Silk and Paper

September 15, 2009

SCHLÜSSElloch…

Gespeichert unter: DER mensch als fremder ORT, philosophische FRAGMENTe, wahrNEHMungen — silkandpaper @ 5:32

Hör den Geschichten zu,
die Dich zu den Verstecken Deiner Erinnerungen führen.
Sie blühen auf , wenn im Herbst die Blätter verwehen,
Im Sommer beschirmt der grüne Schatten Dein Leben,
im Herbst zerpflückst du den Strauch wilder Beeren
die eine fremde Süße verströmen.
Hör zu, wenn die Einsamkeit beginnt, Dich zu berauschen.
Erinnere Dich, denn dies ist der Schlüssel zu Deiner Kindheit,
ist das Zeugnis, unter dem Du mit Deiner Unterschrift
Dein SEIN besiegelst

                                                                      *

Gestern hatte ich den ganzen Tag Zeit. Ich saß in einer Freundes Wohnung fest und wartete geduldig auf den Monteur. Es war sehr still und nur das Ticken der Uhr durchbrach die Ruhe . Aus Sorge, ich könnte das Läuten an der Tür überhören, stellte ich auch nicht einmal das Radio an. Mein Blick verlor sich im Grün des Balkons, im Rot der Früchte, die bald geerntet werden müssen, im wässrigen Himmel. Draußen wurde es gestern wirklich Herbst. Die Baumspitzen endeten kurz vor der 4. Etage. Eine Pappel, die auf dem Gelände gegenüber all die Jahre stand, war geborsten und hing traurig in der Form einer Eins nach unten . Genau in der Mitte, so schien es, war der Bruch, der Riss, der durch das Holz ging. Früher ging ich öfters dort spazieren. Da war es noch eine wilde Wiese und kein Bauamt wäre auf den Gedanken gekommen, dort eine Strandbar zu eröffnen…

 In all der Stille und Ergriffenheit über die noch immer erhabene Schönheit dieses sterbenden Baumes dachte ich , das im Frühjahr sicher eine gärtnerische Hand den Baum fällen wird. Bis dahin wird auf diesem Platz ebenso eine Stille einkehren wie hier in diesem Zimmer. Der Winter ist ein Genesungschlaf der Natur. Wenn sich im Sommer die Marienkäfer über den wilden Beifuß hermachen, der sich überall in Städten und auf Mittelstreifen der Straßen breitmacht, so verliere ich diese Pflanze als Fixpunkt; denn der Regen wird ihn fortschwemmen, zum Verwelken bringen… Er wird sich im Schlamm seinem Tod ergeben und dann im Winter werde ich ihn sogar zeitweilig vergessen . Das unsichtbare Seil zwischen meinem Blick und dem Erblickten wird scheinbar durch die erste Kälte zerrissen- fast wie eine schwebende Spinnwebe, den meine Hand mit einem Streich wegwischen kann. Ich bemerkte, das ich schon wieder dabei war, in der mir auferlegten Stille mich diesen Dingen wie kaum sichtbaren Spinnfäden oder unsichtbaren imaginären Bändern zwischen mir und der Natur zu nähern, dabei war es doch nur ein flüchtiger Blick, der am Baum gegenüber haften blieb…

Tausende solcher Momente streifen mich, wenn ich auf der Straße gehe oder bei einem Spaziergang im Park. Mir fiel ein, das ich ähnlich empfunden hatte, als ich am Sonntag auf dem alten böhmischen Friedhof war, der sonst für Fremde geschlossen ist, wir aber einen kurzen Spaziergang durch diese Reihen der Gräber aus dem 17. Jahrhundert machen konnten…Seit Jahren stahl ich mit einem Blick durch das Schlüsselloch des großen gusseisernen Tores Ausschnitte dieses kleinen Friedhofes; immer wollte ich die alten verwitterten Grabsteine lesen, und als ich dann davor stand, war mir so, als kannte ich sie alle, diese böhmischen Einwanderer. Die Fremdheit wich und mit der archaischen Erinnerung an das, was mit uns allen geschehen wird, kam die Vertrautheit. Der Zauber, die fast kindliche Neugier, mit der ich immer durch das Schlüsselloch lugte, verwandelte sich in ein Bild , das ich schon lange zu kennen geglaubt und nun , beim annähern fand es wieder an den Platz in meiner verlorengeglaubten Erinnerung .

Nähert man sich den Dingen zu sehr, wird der Zauber leicht zerstört, wird der flüchtige Augenblick wie zu einem festen Bestandteil einer Gemäldegalerie, zu schweren dicktropfig-festen Ölgemälden, die das leichtfüßige Leben manchmal unnötig beschweren. Ist der unbeschwerte Augenblick im Sommer nur schmückendes Beiwerk zu den von Sonnenglut durchtränkten Beeten, so wird er im Winter der einzige Halt, an dem man sich durch die kalten Jahreszeiten hangelt.. Wertigkeiten verschieben sich durch die Dinge von Außen, werden von ihnen durchdrungen und einer Metamorphose ausgesetzt. Schöne Dinge werden weniger schön und die weniger schönen Dinge erhalten durch ihr einmaliges , kurzes Erscheinen wie mit Diamanten bekränzt. Denkt man an die frostgemalten Blätter in Rinnstein, die wie Gold in der Wintersonne funkeln und sobald sie im Schatten eintauchen, sind sie doch nur moderndes Laub.

