig normal und gleichberechtigt in sich erkennen. Manche können das zu einer Lebensmaxime machen, andere können nur Momente ihres Lebens für diese Verrücktheiten offen halten. Ja selbst, daß ich sie , diese Frau bis zum Café begleitete , ist auch außerhalb des Normalen… Die Regel wäre, das man einem Fremden den Weg erklärt, und nicht unbedingt, daß man bis vor die Tür begleitet wird… Liebhaber mal ausgeschlossen…

„Ja“ sagte sie. Und lachte. “ Tun Sie oft solche Dinge? Daß Sie ihren Weg ändern oder solchen Gedanken nachhängen?“

Ich zuckte mit den Schultern. „Ab und zu , wenn die Zeit es zulässt und ich das Gefühl habe, das es mir auch Freude machen würde…“.

Wir biegen in die Bleitreustraße ein und plötzlich blätterte mein inneres Erinnerungslexikon viele Seiten vor und zurück. Ich schaue die Frau an. “ Kennen Sie Masha Kaléko, die Dichterin ?“fragte ich . Sie schüttelte den Kopf . „Tilla Durieux, die Schauspielerin ?“

„Nein , warum fragen Sie, ich bin nicht aus Berlin, ich kenne diese Namen nicht“ … Ich fände es schade, sagte ich ihr, das sie nicht in ihrem Reiseführer vermerkt hatte, wer alles einmal hier in dieser Straße gelebt hatte. Ja, nicht nur diese Straße, der ganze Bezirk ist ein Geschichtsbuch : Nathan Zuntz, Begründer der Luftfahrtmedizin, ein paar Strassen weiter lebte Adele Sandrock, in einer Querstrasse weiter war das Zuhause von Hedwig Courths-Mahler… “ Ja, die kenne ich“ ruft die Frau… „meine Mutter hat so alte kitschige Bücher von ihr“…. „Else Ury, die Nesthäkchen-Autorin wohnte fast nebenan. Friedrich Spielhagen, der Schriftsteller , Karl Walser und Robert Walser, wenn Sie ein paar Straßen weiter laufen in Richtung Kaiser-Friedrichstraße…

Harro Schulze-Boysen, der Widerstandskämpfer, Artur Schnabel, der Komponist, Joseph Roth, der brillante Journalist, Christian Morgenstern, Murnau, der expressionistische Filmemacher, Irmgard Keun, Schriftstellerin Alfred Kerr und Georg Heym, Schriftsteller, Lilian Harvey, Schauspielerin , Rudolf Diesel, der Erfinder, Gerhart Hauptmann, Schriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger; am Kurfürstendamm war die Berliner Secession beheimatet, zu der u.a. Max Klinger, Ernst, Barlach, Käthe Kollwitz, Lovis Corinth, Max Liebermann, Karl Schmidt-Rottluff, Otto Modersohn, Edvard Munch , Heinrich Zille, Lesser Ury gehörten …“

Wir bleiben stehen. Das Bistro Lubitsch war erreicht. Dort wollte sie sich treffen, die Frau, die Berlin nicht kennt und aus dem Staunen nicht herauskommt, auf welchem interessanten Pflaster sie sich bewegte. Das Bistro war noch halbleer. Ihr Begleiter stand auf, umarmte sie , nickte mir freundlich zu . Meine nicht geplante Reise war hier zu Ende. Die Frau war pünktlich und ich könnte einfach weiterbummeln , meinen Gedanken nachhängen…

Aber ich konnte es nicht. Mitten auf dem Weg blieb ich stehen . Ich hatte ein paar Tränen in den Augen. Es ist merkwürdig, denke ich. Hier in dieser Straße sind so viele Läden, die alte Möbel verkaufen, Buchläden mit antiquarischem Bestand… Hier in dieser Straße leben Menschen, die sich gern im Gestern einrichten, die gern durch Rundbögenfenster auf die Straße schauen, ohne vielleicht zu ahnen, wie dicht sie an ihrer Geschichte und an der Vergänglichkeit dran sind.

