Silk and Paper

26. Februar 2010

DORT

Filed under: sprach-RÄUME lyrik — silkandpaper @ 5:58 PM

Dort, wo du dein Gesicht abwandest,
blühten geheime Blumen aus Stein.
Unsichtbar nun für dich,
für andere der Garten Eden.

Da, wo du standest, ging dein Blick
über alles hinweg . Aus den Augen,
aus dem Sinn. So erreicht dich selbst
nicht der Duft der Zyklamen.

23. Februar 2010

KINO

Filed under: DER mensch als fremder ORT, philosophische FRAGMENTe, wahrNEHMungen — silkandpaper @ 12:15 PM

Mir ist heute eine Filmkritik über den Weg gelaufen, in der das Geschichten-erzählen auf eine ähnliche oder verwandte Art und Weise thematisiert wird, wie ich es in den letzten Beiträgen zu den Geschichten des Lebens und des Seins versucht habe. Vor allem diesen Absatz fand ich in diesem Zusammenhang interessant:

Ungefähr so stelle ich mir das vor, wenn die Zeit nicht mehr ein zentrales Element unseres Denkens darstellt, sondern wirklich nur auf die Ausprägung und Ausrichtung des Seins beschränkt wird, der sie entspringt.

Und tatsächlich würde uns dadurch auch die Klarheit und Eindeutigkeit und Allgemeingültigkeit der Geschichten verloren gehen, was wir in unserem subjektiven Empfinden ja im Grunde jederzeit spüren und wissen.

Natürlich ist diese Sichtweise auch nur eine Variante, eine Option, eine Präferenz, ein Versuch, aber sie scheint es mir durchaus wert, sich etwas eingehender mit ihr zu beschäftigen.



Das erinnert ich mich an ein Gespinst auf abstrakten Gemälden, aber auch an die Linien, wenn wir versuchen, das Nervensystem darzustellen.
Da Kino den Bruchteil der Welt widerspiegelt, da ein Künstler den inneren Anspruch mit der äußeren Realität zu verbinden mag, da die Entwicklung der Welt evolutionäre Bruchstücke der Entwicklung der Galaxien widerspiegelt, die Ungleichförmigkeit auch in der Anpassung heraushebt , ist Klarheit eine sehr individualistische Definition. Für die Spinne, die ein Netz von geometrischer Klarheit bis hin zur kokonähnlichen, undurchschaubaren Wand, so ist für unser Gehirn das Gespinst aus optischen Täuschungen und Konglomeraten klar und durchschaubar, die Welt, so wie wir sie sehen.

Aber wie Vereinfachungen, klare Linien und gefestigte Strukturen eben auch eine nicht ganz unerhebliche Erstarrung nach sich ziehen, so neigt doch der menschliche Geist interessanter Weise dem Unangepassten, dem Dunklen und der Opposition zu. Das interessante am Kino ist ( ohne sich jetzt an diesem Artikel festzubeißen) , das es zwar dem künstlerischen Genre unterworfen zu sein scheint, aber sich eben nicht der starren Komposition wie dem eines Bildes unterwerfen muss , sondern in der Veränderlichkeit, im bewegten Bild die Klarheit schon zu Beginn verwischt. Egal welche scheinbare Oberflächlichkeit oder wie abstrus Darstellungen und Handlungen erscheinen- sie „erscheinen“ nur so- tatsächlich sind sie aber in den Cuts abgeschlossen . Szenerien wie Filmcuts sind irgendwie vorsprachliche Angebote an das Gehirn, selbst die Grenzen oder die Erweiterungen festzulegen.

Ich denke mir, das man aufgrund der schnelleren Bildfolge einer Wahrnehmungsverschiebung unterworfen wird, und man Bilder, die im Inneren auftreffen, aufgrund der Bewegung und der Veränderlichkeit auf dem Weg zum Verstand ohnehin im gewissen Maße absurd erscheinen müssen. Sehen ( Erkennen, Wahrnehmen ) Reflektieren- die Abfolge eines peripherischen Berichtens des Erfahrungszustandes im Moment – vorgegebene Zeitabläufe, die scheinbar eingepasst (angepasst) sind, verselbständigen sich und projizieren im jeweiligen Zuschauer eine völlig andere und bewegliche Grenzsituation.
Wir können faktisch von den gleichen Dingen sprechen, aber der Erfahrungswert verschiebt die „Linien“ und macht sie beweglich.
Immer , wenn etwas in Bewegung ist, verliert es an Eindeutigkeit, die Perspektive machts, die dem Linearen eine Dimension gibt. Etwas hinterlässt im Moment der Betrachtung einen Abdruck Und da kommt es nicht darauf an, ob es in der Fiktion geschieht oder in der Willkürlichkeit von Raum und Zeit, sondern ob man einen Blick darauf riskiert und dabei Dimensionsverschiebungen und Grenzveränderungen in Kauf nimmt.