Das Haus gegenüber, der gütige Schattenspender im Sommer wird nun im Herbst der bedrohliche Riese, der das Licht verschluckt. Auf der Straße , die unter mir lag, war schon dieses Ersterben der Natur zu erahnen. Ich dachte, das es nicht von ungefähr käme, das man im Herbst soviel an Abschied denkt und an das Nimmerwiedersehen, oder gar an den Tod. Natürlich weiß ich, das der Frühling wieder völlig andere Bilder zaubert; könnte einfach nur sagen: das doch alles Gute im Inneren läge, im Verborgenen und das die kalte, schmutzige Welt drumherum diesen guten Kern des Wissens um die Wiederkehr nie anzutasten vermag, trotzdem.

Denn wenn ich das Ruhen, das Nichtstun und das Ausharren der Natur betrachte, weiß ich, das zwar wie zum Beispiel der Frost als Allegorie zum Draußen vieles ersterben lässt, aber das auch der gleiche Frost nötig ist, um chemische Prozesse in einem Pflanzensamen in Gang zu setzen, die gewährleisten, das das verborgene unter der Erdkruste im Frühling sogar Pflastersteine aufbrechen kann, nur um die Schönheit seiner Blüte ans Licht zu bringen. Es ist merkwürdig, wie dieser schattige Tag in meinen Gedanken Assoziationen freisetzt… So wie ein Schatten das Licht nur kurz verbergen kann, so wie Glasscheiben oder glattpolierter Asphalt die restliche Sonne reflektieren, so reflektieren Menschen auch in dunklen Momenten ihres Lebens diese Kraft, die im Übergang der Jahreszeiten liegt . Man kann plötzlich in diesem Riss der Zeit, der sich zwischen dem abrupten Übergang von Sommer zum Herbst schiebt, sich selbst klar und deutlich erkennen. Man kann verstehen, das das Ungeordnete, das Dunkle oder Verborgene nach einem Gesicht verlangt.

Aber da nur der Tod die Rätsel für all das Verborgene auflösen kann und Ordnung ins SEIN bringt, erklärt man sich selbst das Unerklärbare am Kommen und Gehen, am Wechsel der Jahreszeiten, die uns Menschen an den Zeitabschnitten festzurren, als gälte nur dieses eine Gesetz. Uns wird in diesen kleinen aufhellenden Zeitrissen klar (oder ist es eine Art Blick durch ein anderes Schlüsselloch…) das wir das Gesicht, nachdem man ein Leben lang sucht , nie selbst sehen werden, sondern nur die Menschen, die schlussendlich da sind, wenn der letzte Herbst kommt.

http://img143.imageshack.us/img143/8316/bild091b.jpg http://img193.imageshack.us/img193/56/bild090y.jpg http://img36.imageshack.us/img36/125/bild089w.jpg

ps. die Fotos sind alte Grabsteine ca. 1702 -1716 vom Böhmischen Gottesacker in Berlin Neukölln/ Rixdorf

MAR

September 10, 2009

das JETZT heftet sich an unsere schritte

Gespeichert unter: philosophische FRAGMENTe, wahrNEHMungen — silkandpaper @ 9:46

Zeit haben! Wer kann das von sich behaupten ? Im Eilschritt durchquert man einen Tag, um am Ende ganz erschöpft zu sagen: wieder mal ist sie mir durch die Finger geronnen….

Im Herbst habe ich merkwürdigerweise immer das Gefühl, unendlich viel von ihr zu haben, dieser nicht messbaren  Einheit dieses Phänomens, welches alle Gegenwart -und Zukunftsgeschichten im Jetzt vereint. Ich schaue mir die Bilder des Sommers an, die mir von unendlichen Tagen zu sprechen scheinen- kein Wunder, denn sie sind festgehalten in diesen Momentaufnahmen. Damals, das scheint lange her zu sein und doch sind erst 2 Monate vergangen, als die Sonne ganz oben das schwarze Universum ausleuchtete. Die Zeit verwischte zu gelben, flirrenden Punkten und sang blütenreiche Lieder von der Unendlichkeit.

Heute, wenn ich den wassergrauen Himmel sehe, ist von dieser Fülle von Farben in den Wolken nichts mehr zu erkennen. Alles, was der Sommer so trunken und überbordend verschenkte an Licht und Wärme, schaukelt jetzt als rotes Weinlaub an der alten Mauer. In metamorphosischer Weisheit  lagert sich die Sommerzeit dort ab, wo längst Herbst ist.

Und es wird keine 2 Wochen mehr dauern und das Laub wird unter meinen Füßen rascheln. Es wird sich dem Sterben, dem Tod ausliefern, noch einmal im ersten Herbstregen nass und schwer schimmern und glitzern und dann doch von einem Gärtner zusammengekehrt und weggeworfen werden. All die Kraft des Sommers, das Geheimnis der Verwandlung, die gespeicherte Zeit- sie wird dann irgendwo meinen Blicken entzogen wieder zu Erde werden. Vielleicht nicht nächstes Jahr, aber das Jahr darauf wird dieser dicke, braune Kompost, der von Tagen und Wochen eines Sommers durchdrungen ist, der die Farben in ihrer gesamten Palette trägt, die ersten Frühlingsblumen ernähren.

