Silk and Paper

September 15, 2009

SCHLÜSSElloch…

Gespeichert unter: DER mensch als fremder ORT, philosophische FRAGMENTe, wahrNEHMungen — silkandpaper @ 5:32

Hör den Geschichten zu,
die Dich zu den Verstecken Deiner Erinnerungen führen.
Sie blühen auf , wenn im Herbst die Blätter verwehen,
Im Sommer beschirmt der grüne Schatten Dein Leben,
im Herbst zerpflückst du den Strauch wilder Beeren
die eine fremde Süße verströmen.
Hör zu, wenn die Einsamkeit beginnt, Dich zu berauschen.
Erinnere Dich, denn dies ist der Schlüssel zu Deiner Kindheit,
ist das Zeugnis, unter dem Du mit Deiner Unterschrift
Dein SEIN besiegelst

                                                                      *

Gestern hatte ich den ganzen Tag Zeit. Ich saß in einer Freundes Wohnung fest und wartete geduldig auf den Monteur. Es war sehr still und nur das Ticken der Uhr durchbrach die Ruhe . Aus Sorge, ich könnte das Läuten an der Tür überhören, stellte ich auch nicht einmal das Radio an. Mein Blick verlor sich im Grün des Balkons, im Rot der Früchte, die bald geerntet werden müssen, im wässrigen Himmel. Draußen wurde es gestern wirklich Herbst. Die Baumspitzen endeten kurz vor der 4. Etage. Eine Pappel, die auf dem Gelände gegenüber all die Jahre stand, war geborsten und hing traurig in der Form einer Eins nach unten . Genau in der Mitte, so schien es, war der Bruch, der Riss, der durch das Holz ging. Früher ging ich öfters dort spazieren. Da war es noch eine wilde Wiese und kein Bauamt wäre auf den Gedanken gekommen, dort eine Strandbar zu eröffnen…

 In all der Stille und Ergriffenheit über die noch immer erhabene Schönheit dieses sterbenden Baumes dachte ich , das im Frühjahr sicher eine gärtnerische Hand den Baum fällen wird. Bis dahin wird auf diesem Platz ebenso eine Stille einkehren wie hier in diesem Zimmer. Der Winter ist ein Genesungschlaf der Natur. Wenn sich im Sommer die Marienkäfer über den wilden Beifuß hermachen, der sich überall in Städten und auf Mittelstreifen der Straßen breitmacht, so verliere ich diese Pflanze als Fixpunkt; denn der Regen wird ihn fortschwemmen, zum Verwelken bringen… Er wird sich im Schlamm seinem Tod ergeben und dann im Winter werde ich ihn sogar zeitweilig vergessen . Das unsichtbare Seil zwischen meinem Blick und dem Erblickten wird scheinbar durch die erste Kälte zerrissen- fast wie eine schwebende Spinnwebe, den meine Hand mit einem Streich wegwischen kann. Ich bemerkte, das ich schon wieder dabei war, in der mir auferlegten Stille mich diesen Dingen wie kaum sichtbaren Spinnfäden oder unsichtbaren imaginären Bändern zwischen mir und der Natur zu nähern, dabei war es doch nur ein flüchtiger Blick, der am Baum gegenüber haften blieb…

Tausende solcher Momente streifen mich, wenn ich auf der Straße gehe oder bei einem Spaziergang im Park. Mir fiel ein, das ich ähnlich empfunden hatte, als ich am Sonntag auf dem alten böhmischen Friedhof war, der sonst für Fremde geschlossen ist, wir aber einen kurzen Spaziergang durch diese Reihen der Gräber aus dem 17. Jahrhundert machen konnten…Seit Jahren stahl ich mit einem Blick durch das Schlüsselloch des großen gusseisernen Tores Ausschnitte dieses kleinen Friedhofes; immer wollte ich die alten verwitterten Grabsteine lesen, und als ich dann davor stand, war mir so, als kannte ich sie alle, diese böhmischen Einwanderer. Die Fremdheit wich und mit der archaischen Erinnerung an das, was mit uns allen geschehen wird, kam die Vertrautheit. Der Zauber, die fast kindliche Neugier, mit der ich immer durch das Schlüsselloch lugte, verwandelte sich in ein Bild , das ich schon lange zu kennen geglaubt und nun , beim annähern fand es wieder an den Platz in meiner verlorengeglaubten Erinnerung .