18. Februar 2010

sefardisches wiegenlied ( türkei)

Filed under: DER mensch als fremder ORT, KLANGsprache — silkandpaper @ 5:07 PM

aserbaidschanisches schlaflied

Filed under: DER mensch als fremder ORT, KLANGsprache — silkandpaper @ 5:04 PM

tschukschisches WIEGEnlied

Filed under: DER mensch als fremder ORT, KLANGsprache — silkandpaper @ 5:01 PM

türkisches wiegenLIED

Filed under: DER mensch als fremder ORT, KLANGsprache — silkandpaper @ 4:55 PM

oyfn veg shteyt a boym

Filed under: DER mensch als fremder ORT, KLANGsprache — silkandpaper @ 4:40 PM


Oyfn veg shteyt a boym,
Shteyt er ayngeboygn,
Ale feygl funem boym
Zaynen zikh tsefloygn.

Dray keyn mayrev, dray keyn mizrekh,
Un der resht – keyn dorem,
Un dem boym gelozt aleyn
Hefker far dem shturem.

Zog ikh tsu der mamen: -her,
Zolst mir nor nit shtern,
Vel ikh, mame, eyns un tsvey
Bald a foygl vern…

Ikh vel zitsn oyfn boym
Un vel im farvign
Ibern vinter mit a treyst
Mit a sheynem nign.

Zogt di mame: – nite, kind –
Un zi veynt mit trern –
Vest kholile oyfn boym
Mir far froyrn vern.

Zog ikh: -mame, s’iz a shod
Dayne sheyne oygn
Un eyder vos un eyder ven,
Bin ikh mir a foygl.

Veynt di mame: – ltsik, kroyn,
Ze, um gotes viln,
Nem zikh mit a shalikl,
Kenst zikh nokh farkiln.

Di kaloshn tu zikh on,
S’geyt a sharfer vinter
Un di kutshme nem oykh mit –
Vey iz mir un vind mir…

– Un dos vinter-laybl nem,
Tu es on, du shovte,
Oyb du vilst nit zayn keyn gast
Tsvishn ale toyte…

Kh’heyb di fligl, s’iz mir shver,
Tsu fil, tsu fil zakhn,
Hot di mame ongeton
Ir feygele, dem shvakhn.

Kuk ikh troyerik mir arayn
In mayn mames oygn,
S’hot ir libshaft nit gelozt
Vern mir a foygl…

Oyfn veg shteyt a boym,
Shteyt her ayngebogen,
Ale feygl funem boym
Zaynen zikh tsefloygn…

Yiddish – ON THE ROAD STANDS A TREE



On the road stands a tree,
it stands bent and deserted,
All the birds of that tree
have flown away.Turn toward the west, turn toward the east,
And the rest – turn toward the south,
And the tree is left alone
abandoned to the storm.

I say to momma–„Listen,
If you don’t stand in my way,
then, one and two,
I’ll quickly become a bird…

I’ll sit in the tree
And lull it
during the winter and comfort it
With a lovely tune.

And momma says, „No, child,“
And weeps bitter tears –
G-d forbid, in the tree
you might freeze.

So I say, „Momma, it’s a waste
of your lovely eyes,
Because before you know it,
I’ll be a bird.“

And momma cries: – Itzik, my Crown,
As G-d would want,
take a scarf with you,
Lest you catch cold.

„Put on your galoshes,
It will be a severe winter.
And take your fur hat, too.
Woe is me!

„And take your warm underwear,
put it on, foolish child,
Lest you become a guest
among the dead…

I lift my wing, but it’s hard…
Too much, too many things
Has momma put on
her weak little fledgling.

I look sadly straight forward
into my momma’s eyes,
Her love did not allow me
to become a bird…

On the road stands a tree,
it stands bent and deserted,
All the birds of that tree
have flown away.

