Silk and Paper

23. Februar 2010

KINO

Filed under: DER mensch als fremder ORT, philosophische FRAGMENTe, wahrNEHMungen — silkandpaper @ 12:15 PM

Mir ist heute eine Filmkritik über den Weg gelaufen, in der das Geschichten-erzählen auf eine ähnliche oder verwandte Art und Weise thematisiert wird, wie ich es in den letzten Beiträgen zu den Geschichten des Lebens und des Seins versucht habe. Vor allem diesen Absatz fand ich in diesem Zusammenhang interessant:

Ungefähr so stelle ich mir das vor, wenn die Zeit nicht mehr ein zentrales Element unseres Denkens darstellt, sondern wirklich nur auf die Ausprägung und Ausrichtung des Seins beschränkt wird, der sie entspringt.

Und tatsächlich würde uns dadurch auch die Klarheit und Eindeutigkeit und Allgemeingültigkeit der Geschichten verloren gehen, was wir in unserem subjektiven Empfinden ja im Grunde jederzeit spüren und wissen.

Natürlich ist diese Sichtweise auch nur eine Variante, eine Option, eine Präferenz, ein Versuch, aber sie scheint es mir durchaus wert, sich etwas eingehender mit ihr zu beschäftigen.



Das erinnert ich mich an ein Gespinst auf abstrakten Gemälden, aber auch an die Linien, wenn wir versuchen, das Nervensystem darzustellen.
Da Kino den Bruchteil der Welt widerspiegelt, da ein Künstler den inneren Anspruch mit der äußeren Realität zu verbinden mag, da die Entwicklung der Welt evolutionäre Bruchstücke der Entwicklung der Galaxien widerspiegelt, die Ungleichförmigkeit auch in der Anpassung heraushebt , ist Klarheit eine sehr individualistische Definition. Für die Spinne, die ein Netz von geometrischer Klarheit bis hin zur kokonähnlichen, undurchschaubaren Wand, so ist für unser Gehirn das Gespinst aus optischen Täuschungen und Konglomeraten klar und durchschaubar, die Welt, so wie wir sie sehen.

Aber wie Vereinfachungen, klare Linien und gefestigte Strukturen eben auch eine nicht ganz unerhebliche Erstarrung nach sich ziehen, so neigt doch der menschliche Geist interessanter Weise dem Unangepassten, dem Dunklen und der Opposition zu. Das interessante am Kino ist ( ohne sich jetzt an diesem Artikel festzubeißen) , das es zwar dem künstlerischen Genre unterworfen zu sein scheint, aber sich eben nicht der starren Komposition wie dem eines Bildes unterwerfen muss , sondern in der Veränderlichkeit, im bewegten Bild die Klarheit schon zu Beginn verwischt. Egal welche scheinbare Oberflächlichkeit oder wie abstrus Darstellungen und Handlungen erscheinen- sie „erscheinen“ nur so- tatsächlich sind sie aber in den Cuts abgeschlossen . Szenerien wie Filmcuts sind irgendwie vorsprachliche Angebote an das Gehirn, selbst die Grenzen oder die Erweiterungen festzulegen.

Ich denke mir, das man aufgrund der schnelleren Bildfolge einer Wahrnehmungsverschiebung unterworfen wird, und man Bilder, die im Inneren auftreffen, aufgrund der Bewegung und der Veränderlichkeit auf dem Weg zum Verstand ohnehin im gewissen Maße absurd erscheinen müssen. Sehen ( Erkennen, Wahrnehmen ) Reflektieren- die Abfolge eines peripherischen Berichtens des Erfahrungszustandes im Moment – vorgegebene Zeitabläufe, die scheinbar eingepasst (angepasst) sind, verselbständigen sich und projizieren im jeweiligen Zuschauer eine völlig andere und bewegliche Grenzsituation.
Wir können faktisch von den gleichen Dingen sprechen, aber der Erfahrungswert verschiebt die „Linien“ und macht sie beweglich.
Immer , wenn etwas in Bewegung ist, verliert es an Eindeutigkeit, die Perspektive machts, die dem Linearen eine Dimension gibt. Etwas hinterlässt im Moment der Betrachtung einen Abdruck Und da kommt es nicht darauf an, ob es in der Fiktion geschieht oder in der Willkürlichkeit von Raum und Zeit, sondern ob man einen Blick darauf riskiert und dabei Dimensionsverschiebungen und Grenzveränderungen in Kauf nimmt.

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