Nähert man sich den Dingen zu sehr, wird der Zauber leicht zerstört, wird der flüchtige Augenblick wie zu einem festen Bestandteil einer Gemäldegalerie, zu schweren dicktropfig-festen Ölgemälden, die das leichtfüßige Leben manchmal unnötig beschweren. Ist der unbeschwerte Augenblick im Sommer nur schmückendes Beiwerk zu den von Sonnenglut durchtränkten Beeten, so wird er im Winter der einzige Halt, an dem man sich durch die kalten Jahreszeiten hangelt.. Wertigkeiten verschieben sich durch die Dinge von Außen, werden von ihnen durchdrungen und einer Metamorphose ausgesetzt. Schöne Dinge werden weniger schön und die weniger schönen Dinge erhalten durch ihr einmaliges , kurzes Erscheinen wie mit Diamanten bekränzt. Denkt man an die frostgemalten Blätter in Rinnstein, die wie Gold in der Wintersonne funkeln und sobald sie im Schatten eintauchen, sind sie doch nur moderndes Laub.

Das Haus gegenüber, der gütige Schattenspender im Sommer wird nun im Herbst der bedrohliche Riese, der das Licht verschluckt. Auf der Straße , die unter mir lag, war schon dieses Ersterben der Natur zu erahnen. Ich dachte, das es nicht von ungefähr käme, das man im Herbst soviel an Abschied denkt und an das Nimmerwiedersehen, oder gar an den Tod. Natürlich weiß ich, das der Frühling wieder völlig andere Bilder zaubert; könnte einfach nur sagen: das doch alles Gute im Inneren läge, im Verborgenen und das die kalte, schmutzige Welt drumherum diesen guten Kern des Wissens um die Wiederkehr nie anzutasten vermag, trotzdem.

Denn wenn ich das Ruhen, das Nichtstun und das Ausharren der Natur betrachte, weiß ich, das zwar wie zum Beispiel der Frost als Allegorie zum Draußen vieles ersterben lässt, aber das auch der gleiche Frost nötig ist, um chemische Prozesse in einem Pflanzensamen in Gang zu setzen, die gewährleisten, das das verborgene unter der Erdkruste im Frühling sogar Pflastersteine aufbrechen kann, nur um die Schönheit seiner Blüte ans Licht zu bringen. Es ist merkwürdig, wie dieser schattige Tag in meinen Gedanken Assoziationen freisetzt… So wie ein Schatten das Licht nur kurz verbergen kann, so wie Glasscheiben oder glattpolierter Asphalt die restliche Sonne reflektieren, so reflektieren Menschen auch in dunklen Momenten ihres Lebens diese Kraft, die im Übergang der Jahreszeiten liegt . Man kann plötzlich in diesem Riss der Zeit, der sich zwischen dem abrupten Übergang von Sommer zum Herbst schiebt, sich selbst klar und deutlich erkennen. Man kann verstehen, das das Ungeordnete, das Dunkle oder Verborgene nach einem Gesicht verlangt.

Aber da nur der Tod die Rätsel für all das Verborgene auflösen kann und Ordnung ins SEIN bringt, erklärt man sich selbst das Unerklärbare am Kommen und Gehen, am Wechsel der Jahreszeiten, die uns Menschen an den Zeitabschnitten festzurren, als gälte nur dieses eine Gesetz. Uns wird in diesen kleinen aufhellenden Zeitrissen klar (oder ist es eine Art Blick durch ein anderes Schlüsselloch…) das wir das Gesicht, nachdem man ein Leben lang sucht , nie selbst sehen werden, sondern nur die Menschen, die schlussendlich da sind, wenn der letzte Herbst kommt.

http://img143.imageshack.us/img143/8316/bild091b.jpg http://img193.imageshack.us/img193/56/bild090y.jpg http://img36.imageshack.us/img36/125/bild089w.jpg

ps. die Fotos sind alte Grabsteine ca. 1702 -1716 vom Böhmischen Gottesacker in Berlin Neukölln/ Rixdorf

MAR

Juli 26, 2009

brüchige WELT

Gespeichert unter: DER mensch als fremder ORT, kurzgeSCHICHTen, zomet WEGkreuzungen — silkandpaper @ 6:33

himmel hinterzarten 2 gestreckt

 
 

