Silk and Paper

20. Oktober 2011

kitsune-sama

Filed under: DER mensch als fremder ORT, kurzgeSCHICHTen, privat, wahrNEHMungen, WEGkreuzungen — silkandpaper @ 9:31 AM

KITSUNE-SAMA

Als sie das Grundstück kaufte, war es der grandiose Ausblick vom Ende ihres Gartens hinunter in eine Zedernschlucht. Saß man auf der Bank hinter ihrem Haus, versteckte sich diese Abgrundtiefe hinter Pfeifengras und hochgewachsenem Gestrüpp. Diese ungeordnete Ordnung in ihrem Garten war etwas Typisches für Japan.

Damals,  mein Japanisch war nur auf ein paar Worte beschränkt, musste mein Begleiter  so freundlich sein, zu übersetzen.

„Als ich einzog, mussten wir den wirklich brachgelegenen  Garten umgraben. Jeden Tag habe ich innerlich geschimpft, wieso ich mir diese Arbeit aufhalse. Warum habe ich keinen Gärtner beauftragt?

Doch dann eines Tages, das wusste ich es. Dort hinten, kurz vor der Schlucht lagen zwei Füchse. Sie waren noch nicht lange tot; das Fell schimmerte noch rot-grau und die Innenohrseiten waren schneeweiß. Ihre Körper waren ineinander verschlungen, als hätten sie sich im Tode umarmt.

 

Ein Fuchspaar, zusammen alt geworden mitten in der Stadt. Zusammen gestorben in diesem Garten. Vielleicht habe sie hier tagelang ausgeharrt, nicht wissend, wie über die Schlucht hinweg zur anderen Seite zu gelangen. Vielleicht hatten sie hier schon lange vorher gelebt, haben ihre Jungen zur Welt gebracht, sind immer wieder heimgekehrt.

Nun lagen sie dort. Wehmut erfasste mich. Trauer. Ich hob ihnen ein Grab aus und habe sie so wie sie da lagen, sich umarmend, in einem weißen Tuch begraben.

Dort! Siehst du? Dort liegen sie.“

Ich erhob mich von der Bank und sah einen kleinen Hügel. Eine kleine Skulptur mit zwei sich umarmenden Füchsen stand inmitten von wildem Gras und Baumschösslingen.

Anrührend und wehmütig zugleich. Als ich ging, wusste ich nicht, wie ich mich bedanken sollte.  Aber meine Gastgeberin hat meinen  stillen Abschied verstanden. Sie umarmte mich. Ganz und gar untypisch  in Japan.

 

3 Wochen später kam mit der Post eine Hör-Kassette. Alles habe ich bis heute nicht verstanden und demnach nicht übersetzen können . Mit der Kassette kam auch ein kleines , weich umwickeltes Päckchen. Als ich es öffnete, war eine kleine Skulptur darin. Gerade so groß, dass ich sie mit meiner Hand umschließen konnte. Zwei Füchse. Sich umarmend.

Meine Gastgeberin wusste genau wie ich: wir waren verschwistert. .  Das Päckchen war mein Erbe.

Vier Wochen später starb sie .

Kitsune/ Fuchs/Füchse :  Bedeutung in Japan. 

.

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