Silk and Paper

16. Februar 2010

fünfzehn

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Kinderhymne – Children’s Hymn (DDR – GDR – RDA)
by youtube

textstelle :

Daß die Völker nicht erbleichen
Wie vor einer Räuberin
Sondern ihre Hände reichen
Uns wie andern Völkern hin.

Die Kinderhymne (Anmut sparet nicht noch Mühe) ist ein Gedicht Bertolt Brechts, das dieser 1950 dichtete und das im Herbst desselben Jahres von Hanns Eisler vertont wurde. Sie war eines von sechs Liedern aus einem Kinderliedzyklus, der Brecht und Eisler nach längerer Pause wieder zusammenfinden ließ, und wurde erstmals im Heft 6/1950 der Zeitschrift Sinn und Form veröffentlicht.

Der Anlass zur Brechtschen Dichtung, die zunächst den Titel Hymne/Festlied trug, war die Einführung des Liedes der Deutschen als Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland am 15. April 1950. Brecht schrieb seine Hymne bewusst als Gegenstück zur bundesdeutschen Nationalhymne, die für ihn durch den Nationalsozialismus korrumpiert war. Das belegen die Anspielungen auf das Deutschlandlied (beispielsweise Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt – Von der See bis zu den Alpen, von der Oder bis zum Rhein). Das Versmaß der Kinderhymne entspricht dem des Deutschlandliedes und nahezu dem der Nationalhymne der DDR. Alle drei Texte können daher auch auf die Melodien der jeweils anderen gesungen werden.

Die Kinderhymne ist jedoch auch ein Gegenstück zu Johannes R. Bechers Text der Nationalhymne der DDR (Auferstanden aus Ruinen), der im Auftrag der SED im Oktober 1949 entstanden war. Brechts Text stellt – trotz einiger inhaltlicher Bezugnahmen – den pathetischen Formulierungen Bechers eine einfache, wenn auch präzise gewählte Diktion gegenüber.

Der Politikwissenschaftler Iring Fetscher charakterisierte die Kinderhymne wie folgt: „… es gibt wohl keine Hymne, die die Liebe zum eigenen Land so schön, so rational, so kritisch begründet, und keine, die mit so versöhnlichen Zeilen endet.“ [3] quelle

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Der Philosoph Friedrich Nietzsche bezeichnete die erste Strophe, in der Deutschland „über alles“ gesetzt wurde, schon 1884 als „blödsinnigste Parole der Welt“.

Die Bundesrepublik stand in ihren ersten Jahren im Gegensatz zur DDR ohne offizielle Hymne da. Das alte, von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben 1841 auf Helgoland komponierte Deutschlandlied war nach dem kriegerischen Größenwahn der Nazis vor allem wegen seiner ersten Strophe in Verruf geraten:

[…]

„Deutschland, Deutschland über alles, Über alles in der Welt, wenn es nur zum Schutz und Trutze brüderlich zusammenhält. Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt. Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt.“

Deutschland über alles? Danach war den Deutschen, die gerade ein Drittel ihrer angestammten Heimat an die Siegermächte abtreten mussten, nach dem Krieg nicht gerade zumute. Und nach Bund Deutscher Mädel und Mutterkreuz klang auch Strophe Nummer zwei ziemlich schwülstig: „Deutsche Frauen, deutsche Treue, deutscher Wein und deutscher Sang sollen in der Welt behalten ihren alten guten Klang. Uns zu edler Tat begeistern unser ganzes Leben lang Deutsche Frauen, deutsche Treue, deutscher Wein und deutscher Sang.“

Blieb die die dritte und letzte Strophe – heute die offizielle deutsche Nationalhymne: „Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland, danach lasst uns alle streben brüderlich mit Herz und Hand ! Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand. Blüh‘ im Glanze dieses Glückes blühe deutsches Vaterland.“

Der erste deutsche Reichspräsident, der Sozialdemokrat Friedrich Ebert, hatte „das Lied der Deutschen“ nach dem ersten Weltkrieg zur Nationalhymne gemacht. Gesungen wurde es nach der Melodie „Gott erhalte Franz den Kaiser“, die Joseph Haydn 1797 komponiert hatte (Zur Fußball-WM wäre der Text hochaktuell!). Umstritten ist das Deutschlandlied seit seiner ersten Veröffentlichung. Der Philosoph Friedrich Nietzsche bezeichnete die erste Strophe, in der Deutschland „über alles“ gesetzt wurde, schon 1884 als „blödsinnigste Parole der Welt“. Dem Dichter und Satiriker Kurt Tucholsky erschien die Zeile 1929 vor allem als „ein törichter Vers eines großmäuligen Gedichts.“ Adolf Hitler hingegen verteidigte das Nationalwerk 1937 scheinheilig als ein „großes Lied der Sehnsucht“ und wies, zwei Jahre, bevor er den Zweiten Weltkrieg vom Zaun brach, Anschuldigungen entrüstet zurück, man könne in den Versen „etwas Imperialistisches erblicken“. Durfte man ein Lied, das von den Nazis so missbraucht worden war, wieder in den Rang eines nationalen Symbols erheben? quelle

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