Silk and Paper

24. August 2008

wenn Männer in Bewegung kommen-oder Navigationssysteme für Mann und Frau


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wenn Männer in Bewegung kommen-oder Navigationssysteme für Mann und Frau

Eigentlich bin ich in vielen Dingen, insbesondere mit dem Schreiben so richtig altmodisch. Wenn ich unterwegs bin und ich möchte unbedingt etwas notieren, dann habe ich die altbewährten fliegenden Blätter bei mir. Schon seit Kindestagen lebe ich mit diesem System, dass in irgendeiner Manteltasche doch irgendwo diese Notiz sein müsste…!
Die Zeiten ändern sich, die Bleistifte weichen dem Kugelschreiber und die Kugelschreiber weichen dem Computer.
Vor nicht einmal 15 Jahren gab es solche ausgefeilten Suchsysteme wie “ Tante Google“. Tante Google ich eine meiner Lieblingstanten. Als Mensch, der immer auf der Suche nach interessanten Büchern ist, gibt sie mir wertvolle Tipps und kann mich sogar ab und zu Schnäppchenkäufen in Online-Buchhandlungen verleiten.

Kürzlich, als es draußen regnerisch und düster war, und meine Stimmung ebenso dunkel, erinnerte ich mich an einen Spontankauf von vor zwei Jahren. Da erstand ich ein Buch, welches mich einen ebenso regnerischen Tag wie der heutige durch seine Heiterkeit und Wortwitzigkeit wirklich vergessen ließ.
Mein neuzeitliches Schreibgerät von Compaq schnurrte noch; und so fragte ich Tante Google, ob es noch andere Bücher gäbe von diesem Witzbold, der in nullkommanix Wellness pur für meine Lachmuskeln war.
Ja, sagte die Tante, schau mal, da gibt’s eine ganze Menge. Kauf mich, riefen die Bücher! Es geht in diesem Online-Laden zu wie im Märchen von Frau Holle, wenn die Brote rufen: zieh mich raus, zieh mich raus….
Nur hier hieß das: Klick mich an und Du hast mich!

Mein kleiner Finger gehorchte aufs Wort und klickte an und in einer Rekordzeit von 3 Minuten kaufte ich zu den Büchern des Satirikers noch 2 Romane von Frau Schrobsdorff und ein neues Wörterbuch der englischen Sprache.
Fast zufrieden lehnte ich mich zurück. Wie wunderbar es doch ist, das alles auffindbar und durchschaubar und bestellbar ist. Und das , ohne die Wohnung zu verlassen. Nun musste ich nur noch warten, dass mein Briefträger ein braunes Päckchen in meinen Kasten wirft…
Der Tag, der für mich wie Weihnachten und Ostern zugleich war, ist nicht etwa mein Geburtstag, sondern der, an dem ich, die Stufen hinauf zur Wohnung eilend, schon im Hausflur die Bücherpakete aufriß. Vorsorglich zog ich den Stecker des Telefons heraus und innerhalb von 2 Tagen verschlang ich jedes Wort und ich meinte fast, der Witzbold, der die Bücher schrieb, säße zum Tee neben mir auf der Couch.

Ich dachte, das muss der Mensch doch wissen, dass er aus einem Regentag Sonnenstunden zaubern kann. Tante Google schnurrte immer noch…komm, komm, hier darfst du dich bedanken…
Da ich ein gut erzogener Mensch bin, sollte man auf „Tanten“ ab und zu hören und ich nehme ihre angebotene Hilfe in Anspruch und finde tatsächlich ein kleines Gästebuch, wo hinein ich meine Freude und mein Glücksgefühl kundgeben kann. Und wohlerzogen erwartet man nicht unbedingt, dass der mit Lob Beschenkte dank dieses ausgeklügelten Systems im Internet bei mir melden wird.

