Silk and Paper

4. Dezember 2007

Romaness , die unbekannte Sprache

Filed under: DER mensch als fremder ORT — silkandpaper @ 6:54 PM

 klick links auf die symbolischen Zeilen neben diesen Satz .

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Romanes, die unbekannte Sprache

Gruppe von Sinti und Roma, Foto: dpa

Französische Doku über Louis de Gouyon Matignon .  Mit 21 verfasste er das erste französische Wörterbuch für die Sprache der Sinti, das „Dictionnaire tsigane

EDERLEZI Song in Romanes

Spielfilm Gadjo Dilo– kompletter Film   kurzer Inhalt

Lyrik- Texte zu Liedern

in Erinnerung an Bronisława Wajs  erschien ein preisgekrönter Spielfilm PAPUSZA – hier ein  Filmausschnitt

In Erinnerung

Das Bild der Roma im europäischen TV

 

Rund zwölf Millionen Roma leben in Europa, davon etwa 200.000 in Deutschland. Und dennoch weiß man kaum etwas über sie – am wenigsten über ihre Sprache.

Es gibt wenige Völker, denen man in der westlichen Welt mit so vielen Vorurteilen und Klischees begegnet wie den Zigeunern: Die Diskrepanz zwischen dem vermeintlichen und dem tatsächlichen Wissen ist groß, wenn es um das Volk der Roma geht. Allein schon der Name: Sind sie nun Roma, oder doch Zigeuner, und welche Rolle spielen darüber hinaus die Sinti? Oder die Sprache: Romani heißt sie, in Deutschland Romanes genannt. Trotz des verwandt klingenden Namens gehört sie nicht zu den romanischen Sprachen wie Französisch, Italienisch oder Rumänisch.

Roma in einer Pferdekutsche in Belgrad, Foto: APBildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Wanderungen und Vertreibungen brachten die Roma bis Europa

Es handele sich vielmehr um eine sehr alte Sprache aus der indogermanischen Sprachgruppe, erklärt Kurt Holl von dem  Kölner Verein „Rom e.V“. Der Verein unterstützt Roma-Flüchtlinge bei der Suche nach einer Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis und ist gleichzeitig ein Roma-Dokumentations- und Kulturzentrum: „Romanes stammt eigentlich aus dem Sanskrit“, so Holl. „Nur über diese Sprache kam man überhaupt auf die Idee, die inzwischen auch wissenschaftlich untermauert ist, dass die Roma keine europäische Minderheit sind, sondern dass sie aus Indien kommen, und im Laufe langer Wanderungen und Vertreibungen bis nach Europa gelangten.“

Worte wie Weizenkörner

Unterwegs sein, von Land zu Land ziehen, nirgendwo willkommen sein und überall als Außenseiter angesehen zu werden – Jahrhunderte lang war das das Schicksal der Roma. Wo sie hinkamen, passten sie sich an, auch ihre Sprache blieb dabei nicht unverändert, sagt Jovan Nikolic, Roma-Schriftsteller aus Serbien, der in der Zeit des Kosovo-Krieges seinen Wohnort von Belgrad nach Köln verlegt hat. „Bei der großen Flucht der Roma-Stämme aus Indien, auf dem Weg von Land zu Land, fielen die Worte ihrer Sprache aus den Wagen wie die Weizenkörner aus dem löchrigen Sack. Und es gab niemanden, der sie aufsammeln konnte.“

Roma in Albanien, Foto: APBildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Vorurteile über Roma und Zigeuner gibt es viele

In jedem neuen Gastland übernahmen die Roma etwas von der dort vorherrschenden Sprache, es entstanden zahlreiche Dialekte, auf über hundert wird heute ihre Zahl geschätzt. Das Volk ohne Land und ohne Staat, das überall als Gast auf Zeit gesehen wurde, entwickelte nie eine standardisierte Version der gemeinsamen Sprache, und hatte auch nie eine Institution, die eine allgemeingültige Grammatik erstellen konnte.

Verständigung trotz Vielfalt

Da einige Grundzüge des Romanes aber trotz Diaspora und trotz aller Anpassungen unverändert blieben, gelinge die Verständigung auch unter sehr entfernten Dialekten, sagt der Roma-Schauspieler, Dichter und Journalist aus Mazedonien, Nedjo Osman: „Ich hatte die Möglichkeit, als Schauspieler viel herumzukommen, ich war überall in Europa, in Amerika und Mexiko, und überall habe ich auch Roma getroffen. Ich habe Romanes gesprochen, und konnte mich verständigen. Es gibt viele Dialekte, aber prinzipiell kann man sich ohne größere Probleme verständigen.“

Roma-Frauen und Kinder tanzen bei einem Fest zum St. Georgstag im Kosovo, Foto: APBildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Roma: Das Selbstbewusstsein wächst

Inzwischen sind die Roma aber kein Volk mehr, das immer nur unterwegs oder auf der Flucht wäre. Viele sind schon längst sesshaft geworden, die Zahl derer, die gute Schulabschlüsse haben, wächst von Tag zu Tag. Obwohl die geschichtlich bedingte Scheu noch da ist und manche sich immer noch lieber als Griechen, Spanier oder Serben ausgeben, denn als Roma, wächst im modernen Europa das Selbstbewusstsein dieser Nation. In Paris und in Bukarest gibt es an den Universitäten schon Lehrstühle für Romanes, ein internationales Linguistenteam schreibt eine gemeinsame Grammatik und ein großes Wörterbuch.