Die brüchige Welt ( Fragment)
Vollkommener Weg, gesäumt von ausgeputzen Gehsteigplatten, sauber gefegten Bordsteinkanten und leise vor sich hinwippenden Sommerblumen, an deren Stengeln kein welkes Blatt geduldet wurde…Hinter dem Spitzdach geht malerisch die Sonne unter und vor dem Haus reckt sich eine gestromte Katze. Leise summt der elektrische Draht in den Überlandleitungen. Ein scheinbar alter Mann quält sich behäbig die kleine Anhöhe hoch und zündet sich eine Zigarette an. Diese Stille in diesem großen Raum , der sich Himmel nennt, diese weite Unbeflecktheit ist wie ein gedeckter Tisch , der irgendwo in einem Landhaus steht und von dem ein Duft ausgeht, der an Sonntagnachmittage erinnert; kurz bevor man den frischgebackenen Streuselkuchen auf die weiße Tischdecke stellen wird und diese Beschaulichkeit einer herbeigesehnten Eleganz mit dem Duft bäuerlicher Backkunst durchbricht. So, als würde sich das letzte Licht eines heißen Nachmittags durch die blankgeputzten Fenster hindurch in den Wassergläsern spiegeln wollen, so schimmern die mit Abendtau benetzten Tannennadeln und halten die kleinen Tropfen an ihren fragilen, hellgrünen Spitzen fest. Man würde es fast glauben, wenn man sagte, das sie einen leise gläsernen Ton von sich gäben, wenn sie auf die vom Wind und von Frauenhand gefegten Strasse fallen. Sie zittern fast unbemerkbar, als der alte Mann vorüberging. Das Auftreten seiner Füße verursachten kleine Schwingungen, die sich auf die Tannen am Wegesrand übertrugen. Seine Augen blickten ins Leere, so , als würde er all diese Schönheit und diese berührende Stille nicht wahrnehmen und sich ganz anderswo aufhalten. Sein Blick öffnete irgendwie eine dunkle Tür zu einem noch dunkleren Korridor zu einer offenbar alten, verbrauchten Seele. Dort hinter den Jahren seines Lebens waren viele Türen auf-und zugeschlagen worden, die Ritzen und sogar die Schlüssellöcher verstopft- so das selbst kein einziger Schimmer nach draußen drang. Verschlossen war verschlossen, war vergessen und vorbei- warum die Türen wieder anrühren?

Selbst Nachmittage, wie sie der Abendhimmel in die Erinnerungen zaubern kann, und nun auch verborgen hinter verschlossenen Türen ruhten, möchte er nicht mehr als Begleiter in seinen Gedanken haben, wenn er diesen für ihn beschwerlichen Berg heraufsteigt.
Die sanfte, fast lautlose Stille taucht ihn in einen unsichtbaren , ja durchsichtigen Zeit- Brunnen, tief und unergründlich. Man könnte meinen, Betrachter eines alten, sepiafarbenen Bildes zu sein, einer Postkarte vielleicht, die sich in einem Stapel neuer, farbiger Abbilder einer Dorfidylle verirrt hat und erstaunt stellt man fest, während man das Foto zurückstellen möchte, das es einem vertraut vorkommt. Und so, wie man sich vielleicht das alte Foto noch einmal anschaut, bevor es wieder im Stapel der Abbildungen von konservierter Zeit verschwindet, so wirft man noch einmal den Blick auf diesen alten Mann, dessen Zigarette nur noch zart aufglimmt und nun verglüht.
Inzwischen ist es Nacht geworden. Ganz und gar in die dörfliche Dunkelheit gehüllt, lässt sich der Mann auf einer Bank nieder und nur wenn man ganz angespannt lauscht, kann man ihn atmen hören. Erstaunt stellt man fest, das dieser Atem nicht der eines Mannes sein kann, der sich nur mit großer Kraft vorwärts bewegt hat, sondern der Atem geht leise und regelmäßig und so, als hätte er nicht die Anhöhe mit Mühe erklommen . Wahrscheinlich ist der langsame, schleppende Gang nicht Zeichen seines Alters, sondern das Mühsal scheint darin zu liegen, die Türen seiner Erinnerungen mit größter Kraft zuzuhalten.
Durch die dunkelblaue Nacht zuckte ein Blitz und erhellt den Dachvorsprung, unter dem die Bank steht und sekundenhell erleuchtet der Feuerschein das Gesicht des Mannes und ich stelle erstaunt fest, das er tatsächlich nicht alt sein kann, denn sein Gesicht zeigt zwar Spuren der Zeit, aber ich schätze ihn auf die Mitte des Lebens …Ein in sich ruhender Mensch sitzt dort , mit den Händen auf den Beinen abgestützt, so als wolle er seinen Oberkörper davor bewahren, das man seine Ermüdung nicht ansähe.