Diese Zuverlässigkeit dieser Tante ist phänomenal! Was alles möglich ist und in welcher Geschwindigkeit…Ja sitzt denn der lustige Geschichtenschreiber tatsächlich mit seinem heißen Kaffee neben mir und mag sich unterhalten?
Tante Google kann mir jetzt nicht weiterhelfen; die Worte, die ich jetzt sage oder schreiben möchte, können nur aus dem Fundus meiner altmodischen Erfahrungen mit Sprache geschöpft werden. Also spielen der Schriftsteller und ich Pingpong mit kleinen, feinen Sätzen und senden uns diese per Klick zu.
„Hallo Du“ schreibt er mir „Du kannst mich kommenden Tag im Fernsehen sehen!“ Und da er wahrscheinlich in der Eile einen einzigen, klitzekleinen Buchstaben falsch geschrieben hatte, konnte ich diesem Hinweis gar nicht folgen und landete immer auf der Error-Seite. Puhh, dachte ich, dieser Mensch will sich wohl einen Scherz machen. Andererseits aber regte sich in mir mein gesundes Gefühl, das dies sicher ein Versehen war…

Also musste ich doch wieder Tante Google in meine Privatsphäre hineinlassen und sie fragen, was um alles in der Welt meint er und vor allem wo befindet sich der Fernsehsender.
Geübte Finger tippten den Namen ein, Schlagworte wie Fernsehen, das erahnte richtige Wort und siehe da! Tausende von Informationen stürzten auf mich ein, überfluteten mich geradezu mit Informationen, so dass es mir ganz schwindelig wurde. So viel wollte ich eigentlich gar nicht wissen über den geheimnisvollen Mann gegenüber! Eigentlich genügte mir doch das Fernsehprogramm, denn auch wenn hinter einer Mattscheibe, kann ich mir dann doch aber ein lebendiges Bild machen…

Ach Tante Google! Deine Geschwätzigkeit hat mich und mein inneres Navigationsgerät für besondere Worte und besondere Menschen etwas durcheinander gebracht! All diese Informationen sind zwar gut gemeint, aber sie sagen mir all das, was ich als Briefeschreiberin gar nicht so schnell von meinem gegenüber wissen wollte…
Ich fand unter all den Informationen, die mich sehr beeindruckten, endlich auch den Fernsehsender. Unglücklicherweise konnte ich diesen Sender nicht empfangen.
Egal, wie ich meine Digitalantenne auch drehte und wendete, es wollte mir nicht gelingen. Tante Google erzählte mir von Streams und Videos, aber auch da wurde ich nicht fündig; nur eine Aufzeichnung vom letzten Jahr. Was sollte ich tun?

Eine wahre Flut von blinkenden Versuchungen: Klick mich, drück mich, downloade mich, speichere mich ab, mach eine Notiz in deine Merkliste, stell mich zu den Favoriten ein, zu den Lesezeichen….
Nein, ich wollte das alles nicht!
Ich schrieb dem erwartungsvollen Briefpartner, dass ich mir die Sendung anschauen werde. Ich verschwieg ihm allerdings, dass es die Aufzeichnung sein wird. Mein einfaches Navigationsgerät zum auffinden der richtigen Wörter muss einfach aktiviert werden. Wie kann ich ihm mitteilen, dass ich seine Sendung nicht gesehen habe, aber auch, dass ich es nicht so schlimm finde, weil dann doch noch so etwas Geheimnisvolles bestehen bleibt…

Vielleicht ist Tante Google doch nicht nur so modern und so flink und so überaus korrekt…Sie ist zudem auch sehr feinfühlig … Warum ich das sage? Trotz der Fülle, trotz der Schnelle und trotz der Treffergenauigkeit konnte sie mir vermitteln, dass ich mich nicht nur auf das System verlassen sollte. Zwischen all den Ergebnissen, die mir diesen Briefpartner quasi als offenes Buch präsentieren wollten, lag immer noch all das Unausgesproche, was ich für mich als eher wichtig empfand. Die Moral von der Geschicht‘- immer trau ich Tante Google nicht!

Und so weiß ich bis heute nicht, wie die Sendung gelaufen ist. Ich hoffe, mein Briefeschreiber wird es mir erzählen. So auf altbewährte Art. Persönlich. Ohne Tante Google zwischenzuschalten…

MAR

 

wenn männer in bewegung kommen- und die gelüste auf TANZ wecken

Filed under: wenn männer in beWEGung kommen-und sei es... — Schlagwörter: — silkandpaper @ 7:53 AM

 
 
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wenn Männer in Bewegung kommen – und die Gelüste auf Tanz wecken

Vom Scheitel ( übers Dekolleté ) bis zur Sohle

Auch wenn ich in den letzten Wochen weniger Zeit aufbringen konnte, täglich etwas zu schreiben, so heißt das ja noch lange nicht, dass ich meine Wahrnehmung zum Alltäglichen abgeschaltet hätte…
Der tägliche Weg führt mich immer noch in den Untergrund und die diffuse Beleuchtung mancher Bahnhöfe zwingt mich fast, noch genauer hin zu sehen.
Als ich kürzlich die Rolltreppe am Zoologischen Garten benützte, und zwar die Hintertreppe, da traute ich meinen Augen kaum. Am Rand der Rolltreppe, gleich neben dem Handlaufband stand ein Damenschuh!