Es ist ein Wunder und ein Geheimnis, wie sich die Zeit als Künstler präsentiert, dessen Bilder tagein und tagaus in der unsichtbaren Galerie hängen, die wir die Zeitspanne eines Menschen nennen, und im gleichen Atemzug wissen, das selbst, wenn wir nicht mehr da sein werden, diese Galerie geöffnet sein wird.   Diese sichtbaren Zeitabschnitte, diese farbigen Mimikry  derer sich die ZEIT bedient, täuschen uns durch unser ganzes Leben hindurch. Wenn man von Gestern spricht, ist es heute schon Vergangenheit.

Wie ich eingangs schon bemerkte, ich fühle ich mich  im Herbst von all der Zeit durchdrungen, die ich messen konnte an den Bildern ,  fühle ich mich so, als würde ich alle Fenster in meinem Lebenshaus öffnen und bäte die Zeit herein, mein ewiger Gast zu sein .

Zeit haben! Wir haben sie immer. Das Jetzt heftet sich an unsere Schritte und wir bemerken es nicht einmal, wie wir die Transporteure der Unermesslichkeit werden.

April 10, 2009

leere und fülle

März 12, 2009

WAHRheit

Gespeichert unter: philosophische FRAGMENTe — silkandpaper @ 5:42

.

jeder , der seine erkenntnis und seine wahrheit an sich selbst festzurrt und sie damit zu seiner gefangenen macht und glaubt, sie damit dinghaft und glaubhaft für andere zu machen, ist noch weit von der wahrheit entfernt.

.

März 10, 2009

geDANKe

Gespeichert unter: philosophische FRAGMENTe, sprach-RÄUME lyrik — silkandpaper @ 11:28

tulpe-vergr

Ein Gedanke,

der aus dem Dunkel

ans Licht drängt,

sich mit Regen schmückt,

wie ein Morgen…

der mit

gläsernem Beiwerk Regen ,

so wie Inspiration,

die scheinbar klar,

auch Staub mit sich

fortschwemmt.,

um durch steinigen Boden gesickert,

als Quelle

für nie Dagewesenes.

Ohne sich

an etwas festzuhalten,

macht er

Dinge dinghaft

und löst aus

steinernen Bergen

Lawinen , die anfangs Geröll,

doch dann

gefestigt und verwoben

mit dem Wurzelwerk,

als Ganzes dem Tal

des Schweigens

entgegen donnert,

um doch als kleine Kiesel

Wege zu befestigen.

Januar 31, 2009

MOMENTane erkenntnis

Gespeichert unter: philosophische FRAGMENTe — silkandpaper @ 6:11

…fast zwei Jahre ist es her, das ist eine lange Zeit , würde man es an unseren Empfindungen messen; eine kurze Zeit, würden wir die Endlosigkeit als Zeitmesser sehen. Wer je  gedacht, das sich nach anfänglicher Scheu, immer mehr und mehr Menschen sich diese Seite anschauen , und wenn ich sehe, wieviel Gedanken um die Tiefe und Bedeutungsschwere der Worte kreisen, wenn mir jemand Briefe schreibt,  gibt mir das Hoffnung, daß das Schöne der Sprache nicht nur wegen ihrer Ästhetik wiedergegeben wird, sondern weil die Schönheit der Sprache auch all das Schöne wiedergeben kann, was wir Betrachter sonst nur auf visuellem Wege erfassen.
Schönheit des Menschen ist ja , so irritierend aus auch klingen mag, etwas Oberflächliches.

Ich halte mich mit dieser momentanen Erkenntnis an dem Erleben mit der Literatur fest, an der stillen Besitznahme von Worten. Denn Oberflächliches ist etwas, was sich verändern kann, wenn die Zeit darüber streicht …

Immer wieder unterhalte ich mich mit Menschen über die Sprache , im Versuch, was wir tagtäglich benutzen , wieder mit Kinderaugen zu sehen, oder als etwas, obwohl es davonfließen kann, Bestand im Geschriebenen zu sehen.
Seither ist die Zeit durch uns hindurch, hat sich niedergelassen , hat Begegnungen zugelassen und Worte konserviert in unseren Gedanken.

Mir kommen in der stillen Zeit des Winters immer wieder Gedichte in den Sinn, die als schwarze Buchstaben schon auf Papier gebracht, im Regal darauf warten, wieder gelesen zu werden . Diese Verse sind eine stille Sinfonie, eine Huldigung an das Leben an sich, denn alles , was voller Sehnsucht, Liebe oder Trauer das Dasein des Menschen streift, findet Platz im Stillen, ja ich meine sogar Platz im fast Unaussprechlichen.

