Silk and Paper

31. Januar 2010

UNTER dem schnee

Filed under: sprach-RÄUME lyrik — silkandpaper @ 2:11 PM

Unter dem Schnee,

der schon verharrscht ,

im versunkenen Vergessen,

versuche ich

die Spuren zu deuten…

von Welten,

die aus Leben gemacht.

Von Schritten,

die Zerbrechlickeit

am einsamen Echo

erklingen lassen,

wie flüsternde letzte Worte.

In der kalten Luftwand

hängt die Erinnerung

von längst Vergangenem.

Angezurrt auch

dein Schweigen von morgen,

wenn die ertrunkene Liebe

ihre Worte nicht mehr findet,

weil sie in Erstarrung

vom kalten Blick

der Gleichgültigkeit

nach Atem ringt.

Erstorben ist es, dein DU.

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27. Januar 2010

wenn männer in bewegung kommen-verkaufen sie dir das GLÜCK


kekse

Fünfzehn Grad minus!Würde heute ein Vermummungsverbot bestehen, wäre ich erfroren…

Ich zwänge mich in eine übervolle U-Bahn und hoffe, einen Platz zu ergattern, Wie die Sardinen in einer Büchse stehen die Fahrgäste, und wenn die Bahn anfährt, fällt man sich ungewollt in die Arme. Ich versuche mich am einen Türgriff festzukrallen, weil vor und hinter mir Menschen stehen. Es ist ziemlich still, es scheint, als wären auch die Münder vereist und zugefroren.

Plötzlich höre ich von ganz hinten rufende Worte… Ein völlig neues Vokabular! Keine MOTZ, kein STRASSENFEGER, kein Musikant. „Glückskekse“ höre ich, und gleich den hinterhergerufen der Preis , „ 50 Cent das Stück!“. Da meine Nachbarn wirklich so nah wie noch nie meinen Augen kamen, sah ich, wie sich bei Vielen eine Art Belustigung breitmachte.

Ich fand das sehr mutig von diesem älteren Mann, sich zwischen so dicht gedrängten Menschen am frühen Morgen mit einem Korb hindurchzuzwängen. Im Korb lagen in goldglänzendem Folienpapier die typischen Glückskekse, die man im Chinarestaurant mit auf den Weg bekommt. Innerlich musste ich schmunzeln, denn 8:30 Uhr in der Früh das Glück für eine kleine Summe zu verkaufen, passte irgendwie nicht in diesen eiskalten Wintertag in diese U-Bahn.

Es fehlte der Geruch von gebratenen Nudeln oder Reis, der Duft von Peking-Ente oder Dim-Sum; Hier roch alles nach getragener Winterkleidung, Schweiß oder zuviel aufgetragenem Parfüm. In der Regel sollte einem das Glück in den Schoß fallen, es sollte aufblitzen, es sollte einen ereilen. Doch hier war es einfach 50 Cent wert… ich musste es haben! So leicht erreichbar war es noch nie. Dieser alte Herr, der wie alle Fahrgäste dick vermummt und wintertauglich angezogen war, verströmte an diesem eisigen Morgen einen Hauch von Exotik, ja sogar das Bedürfnis, ein Reiseticket zu kaufen, welches mich nach China brächte.

Leider schaffte er es nicht mehr , sich bis zu mir hindurch zu drängeln , weil die Haltestelle nahte und die aussteigenden Fahrgäste ihn beiseite schubsten und er mit allen auf dem Bahnsteig landete. So nahe war mein Glück und nun sah ich es schon zerrinnen und entschwinden. Der große Zeiger auf der Bahnsteiguhr zeigte mir an, dass ich noch etwas Spielraum hatte, um zur Arbeit zu gelangen und in einem Moment von Eingebung sprang ich aus dem Wagen hinaus.

Die U-Bahn fuhr weiter und die meisten Leute hatten die Rolltreppe erreicht. Der alte Mann und ich standen auf dem Bahnsteig und warteten auf den nächsten Zug, der in 3 Minuten kommen sollte. Ich kramte 50 Cent heraus und bat ihn, mir einen Glückskeks zu verkaufen. Dabei schwatzten wir und ich sagte ihm, dass ich extra  wegen des Glücksversprechens vorher ausgestiegen bin. Na ja, ein bisschen verrückt vielleicht, aber was soll’s. So einen kalten Tag muss man sich irgendwie schön machen und sei es mit einem kleinen Tip fürs Leben. Ich zog die Handschuhe aus und griff etwas tiefer in den Korb. Sich ein noch unbekanntes Glücksmoment herauszusuchen hat schon was Besonderes. Es ist kein Lotterielos, sondern etwas, was auf dem Zettel stünde soll ich glauben, dass es mir widerführe… Also zog ich eines der goldenen Glücksbringer heraus und mit kindlicher Neugier öffnete ich die Folie und las:

 Erlauben Sie sich eine kleine Verrücktheit, sie wird wirken wie Medizin.

Hier musste ich schallend lachen.