Er war aus schwarzem Satin und hatte einen durchtanzten Absatz, ein richtiger Tango-Schuh, der ein schönes Frauenbein schmückte ,und beim Herumwirbeln sicher den Rocksaum etwas lüftete, wenn die Spitze des Schuhs diesen berührte…so dachte ich in dieser Sekunde.
Der Mann vor mir drehte sich um und ich sah in seinem Gesicht ähnliches Erstaunen.

Ich dachte mir, wie lustig, im richtigen Leben widmet ein Mann den Schuhen seiner Freundin oder Frau sicher weniger Aufmerksamkeit; vielleicht ist er sogar genervt, wenn es schon wieder hieße: duuuuuuuuuuuu , ich habe keinen vernünftigen Schuh im Schrank….
Aber ein fremder Schuh einer vielleicht schönen fremden Frau könnte mitunter aufregend sein…

Unsere Blicke trafen sich, denn ich stand auf der Rolltreppe genau zwei Stufen hinter ihm. Da die Rolltreppe aufwärts fuhr, leistete er sich noch einen Blick aufs Dekolleté. Ich dachte bei mir: jetzt fehlt nur noch die rote Rose im Mund und das Stampfen der eisenbespickten Absätze und ein morgendliches Tänzchen im U-Bahnschacht ist perfekt.
Der Schuh, den eine wohl recht eilige Cinderella in der Nacht verloren hatte, brachte ein wenig tanzerotisches Verlangen…und das morgens 8:30 Uhr.

Die Rolltreppe näherte sich der Straße, ein Rucken, ein Sprung und schon hat man wieder festen Boden unter den Füßen. Aus der Traum. Die Sohle klebt am Asphalt fest; es ist in den letzten Tagen sehr heiß gewesen. Mein Alltag hatte mich wieder im Griff und der Traum, den Tango den ich vor Jahren auf der Straße tanzte, noch einmal zu wiederholen, zerplatzte…
Mein Tanzpartner von damals ist längst übergewichtig und hat eine eifersüchtige Ehefrau…

Also sollte ich vielleicht einen Schuh irgendwo platzieren und der Prinz geht auf die Suche nach den Füßen dazu….

22. August 2008

MARIA REICHE

Filed under: DER mensch als fremder ORT, wahrNEHMungen, WEGkreuzungen — silkandpaper @ 8:47 AM


Seit ungefähr 20 Jahren beschäftigt mich das Werk dieser aussergewöhnlichen Frau.

Aufmerksam gemacht hatte mich ein befreundeter Maler aus Japan

und auch heute noch gibt es Momente, wo ich bedauere, noch nie DORT gewesen zu sein.

Maria Reiche

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Über Maria Reiche

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Maria Reiche

19. August 2008

für den, der ES weiss

Filed under: sprach-RÄUME lyrik — silkandpaper @ 8:13 AM

 

 

mond12

Verlorenheit kann nur in Deinen schwarzen Augen schwimmen,

 

im tiefen Dunkel hinter einem blauen Licht

dort, wo  die Zweifel an den Wimpern haften

und  wo die Worte ruhig durch die Sanduhr rinnen.

 

 

Die Zeit blieb stehen, hier  an meiner alten Wohnungstür.

Im zerknistertem Holz liegt noch der Schatten

dieser  tanningebräunten Hand,

die Dein Zögern besiegelt.  Und nur  ich bin noch hier.

 

 

Verloren-Verlieren. Und Du weißt selbst  nicht, daß dies Wort nicht zählt,

in dieser Erinnerung von Dreistundenbildern

und im sommerwarmen Rauschen des Sehnens.

Ganz gleich, wo Du bist. Wir atmen den Duft der gleichen Welt.

 

 

 

 

 

 

 

 

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