Trotzdem gehe ich auf Wanderschaft durch diese Welt aus Sinnbildern, Metaphern und glasklarer Erkenntnis. Worte der Wissenschaft bringen in Berechnungen, Statisken und Analysen an die Oberfläche und jedes Wort befestigt die Bedeutungen wie Mauersteine in ein Gebäude aus Logik und Bestimmung ; Gedichte und Geschichten jedoch erwandern die Zwischenräume , suchen die Leere und füllen diese oft nur mit einem Hindurchhuschen.

Doch hin und wieder, und mit zunehmender Lebenszeit geschieht es, das man dem Hindurchhuschen , diesem stillen Raum zwischen zwei Wörtern eine Bedeutung geben kann. Immer wieder kehrt man dann zu diesem Ort zurück, der im Vorübergehen uns eine Ahnung von etwas vermitteln konnte… mitunter wird die Sehnsucht, dieser Ahnung ein Gesicht zu geben  so groß, das wir uns auf die Suche begeben nach Buchstaben, die Wörter bilden, und Wörter, die Sätze bilden.
Wir wägen ab, ob sie zueinander passen und sprechen sie laut aus, um zu erfahren, ob das tiefe Bild, was sie in uns offenbaren, auch an der Oberfläche der Sprache Bestand hat. Plötzlich gesellen sich zum ausgesprochenen Wort Appositionen wie Allegorese, Metapher, Umschreibung, Verfremdung… und stellen fest, das mit dem Hervorbringen an die Oberfläche sich das Sinnbild wandelt, verwässernd verschwimmt .

Das gleiche Wort, welches sich im Raum zwischen Denken und Aussprechen als „unser“ Bild einen Teil des Ich’s ausmachte, droht nun wie Wasserfarbe, die zuwenig Farbpigmente aufgenommen hat, zu verlaufen . Und wieder halten wir inne, denn dieses „Verwässernde“ an der Oberfläche der Sprache scheint auf den ersten Blick gar nichts mit uns zu tun zu haben. Die Momentaufnahmen, die Wahrnehmungen, aus denen Geschichten und Gedichte entstehen, dehnen sich plötzlich zu einem großen, Gewässer, welches zwar im Schein des Lichtes, auf das es nun trifft, eine farbige Heiterkeit ausstrahlt, aber so gar nichts mehr mit der mystischen Tiefe des Schweigens gemeinsam hat.

Und doch haben beide etwas, was sie wie eine Nabelschnur verbindet, denn diese Stille , die manche Worte brauchen und dieser Lärm, mit dem sie in die Welt treten werden von uns gestaltet.
Das Mysterium unseres geistigen Werdens und Seins werden in einem großen Maße vom Denken bestimmt , doch das Denken scheint nur der Multiplikator zu sein, der die Vielzahl der Wahrnehmungen und Emotionen zu den Worten formt, die uns noch tiefer in der Seele anrühren wollen und dann doch lange in den Zwischenräumen der Sprache ruhen.

Die Gespräche , die  philosophische Gedanken  bestimmten, wurden durch Gedichte angeregt. Klingt das nicht absurd, das die schweigenden, in den Zwischenräumen der Sprache lebenden Worte das hervorbrachten, was oftmals selbst für uns unverständlich bleiben müsste; hätten wir nicht … ja hätten wir nicht …

Manchmal werden wir gefragt, warum wir hier schreiben. Selbst auf die Gefahr hin, das es einige Menschen nicht verstehen, öffnen wir die privateste Kammer in unserem Sprachhaus . Wir lassen das, was in der Tiefe unter den Worten lebt, ihre Bedeutungen, ihre Bilder, ihre Schatten an die Oberfläche unseres Seins … So hätte man die Frage anders formulieren können : warum man denn so denkt, denn es hätte es dasselbe bedeutet, als wenn man fragen würde , warum fühlt man . 

… an anderer Stelle, und gerade kürzlich hatten wir über die habe ich oft  über die Schönheit der  Lyrik gesprochen. Ihre Feinsinnigkeit und ihre tief berührenden Worte.
Als ich einige Gedichte las, musste ich irgendwie „stehenbleiben“ . Ich konnte einfach nicht weitergehen. Ich musste verweilen . Und meine Seele ruhte in den Zwischenräumen aus- immer noch suche ich nach den Worten, die diesen Bildern gerecht werden können.
Worte und Sprache – das sind nie endende Abenteuer , eine nie endende Reise zu den Menschen.

Ganz tief im Dunkel
ist Deine Welt so leuchtend.
Du schließt die Augen.

Februar 1, 2008

ob unser LEBEN, unser sein, unser wirken durchlässig für andere menschen sein wird…

Gespeichert unter: philosophische FRAGMENTe, wahrNEHMungen — Schlagworte: , , , — silkandpaper @ 11:32
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Zitat aus einem meiner früheren Beiträge: zufällig ist mal wieder sommer“ Das Suchen nach einer Konvergenz zwischen Physik und Mystik haben ja schon in vorangegangenen Beiträgen auch mein Suchen nach Rationalität im Einklang / Ergänzung zur Intuition mit Ereignissen und Erfahrungen aufgeworfen.Man lebt im Gleichklang dahin, so meint man. Trotz offenen Geistes erschließt sich die Welt nicht im wissenschaftlichen Sinn, sondern im intuitiven, im wahrnehmenden Sinne. Doch auch Wahrnehmungen sind verfremdet oder nicht aufschlüsselbar, weil Grundmodelle der modernen Physik nicht immer eingängig dem Menschen offenbart werden , sie auch als mystische innere Abläufe der Seinswerdung zu erkennen.Zitat Ende…………

anknüpfender Gedanke ….

