Silk and Paper

27. Januar 2008

chet

Filed under: sprach-RÄUME lyrik — silkandpaper @ 8:04 PM

blaues-bad.jpg 

in den nächten besucht mich ein anderes leben

es schleicht sich im dunkel durch diesen raum…

es seufzt und es atmet und kichert und weint

es streift meinen körper. ich spüre es kaum.

ich spüre es kaum – und ich sehe nur bilder

die sich in mein ruhiges leben verlieren.

bilder, die verloren in büchern sich ducken

und durch verschlossene türen spazieren.

dieser traum, von dem den du mir sagst ,er sei dein

er verließ dich-und wanderte fort.

erklomm andere höhen und tiefgrüne täler

und tauchte hier auf – am fremden ort.

ganz verschwommen ein buch. neben einem glas wein

nein, kein brot. Ich muss hungrig bleiben

zwischen blättern die menschen , sie stehen und schweigen

und solche , die sich bis aufs messer streiten.

schickst du mir den traum? damit ich ihn weiterdenke?

damit ich die worte in buchstaben kleide?

in alef, bet, gimmel- oder das ich mich , bei dem was ich sage

nur mit einem nikud bescheide?

dieses buch mit den bildern will nicht gelesen werden ,

wo ein fremder spricht ,und wir die augen niederschlagen.

in meinen nächten hör ich den träumen zu

und stelle am morgen die selben fragen…

…nach wahrheit und liebe und auch nach der angst

die manchmal beschämt , und mich doch wachsen lässt.

in den nächten besucht mich ein anderes leben.

am achten buchstaben hält es sich fest.

 

 

 

 

 

ps: chet ist  die zahl 8 und der achte buchstabe im hebräischen alphabet

das nikud ist der vokalersatz im hebräischen, es kann das a, e, i, o, u, sein

die 8 als symbol für unendlichkeit

26. Januar 2008

Wenn Perutz, Nietzsche und Platon MIT mir morgens U-Bahn fahren


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………..Ruhe bewahren
bei Rauch-und Brandentwicklung
Auszusteigen während der Fahrt kann lebensgefährlich sein !………….

Meine  Berliner U-Bahn…
Auch im neuen Jahr ersetzt sie mir die Mitnahme dicker Bücher, Schlachtschinken zwischen Perutz Die 3. Kugel, Nietzsche’ s Menschliches, Allzumenschliches und Platons Phaidon.

Na ja, die gibt’s zwar schon in Reclam-Ausgaben und passen eigentlich in meine Manteltasche, aber der Inhalt zieht doch schon eine große Beule in die Manteltasche … und man will ja nicht immer das ganze Kulturwelterbe hinter sich herschleifen.

Wenn ich früher mehr auf Virtuelles achtete, oder auch die Plakate betrachtete, die mich zu Fernreisen und zu phantastischen Abenteuern einluden, so habe ich mich heute an einem Schild verfangen, welches in jeder U-Bahn in mehrfacher Ausfertigung hängt und die Menschen auffordert, bei unvorhergesehenen Situationen die Ruhe zu bewahren.
Gleich neben dem deutschen Text ist auf Englisch und Französisch die Verständigungsschwierigkeit von vornherein ausgeschlossen. Die Zweitsprache in Berlin, Türkisch. Fehlt leider.

Heute war die U-Bahn nicht so sehr voll, ich glaube, es sind noch Ferien und da geht es ruhiger zu. Trotzdem hatte ich keinen Sitzplatz.
Ich hielt es mit Perutz und einem abgewandelten Titel: ne ruhige Kugel schieben…
Schwieriger würde es mit Nietzsches Werken werden, dachte ich. Menschlich, ja allzu menschlich wäre es jetzt, jemandem am Jackett hochzuziehen, dem meinen Ausweis unter die Nase zu reiben und mich dort hinzuplumpsen. Da ich aber über eine gute Erziehung verfüge, übte ich stille Toleranz und dachte mir einfach: wer weiß, wie müde dieser Mann ist- lass ihn einfach noch ein bisschen in den Tag hineinschlummern. Und so geht mein Blick, der sich sonst im Dunkel der U-Bahnschächte verliert, zur Anzeigetafel. Dort steht:

Ruhe bewahren
bei Rauch-und Brandentwicklung
Auszusteigen während der Fahrt kann lebensgefährlich sein

Verlassen der U-Bahn während der Fahrt kann lebensgefährlich sein. Ich lese death and serious injure und lande bei Platon, der ja bekanntlich von mehr als nur von der platonischen Liebe sprach. In Phaidon geht es um den Tod von Sokrates.
Ich erinnere mich an Textpassagen, die mehr oder weniger aufgepeppt so manchem Politiker gut zu Gesicht stünden oder auch den Menschen auf der Straße würde ich gern zurufen: lest die Klassiker. Übt Euch im Allzumenschlichen und lernt, mit der Zeit, die Euch gegeben ist, gut umzugehen. Das man Erinnerungen der Vergangenheit, sei es der letzteren oder der ganz weit zurückliegenden, einen größeren Stellenwert zugestehen sollte.

