Silk and Paper

21. Januar 2012

ATEMzug

Filed under: sprach-RÄUME lyrik, wahrNEHMungen — silkandpaper @ 11:55 AM

Der Tag zieht sich

wie ein Ton auf der Geige.

Lange streicht  er den Bogen

über das eisige Grau

tropfender Noten.

Zwischen jagenden Wolken

Staccato, zitterndes Licht.

Immer in Erwartung

die Vierundneunzigste Haydn.

Surprise. Erwachen.

Schwebende Stille,

der Ton zwischen den Tönen.

Zeit der Erwartung, Zeit zum Lauschen

auf das Atmen

des Universums dort oben.

 

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18. Januar 2012

purcell – könig ARTus der song des winters

Filed under: KLANGsprache, wahrNEHMungen — silkandpaper @ 9:16 AM

 

9. Januar 2012

2011 in review

Filed under: all you need is FUN-tasy — silkandpaper @ 10:05 PM

Die WordPress.com Statistikelfen fertigten einen Jahresbericht dieses Blogs für das Jahr 2011 an.

Hier ist eine Zusammenfassung:

Eine Cable Car in San Francisco faßt 60 Personen. Dieses Blog wurde in 2011 etwa 2.100 mal besucht. Eine Cable Car würde etwa 35 Fahrten benötigen um alle Besucher dieses Blogs zu transportieren.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

8. Januar 2012

die stille IM wort


Immer sind die dunklen Tage gut, um Geschichten zu erfinden. Wir setzen uns und lauschen dem Leben. Im Schein von gelben Licht , im flackernden Schattenspiel einer Kerzenflamme erstehen sie aus dem Fundus unserer Erinnerungen und Wahrnehmungen, all dem , was uns umkreist und außerhalb des Ich’s wie in einem großen Geschenkkarton ruht und uns auf Momente hinweist, die es wert sind , Geschichten zu werden. Wir schnüren unser Leben zu kleinen Bündeln und werfen sie über die Schulter und wissen genau, das all die Zutaten da draußen sind , die das Zubereiten dieser Geistesspeisen ermöglichen Eigentlich sind Geschichten immer schon da, Gefühle, Gebilde, Wahrnehmungen die plötzlich wie aus einem Dunkel heraus auf uns zukommen, hervortreten wie aus einem verwinkelten Hauseingang und sagen: hallo, hier sind wir, gib uns die richtigen Worte, gib uns das Kleid, welches uns schmückt …

Wir strecken die Hände aus und greifen nach den Buchstaben. Ein dichtes Wirbeln von Punkten, Kommata und Strichen, Schlaufen, die auf und ab gleiten, große Buchstaben, die wie eine Kinderschaukel einladen, sich darauf niederzulassen um mit Schwung ins Weite hinauf zu fliegen, hinein in die Wortträumereien aus den Märchen, die wir nicht vergessen haben. Wir pflücken aus den ätherischen Wolken von Klängen seidene Metapher , um das, was unsere Geschichte werden soll , mit Wohlklang zu schmücken. Wortleitern tragen uns von Raum zu Raum, und lassen das alltägliche Nichts zu einer bunten Collage verschwimmen. Zwischen Zuhören und verstehen badet sich die Phantasie in den Wellen und Klängen der Sprache Die Abgrenzungen zwischen Geschichten sind kleine vorwitzige Kobolde, die sich rund und kichernd am rechten Rand ducken und sogar, um den Schabernack noch weiter zu treiben, mitunter dreifach die Wortmusik beenden… Sie spielen mit ihrer Wenigkeit und wissen trotzdem, das nach ihnen alles neu beginnt. Punkte besiegeln und begrenzen , aber sie sind auch wie eine Partitur auf Notenpapier und die Unterbrechungen und das Beenden und Beginnen von Dingen und Undingen sind fast wie ein Wehklagen oder Sehnsuchtsgesänge, denn was kommt danach?

Ist die eine Geschichte zu Ende, will die andere Geschichte sich hervorwagen wie aus einem großen Korb, der fast wie das Innere eines Bienenkorbes in all den Waben und Kammern Tausende von Geschichten verbirgt .Wirgeschichten oder Ichgeschichten, Dugeschichten und Geschichten vom Diesseits und vom Jenseits , ein Buchstabengestöber , welches der Zerstreuung des Geistes und des Wiederfindens seiner Selbst dient… Wir nehmen von all den vielen Fäden, die sich zum Spinnen von Geschichten eignen, wir verstricken uns ohne viel Zutun in ein Gewebe von Fragezeichen und erstauntem Ausrufen, zustimmendem Kopfnicken und ehe man es sich versieht, sind wir weich eingebettet in Rätsel und wissen dennoch, das alles, was wir sagen , uns doch schon längst bekannt sein muß, denn unausgesprochen und vielleicht leise anklopfend haben uns diese Geschichten in diesem Bienenstock voller Räume , schon längst erinnert, das es Zeit wäre , sie ins Licht und somit auftauchen zu lassen.