ES ist an einem samstag mal die zeit gewesen, sich durch alte beiträge zu forsten – nicht, daß ich nicht des öfteren mal hier in meine seite reingeschaut hätte. es ist ja mehr oder weniger immer mal ein rückblick oder einblick auf geschriebenes ,…die unregelmässigen abstände der beikträge und die LEERE, die scheinbar zwischen dem letzten datum und dem heutigen liegt, hat mich verleitet, am letzten beitrag zum thema „zufall“  ein bisschen anzuknüpfen , aber auch die LEHREN, die das vergangene jahr in diese oder jene leben gestreut wurden, zu beleben.wie sich die zeit wandelt, und doch zugleich stehenbleibt.
das man vergangenes wieder in die jetzt-zeit holt, ist wie ,als wenn man die relationen von zeit und raum zu minimieren versucht ; so, als würde man etwas ausserhalb jedes gewesenem dieses einen stück gegenwart abringen, welches eben genau in diesen heutigen tag passen würde.
im gewissen sinne begleiten ja viele worte, erkenntnisse und situationen, auch die des virtuellen lebens, unsere wahrnehmung. wie ein mensch, der durch peripherisches sehen alles aus den augenwinkeln betrachtet und alles was er wahrnimmt , zu einem ganzen verschnüren kann.
unsere unbewusste perzeption hilft dabei, die wesentlichen dinge tatsächlich als wesentlich zu erfassen, sie abzuspeichern und in einem moment, wenn man darauf zurückgreifen möchte, dies auch tun kann.
es ist nicht nur die blosse erinnerung, die aufgewühlt wird, es ist auch erkennen, das das menschliche SEIN immer in einem ausnahmezustand zu sein schein…
im zeit- und raumgefüge des universums sind diese kurzen lebensformen wie das des menschlichen lebens tatsächlich ausnahmeformen. was sind 70 jahre in einem schmelztiegel von jahrmillionen.
was sind worte im meer der millionen worte, die tagtäglich geschrieben und gesprochen werden. nichts.
es sind verflüchtigte lettern, von denen ganz wenige „verzeitlicht“ werden können. es sind ganz wenige, die bestand haben vor dem millionen augen, die darüber gleiten und am nächsten tag schon nicht mehr wissen , was sie gelesen haben.

das sein des menschen ist für viele andere menschen nur ein weisser fleck auf ihrer innern landkarte, das sein als lebensform eines menschen ist besiegelt durch das erste einatmen bei der geburt. und wie so vieles ist die geburt der auslöser , auch über den tod nachzudenken.
früher hatte ich in erzählungen oder märchen immer im ohr: wenn ein mensch geboren wird, stirbt anderswo jemand.
in geschichten wird das so plastisch dargestellt , das man wirklich meinen könnte, da ist ein kommen und gehen wie am fliessband. heute weiss ich, das es die in märchen verpackten wahrheiten über den sinn des lebens sind. es ist die volksnahe philosophie, das wir alle irgendwann an der anderen seite des „fliessbandes “ stehen und das wir als SEIENDE ins SEIN zurückkehren.

es ist der moment, wo sich entscheidet, ob unser leben, unser sein, unser wirken durchlässig für andere menschen sein wird. ob etwas hinterlassen wird, was irgendwann jemand in weiter ferne das, was von uns blieb, in seine zeit hineinheben wird.

ich stelle sehr oft fest , das das, was ich lese auch wahr nehme. damit meine ich nicht das „bis auf die haut heranrücken“ , sondern das aus der distanz sehende.
erst die distanz kann wesentlichen dingen einen sinn verleihen. aus der distanz wandeln sich die begriffe zu begriffsmetapher und nimmt mich damit „aus der zeit heraus“ .
ich versuche das mal anhand eines fiktiven, virtuellen austausches zwischen menschen zu erklären…wir loggen uns morgens oder tagsüber ins internet ein und werde von einer fülle an mitteilungen überschwemmt. mitteilungen aus der vergangenheit. gestern oder gestern nacht ist nicht heute .
ich kann also nicht gegenwärtig sein mit dem gesagten eines anderen , weil ich erst heute dieses gesagte in meine reale zeit hineinnehmen kann. man ist sozusagen ohnehin schon „ausser der zeit“. meine wahrnehmung registriert es aber im ersten moment als „gegenwärtig“ .
also trete ich ( imaginär) ganz bewusst einen schritt zurück, um diese empfundene gleichzeitigkeit wieder aufzulösen.
diese leere oder distanz ist notwendig, um die wirkung des wortes in seine ursprüngliche bedeutung „zurückzuweisen“. der mächtigkeit eines satzes oder eines begriffes kommt somit nur die macht zu, die ihr in ihrem sprachwirken zusteht.
unsere antworten , die aus dem heute kommend auf eine wortkette von gestern eingeflochten werden, müssen praktisch gestriges ins gegenwärtige einbinden.
unser ICH weiss das und erkennt , das wir mit variablen arbeiten. wir lesen uns texte durch und selektieren diese nach wirkungsmächtigkeit oder nach nachhaltigkeit . dieses betrachten und sortieren bewirkt , das gelesenes haften bleibt, subtil. es bewirkt, das wir den wiedererkennungsmechanismus aktivieren und schon vorhandenes mit dem neuen verbindet.