Regen prasselt nieder und ich stelle mich unter das Vordach. Ein kurzes Nicken, ein Schweigen in die Stille hinein. Der Geruch von feuchter Erde, von nassem Gras und nächtlicher Frische steigt auf. Kleine Bäche verwandeln sich in flussähnliche Landschaften und reißen den Staub der Straßen mit sich. Die Beine angezogen und die Arme fest um die Knie gewunden , wechselt der Mann sein Ausharren und schaut mit fast befriedigendem Lächeln zu, wie die Erde sintflutartig hinweggeschwemmt wird. Noch einmal atmet er tief durch und beginnt zu sprechen; leise und mit einer ruhigen Stimme . Was mich an diesen unwirtlichen Ort verschlüge und wieso ich nicht wie andere Fremde den Berg hinauf eile, um ganz und gar im Trockenen zu sein. Noch ehe ich antworten konnte, lachte er kurz auf; ganz und gar im Trockenen! Was für eine Wortspielerei in einem solchen Sommer, wo Berge vom Wasser unterspült werden und mit großen Geröllbrocken ins Tal und leider auch auf die Viadukte der Schienen aufschlagen , es sei wie im Leben, meinte er. Alles stünde felsenfest und dann genügt ein Tropfen, der alles ins Rollen brächte.
Ich höre ihm zu und weiß genau ,wovon er spricht . Es scheint, als spüle der nun fast fadenförmig rinnende Regen etwas von der Fassade des nach außen hin schweigsam wirkenden Mannes herunter und gäbe einen Spalt zu den Zimmern frei, die in seinem Leben bisher verschlossen waren.
Ja, so sagte er dann, er stünde selbst im Regen.

Obwohl eine Art Vergeblichkeit in seinen Worten mitzuschwingen schien, klang es so, als wolle er in der die Nähe zu einem Menschen, unter dem Vordach des Hauses, unter dem Regendach, mitten in der Musik der Regentropfen, mehr von sich erzählen.

Ich sage immer noch nichts. Die Menschen hier in diesem Ort sind spröde und sogar oft ziemlich ungehalten. Ich bin mit meiner offenen und ungezwungenen Art nachzufragen oft auf recht kleinbürgerliche Abwehr gestoßen. Im Grunde sind die Dörfler hier sehr schwatzhaft, aber eben ungefragt. Man erzählt hier gern vom neuen Haus oder dem guten Wein, aber auch von Unwesentlichkeiten, wie das Bellen des Nachbars Hund oder das erhöhte Verkehrsaufkommen hinter der Schlucht.
Nun bin ich überrascht, das ein Mensch aus diesem Bergdorf aus dieser Verhältnismässigkeit ausbricht und sich mit seinen wenigen Worten ein Brunnen auftut, dessen Tiefe an fallenden Steinen, oder hier besser am Widerhall seiner Worte zu messen war.

Von welchem Tropfen auf welchen Felsen will er sprechen, dieser Mann, der mit mir in regennasser Einsamkeit sitzt. Ich setze mich auf und will ihm zuhören , denn ich spüre , daß etwas zu bröckeln begann.