So viele Menschen , die ihre Stadt verlassen mußten , damals…. und alles was blieb , sind weiße Tafeln auf bröckelnden Fassaden. Die Bleibtreustraße… Der Straßennamen gibt mir den Impuls, über die Worte „bleib treu“ nachzudenken. Ich fühle mich plötzlich wie ein Verräter. Ich war so lange nicht mehr in dieser Straße, in diesem Viertel. Früher, als ich noch am Lietzensee wohnte, bin ich oft zur Uni gelaufen, und es war damals so, als wollte ich jedem , der einst hier lebte sagen : ja, ich habe Euch im Blick, ich habe Euch nicht vergessen. Eure Namen , die blau auf weißem Porzellan sichtbar sind… hier lebte einst, hier wirkte einst…hier war zu Hause….Man sagt sich so oft, alles sei vergänglich. Ich fragte mich in diesem Moment selbst, wo geht denn DAS , was alles vergänglich ist, hin? Wo ist das Zuhause der Vergänglichkeit? Als ich hier noch lebte, war dieses contemporäre Zeitgefühl dieser Straße ein Teil meiner Gegenwart. Bin ich meiner vergangenen Gegenwart treu geblieben?

War ich tatsächlich hier zu Hause? Habe ich die Vorstadtzüge auch so flink, so modern und so laut empfunden wie Masha Kaléko? Habe ich damals wahrgenommen, was so selbstverständlich meinen Alltag bestimmte?

Damals bin ich weggezogen. Im Gegensatz zu vielen der einstigen Bewohner habe ich das freiwillig getan. Ich habe meinen Namen und meine Erinnerungen natürlich mit mir mitgenommen. Jetzt und heute muß ich wissen , daß es die vergangene Zeit ist, in der ich mich in diesem Augenblick befand.

Ich sehnte mich nach dem Dort , wo ich heute lebe… Das geht sicher vielen Menschen ähnlich; wenn man weint, will man das nicht öffentlich tun, sondern zu Hause sein. Geborgen.

Mit diesen Gedanken steige ich in die S-Bahn und fahre nach Hause. Vorbei an Brandmauern alter Häuser, am neugotischen Haus am Bahnhof Zoo, am Tattersall-Haus, dort wo früher die Comedian Harmonists geübt haben und das letzte Mitglied aus dieser berühmten Gruppe grandioser Künstler noch bis zu seinem Tod seine Abende im „Diener“ verbrachte, ein altes Berliner Künstlerrestaurant; am Theater des Westens, an der Gedächtniskirche…

Bleib treu… was will diese Straße mir mitgeben? Wem oder was soll ich treu bleiben ? Ich schaue hinaus in den herbstbelaubten Tiergarten, vorbei am Grips-Theater, der Hansa-Siedlung, vorbei an meiner alten Galerie, vorbei an der alten Akadmie der Künste … vorbei am neuen Hauptbahnhof, der mich erschreckt und zugleich anzieht, linkerhand die alte Charité, die Friedrichstraße mit dem Admiralspalast, hindurch durch die Museumsinsel. Ich blicke in halbverhangene Fenster des Pergamonmuseums , und im Vorbeifahren erhascht mein Blick einen Arm aus Marmor.

Bleib treu bleib treu bleib treu , rattern die Schienen der S-Bahn. Ich atme auf . Alexanderplatz. Hier muß ich umsteigen. Hinunter in den Untergrund. Hinein in die U-Bahn. Bleibtreustraße… Warum spukt sie mir immer noch im Kopf?

Hier in meinem neuen Stadtviertel stehen auch noch viele alte Häuser. Und auch dort gibt es einige weiße Tafeln mit blauer Schrift. Auch dort gibt es Geschichten von Menschen, die ihre gelebte Zeit unsichtbar über mich ausbreiten. Es wird Zeit, das ich mit anderen Blicken durch die neuen Straßen gehe.

Auf vielen Spaziergängen durch mein neues Viertel fallen mir eigentlich völlig andere Dinge auf.

Ich sollte lernen, meine Liebe und Treue zu ihnen zu entwickeln…

Auch diese Vergänglichkeit sollte es wert sein, wahrgenommen zu werden.

Ich sollte mit meinem Notizblock mal wieder in einem Café sitzen und nach Worten suchen, die es noch nicht gibt… Warum nicht, sagte ich mir im Stillen. Steig hier aus, an der Gneisenaustraße, geh zu den Sarotti-Höfen. Da sitzt man nett und man kann stundenlang ohne gestört zu werden , schreiben und lesen.

Plötzlich muß ich lächeln, während ich die Treppen des Bahnhofes hinaufsteige. Bleib treu. Bleib DIR selbst treu… Und während ich mir den Kaffee bestelle und nach meinem Schreibheft greife , sage ich leise wie Lotti ja,ja, ja…. ich bin mir treugeblieben. Auch wenn es für manche unverständlich ist, das ich Charlottenburg und Tiergarten hinter mir gelassen habe. Das ist eigentlich nicht wichtig , was andere davon halten Ich bin ich selbst. Mitten im Großstadtdschungel lebe ich mein verrücktes Leben. Ich bin der Vergangenheit und den Erinnerungen treu und auch meinem Heute .