man lernt subtil zu differenzieren und sogar, das man statt einen schritt zwei schritte zurücktreten muss, wenn sich durch andere verkettungen ein- und derselben worte der sprachliche terminus zur mauer wird, anstatt zum grenzüberschreitenden , zeitüberwindenden austausch.
…. wenn man geschriebenes liest und dieses geschriebene an einem datum festgemacht wird, liegt es in der natur des menschen, sich auf dieses datum zu berufen. in meinem zeitempfinden ist es für mich eigentlich unmöglich, gedanken, die man lange vorher hatte und erst heute niederschreibt, ihre wirksamkeit an diesem datum festzuklammern, an dem sie „schriftpräsenz “ erhielten.
das geschriebene hat eigentlich „nur“ das SEIENDE in eine ästhetische form gebracht.
das wissen wir alle, das das , was man in sich trägt und was einem wichtig erscheint, eine ganz besonderer form bedarf, um es den menschen nahe zu bringen, die sich in „meiner zeit“ bewegen . und natürlich soll es menschen erreichen, die sich nicht scheuen, eine zeitreise zu machen.
das ist nichts galaktisches oder surreales, von dem ich spreche, sondern ich meine die möglichkeit, sich worte, texte , geschichten durchzulesen, um damit die „zeit und den raum“ eines anderen menschen als etwas innerliches zu erfassen und zu begreifen.

Wenn ich anderswo schreibe, der sinn des lebens ist das SEIN, dann ist das die stark verkürzte form aller inhalte der philosophischen ausrichtungen ; eine quintessenz dessen, was uns als menschen möglich macht , sich im SEIN zu bewegen, ohne unser leben an einem datum festzumachen.
wenn wir zeit und raum als den hintergrund eines menschlichen erdenlebens wahrnehmen, in dem wir einen schritt zurückgehen, aus der distanz betrachten, was letztendlich mit uns zu tun hat, aber auch ohne uns bestehen kann, dann ist das die eintrittskarte zur inneren erkenntnis und zur wahrnehmung die mit WAHR zu tun hat…

MAR 19.1.2008

Januar 26, 2008

Wenn Perutz, Nietzsche und Platon MIT mir morgens U-Bahn fahren

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………..Ruhe bewahren
bei Rauch-und Brandentwicklung
Auszusteigen während der Fahrt kann lebensgefährlich sein !………….

Meine  Berliner U-Bahn…
Auch im neuen Jahr ersetzt sie mir die Mitnahme dicker Bücher, Schlachtschinken zwischen Perutz Die 3. Kugel, Nietzsche’ s Menschliches, Allzumenschliches und Platons Phaidon.

Na ja, die gibt’s zwar schon in Reclam-Ausgaben und passen eigentlich in meine Manteltasche, aber der Inhalt zieht doch schon eine große Beule in die Manteltasche … und man will ja nicht immer das ganze Kulturwelterbe hinter sich herschleifen.

Wenn ich früher mehr auf Virtuelles achtete, oder auch die Plakate betrachtete, die mich zu Fernreisen und zu phantastischen Abenteuern einluden, so habe ich mich heute an einem Schild verfangen, welches in jeder U-Bahn in mehrfacher Ausfertigung hängt und die Menschen auffordert, bei unvorhergesehenen Situationen die Ruhe zu bewahren.
Gleich neben dem deutschen Text ist auf Englisch und Französisch die Verständigungsschwierigkeit von vornherein ausgeschlossen. Die Zweitsprache in Berlin, Türkisch. Fehlt leider.

Heute war die U-Bahn nicht so sehr voll, ich glaube, es sind noch Ferien und da geht es ruhiger zu. Trotzdem hatte ich keinen Sitzplatz.
Ich hielt es mit Perutz und einem abgewandelten Titel: ne ruhige Kugel schieben…
Schwieriger würde es mit Nietzsches Werken werden, dachte ich. Menschlich, ja allzu menschlich wäre es jetzt, jemandem am Jackett hochzuziehen, dem meinen Ausweis unter die Nase zu reiben und mich dort hinzuplumpsen. Da ich aber über eine gute Erziehung verfüge, übte ich stille Toleranz und dachte mir einfach: wer weiß, wie müde dieser Mann ist- lass ihn einfach noch ein bisschen in den Tag hineinschlummern. Und so geht mein Blick, der sich sonst im Dunkel der U-Bahnschächte verliert, zur Anzeigetafel. Dort steht:

Ruhe bewahren
bei Rauch-und Brandentwicklung
Auszusteigen während der Fahrt kann lebensgefährlich sein

Verlassen der U-Bahn während der Fahrt kann lebensgefährlich sein. Ich lese death and serious injure und lande bei Platon, der ja bekanntlich von mehr als nur von der platonischen Liebe sprach. In Phaidon geht es um den Tod von Sokrates.
Ich erinnere mich an Textpassagen, die mehr oder weniger aufgepeppt so manchem Politiker gut zu Gesicht stünden oder auch den Menschen auf der Straße würde ich gern zurufen: lest die Klassiker. Übt Euch im Allzumenschlichen und lernt, mit der Zeit, die Euch gegeben ist, gut umzugehen. Das man Erinnerungen der Vergangenheit, sei es der letzteren oder der ganz weit zurückliegenden, einen größeren Stellenwert zugestehen sollte.

