Silk and Paper

28. November 2011

Filed under: DER mensch als fremder ORT, KLANGsprache, WEGkreuzungen — silkandpaper @ 8:10 AM

Film: das Zigeunerlager zieht in den Himmel. Nach einer Novelle von Maxim Gorki

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27. November 2011

cafe harem

Filed under: DER mensch als fremder ORT, sprach-RÄUME lyrik, wahrNEHMungen — silkandpaper @ 6:14 AM

 

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Café Harem

Wie roter Schnee stiebt die Asche ums Haus,

die Dunkelheit anmahnend, Glühwürmchen im Winter…

die Nacht ohne Ende, die ein Leben lang,

so scheint es, diese Männer ummantelt,

zeichnet für Momente eine Einsamkeit

als vagen Schatten dorthin,

wo ich sonst meine Füße setze, wenn ich

ihren Weg kreuze…

Noch am Morgen fällt das fade Licht

auf die Strasse, gefiltert

durch den Rauch hunderter Zigaretten,

schiebt es sich durch einen Spalt Fenster.

Müde baumelt die Lampe und macht

die Trauer an der Atemluft sichtbar ,

die in kleinen Rinnsalen am Fenster haftet.

All die ungeweinten Tränen verlorenen Glücks.

13. November 2011

EWIGkeit

Filed under: kurzgeSCHICHTen, philosophische FRAGMENTe, Uncategorized, wahrNEHMungen — silkandpaper @ 1:50 PM

 November 2011

Vor zwei Jahren fällte man den Baum vor meinem Haus, einer von den dreien, deren Äste mir fast ins Fenster ragen. Bevor der Gartenbaudienst die Säge ansetzte, war es gerade dieser Baum, der in mir Erstaunen weckte. Er hatte einen einzelnen Stamm und ragte hoch hinauf. In der Höhe meines Fensters teilte sich der Stamm in zwei Teilstämme  und schoß weiter in die Höhe. Im Frühjahr duftete er süß- seine Blüten hingen wie weiße Ohrringe herab. Er wehte mit seinen ovalen Blättern den Schatten in die Räume, wenn es auf der Straße vor dem Haus längst kochend heiß war.

Eines Tages stellte ich fest, dass der eine aufragende Ast blühte und Blätter trieb, während der andere Ast dieser  Zweigeteiltheit  trocken blieb und leer und nackt in den Himmel wuchs. Geheimnisvoll und trotzdem ganz einfach symbolisierte der Baum Leben und Tod so anschaulich, dass ich hoffte, er würde noch lange so vor meinem fenster stehen. Es  schmerzte mich, als man aus Angst vor herabstürzendem Astwerk den Baum zum Fallen brachte.

Aus drei Baumgeschwister wurden an einem Morgen Zwei.  Stehe ich am Sonnenfenster meines Schlafzimmers rauscht der Eine, ihm war es, wenn ich die Situation vermenschlichen würde, ein bisschen egal, denn er war schon immer für sich, stand um die Ecke und hatte keinen „Sichtkontakt“ zu den beiden anderen vor meiner vorderen  Fensterfront .

Diese beiden waren wie ein Zwillingspaar. Sie grünten, blühten uns welkten zur gleichen Zeit.

Im Oktober färbten ihre Blätter die Straße unter mir gelb und wie blanke Lichter glühten sie noch bin in die Dämmerung hinein. Doch seit dem der eine Zwillingsbaum nicht mehr da ist, scheint etwas Seltsames vorzugehen. Schon im letzten Herbst fiel es mir auf, wenn alle Bäume in den Straßen rings um mein Zuhause schon längst kahl und winterlich waren, dass meine zwei Geschwisterbäume an der vorderen und hinteren Fensterfront  immer noch grünten.

Mir schien es, als wollten sie ewig leben. So, als wollten sie sagen: wir blühen für dich,  gefällter Bruderbaum. Wir zögern hinaus, was die Jahreszeit uns vorbestimmen will.  Wir sind da und spiegeln das Grün auf den Scheiben der Fenster. Selbst wenn das Herbstlicht fahl  und weiß und sogar gefrostet am Morgen durch die leeren anderen Bäume blinzelt- wir sind grün.

Sichtbare Ewigkeit

8. November 2011

HERBst

Filed under: sprach-RÄUME lyrik — silkandpaper @ 8:46 AM

Im Herbst wölbt sich kein Himmel mehr,
er stürzt herab in gläsernen Kaskaden,
kleidet den Tag in ein verwaschenes Blau,
verwirbelt die ersten Blätter der Bäume,
verzaubert sie mit leuchtenden Farben.

In der Nacht setzt sich der kalte Regen
mit dunklem geheimnisvollen Glimmer
aufs Fensterbrett, und summt ein altes Lied…
von der Erinnerung an einen warmen Sommer,
von satten Wiesengrün und Flusses Schimmer.

Im Raunen der fallenden Regenschnüre
verstecken sich geheimnisvolle Lieder.
Die von verlorener Liebe und entdecktem Glück,
von all diesen Dingen, die man sich nie sagt.
An solchen Tagen hört man sie wieder.

An solchen Tagen und in solchen Nächten,
wenn das Herz weit ist und sich an die Seele schmiegt,
wenn die Zeit sich wandelt und doch stehen bleibt,
und man sich in den Wolken sucht und findet,
das ist die Zeit, wenn das Leben sich wiegt.

Im Herbst wölbt sich kein Himmel mehr,
er wird flach und wie altes Papier, fast zerrissen,
und treibt durch die kalten und kurzen Tage.
Nur noch einmal zeichnet er flammendes Rot.
Im weißen Winter wird man den Herbst vermissen.

Alles was geht , muss vergänglich bleiben.
Leben , Werden und Tod ihre Geheimnisse haben.
Wie eine Liebe, wie der stillste Gedanke,
wie diese Fragen, die man nie stellen kann,
gestern, morgen, heute. An solchen Tagen…

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