Mai 3, 2009

mannemenuetti- mura djilo

Gespeichert unter: DER mensch als fremder ORT, KLANGsprache, zomet WEGkreuzungen — silkandpaper @ 7:12

April 10, 2009

leere und fülle

April 9, 2009

beNENNen

Gespeichert unter: DER mensch als fremder ORT, sprach-RÄUME lyrik — silkandpaper @ 4:12
.mond12
Sprich nie aus, was Du noch nicht benennen kannst

Die Zeit danach…
ein Geschenk für dunkle Tage ,
wo die Erinnerungen warten , ausgepackt zu werden ;
verschnürt, wie ein Geschenk ,
das wir kurz bestaunen und es
im Labyrinth des Seins verstecken
und wir all die Jahre durch das eigene Leben irren ,
und nie die Antwort finden auf die Frage:
was wird sein, was ist gewesen, wo ist die Wunde,
die man mir geschlagen…
im Garten Eden, wo die Sprache unter der Sprache verstummt erscheint
und doch Du der Gärtner bist für bittere Kräuter ,
deren Ernte reichlich sein wird …

Sprich nie aus, was Du noch nicht benennen kannst,
zeitlebens kann es dauern,
dieses Knistern am Papier, worauf Du Dich zu verewigen suchst.
Die Nabelschnur , die Dich nährte
ist am achten Tag verdorrt,
und wie das Zeichen, was Dich zum Menschen macht,
wird sie , vergessen zwischen Gaben und Bändern ,
der Wegweiser sein zur Vergangenheit vor Deiner Zeit;
wo Du wieder sein wirst, wo Du gewesen, wo die Wunde ist,
die man Dir geschlagen…
im Garten Eden, wo Vertriebene aus Babylon sich der unausgesprochenen Wörter
bemächtigen , und den Erinnerungen des Lebens
Atem einhauchen und sie wirklich Dein werden.

Niemand wird Dich nach dem Schweigen fragen,
und auch nicht nach den Worten,
die Dir durch das Labyrinth zu unerreichten Orten nachstellen.
Auch dort besteht Leben aus fünf Buchstaben ,
die miteinander verwoben, das Stehen und Gehen benennen.
Oder auch den Uhrzeiger , der Dein Hier und Sein anzeigt
und auch das Dort und Nichts ,
auf der Landkarte der einfachen Tage, die Du zählst:
wo Du sein willst, und nicht gewesen, weil man Dir dort die Wunde schlägt,
deren Namen Du nachschlagen mußt.
Im Garten Eden, wo Grün nicht immer Leben bedeutet,
sondern Nymphaea genannt , die mit dem letzten Schlick
ihre vollendete Schönheit nähren.

*Nymphaea = Seerosen

Mar

März 4, 2009

Gespeichert unter: DER mensch als fremder ORT, sprach-RÄUME lyrik — silkandpaper @ 10:51

tulpe-vergr

Wer atemlos durch das Leben jagt

und das Sein in Gedankenstrichen misst,

kann nie Zeitzeuge werden

von den Landschaften,

die unsere Sprache bereithält.

Er wird versäumen,

den Wortfragmenten

Lebendigkeit einzuhauchen,

weil im Vorübereilen das Erblickte

im gleichen Moment erstirbt.

Sprache ist das Haus,

und dem Ungesagtem Wesen einhaucht.

mit dem Tiefsten des Ursprungs…

Atem ist sein Fundament.

Und der Mensch sein Erdreich.

MAR 2009

März 2, 2009

ERinnerung

Gespeichert unter: DER mensch als fremder ORT, sprach-RÄUME lyrik — Schlagworte: , , — silkandpaper @ 8:20

 

picture-5

 

 

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Februar 16, 2009

FOTOgrafien I

Gespeichert unter: DER mensch als fremder ORT, sprach-RÄUME lyrik — silkandpaper @ 8:09

himmel hinterzarten 2 gestreckt

 

Fotografien-
Abbilder, Trugbilder aus fast verzweifelten Zeiten,
als man auf der Suche nach sich selbst
auch an stehengebliebener Zeit berauschte…

Im sepiabraunen Gewand
kommen die Gesichter daher,
aus anderen Welten, wo das Wort
noch in der Luft erstarb und niedersank


hinter dem Glanz satinierter alter Seiten, da
wo man sich selbst gern übersah,
steht die Vergangenheit Spalier
und blickt dich an…


ernste Augen glauben zu wissen,
bis zu dem Moment, wo du gewahr wirst,
daß du es bist, der sich zu sich selbst gesellt
und sich sein Leben erzählt.