„wenn jemand irgend etwas sieht oder hört oder anderswie wahrnimmt und er dann nicht nur jenes erkennt, sondern dabei noch ein anderes vorstellt, dessen Erkenntnis nicht dieselbe ist, sondern eine andere, ob wir dann nicht mit Recht sagen, dass er sich dessen nicht erinnere, wovon er so eine Vorstellung bekommen hat?“

Natürlich erinnert man sich nicht bewusst an den körperlichen Tod, das ist eine Erinnerung, die dem Unsterblichen zukommt, wohl aber sterben wir doch im Alltag viele kleine Tode.
Sei es, wenn wir verlassen werden, sei es wenn wir verlassen, sei es, wenn wir Schluss-Striche ziehen unter Begebenheiten, die uns den Lebenssaft ausgesaugt hatten. Wir bestimmen selbst, wo und wann der „Tod“ einsetzen soll.
Was hat das mit dem Schild in der U-Bahn zu tun, fragt Ihr Euch sicher. Es ist doch logisch, dass man nicht aus der fahrenden U-Bahn in einen dunklen Tunnel springt, ohne nicht zu wissen, was einem da erwartet.
Und doch sehe ich in den Gesichtern der Umherstehenden, das sie sich gar nicht im Klaren sind, das ein Schild sie auffordert, sich vor Gefahr zu schützen.
Wie der Baum auf dem Berge vom Nietzsche in meinem Gedächtnis verhaftet, der dem Sturm der Erinnerungen standhalten kann, weil er die Erinnerung an Winde verinnerlicht hat , oder so wie Platon, der sich selbst als Abwesender in seinem klassischem Werke verewigt hat.
So , als wolle er in seinem Werke , was er denke als Philosoph ( als Mensch) und dem und dem, wie er handele ( als Allzumenschlicher) , die Gegensätzlichkeit und Gleichzeitigkeit aller wesentlichen und elementaren Lebenssituationen gerecht werden. Elementar ist in meinem Moment die fahrende U-Bahn, fast ein Synonym für bewegendes Leben. Einsteigen, Losfahren. Anhalten. Aussteigen. Seines Weges gehen. Na ja, fast so. Im wahren Leben ist nach dem Aussteigen erst einmal Schluss. Es sei denn, wir halten es wie die großen Philosophen, die im Werden und Vergehen mehr zu sehen bereit sind, als wir U-Bahn-Gäste morgens um acht Uhr.

„Es ist nämlich dieses, dass nicht nur jenes Entgegengesetzte selbst sich einander nicht annimmt; sondern auch alles das, was einander eigentlich nicht entgegengesetzt ist, doch aber das Entgegengesetzte immer in sich hat, auch dieses scheint jene Idee nicht annehmen zu wollen, die der in ihm wohnenden entgegengesetzt ist, sondern, wenn sie kommt, entweder unterzugehen oder sich davonzumachen.“

………………….

Die U-Bahn fährt in den Bahnhof ein. Sie bremst leicht ab und noch in diesen Minuten werden die Türöffner betätigt und die ersten Ungeduldigen springen aus dem noch langsam fahrenden Zug.
Man möchte meinen, das es die Jüngeren wären, die sich dem wagehalsigen Manöver hingeben- nein, es ist der ältere Mann, der nun stolpert und sich das Knie aufschlägt. Ursache und Wirkung liegen so dicht beieinander. Hätte er nicht einfach eine oder zwei Sekunden warten können? Sich ein Bild machen vom Bahnhof, die Stolpersteine wahrnehmen , die nassen Steine, auf denen man ausgleiten kann, oder die Bananenschale sehen, die ihm nun zum Verhängnis wird…

Sicherlich kann man nicht sagen, das Platon oder Sokrates diesen Mann vor einem Sturz bewahrt hätten, wie gesagt: Nietzsche würde es anders sehen, oder Hegel, oder Kant.
Die Ideen, die kluge Menschen in dicke Bücher verpackt haben, oder sagen wir die Quintessenz einiger wesentlicher Erfahrungen prangen schwarz und rot auf einem kleinen Schild neben der U-Bahntür.

Das Prinzip der Teilhabe , der Anwesenheit und der Gemeinsamkeit
kann man gut in 20 Minuten Fahrt beobachten. Relationen . So ist die Größe der Gefahr beim Herausspringen aus der U-Bahn relativ.
Obwohl Menschen doch vernünftig sein sollten, so unvernünftig erscheint es den Mitfahrern in der U-Bahn, dass der Mann trotz wissender Gefahr aus dem Wagen springt ….