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17. Januar 2010

Filed under: DER mensch als fremder ORT, wahrNEHMungen — Schlagwörter: , , — silkandpaper @ 1:40 PM

Es war dunkel. Trotzdem kniff ich die Augen zusammen, so als würde ich in einem gleisenden Licht stehen. Ringsum war Stille. Es war wieder mal so eine Nacht, wo ich nicht schlafen konnte und anstatt mich unnötig von einer Seite zur anderen zu drehen, das Bett verlies und nach draussen ging. Ich war zu faul, mich umzuziehen und so streifte ich nur eine warme Hose über und einen dicken Pullover. Im Korridor hing noch der Anorak, den ich meist nur trug, wenn ich zum Supermarkt ging- große Taschen, dicke, gemütlich, waschbar ( für den Fall, das mal wieder der Joghurt ausläuft) . Im Treppenflur machte ich kein Licht und schlich mich hinunter. Eine Wand aus kalter Luft und winzigen ,gefrorenen Wassertropfen schlug mir ins Gesicht. Die drei Stufen , die zum Eingang führten, schimmerten bläulich und ich sah trotz zusammengekniffener Augen, wie sich der Schnee verharschte und als Eisskulpturen, winzig klein, auf den Stufen liegenblieb. Ich machte einen großen Schritt, um diese Kunstwerke der Natur nicht zu zerstören. Das Gartentor schloss sich leise quietschend hinter mir und stand auf der Straße. Über mir war alles tiefblau, fast schwarz; man ahnte schon den nahenden Morgen, aber wenn die Wolken sich in dicken dunkelgrauen Ballen unter das Firmamant schoben, war es , es schwabbte schmutzige Tinte in einem großen, gläseren Behältnis und wenn man Glück hatte, sähe man das grüne Glas. Die Nacht schrieb ein Gedicht in den Himmel über mir. In meiner nächtlichen Einsamkeit war ich ein guter Zuhörer und ich begann leise vor mich hin zu summen. Hinter mir raschelte es und und ich hörte einen leisen Atemzug und ein rhythmisches zartes Klopfen. Etwas stiess an mein Bein und ich sprang zur Seite. „Hallo?“ Eine Männerstimme fragte noch einmal: „hallo?“ Und dann krachte es laut neben mir. Seit Wochen habe ich Bauarbeiter vor dem Haus und der Gehweg war nur zur Hälfte begehbar. Die rot-weißen Absperrungen, die nur aus Plastik sind, hielten meinem Gewicht nicht stand und ich fiel mit ihnen mitten in den gefrorenen Sand. „Hallo?“ Eine Hundeschnauze , ein hechelndes Geräusch und dann beugte sich der Mann über mich. Die Hände suchten umständlich, wo er mich zu fassen kriegen könnte und packte dann den Ärmel . Als ich endlich stand, fragte die Stimme, ob ich mich verletzt hätte und was in Gottes Namen ich um diese Zeit alleine auf der Straße sei. Ich konnte das Gesicht des Mannes erkennen; es war der ältere Herr, der immer Parterre am Fenster hockte und auf die Straße blickte. Jeden Tag, fast immer. Manches mal nahm er Pakete für mich an und die reichte er immer gleich durchs Fenster, wenn ich sie abholte. Ich fand es nett, dass er mir den Weg zur Post ersparte, aber trotzdem war er irgendwie immer etwas abweisend, fremd oder gar abwesend, wenn ich ihm den blauen Zettel hinhielt, den der Postbote hinterlegt hatte. Ich sah diesen Mann das erste Mal auf der Straße. Erleichtert lies ich es ihm wissen, dass ich froh bin, dass ein Nachbar mich hier von der Straße aufhalf. Ich wagte nicht laut zu sprechen, denn gleich über meinem Kopf befand sich das Fenster der Erdgeschoss-Mieterin. Es war Nacht und als wolle ich das Poltern der Absperrung ungeschehen machen, flüsterte ich nun leise. Ich bedeutete dem Mann, dass ich spazieren ginge, weil ich nicht schlafen kann und da ich gerne den nächtlichen Himmel sähe, würde ich des öfteren diese stillen Stunden geniessen., „Wie sieht denn der Himmel aus“, fragte er mich. „Da, schauen Sie! Wie eine große Marmorplatte mit vielen dunklen Äderchen, und diese zwei, drei Sterne, die man durch die Wolkendecke schimmern sieht“ . „Wird es schon hell?“ Er streckte die Hand aus und zog seinen Hund etwas zu sich heran. Er tätschelte ihn und sprach leise und zärtlich auf ihn ein. “ Nein“ , sagte ich. „Nein, Man sieht doch kaum die Hand vor Augen“ , und wie man doch sieht, brenne bei niemandem Licht. Es ist vielleicht 4 Uhr . Ich spürte, wie die Kälte unter meine nur kurz übergestreifte Hose kroch und meinte zu ihm, dass ich lieber wieder ins Haus ginge. Vorher aber wollte ich schnell wissen, wieso er so spät den Hund ausführe. Er lachte kurz auf. „Ich führe nicht den Hund aus, der Hund führt mich aus,“ Und im gleichen Moment bemerkte ich in einem kurzen Moment im Licht der alten Straßenlaterne, das er blind war.

MAR

14. Januar 2010

als mein ATEM gefror

Filed under: sprach-RÄUME lyrik — silkandpaper @ 11:54 AM

Als mein Atem gefror

an jenem Wintermorgen,

war der Tag schon besiegelt

bevor er begann.

Meine Worte,

als weißer Hauch aufgestiegen,

verloren sich im Niemandsland.

Du warst schon weit,

als sie Gestalt wurden…

als Wolkensilhouette am Horizont.

Als mein Atem gefror

an jenem Tag,

stand der Frost

wie eine glasdünne Wand.

6. Januar 2010

Filed under: sprach-RÄUME lyrik — silkandpaper @ 11:40 AM

Zeit. Zeit. Zeit. heute beugt sie sich dem Winterfrost, die Schwester der Erinnerung. Durchsichtig ihr Gewand, im windstillen Weiß des Himmels.

Langsam wirft sie den Schnee ab, der flaumige Ballast der vier Geschwister Jahreszeiten. Wie Giselle’s Spitzenkleid im Tode schwebt, so sinkt dies Gespinst aus Kristall.

Zeit .Zeit. Zeit. So ein seltsam-schöne Schauspiel, wenn sie sich schmückt mit der Vergänglichkeit und sich für wenige Tage zeigt, als Dirigent im Flockentanz.

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