Silk and Paper

17. Februar 2010

sechszehn

Filed under: ZEITgeist und abgesang — silkandpaper @ 11:09 AM

zitat

da ist kein denkmal, keine schule, keine straße da gibt es zum 200. todestag ein lob von peter handke in der taz, aber keine briefmarke und keinen essaypreis.

karl philipp moritz ist so früh gestorben, daß es nur jugendbilder gibt, auf denen er wild und gefährlich aussieht, traurig und ratlos forschend. so ist er für die nachkommen einer, dem man sich verwandt fühlt, wenn man noch nicht ganz erwachsen sein will.

ein früh gescheiterter in einer welt, deren ungebremste tüchtigkeit zu den schrecklichsten resultaten führt. Einer wie büchner, lenz und kleist. (für die damen: Wie sylvia plath und ingeborg bachmann.)

wie werther und nicht wie goethe. einer mit einem inneren klumpfuß.

einer, der mit der seele hinkt. quelle

Zitat:
sein zustand brachte ihn der verzweiflung nahe und machte, daß er zum erstenmal sich über sein schicksal wegsetzte und in eine art von vergessenheit seiner selbst geriet, welche ihn dem anscheine nach froh und aufgeräumt machte. – dabei war es ihm, als ob er durch diesen gar zu unerwarteten und hämischen streich des schicksals von allen verbindungen losgesprochen wäre und sich nun selbst wie ein vernachlässigtes und verworfenes wesen ansehen dürfe, das in gar keinen betracht mehr kömmt.
Aus: anton reiser karl philipp moritz1790

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Zitat:
so stellt der autobiographische roman „anton reiser“ von karl philipp moritz die zerstörung einer kinderseele durch gewissensdruck und barbarische ausbeutung dar. Auch werthers selbstmord hat nicht nur mit liebeskummer zu tun, sondern, vor allem in der ersten fassung des romans, mit sozialer zurücksetzung. Der maschinendrill der absolutistischen militärmaschinen, vor allem preußens, wird in entsetzten erfahrungsberichten zum europäischen skandal. quelle

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Zitat:
noch immer wissen wir so gut wie nichts über den amokläufer von winnenden. Die im internet gefundene selbsterklärung hat sich als fälschung entpuppt. Die eltern bekundeten in einem kurzen brief ihr unverständnis und ihre ahnungslosigkeit. Ob der mörder sich beim psychiater vorgestellt hat, bleibt – mindestens was die bedeutung eines solchen schritts angeht – umstritten. Kriminalermittler oder historiker müssten sagen: Wir haben keine ahnung. Die vorgeschichte der tat liegt im dunkeln
fehlende zuwendung, demütigungen, zurücksetzung, verweigerung von anerkennung führen in dieser sicht zu einer frustration, zu einem sich jahrelang ansammelnden hass, der sich dann mit einem schlag final entlädt; ein hass, der zwischen außen und innen nicht mehr unterscheiden kann, der sich ebenso gegen die umwelt wie das eigene ich richtet. „alle lachen mich aus, niemand erkennt mein potential. Ihr werdet morgen von mir hören“ – der internetfund, gefälscht oder nicht, bietet die light-version dieser gedankenfigur, die vom talkshowpersonal jedes mal ventiliert wird, wenn einer durchdreht und schießt. quelle

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