Silk and Paper

13. Februar 2010

dreizehn

Filed under: ZEITgeist und abgesang — silkandpaper @ 4:25 PM

ikh blondzhe in geto
fun gesl tsu gesl
un ken nit gefinen keyn ort
nito iz mayn liber,
vi trogt men ariber?
Mentshn, o zogt khotsh a vort.
Es laykht oyf mayn heym itst
der himl der bloyer
vos zhe hob ikh itst derfun?
Ikh shtey vi a betler
bay yetvidn toyre
un betl a bisele zun.

Friling, nem tsu mayn troyer
un breng mayn libstn
maynt trayen tsurik
friling oyf dayne fligl bloye
o, nem mayn harts mit
un gib es op mayn glik.

Ikh gey tsu der arbet
farbay undzer shtibl
in troyer, der toyer farmakht.
Der tog a tsehelter
di blumen farvelkte,
zey vanynen, far zey iz oykn nakht.
Far nakht oyf tsurikvegs,
es noyet der troyer,
ot do hostu libster gevart.
Ot do inem shotn
nokh kentik dayn trot iz,
flegt kushn mikh liblekh un tsart

s’iz hay-yor der friling
gor fri ongekumen,
tseblit hot zikh benkshaft nokh dir,
ikh ze dikh vi itster
balodn mit blumen,
a freydiker geystu tsu mir.
Di zun hot fargosn
dem gortn mist shtraln,
tseshprotst hot di erd zikh in grin
mayn trayer, mayn libster,
vu bistu farfaln?
Du geyst nit aroys fun mayn zin.

Ich gehe durch das ghetto
von gässchen zu gässchen
keinen ort und trost finde ich.
Mein liebster ist gegangen
wie kommt man darüber hinweg?
Menschen ,sagt doch nur ein wort!
Mein haus erstrahlt nun auch
und himmel ist wieder blauer
aber was hab ich davon?
Ich stehe wie ein bettler
in jeder dieser türen
und bettele um ein wenig sonne.

Frühling, nimm bitte meinen schmerz
und bring meine liebsten,
meine getreuen mir zurück.
Frühling auf deinen blauen flügel
nimm mein herz mit dir
und bring die liebe zu mir zurück

ich gehe in meiner arbeit
an unserem kleinen haus vorbei
wie in trauer ist die tür fest geschlossen
der tag ist hell
aber die blumen verwelkt
sie sind welk, denn auch für sie ist es nacht
in der nacht , auf dem rückweg
brennt die traurigkeit
genau hier hat mein liebster gewartet
gerade hier in den schatten
ich höre noch deine schritte
hier küsstest du mich so leidenschaftlich und zart.

Der frühling ist in diesem jahr
sehr früh angekommen,
meine sehnsucht nach dir ist erblüht.
Ich sehe dich vor mir
mit frühlingsblumen beladen
lächelnd kommst du auf mich zu
die sonne hat im garten ihr
licht vergossen mit ihren strahlen
das grün bricht durch die erde.
Mein treuer , mein liebster
wo bist du abgeblieben?
Du gehst mir nicht aus dem sinn.

Text: Shmerke kaczerginski (1908-1954 partisan aus vilna)
musik: Abrom brudno (ermordet 1943)
übersetzung aus dem jiddischen: Mar

————————————————


andern hab ich manchen vers geschrieben
dir nur hier und da ein kleines wort
zeugt das nicht von kleinrer kraft im lieben
geh ich nicht als schuldner von dir fort
oh geliebte unermessen
war die liebe die uns zwei verband
über ihr hab ich das wort vergessen
weil ein jeder tag uns in ihr fand.
*
denkst du an das blut in deinen lungen
sprichst du von der luft die dich umgibt
nein ich hab dich nicht besungen
nur geliebt
*
müsst ich dir nicht noch so vieles sagen
jede stunde rinnt vom letzten fort
und doch finde ich in diesen tagen
kaum ein wort, kaum ein wort.
*
dir verschuldet in so vielen dingen
seh` ich ruhig doch das ende nahn
nichts blieb so wie wir zusammen gingen
von dem größten bis zu dem geringen
ungesagt und ungetan.

Text: Adam kuckhoff (1943 , geboren am 30. August 1887 in aachen und ermordet*am 5. August 1943 in berlin-plötzensee)
adam kuckhoff* gehörte gemeinsam mit seiner frau greta kuckhoff zum widerstandszirkel um arvid harnack und später zur roten kapelle , einer widerstands-organisation, für die er während des zweiten weltkriegs flugblätter und beiträge zur untergrundzeitschrift die innere front verfasste. Nach der enttarnung der gruppe wurde kuckhoff am 12. September 1942 in prag von der gestapo verhaftet. In einem prozess vor dem reichskriegsgericht wurde er im februar 1943 zum tode verurteilt. In der ddr wurde er als widerstandskämpfer geehrt – und bei uns heute?
http://www.volksliederarchiv.de/text4618.html

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