„wenn jemand irgend etwas sieht oder hört oder anderswie wahrnimmt und er dann nicht nur jenes erkennt, sondern dabei noch ein anderes vorstellt, dessen Erkenntnis nicht dieselbe ist, sondern eine andere, ob wir dann nicht mit Recht sagen, dass er sich dessen nicht erinnere, wovon er so eine Vorstellung bekommen hat?“

Natürlich erinnert man sich nicht bewusst an den körperlichen Tod, das ist eine Erinnerung, die dem Unsterblichen zukommt, wohl aber sterben wir doch im Alltag viele kleine Tode.
Sei es, wenn wir verlassen werden, sei es wenn wir verlassen, sei es, wenn wir Schluss-Striche ziehen unter Begebenheiten, die uns den Lebenssaft ausgesaugt hatten. Wir bestimmen selbst, wo und wann der „Tod“ einsetzen soll.
Was hat das mit dem Schild in der U-Bahn zu tun, fragt Ihr Euch sicher. Es ist doch logisch, dass man nicht aus der fahrenden U-Bahn in einen dunklen Tunnel springt, ohne nicht zu wissen, was einem da erwartet.
Und doch sehe ich in den Gesichtern der Umherstehenden, das sie sich gar nicht im Klaren sind, das ein Schild sie auffordert, sich vor Gefahr zu schützen.
Wie der Baum auf dem Berge vom Nietzsche in meinem Gedächtnis verhaftet, der dem Sturm der Erinnerungen standhalten kann, weil er die Erinnerung an Winde verinnerlicht hat , oder so wie Platon, der sich selbst als Abwesender in seinem klassischem Werke verewigt hat.
So , als wolle er in seinem Werke , was er denke als Philosoph ( als Mensch) und dem und dem, wie er handele ( als Allzumenschlicher) , die Gegensätzlichkeit und Gleichzeitigkeit aller wesentlichen und elementaren Lebenssituationen gerecht werden. Elementar ist in meinem Moment die fahrende U-Bahn, fast ein Synonym für bewegendes Leben. Einsteigen, Losfahren. Anhalten. Aussteigen. Seines Weges gehen. Na ja, fast so. Im wahren Leben ist nach dem Aussteigen erst einmal Schluss. Es sei denn, wir halten es wie die großen Philosophen, die im Werden und Vergehen mehr zu sehen bereit sind, als wir U-Bahn-Gäste morgens um acht Uhr.

„Es ist nämlich dieses, dass nicht nur jenes Entgegengesetzte selbst sich einander nicht annimmt; sondern auch alles das, was einander eigentlich nicht entgegengesetzt ist, doch aber das Entgegengesetzte immer in sich hat, auch dieses scheint jene Idee nicht annehmen zu wollen, die der in ihm wohnenden entgegengesetzt ist, sondern, wenn sie kommt, entweder unterzugehen oder sich davonzumachen.“

………………….

Die U-Bahn fährt in den Bahnhof ein. Sie bremst leicht ab und noch in diesen Minuten werden die Türöffner betätigt und die ersten Ungeduldigen springen aus dem noch langsam fahrenden Zug.
Man möchte meinen, das es die Jüngeren wären, die sich dem wagehalsigen Manöver hingeben- nein, es ist der ältere Mann, der nun stolpert und sich das Knie aufschlägt. Ursache und Wirkung liegen so dicht beieinander. Hätte er nicht einfach eine oder zwei Sekunden warten können? Sich ein Bild machen vom Bahnhof, die Stolpersteine wahrnehmen , die nassen Steine, auf denen man ausgleiten kann, oder die Bananenschale sehen, die ihm nun zum Verhängnis wird…

Sicherlich kann man nicht sagen, das Platon oder Sokrates diesen Mann vor einem Sturz bewahrt hätten, wie gesagt: Nietzsche würde es anders sehen, oder Hegel, oder Kant.
Die Ideen, die kluge Menschen in dicke Bücher verpackt haben, oder sagen wir die Quintessenz einiger wesentlicher Erfahrungen prangen schwarz und rot auf einem kleinen Schild neben der U-Bahntür.

Das Prinzip der Teilhabe , der Anwesenheit und der Gemeinsamkeit
kann man gut in 20 Minuten Fahrt beobachten. Relationen . So ist die Größe der Gefahr beim Herausspringen aus der U-Bahn relativ.
Obwohl Menschen doch vernünftig sein sollten, so unvernünftig erscheint es den Mitfahrern in der U-Bahn, dass der Mann trotz wissender Gefahr aus dem Wagen springt ….

Allerdings, so gesteht Sokrates uns Menschen zu, kann man das Ausgeführte nicht mit Vernunft beweisen.