17. Februar 2010

komm leg deinen arm um MICH esther ofarim

Filed under: DER mensch als fremder ORT, KLANGsprache — silkandpaper @ 6:22 PM

Komm, leg Deinen Arm um mich – Esther Ofarim

sechszehn

Filed under: ZEITgeist und abgesang — silkandpaper @ 11:09 AM

zitat

da ist kein denkmal, keine schule, keine straße da gibt es zum 200. todestag ein lob von peter handke in der taz, aber keine briefmarke und keinen essaypreis.

karl philipp moritz ist so früh gestorben, daß es nur jugendbilder gibt, auf denen er wild und gefährlich aussieht, traurig und ratlos forschend. so ist er für die nachkommen einer, dem man sich verwandt fühlt, wenn man noch nicht ganz erwachsen sein will.

ein früh gescheiterter in einer welt, deren ungebremste tüchtigkeit zu den schrecklichsten resultaten führt. Einer wie büchner, lenz und kleist. (für die damen: Wie sylvia plath und ingeborg bachmann.)

wie werther und nicht wie goethe. einer mit einem inneren klumpfuß.

einer, der mit der seele hinkt. quelle

Zitat:
sein zustand brachte ihn der verzweiflung nahe und machte, daß er zum erstenmal sich über sein schicksal wegsetzte und in eine art von vergessenheit seiner selbst geriet, welche ihn dem anscheine nach froh und aufgeräumt machte. – dabei war es ihm, als ob er durch diesen gar zu unerwarteten und hämischen streich des schicksals von allen verbindungen losgesprochen wäre und sich nun selbst wie ein vernachlässigtes und verworfenes wesen ansehen dürfe, das in gar keinen betracht mehr kömmt.
Aus: anton reiser karl philipp moritz1790

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Zitat:
so stellt der autobiographische roman „anton reiser“ von karl philipp moritz die zerstörung einer kinderseele durch gewissensdruck und barbarische ausbeutung dar. Auch werthers selbstmord hat nicht nur mit liebeskummer zu tun, sondern, vor allem in der ersten fassung des romans, mit sozialer zurücksetzung. Der maschinendrill der absolutistischen militärmaschinen, vor allem preußens, wird in entsetzten erfahrungsberichten zum europäischen skandal. quelle

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Zitat:
noch immer wissen wir so gut wie nichts über den amokläufer von winnenden. Die im internet gefundene selbsterklärung hat sich als fälschung entpuppt. Die eltern bekundeten in einem kurzen brief ihr unverständnis und ihre ahnungslosigkeit. Ob der mörder sich beim psychiater vorgestellt hat, bleibt – mindestens was die bedeutung eines solchen schritts angeht – umstritten. Kriminalermittler oder historiker müssten sagen: Wir haben keine ahnung. Die vorgeschichte der tat liegt im dunkeln
fehlende zuwendung, demütigungen, zurücksetzung, verweigerung von anerkennung führen in dieser sicht zu einer frustration, zu einem sich jahrelang ansammelnden hass, der sich dann mit einem schlag final entlädt; ein hass, der zwischen außen und innen nicht mehr unterscheiden kann, der sich ebenso gegen die umwelt wie das eigene ich richtet. „alle lachen mich aus, niemand erkennt mein potential. Ihr werdet morgen von mir hören“ – der internetfund, gefälscht oder nicht, bietet die light-version dieser gedankenfigur, die vom talkshowpersonal jedes mal ventiliert wird, wenn einer durchdreht und schießt. quelle

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16. Februar 2010

fünfzehn

Filed under: ZEITgeist und abgesang — silkandpaper @ 8:20 AM

Kinderhymne – Children’s Hymn (DDR – GDR – RDA)
by youtube

textstelle :

Daß die Völker nicht erbleichen
Wie vor einer Räuberin
Sondern ihre Hände reichen
Uns wie andern Völkern hin.

Die Kinderhymne (Anmut sparet nicht noch Mühe) ist ein Gedicht Bertolt Brechts, das dieser 1950 dichtete und das im Herbst desselben Jahres von Hanns Eisler vertont wurde. Sie war eines von sechs Liedern aus einem Kinderliedzyklus, der Brecht und Eisler nach längerer Pause wieder zusammenfinden ließ, und wurde erstmals im Heft 6/1950 der Zeitschrift Sinn und Form veröffentlicht.

