Silk and Paper

27. August 2007

DIE natur der DINGE

Filed under: wahrNEHMungen — silkandpaper @ 10:04 AM

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Wie bei so vielen Gelegenheiten ist mir aufgefallen, das gerade die Menschen die in der Öffentlichkeit sind , also nach außen hin klar und transparent erscheinen , stets ein kleines (dunkles Geheimnis) in sich tragen. Vielleicht sind es gerade die künstlerischen Menschen , deren Produktivität gerade darauf basiert , das ihre Werke wie kleine Zufluchtsstätten sind. Sie versuchen , die Öffentlichkeit von ihren Geheimnissen fernzuhalten… So dient vielleicht jedes Gedicht, jeder Roman und jedes Bild oder Lied dazu, die Mitmenschen „ auf eine falsche Fährte“ zu locken. Das dunkle und um jeden Preis gehütete Geheimnis wird damit ungewollt und subtil zum Fundament ihres Lebens. Auf dem Geheimnis ( oder besser auf dem Bedürfnis, das Geheimnis zu hüten ) wird ein ganzes Leben aufgebaut ; werden Romane erfunden und Werke kreiert, die uns als Mitmenschen so tief und so klar und vor allem so WAHR erscheinen, das wir sogar bereit sind , diese Ausdrucksmöglichkeit, wie z.B. das Schreiben als das wirkliche Wiedergeben tatsächlicher Begebenheiten akzeptieren , obwohl wir tief im Inneren wissen müssten, das die Fantasie und der Fabuliergeist die eigentlichen , persönlichen Begebenheiten erklärt und „übermalt“. Die Publizität dieser Personen ist so offensichtlich; jeder scheint den Menschen zu kennen, KENNEN- damit meinen einige auch nur das Wissen um diese Person, oder auch nur den Namen schon einmal gehört zu haben. So öffentlich, das normale bürgerliche Existenzen diese „Lebenskünstler“ als so transparent sehen, das der „dunkle“ Rahmen wirklich erst ganz zum Schluß wahrgenommen wird. So erklärt es sich ganz von selbst, warum Schriftstelle, Maler , Musiker etc. erst viele Jahre nach ihrem Ableben tatsächlich durch ihre Persönlichkeit als ganzer Mensch wahrgenommen werden, und nicht nur durch ihre künstlerischen Leistungen beurteilt werden. Sie werden durch das Aufarbeiten in Biographien nicht etwa ihrer Identität beraubt, sondern vielmehr ihres dunklen Geheimnisses.
Im alltäglichen Leben begegnen wir Menschen, denen wir auf den ersten Blick nicht ansehen können, das sie zu den Menschen gehören, die diese „künstlerische Existenz „ leben. Die künstlerische Existenz ist nicht immer nur so zu verstehen, das diese Menschen Künstler im weitesten Sinne sind, sondern auch „ künstliche“ Menschen ( so bezeichne ich z.B. auch Politiker etc) . Ich entdecke, wie sehr sich diese Menschen ihre Verstecke suchen, die kleinen Nischen und Ecken, in denen sie dieses dunkle Geheimnis ihres Lebens ausleben können. Denke man nur an Garcia Lorca oder Anais Nin , die verborgenen Geheimnisse ihres Lebens, oder an die von Dali, Cocteau…
Wie vertraut sind uns die Namen, wir würden ohne zu zögern sagen, das wir diese Menschen „kennen“ und wir wissen absolut NICHTS über sie. Erst das Öffnen der „Schatztruhe“ , ich meine auch die Beziehungen der Menschen untereinander und zueinander machen deutlich, wie groß und wie tief die Seelen und Persönlichkeiten dieser Menschen waren. Und ich würde behaupten, das es die „dunklen“ Geheimnisse waren und sind, die das Licht in dieses Leben getragen haben. Der Ambivalenz , der wir ausgesetzt sind , die Widersprüchlichkeiten zwischen diesem Leben und dem anderen Leben heben das WIRKLICHE LEBEN doch erst hervor.
Würden wir denn einen Menschen bemerken, der ganz und gar in seinem Schatten verschwindet, der also sein Licht nicht erstrahlen lässt.? Mit Sicherheit nicht auf den ersten Blick.
Aber wenn schon die kleinste Unregelmäßigkeit in seinem Leben, also ein Schatten auf den Schatten seines Lebens geworfen würde , dann würden wir vielleicht schon ahnen, das sich da ein Geheimnis auftut- denn – den ganz klaren, durchsichtigen ,transparenten und überaus makellosen Menschen gibt es nicht- dieser ist nur eine Illusion , eine illusionäre Erscheinung in der Welt der Kunst. Dieser Mensch ohne Geheimnis wäre nur eine Imagination aus unserem Geist, er wäre zu komplex und zu perfekt.
So erklärt es sich auch fast von selbst, das wir manchmal von dunklen und geheimnisvollen , ja sogar oft unnahbaren Menschen nahezu angezogen werden. Wir treiben auf das offene Feuer hinzu , oder betreten dunkle Gemäuer , wissend , das wir verbrennen werden oder uns dort anfangs fürchten – und wir tun es doch…


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