Januar 31, 2009

Üç dil- drei SPRACHen

Gespeichert unter: DER mensch als fremder ORT, sprach-RÄUME lyrik — silkandpaper @ 8:36

 

 

 

Üç dil

En azından üç dil bileceksin
En azından üç dilde
Ana avrat dümdüz gideceksin
En azından üç dil bileceksin
En azından üç dilde düşünüp rüya göreceksin
En azından üç dil
Birisi ana dilin
Elin ayağın kadar senin
Ana sütü gibi tatlı
Ana sütü gibi bedava
Nenniler, masallar, küfürler de caba
Ötekiler yedi kat yabancı
Her kelime arslan ağzında
Her kelimeyi bir bir dişinle tırnağınla
Kök sökercesine söküp çıkartacaksın
Her kelimede bir tuğla boyu yükselecek
Her kelimede bir kat daha artacaksın

En azından üç dil bileceksin
En azından üç dilde
Canımın içi demesini
Kırmızı gülün alı var demesini
Atın ölümü arapadan olsun demesini
Keçiyi yardan uçuran bir tutam ottur demesini
İnsanın insanı sömürmesi
Rezilliğin dikâlâsı demesini
Ne demesi be
Gümbür gümbür gümbürdemesini becereceksin

En azından üç dil bileceksin
En azından üç dilde
Ana avrat dümdüz gideceksin
En azından üç dil
Çünkü sen ne tarih ne coğrafya
Ne şu ne busun
Oğlum Mernuş
Sen otobüsü kaçırmışbir milletin çocuğusun

 

Von : Bedri Rahmi Eyüboğlu

 

 

Drei Sprachen

Du musst mindestens drei Sprachen sprechen
Mindestens drei Sprachen.
Wie ein Seemann musst Du schwören
Mindestens drei Sprachen musst Du kennen.
Mindestens drei Sprachen brauchst Du.
Zum Träumen und zum Denken
mindestens drei Sprachen
Eine ist die Muttersprache
Sie gehört zu Dir wie Dein Arm
und dein Fuß
Süß wie die Muttermilch
Frei wie die Muttermilch
Dann sind noch Deine Krabbelreime, Märchen und Schwüre

andere sind fremd wie ein Hahn in Hühnerhaus
Jedes Wort in eines Löwen Mund
Wort für Wort gräbst Du aus .
Mit Deinen Fingernägeln und Zähnen, bis die Steine blutig werden.
Mit jedem Wort steigst Du einen Backstein höher.
Mit jedem Wort wächst Du ein Stück höher.

Mindestens drei Sprachen ,die Du kennen musst
In drei Sprachen mindestens solltest Du wissen
zu sagen, meine Liebste .
Zu sagen, nie eine Rose ohne Stachel .
Zu sagen, ein Schaf könnte auch gehängt werden wie das Lamm
Zu sagen, es ist die Prise Unkraut, die einer Ziege die Geliebte vergessen lässt.
Zu sagen, das ist die größte Schande
wenn man andere benutzt.
Um Himmels willen, vergiss gesagte Dinge !
Du musst wissen, was Lärm macht wie ein Donner
Du musst mindestens drei Sprachen kennen
Zumindest in drei Sprachen
musst Du schwören können wie ein Seemann
Mindestens drei Sprachen
Weder bist Du Geschichte noch Geographie
Auch dies und das noch ,
meine kleine Mernuş :
Du bist das Kind von einer Nation, die den Bus verpasste.

Übersetzung copyright MAR

 

Fotografien II

Gespeichert unter: DER mensch als fremder ORT, sprach-RÄUME lyrik — silkandpaper @ 6:50
 

 
Illusionen ,

Brücken im Uferlosen.

Versiegende Wasserfälle rinnender Zeit.

in einem Zimmer…

und mit großen Augen

und verstörenden Blicken…

Über den Rahmen hinaus

in die Kulisse des Heute schauend,

entspringen ganze Familien

in das Erstaunen hinein,

das noch immer

Bedeutungen im Nippes aufbewahrt,

zum Tanz zwischen den Worten auffordern.

Wie in Metaphern

reduziert sich das Vergangene

auf den bäuerlichen Tanz

auf einer schwarz-weißen Wiese

die sich plötzlich in der Leere verliert.

Aus ihr schöpft sich der Gedanke

an das Unendliche

in dem sich der Sinn erschliesst,

warum Narratoren

immer aus dem Rahmen fallen,

wenn sie die Worte in der Geschichte verteilen

auch Illusionen leben immer weiter… (mehr…)

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