Wer mag, kann daran teilhaben. Denn auch denen, die mich auf meinen Wegen begleiten, bin ich treu. Bleib treu…

…in Erinnerung an Lotti Huber

Copyright MAR 2007

Toasted Susie is my ice-cream! …oder WARum Gertrude Stein schuld ist, daß ich Fußnoten liebe

Filed under: all you need is FUN-tasy, kurzgeSCHICHTen — Schlagwörter: , , , , — silkandpaper @ 7:05 AM

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Toasted Susie is my ice-cream!
…oder warum Gertrude schuld ist, daß ich Fußnoten liebe.

Wenn der Mittsommer 1 naht, dann beginnt in meinem Körper eine andere Zeit zu ticken. Ich weiss nicht warum, aber irgendetwas sagt mir, das dieser Sommer mein Frühling sein wird…Ich laufe durch den Park und obwohl keine 50 Meter weiter die Stadt tobt- duftet das Gras wie die Wiesen, die mich umfangen und gebettet hatten, als ich mir den ersten Kuss 2 des Lebens geben lies . Ich würde mich am liebsten in diese ganz hohes Halme fallen lassen , so daß sie über meinem Kopf zusammenschlagen. Nur ein kleines Guckloch bleibt ,durch das ich einen blauen weißgepuderten Himmel schaue und dieses grasgrünscheinende Wunder des Sommers entführt mich auf den Wogen 3 eines unbeschreiblichen Glücks ins Land der Phantasie…
So ein wundersamer warmer Tag im Juni , der in eine laue Nacht hinübergleitet… Die Mittsommernacht schleicht sich an mit einem glucksendem Lachen, verstohlen blinzelt sie mir zu und flüstert, das sie doch eigentlich aus dem Süden stamme; sie sei nur vor der Hitze geflüchtet, sie bräuchte 4 eine Auszeit von all dem Lärm an den Stränden und dort im Süden, käme sie nicht mehr dazu, sich auszuruhen. Sie, die Nacht würde dort zum Tag gemacht …
Ich lache hell auf. Was redet sie da, diese leise, schöne, besondere Nacht? Hat sie vergessen, das im schattenlosen Stundenreich dieser wenigen Tage im Juni das ganze Mysterium 5 von Dichtern zu Hause ist? Entlang an den wie von perlenkettenumsäumten Inseln Finnlands oder in den sternenfunkelnden Wassern der Newa 6 in den Petersburgern Weißen Nächten 7 ?
Nein, knistert die Mittsommernacht- die Nacht kann auch zum Tag werden, aber die besten Geheimnisse haben ich den Menschen entlockt, wenn die Magie 8 erwacht, die von Licht und Dunkelheit ausgeht. Hier kann man die Mittsommergeheimnisse aus Menschen entlocken, hier im Norden 9

Ich blicke auf. Noch immer sitze ich am Rande der Wiese , mitten im Park. Es ist taghell und ich frage mich, wo hier der Norden sei! Das warme Licht wärmt auch meine Haut , schon fast zuviel, doch dann sage ich mir, es muss doch etwas dran sein, das ich mit dem herannahenden Mittsommer ein Zwiegespräch 10 führe.
So ganz ist mir die Sache nicht geheuer 11 …und bevor man zu glauben bereit sei, das ich Selbstgespräche führte, muss ich sagen, nein, das tue ich nicht! Zumindest nicht laut. Es klingt kompliziert, ist es aber nicht.
Mir fiel dabei ein Spruch von Gertrude Stein 12 ein: Komplikationen sind immer einfach, aber eine andere Sichtweise als die der ganzen Welt ist ganz selten.

Warum fallen mir solche Worte immer ein, wenn die Nächte länger werden? Warum lese ich an solchen Tagen Bücher über die Zeit 13, über Gravitation 14 , über Zeitsprünge und Wortschleifen, über Geheimnisse fremder Menschen, über Reisen zum Mond und über Schwarze Löcher 15, die als Quader 16 wie in Kubricks 17 Film 2001: Odysee im Weltraum über allem lautlos schweben…

Ist es zu kompliziert 18 , vom Duft einer Sommerwiese , weiter über die Sehnsucht nach der Liebe im Moment , über die Mittsommernacht hin zur Gravitation im Weltall zu gelangen? Wenn Komplikationen einfach sein sollen, ja was sind dann die einfachen Dinge? Kompliziert?
Ich muss wieder innerlich lachen! Natürlich ist es so. Oder nicht?