Meine U-Bahn ist wie immer ein metaphorischer Zwischenraum in einer realen Welt. Ich gleite mit meinen Gedanken und Ideen zwischen Draußen und Drinnen hin und her. Manchmal komme ich in Versuchung, eine Rekonstruktion von Zeitbildern oder Raumbildern oder Wortbildern in kleine Reiseberichte zu verpacken.

Ob das im Sinne der schon geschriebenen Werke ist, kann ich nicht einmal berücksichtigen, denn:

„Also dahin wendete ich mich, und indem ich jedes Mal den Gedanken zum Grunde lege, den ich für den stärksten halte, so setze ich, was mir scheint mit diesem übereinzustimmen , als wahr, es mag nun von Ursachen die Rede sein oder von was nur sonst, was aber nicht, als nicht wahr“

Es macht Spass, nachzudenken. Besonders, wenn man auf die Idee kommen sollte ,aus dem fahrenden Zug springen zu wollen.

14. Januar 2008

versteckte EWIGkeit

Filed under: sprach-RÄUME lyrik — Schlagwörter: , — silkandpaper @ 5:30 PM

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die ewigkeit hat sich
in dieser zeit versteckt

in diesem tag
in dieser stunde

sie liegt wie feuchter tau
auf deinen lippen
so wie ein leises wort
aus deinem munde

sie ist ganz unsichtbar
und doch so groß und weit
das ich sie immer
sehen kann in dir

sie huscht vorüber ,
streift mein leben
und flüstert mir „vorbei , vorbei „
und “ komm ! flieh mir mir „
ich scheu mich nicht

und springe auf in diesen reigen
voller leben
die zeit ist doch mein freund,
mein tiefes ICH

und aus dem fenster
dieser ewigkeit erblickt
mein spiegelbild
so im vorüberfahren DICH

GEISTer

Filed under: all you need is FUN-tasy, sprach-RÄUME lyrik — Schlagwörter: , , , , — silkandpaper @ 8:10 AM

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Gedicht, bei der Hausarbeit entstanden…

und wieder habe ich
das alte Haus herausgeputzt
und hab‘ mich neu in es verliebt.

die alten Dielen; brüchig , honigfarben
knistern, zwitschern, singen…
gut, dass es sie gibt.

ich höre meine eigenen Schritte
selbst auf
Zehenspitzen gehend

manchmal sehe ich die
nächtlichen Gespenster
durch die Räume wehend

sie flüstern Märchen,
deshalb höre ich sie .
es widerhallen keine Tritte

sie flattern durch die Träume
lachen leis und
nehmen mich in ihre Mitte.

und heute , als ich ihre Spuren suchte
da fand ich sie als kleinen Fleck
auf einen dieser Bretter.

Naschkatzen sind sie.
es war braune Schokolade.
mein Scheuerlappen war ihr Retter.

ich wischte sie weg und
mit einem Wehmutstropfen
der Erinnerungen

erkunden sie nun
als Aufwischwasser aufgeweicht
die Kanalisationen

und heute Nacht, wenn alles schläft
dann suchen sie ein neues Haus
und werden bei Dir wohnen.

 

mar. 12. januar 2008

deine SPURen

Filed under: sprach-RÄUME lyrik — silkandpaper @ 7:56 AM

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ich kann deine spuren nicht ungeschehen machen

sie sind so tief im leben eingegraben.

sie sind die dinge, die mir sagen das es dich gab,

ganz leis‘  zu weinen und auch laut zu lachen.

 

ich gehe auf dem weg, den du mir zeigtest, irgendwann.

denn er ist gut, bewährt und trotzdem frei

und auch, obwohl er wie ein spiegel sei

habe ich mich nie verlaufen , ich kam immer bei mir an.

 

wie kann ich atmen? und wie das wunder immer wieder sehen?

das alles , was du bist , verwehen wird im licht

denn alles was du bist, das kenne ich noch nicht

und werde es nie wissen. den weg muss ich alleine gehen.

 

ich geh auf deinen spuren , denn sie werden immer sein.

die wärme deiner schritte nehm ich mit

die freude , die ich freute und die leiden, die ich litt

am ende eines langen tages liegt in der dunkelheit ein schein.

 

nicht frömmigkeit lässt mich an dieser erde menschlich reifen

es ist der mensch , wie er und sie und du

sie werfen täglich mir die zeitfragmente zu

so lerne ich die tiefen gründe wirklich zu begreifen.

 

begleite mich, mein ferner freund, auf meinen kleinen reisen

für einen tag, auch die sekunde ist genug

das leben ist ein kleiner höhenflug.

ein blick in unsere augen lässt uns erahnen, wie wir heissen.

 

ich kann deine spuren nicht ungeschehen machen

du weisst warum du dich hier finden musst.

es ist die neugier, liebe, trauer, lust

die ganzen dinge , die das leben unbezahlbar machen

 

MAR 8. Januar .2008

 

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