Der Anlass zur Brechtschen Dichtung, die zunächst den Titel Hymne/Festlied trug, war die Einführung des Liedes der Deutschen als Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland am 15. April 1950. Brecht schrieb seine Hymne bewusst als Gegenstück zur bundesdeutschen Nationalhymne, die für ihn durch den Nationalsozialismus korrumpiert war. Das belegen die Anspielungen auf das Deutschlandlied (beispielsweise Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt – Von der See bis zu den Alpen, von der Oder bis zum Rhein). Das Versmaß der Kinderhymne entspricht dem des Deutschlandliedes und nahezu dem der Nationalhymne der DDR. Alle drei Texte können daher auch auf die Melodien der jeweils anderen gesungen werden.

Die Kinderhymne ist jedoch auch ein Gegenstück zu Johannes R. Bechers Text der Nationalhymne der DDR (Auferstanden aus Ruinen), der im Auftrag der SED im Oktober 1949 entstanden war. Brechts Text stellt – trotz einiger inhaltlicher Bezugnahmen – den pathetischen Formulierungen Bechers eine einfache, wenn auch präzise gewählte Diktion gegenüber.

Der Politikwissenschaftler Iring Fetscher charakterisierte die Kinderhymne wie folgt: „… es gibt wohl keine Hymne, die die Liebe zum eigenen Land so schön, so rational, so kritisch begründet, und keine, die mit so versöhnlichen Zeilen endet.“ [3] quelle

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Der Philosoph Friedrich Nietzsche bezeichnete die erste Strophe, in der Deutschland „über alles“ gesetzt wurde, schon 1884 als „blödsinnigste Parole der Welt“.

Die Bundesrepublik stand in ihren ersten Jahren im Gegensatz zur DDR ohne offizielle Hymne da. Das alte, von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben 1841 auf Helgoland komponierte Deutschlandlied war nach dem kriegerischen Größenwahn der Nazis vor allem wegen seiner ersten Strophe in Verruf geraten:

[…]

„Deutschland, Deutschland über alles, Über alles in der Welt, wenn es nur zum Schutz und Trutze brüderlich zusammenhält. Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt. Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt.“

Deutschland über alles? Danach war den Deutschen, die gerade ein Drittel ihrer angestammten Heimat an die Siegermächte abtreten mussten, nach dem Krieg nicht gerade zumute. Und nach Bund Deutscher Mädel und Mutterkreuz klang auch Strophe Nummer zwei ziemlich schwülstig: „Deutsche Frauen, deutsche Treue, deutscher Wein und deutscher Sang sollen in der Welt behalten ihren alten guten Klang. Uns zu edler Tat begeistern unser ganzes Leben lang Deutsche Frauen, deutsche Treue, deutscher Wein und deutscher Sang.“

Blieb die die dritte und letzte Strophe – heute die offizielle deutsche Nationalhymne: „Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland, danach lasst uns alle streben brüderlich mit Herz und Hand ! Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand. Blüh‘ im Glanze dieses Glückes blühe deutsches Vaterland.“

Der erste deutsche Reichspräsident, der Sozialdemokrat Friedrich Ebert, hatte „das Lied der Deutschen“ nach dem ersten Weltkrieg zur Nationalhymne gemacht. Gesungen wurde es nach der Melodie „Gott erhalte Franz den Kaiser“, die Joseph Haydn 1797 komponiert hatte (Zur Fußball-WM wäre der Text hochaktuell!). Umstritten ist das Deutschlandlied seit seiner ersten Veröffentlichung. Der Philosoph Friedrich Nietzsche bezeichnete die erste Strophe, in der Deutschland „über alles“ gesetzt wurde, schon 1884 als „blödsinnigste Parole der Welt“. Dem Dichter und Satiriker Kurt Tucholsky erschien die Zeile 1929 vor allem als „ein törichter Vers eines großmäuligen Gedichts.“ Adolf Hitler hingegen verteidigte das Nationalwerk 1937 scheinheilig als ein „großes Lied der Sehnsucht“ und wies, zwei Jahre, bevor er den Zweiten Weltkrieg vom Zaun brach, Anschuldigungen entrüstet zurück, man könne in den Versen „etwas Imperialistisches erblicken“. Durfte man ein Lied, das von den Nazis so missbraucht worden war, wieder in den Rang eines nationalen Symbols erheben? quelle

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