Leicht und tänzelnd kommen die Worte wie aus der Ferne auf uns zu, am Horizont erscheinen sie wie ein schmaler Strich, ein Schatten, ein Ball und mit zunehmendem Gebrumm und Gesäusel überrollen sie uns fast. In ihrer Farbigkeit überstrahlen sie sogar das hellste Licht, und das sogar, wenn es , so wie jetzt, im Zimmer eigentlich dämmerig ist . Wie eine gute Bekannte klingelt die Erinnerung an der Tür und holt , wie dieselbe zwei Stricknadeln heraus, um das, was vorhanden ist, zu verstricken und zu bekleiden. Rätselhaft gibt sich der Raum, wenn die Geschichten sich an den Wänden niederlassen und sich wie kleine flatternde Vögel in Nischen festhalten , um dann, nachdem sie sich ausgeruht haben, wie aufgeschreckt davon zu huschen. Wie Kinder klatschen wir vor Begeisterung in die Hände , wenn wir bekannte Worte wiedertreffen, oder wenn langverlorene oder geflüsterte Wortfragmente plötzlich wie eine Illustration im lichtverfremdeten Raum stehen. Die Umrisse der Erinnerung nimmt Kontur an, und wen interessiert es schon, das selbst uns beim Erzählen des uns schon längst Vertrautem ein Schauer über dem Rücken läuft. Da , wo sonst Nichts ist, baut sich ein Schloss in den Himmel und man kann über den eigenen Schatten springen, rettet sich mit einem Komma in den Nebensatz und erkennt, das die Wahrheit zwischen der Dugeschichte und der Ichgeschichte noch mit einem Dreifachrätsel und einem Kampf mit dem Drachen noch errungen werden muss.

Es wird sehr früh Nacht, wenn es Winter ist. Das ist die Zeit, Geschichten zu schreiben. Wir sitzen an Tischen und spitzen die Bleistifte an. Die Tinte verbannen wir , denn nur mit einem Bleistift geschriebene Geschichten können wir noch radieren und verändern. Nicht selten denkt man, wie gut es sei, wenn man die Geschichten verböge, sie noch einmal abändere oder gar ganz anders formulieren sollte. Wir können es drehen und wenden, das Papier hat schon alles verewigt und trägt selbst Ausradiertes wie eine kleine eigenständige Geschichte mit sich herum. . Es ist gleich, wie sehr wir innerhalb unseres eigenen Märchens die Begebenheiten verändern, ob wir berichtigen und erleichtert aufatmen, das sich der Schatten des drohenden Berges in kleine Kieselsteine verwandelt hat, in Wahrheit haben wir nur die Furcht in Hoffnung umgeschrieben , und die Hoffnung zur Liebe gemacht und die Liebe zu einer Kraft , die tatsächlich Berge versetzen kann, nämlich dann, wenn der Berg Stück für Stück und Kieselstein für Kieselstein abgetragen wird.

Was für eine Geschichte! Ja. Hinter dem Wort, welches aus uns herausbricht und sich seine Geschwister sucht, steht das Sein von Dingen , die sich nur durch das Aussprechen eines Willen verändern. Solche Geschichten lieben wir, die nach Fortsetzung rufen, die , obwohl sie klein und fast unscheinbar sind, doch den Raum um uns herum füllen. Alles im Raum und alles im Leben ist voller Wirklichkeit und doch unwirklich genug, um es nicht sofort zu erkennen. . Die Lampe flackert , die Lichtkegel der vorbeifahrenden Autos huschen durch das Zimmer. An der Zimmerdecke malen sie gelbe und rote Kreise und verschwinden lautlos im Nichts. Morgen vielleicht, wenn sich die Kreise wieder in meinem Zimmer verirren, kommt sie wieder, die Erinnerung an das Licht im Dunkel. Die Worte wollen jetzt ruhen. Sie sammeln sich und fädeln sich auf zu dieser schwarzen Perlenkette aus Tinte und Feder und lassen sich verpacken in raschelndes Papier. Die Tagebücher unserer Kindheit werden erwachsen und aus denselben Worten werden morgen sehnsuchtsvolle Lieder entstehen oder ein Orkan aus fast unverständlichen Lauten , die aufwirbeln und sich auftürmen zu übergroßen Wortstrudeln, fast wie ein Tornado , der alles hinwegfegt. Wir nehmen die Geschichten und lösen die Schnüre von den Bündeln auf unserem Rücken. Und egal wie Worte sind, laut und wild , oder sanft und weich, mitreißend oder zerstörerisch, schmeichelnd oder fordernd; auch wenn wir sie nicht aussprechen, sind sie da.

Die Wortkleider und Sprachketten , die Punkte eines Lebens. Und egal, wie voll kleiner und großer Geschichten das Leben ist , egal, wie es summt und singt oder weint und lacht; es scheint , daß wir, wenn wir uns inmitten einer großen Wiese diesem Stimmengewirr aus Erkenntnis, Wahrheit, Wahrnehmung und Erinnerung nähern , alles umgeben ist von archaischer Stille.

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