Silk and Paper

30. Juni 2008

der AUGENBLICK ohne erinnerung

Filed under: DER mensch als fremder ORT, Uncategorized, wahrNEHMungen — Schlagwörter: , , , , — silkandpaper @ 3:53 PM

 

 

mond12

seit ich bin , baue ich mir ein haus , das haus aus worten,
die unter meinen
worten schlummern.
sie schweigen und sie flüstern. sie sind laut in der stille
und still wenn es lärmt.
seit ich bin, bin ich ein kind ,
welches immer wiedergeboren,
jeden tag die worte neu entdeckt.
wie ein wanderer in den zwischentönen dieser sprache!
immer auf der reise , mit wenig gepäck , bist  auch  du ,
fremder freund. du trägst alles mit dir – in dir.

wenn du dich im spiegel betrachtest,an einem weiher im wald vielleicht ,

und die kleinen wellen des lebendigen wassers
kräuseln über dein „zweites“ gesicht,
wirst du dich um so erstaunter betrachten,
wenn dein abbild wieder das gleiche
scheint und doch ein anderer atem dich gestreift hat.
denn so, wie das wasser sich wellt und dem wind fügt und anschmiegt,

so schmiegt sich auch dein wahres
gesicht dem ewigen an.
du streckst dein gesicht zum licht und du wirst
raum-zeit.

dein abbild wird weitergetragen ,
hinaus in die welten, die nach diesem moment kommen
und irgendwo wird dieses gesicht auf menschen treffen,
denen es gefallen wird, sich mit dir zu schmücken…

so ist es für mich mit den worten und den sprachen dieser welt.

du erahnst , das der klang in dir, der raum, der dein SEIN
zum klingen bringt, wie das festkleid ist ,

welches den abend erstrahlen lässt.
nichts ist zufällig… aber das ist eine erfahrung,
die man im laufe des irdischen daseins erlebt und durchlebt….
es ist wie das nikud im hebräischen alphabet,
die punktierung, das setzen der akzente, der vokal ,
der das wort zum klingen bringt .
bei einem kann es das A sein beim anderen das O .
das wort verändert sich nur im klang , aber nicht im wert seines ursprungs.
ja, ich kann dich vor mir sehen, fremder freund ,
wie du vielleicht mit rotglühendem gesicht über büchern sitzen möchtest, die weisheit des wortes trinken
und dich ernähren.
wenn ich an die zeit denke, wo ich meinen bauch im sinne des wortes vollgeschlagen habe mit dem,
was mir an wissen und erkennen bis dahin nie in die hände gefallen war
und die bedürftigkeit denke , und
ich meinem wissensdurst oder meinen drang nach sättigung nachkommen konnte….
und es ist eine wunderbare erfahrung, wenn man erkennt,
das alles in dir ist und
nach einem ausdruck verlangt. wie wird man , wie man ist…

natürlich ist ein teil meiner zeit
auch eine zeit des mangels gewesen,
aber die leere , die nicht sichtbar, aber
spürbar war, wollte gefüllt werden. selbst als kind ,
als fünfjährige, bin ich von
zu hause ausgerissen, habe die schule geschwänzt
und im garten meiner großeltern
unter dem dach einer laube dem regen zugeschaut.
ich habe diesen regen nie vergessen, nie den geruch vergessen und nie das geräusch.
als kind das leben als sinnlichkeit zu erfahren,
das kann keine schule bieten.
schon da erfährt man, das man sein eigener lehrer ist
und auch sein schüler zugleich.
es widerfährt einem eine zeitgleichheit von wissen, von einer immanenz, die das innere SEIN auskleidet.
ich denke, das diese zeit, die geprägt war von wissensdurst
auch ausgrenzung mit sich gebracht hat.
eine begrenzung, eine grenze oder auch, um
mit dem wort zu spielen und die bedeutung herauszufiltern, eine erweiterung innerhalb meiner begrenzung in einem land, wo worte wirklich verdreht werden konnten, ihres sinnes beraubt …