Jetzt wünschte ich mir mehr Ehrgeiz 19 , den Dingen auf den Grund zu gehen. Aber die laue Luft träufelt 20 sich in meinen Kopf und über meinen Körper , und wie ein Netz legen sich die verschiedenen Gedanken über mein Gesicht…schön eingeteilt in übersichtliche Vierecke… der erste Gedanke in dieses Kästchen, der zweite Gedanke in dieses Kästchen, der dritte dort hinein und der vierte da…
Na bitte! Alles wohlgeordnet. Jedes Ding hat seinen Platz. Dort in der Mitte ist noch ein Kästchen frei. Was oder wen kann ich dort unterbringen, verbannen, einbinden, anbinden ? Vielleicht passt noch ein Gedanke hinein. Ein Gedanke ist flexibel 21 , er ist ein bisschen flüchtig , er kann sich auch mal kleinmachen, wenn alles andere darum herum sich drängelt und schubst und breit macht. Ein Gedanke kann sich auch mal hinter etwas verbergen 22 . Wenn er sich ganz klein macht , passt er sogar hinter das T 23 , welches schmal und fast unsichtbar für so vieles stehen kann.

Der Weg aus dem Park nach Hause führt mich am Eisladen vorbei. Warum nicht ein Eis essen! Ich versüße mir die komplizierte , einfache Welt und kann plötzlich Gertrude 24 verstehen, die in der scheinbaren Abstraktion 25 der Worte die Mystik des alltäglichen Rätsels versteckte.
„Toasted Susie is my ice-cream“ 26 .
Wie ich meine bizarre 27 Gedankenwelt in kleine Netze unterteile, so hat jeder Dichter seinen eigenen Weg, die Worte für sich stehen zu lassen, und sie doch als ein Ganzes zusammenzufügen.

Natürlich bin ich ein Stümper 28 gegen Gertrude Stein, aber trotzdem nenne ich sie manchmal heimlich „Schwester“. So wie ich Baudrillard 29 manchmal meinen „Bruder“ nenne…
Man fragt sich natürlich anhand all dieser scheinbar nicht miteinander verknüpften Dinge, wie sie wohl zueinander fanden.
Sie sind die einfachen Dinge, die kompliziert sind, sie sind die Fußnoten , die einen Text begleiten und die , wie das Kleingedruckte oft übersehen werden. Früher habe ich sie geflissentlich überlesen, diese besternten oder durchnummerierten Erklärungen . Und irgendwann ertappte ich mich dabei, das ich zuerst die Fußnoten las und dann erst das Buch. Das mag bizarr klingen, aber diese literarische Meditation 30 hatte fast das, was ich im Alltag oft mache: ich wende mich dem fast Unsichtbaren zu und entdecke plötzlich darin einen anderen Kosmos 31.

Ich wünsche Euch viel Spass beim Lesen und vielleicht stolpert Ihr mal über eine Fußnote, die Ihr sonst [bersehen hättet…

Habt Ihr mitgezählt ? Es sind 31 Fußnoten- für jeden Tag im Monat eine!


…………und hier sind die Fussnoten…………………..