Die Sprache der Roma ist im Wandel begriffen, vieles, was einst da war, muss heute neu entdeckt werden. Eine spannende Zeit auch für die Schriftsteller – jedes Wort, das man gefunden hat, jeder Satz, den man auf Romanes formuliert hat, stellt einen Beitrag zur Ausformung der Standardsprache dar. Wer heute, wie etwa Nedjo Osman, Literatur in Romanes schreibt, formt die Welt der Roma neu: „Seit 20 Jahren schreibe ich Gedichte in Romanes, und versuche immer neue Worte zu finden. Das ist mir sehr wichtig. Wenn ich ein Wort in einem Dialekt nicht finde, suche ich in einem anderen. Hauptsächlich sind die Worte aus der Sprache der Roma. Das ist jetzt am wichtigsten, bis wir standardisierte Grammatik und Wörterbuch bekommen.“

Zoran Arbutina

Quelle

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6 Kommentare »

  1. Liebe MAR,
    Sinti, Roma, Zigeuner: Wer eine andere Mutter- oder Vatersprache spricht, der ist einem doch fremd, oder? Da hat man doch Angst vor? Oder?
    Oder, man kennt Menschen, die so sind, die dieses Schicksal erworben haben. Dann hat man die Chance, Gemeinsames zu entdecken statt Abgrenzendes zu suchen.
    Danke für diesen Beitrag.
    Es fehlt eine Art Duden für Romanes…
    Liebe Grüße, Ulf

    Kommentar von Ulf Runge — 8. Dezember 2007 @ 12:34 AM

    • Hallo , lieber Ulf, in der Zwischenzeit gibt es Wörterbücher. Speziel in der Sprache Romanes und Sinti , die Sprache der Nomanden Indiens , gibt es für mich viel zu entdecken. Bruchstücke und Reste von Silben und sogar ganze Wörter, die bei uns in Europa auch in unserer Muttersprache einen Platz gewonnen haben.
      Wie immer hat die Musik den größten Anteil, das Gemeinsame zu unterstreichen- die Sprache der Emotionen und des Leidenschaftlichen. Man macht immer wieder den Fehler, das man die Sinti und Roma auf das Musizieren reduziert, und vergisst, das jemand , welcher so leidenschaftliche und autarke Musik machen kann, auch im Leben leidenschaftlich und unverfälscht seinen Zielen und seiner Lebensvorstellung nachgeht. Wie schwer das ist, wie unverstanden und wie diskriminierend die „zivilisierte “ Welt mit einem Volk umgeht, das seine Sitten und Bräuche seit über 1000 Jahren beibehalten konnte, ist sehr oft beschämend. Viele menschen swingen mit und trällern die Lieder, die sie gut zu kennen glauben- und sie machen sich damit unbewusst zum Bewahrer eines Kultursplitters dieser Menschen, die heute an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden und denen mit Misstrauen und Unverständnis begegnet wird.Das ist einfach schrecklich. Sie sind eine Gruppe von Menschen, die etwas in sich bewahren konnten, was viele schon vergessen haben- die unbändige Sehnsucht nach den Wurzeln.

      Kommentar von silkandpaper — 3. Mai 2009 @ 7:09 AM

    • Lieber Ulf, inzwischen gibt’s mehrere interessante Projekte, die sich mit der Sprache befassen. Es ist aber eben leider noch so, das sich Roma, Sinti und ethnische Gruppen, die sich dazugehörig fühlen, sich selbst sehr bedeckt halten, ihre Sprache anderen zu vermitteln.

      Kommentar von silkandpaper — 25. Oktober 2013 @ 10:47 AM

  2. Hallo,

    Habe sinti Blut in mir und würde gerne auch meine Muttersprache erlernen . Leider kann mir keiner helfen und wollte mir ein parr Infos bei euch holen. Ich weiß das unsere Sprache nicht groß veröffentlicht wirdwas ich auch für gut empfinde trotzdem möchte ich gerne wissen ob esmöglichkeiten im Netz gibt diese zu erlernen durch Bücher oder andere Möglichkeiten . ich wäre echt ein großes Stück weiter wenn ich auf eure Hilfe zählen könnte.

    Ich wünsche allen ein guten Rutschins neue Jahr auf das alle gesund uns munter bleiben ….

    liebe Grüße Ramona

    Kommentar von ramona hartmann — 29. Dezember 2009 @ 3:33 PM

    • hallo ramona, es gibt eine menge foren von roma und sinti gemacht….dort wirst du sicher fündig

      Kommentar von silkandpaper — 3. Januar 2010 @ 3:28 PM

  3. […] Romanes- die unbekannte Sprache […]

    Pingback von Roma- Lyrik und Musik | Silk and Paper — 23. Januar 2014 @ 2:21 PM


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