…. also -nichts ist zufällig,
das ich dort in der laube meiner kindheit ( laubhütte..! ) mich fand und im spiegel der regenpfützen auch erkenntnis gewann,
warum man nicht immer alles verstehen muss
aber man trotzdem alles verstehen will.
es war gut, nicht als kind traditionen verhaftet zu werden,
die mir vielleicht meine unverbrauchtheit genommen hätten.
es ist gut, das ich über andere wege zu mir
„zurück“gefunden habe….
das gefühl , das ungläubige blicke suggerieren,
das man nicht von dieser welt sein muss…
wenn menschen fragen: woher kommst du?
wenn eine wildfremde frau mich 20 jahre später  fragte,

woher kommst du , du bist so anders …
und meine antwort-
fast aufbegehrend – „natürlich von dieser welt – nicht…“

worte sind leere gefäße , und nicht immer
passt etwas vom  SEIN  in sie hinein.
man denkt immer nach, weil das gefäss des SEINS unendlich groß ist,
man möchte im geheimnis der worte baden
und gleichzeitig möchte man sichtbar machen,
was das innere kleid der sprache für einen bedeutet.
wenn ein mensch vor mir steht,
und ich sehe diesen einen zipfel wort ,
diesen einen zipfel sprache, der unter seinem wesen hervorlugt
oder sich auf seinem gesicht spiegelt, dann weiß ich ,
das dieser mensch auf dem weg ist,

raum-er-füllend zu werden, das er erfüllt und beseelt ist von wissen. von erkenntnis.
diese erkenntnis ist vom wort ausgehend verwandelbar.
sie macht aus dem menschen eine immanente person
und damit manifestiert sich weisheit in diesem menschen.
es wird erlebbar an dem handeln,
an den worten, die tatsächlich nachvollziehbar
an ihrem folgenden handeln werden.

der mensch, nämlich du , dringt zu seiner tiefe vor und kann sie,
weil er weiss und erkannt hat, authentisch sein.
das wort „erkenntnis“ hat mich immer sehr fasziniert und wie die biblische frucht der erkenntnis , dargereicht von der frau eva
( ev ist das haus-nicht wahr? )
dem erkennen haus und tür öffnete ,
und die ersten menschen begreifen lies,
das sie entblößt , bloß, nackt sind…und so entblößen
(abstreifen, aufdecken, auskleiden, ausziehen, enthüllen, entkleiden, entschleiern, sich ausziehen)…..wir uns täglich
mit worten und taten, um uns zu erkennen.
die welt offenbart sich am menschen in nur einer von vielen
uns sichtbaren formen,
die welt offenbart sich in der „nacktheit“ , der leere…
so wie das nikud, welches den vokal ersetzen kann.
das vermeintlich fehlende (vokal) wird so zum
zeiger, der ausschlägt,
zum wegweiser eines klanges, zum hell und dunkel im wort,
die auslassung wird fülle…

unsere sprich „wörtliche“ bekleidung wird abgelegt nach dieser erkenntnis,
unser räumliches sein auf null zurückgeworfen
und nach dieser erkenntnis
sollen-müssen-wollen wir als menschen durch worte,
durch sprache durch „sich wieder der fülle bewusstwerden“,
die in uns schlummert, mit offenen augen
und offenen herzen durchs leben wandern….
auch das man im paradies sich im
nacktsein, im entledigtsein aller dinge manches mal ganz alleine fühlt und das man sich auch vor dir ängstigen könnte , widerfährt den menschen;
weil im „nackten“ viel wesentlliches liegt , doch dessen man sich nicht schämen oder gar ängstigen muss …
wir müssen uns von worten leermachen können,
also nackt sein können im sinne von
etwas übervolles abgeben.
überladenes nicht als balast empfinden ,
sondern als überquellendes wissen, was
in manchen momenten keinen platz mehr in dir findet,
und du es weitergeben musst.

manches mal beunruhigt ein wort unser SEIN,
doch in der beunruhigung ist bewegung.
wenn mich etwas beunruhigt, weiss ich, es hat mit mir zu tun.
so also ist es nicht zufällig, das wir,
weil wir der beunruhigung nicht ausweichen,
uns auch offenbaren können.
das nie erkannte paradies, ist das synonym für die welt ,
die in jedem von uns ist
auch das innere paradies der kindheit und die freude,
es als solches erkannt zu haben.
man war auch mal kind , so sagt man einfach dahin ,
und man weiß doch nicht mehr,
wie es war , als man weinte und sehnsucht hatte
nach den minuten mit dem freund
oder einer heissen tasse schokolade.
das paradies ist der augenblick ohne erinnerung.

MAR 2008

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1 Kommentar »

  1. Wundervoll. wie eine Erzählung aus ferner Kindheit. Danke, Deine Sachen sind einfach so dicht, das man immer wieder hier blättern muss.

    Kommentar von Melanie — 23. Februar 2011 @ 8:04 PM


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