1. Als Mittsommer wird die Sommersonnenwende am 20., 21. oder 22. Juni bezeichnet. In den nordischen Ländern wird es Nächte zu dieser Jahreszeit kaum dunkel.
2. Der Kuss- ist eine Ausdrucksform einer Emotion. Die Bedeutung des Kusses, insbesondere in der Öffentlichkeit ist jedoch kulturell unterschiedlich.
3. Wogen- sind eine spezielle Wellenform. Die Gravitation bildet Wellen wenn Wasser durch Einwirkung einer Störung zum Schwingen angeregt wird. Beispiele für Störungen sind der Wind, der verantwortlich ist für den Seegang auf den Meeren. Ins Wasser geworfene Steine und Strömungshindernisse erzeugen Wellen, fahrende Schiffe begleitet eine Bugwelle. Seebeben können Tsunamis hervorrufen. Wogen des Glücks ist die literarische Umschreibung des Auf und Ab der Emotionen bei Menschen
4. bräuchte- brauchen, benötigen
5. Mysterium- ist ein Geheimnis … Gemeint ist dabei nicht etwas, was man normal mitteilen könnte , sondern ein komplexer, oft paradoxer Sachverhalt von existenzieller und religiöser Tragweite, der sich der direkten Mitteilung und logischen Analyse wesentlich entzieht.
6. Newa- (russisch Нева) ist ein 74 km langer Fluss in Russland, der vom Ladogasee in die Ostsee fließt. Sie durchquert dabei Sankt Petersburg.
Obwohl die Newa mit 74 km ein sehr kurzer Fluss ist, ist sie vergleichsweise
wasserreich. In der Nacht zwischen 2 und 5 Uhr werden die Newa-Brücken
aufgeklappt, woraufhin zwischen zahlreichen Stadtteilen keine Verbindung mehr
besteht.
7. In den Weißen Nächten von Ende Juni bis Mitte Juli ist die Passage der
Schiffskonvois ein Schauspiel, das sich tausende Menschen trotz der
nachtschlafenden Zeit ansehen.
8. Magie- aus dem altpersischen Magusch, der Bezeichnung der medischen
Priester) ist der Versuch, Ereignisse, Menschen und Gegenstände auf
übernatürliche Weise zu beeinflussen.
9. Norden- ist eine Haupthimmelsrichtung. Die Bezeichnung leitet sich vom
Althochdeutschen nord und der Indogermanischen Einheit -ner für links oder
unter ab, was möglicherweise auf „links der aufgehenden Sonne“ zurückzuführen
ist. Norden hieß auch „Septentrio“, auf das Siebengestirn bezogen.
10. Zwiegespräch- ein Dialog , teils mit sich selbst hinterfragend geführt, u.a. als eine Form philosophischer Erörterung mit der Absicht, zu tieferer Einsicht in einer Frage zu gelangen.
11. Nicht geheuer- nicht geheuer sein : sein Unwesen treiben, gespenstern, herumgeistern, umgehen, irrlichtelieren…in diesem Fall heisst es somit: die Sache ist mir zu unheimlich…
12. Gertrude Stein- Gertrude Stein gehörte mit ihrer extrovertierten Art zu den Kultfiguren der Kunst- und Literaturszene ihrer Zeit. Durch einen von ständigen Wortwiederholungen geprägten Stil wollte sie nach eigenem Bekunden den Kubismus der abstrakten Malerei in die Literatur übersetzen. Mit ihren Schriften zählt sie zu den Avantgardistinnen des 20. Jahrhunderts. Mit dem Satz Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose (aus dem Gedicht Sacred Emily im Band Geography and Plays von 1913) prägte sie ihre eigene Stilfigur des Lithismus, einer Art der verbalen Tautologie. In Paris eröffnete sie einen Salon, der sich zu einem Zentrum der schriftstellerischen Avantgarde entwickelte. Sie gehörte der neuen revolutionären Generation an. Sie war jung genug, die Künstler zu verstehen, reif genug, um sie zu fördern und vermögend genug, um die Bilder zu kaufen. Und so kaufte sie viele Bilder der damals noch verkannten Genies: Cézanne, Monet, Renoir, Daumier, Gauguin. 1907 lernte Gertrude ihre Lebensgefährtin Alice B. Toklas kennen. 1909 veröffentlichte sie ihr erstes Buch Three Lives im Selbstverlag. Mit der Textsammlung Tender Buttons (1914) wandt sie sich verstärkt der experimentellen Literatur zu.
13. Zeit – bezeichnet die vom menschlichen Bewusstsein wahrgenommene Form der Ordnung des Auftretens von Ereignissen. Das menschliche Empfinden von Zeit ist von ihrem Vergehen geprägt, einem Phänomen, das sich bisher einer naturwissenschaftlichen Beschreibung entzieht und als Fortschreiten der Gegenwart von der Vergangenheit kommend zur Zukunft hin wahrgenommen wird.
14. Gravitation – ist eine der vier Grundkräfte der Physik. Sie bezeichnet das Phänomen der gegenseitigen Anziehung von Massen. Sie ist die Ursache der irdischen Schwerkraft oder Erdanziehung, die die Erde auf Objekte ausübt.
15. Schwarze Löcher – Als Schwarzes Loch bezeichnet man ein astronomisches Objekt, welches aufgrund seiner hohen Dichte die Raumzeit so stark krümmt, dass von außen aus gesehen nichts in endlicher Zeit aus seiner inneren Region austreten kann. Die Grenze dieses Bereiches heißt Ereignishorizont.
16.Quader – Ein Quader ist ein dreidimensionaler Körper mit
sechs rechteckigen Flächen, dessen Winkel alle rechte Winkel sind,
acht rechtwinkeligen Ecken und zwölf Kanten, von denen jeweils vier gleiche
Längen besitzen und zueinander parallel sind.
Gegenüberliegende Flächen eines Quaders sind kongruent (deckungsgleich).
17.Stanley Kubrick – war ein US-amerikanischer Regisseur, Produzent und
Drehbuchautor. Seine Filme werden vor allem für ihre tiefe intellektuelle Symbolik
und ihre technische Perfektion gepriesen. Als Regisseur war er sowohl berühmt
wie berüchtigt dafür, jede Szene bis ins kleinste Detail zu perfektionieren und
dabei meist die Schauspieler bis an ihre psychischen und physischen Grenzen zu
führen. Die Hauptthemen seiner Filme sind die Unnahbarkeit der Realität und das
Scheitern der Menschlichkeit, ausgedrückt durch das einfache Akzeptieren, das
Ignorieren oder das Ringen der Protagonisten mit ihren dunklen, inneren Kräften
auch ihren Trieben.
18. kompliziert – Kompliziertheit kommt aus dem lat. complicare
„zusammenfalten“, „zusammenlegen“, „verwickeln“
19. Ehrgeiz- gemeint ist jedoch die mittelalterliche Bedeutung Gier, also „nach Ehre gieren“ und nicht etwa „mit Ehre geizen“) versteht man das mehr oder weniger starke Bemühen, ein bestimmtes Ziel zu erlangen, etwa Anerkennung, Autorität, Ruhm, Ehre oder Geld. Er zielt unter anderem auf eine Bewahrung oder Steigerung des Selbstwertgefühls in einer Gemeinschaft aus Wettbewerbern und steht in enger Beziehung zur eigenen Eitelkeit.
20. träufelt- tröpfeln, tropfen lassen
21. flexibel – lat. flectere biegen, beugen; hier heisst es : biegsam, anpassungsfähig
22. verbergen- verdecken, verstecken
23. T – ist der 20. Buchstabe des lateinischen Alphabets und ein Konsonant. Der Buchstabe T hat in deutschen Texten eine durchschnittliche Häufigkeit von 6,15 %. Er ist damit der siebthäufigste Buchstabe in deutschen Texten.
24. Gertrude – Gertrude Stein
25. Abstraktion – von abs-trahere – „abziehen, wegschleppen, -führen; entfernen, trennen“) bezeichnet meist allgemein einen Vorgangs des Weglassens von Einzelheiten und des Überführens auf etwas Allgemeineres oder Einfacheres.
26. Toasted Susie is my ice-cream – Wortkomposition aus dem Werk von Gertrude Stein
27. bizarr – absonderlich, eigenartig, eigenwillig, merkwürdig, seltsam, fantastisch, ausgefallen, befremdend, ungewöhnlich
28. Stümper – hier zum Gebrauch im Sinne von elend, jämmerlich
29. Baudrillard – Jean Baudrillard (* 20. Juli 1929 in Reims; † 6. März 2007 in Paris) war ein französischer Medientheoretiker, Philosoph und Soziologe. Er gilt als einflussreicher, aber auch umstrittener Vertreter des postmodernen Denkens. Baudrillard studierte Germanistik an der Sorbonne in Paris. Von 1958 bis 1966 war er Deutschlehrer , zugleich betätigte sich Baudrillard als Literaturkritiker und Übersetzer (Friedrich Hölderlin, Bertolt Brecht, Peter Weiss) und studierte Philosophie und Soziologie an der Universität Paris-Nanterre. 1968 promovierte er dort mit der Arbeit Le Système des Objets („Das System der Dinge“)
30. Meditation – (lat. meditatio = „das Nachdenken über“; auch in der Bedeutung „zur Mitte ausrichten“ von lat. medius = „die Mitte“) ist eine in vielen Religionen und Kulturen geübte grundlegende religiöse oder spirituelle Praxis. Durch Achtsamkeits- oder Konzentrationsübungen soll sich der Geist beruhigen und sammeln.
31. Kosmos – Der Begriff Kosmos (griechisch κόσμος, kósmos – die (Welt)Ordnung, auch Schmuck, Anstand) bezeichnet: das Universum (den gesamten Weltraum)

© MAR /  silkandpaper 2007

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