Allerdings, so gesteht Sokrates uns Menschen zu, kann man das Ausgeführte nicht mit Vernunft beweisen.

Meine U-Bahn ist wie immer ein metaphorischer Zwischenraum in einer realen Welt. Ich gleite mit meinen Gedanken und Ideen zwischen Draußen und Drinnen hin und her. Manchmal komme ich in Versuchung, eine Rekonstruktion von Zeitbildern oder Raumbildern oder Wortbildern in kleine Reiseberichte zu verpacken.

Ob das im Sinne der schon geschriebenen Werke ist, kann ich nicht einmal berücksichtigen, denn:

„Also dahin wendete ich mich, und indem ich jedes Mal den Gedanken zum Grunde lege, den ich für den stärksten halte, so setze ich, was mir scheint mit diesem übereinzustimmen , als wahr, es mag nun von Ursachen die Rede sein oder von was nur sonst, was aber nicht, als nicht wahr“

Es macht Spass, nachzudenken. Besonders, wenn man auf die Idee kommen sollte ,aus dem fahrenden Zug springen zu wollen.

Oktober 20, 2007

SCHUBladen

Gespeichert unter: philosophische FRAGMENTe — silkandpaper @ 5:56

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Alltagswort : Schubladendenken…wie interessant, ein Wort zu ergründen, welches assoziiert wird mit starren und festgefahrenen Bezügen zu Definationen, die uns im ersten Augenblick als bedrängend oder engstirnig erscheinen…. die Gedanken beschäftigen mich, , denn ich hatte wieder einmal in Nietzsches Zarathustra geblättert…Die Passagen erinnerten ich mich an die Steilwände der Gedankens, die man selbst ab und zu erklimmen muß, um zu Fundamenten vorzudringen, auf denen ein Stück seines eigenen Hauses gebaut ist . Die wortgewaltige Sprache …

Obwohl ich ein Mensch bin, der die Weite des Meeres in sich spüren möchte, habe ich diesen Ausflug ins Hochgebirge gewagt, habe vergessen, das all die Felsvorsprünge wenig Halt bieten, zumal, wenn ich, ein ungeübter Kletterer selbst an den eingeschlagenen Ösen hänge, zuweilen über dem Abgrund schaukelnd, die Tiefe unter mir und die Höhe so weit… auch ich muss allmählich weiterhangeln, immer mit dem Blick zur Bergspitze…

Die Bilder von Sils Maria, den Bergen und den einsamen Wegen ,die mir meine Schweizer Freundin beschrieb, brachten mich zu Nietzsches Werk zurück.

Die waghalsigen Kletterpartien des Geistes ; da fiel mir der „Baum am Berge „wieder ein , der für mich ein Synonym für etwas ist, welcher/welches ganz alleine und auf sich verlassend der Gefahr trotzen kann. Ja, und selbst wenn man einen Bergführer neben sich wähnt, man selbst muss sich einklinken in die geistigen Haken und Ösen, man selbst fühlt den Fels unter seinen Schuhen und die wunden Finger halten sich trotz Schmerzen am Steinvorsprung fest; denn ein falscher Schritt könnte sich mit Sicherheit verwandeln in einen Sturz in die Tiefe… Also gehen wir Schritt für Schritt und mit Bedacht- denn die Neugier, was kommt nach dem nächsten Schritt kommen könnte, treibt uns voran… Das ist der Hunger nach Wissen, Hunger nach dem Wort und seiner Bedeutung.

Sich immer des Risiko’s bewusst zu sein, zwischen der Realität der Möglichkeit des Absturzes und des Emporklimmen eines Berges, den zu bezwingen möglicherweise noch keiner gewagt hatte… Das Ausloten der eigenen Begrenzung, das Erfahren der eigenen Risikobereitschaft auch sein Leben verlieren zu können für den Blick auf den Gipfel , …wer ist dafür heute noch bereit, wenn dieser Nervenkitzel den “ Ausflügler“ im weichen Daunenbett erreichen kann , zurückgelehnt und dem Einnicken bei Sendeschluss nahe….( diese Flut von schon so gut verpackten Eindrücken, die so ins Haus flattern , diese Flut kann es doch nicht sein, die unserer sorgfältig ausgewählten Schubladen als Hilfskonstrukt des Lebens bedürfen, Fastfood , virtuelles Wegwerfessen, eine unlebendige Scheinwelt …) Die Eindrücke des Lebendigen aber, die Sichtwinkel und Tiefblicke, denen ich mich bewusst aussetze, die ich sinnlich, visuell, verbal und körperlich wahrnehmen möchte , können sich sehr gut mit brüchigen Begrenzungen ( ich spreche von brüchigen und nicht von immer mehr verschwimmenden Begrenzungen… ) arrangieren, denn sie sind erfahrbar wie die Aufmerksamkeit des Kletterers, erfahrbar wie das Risikobewusstsein. Das Risiko, Wahrheit und Wirklichkeit mit dem Schein zu verwechseln zu können….

Mit dem Blick zum Wipfel, mit dem Abklopfen der Möglichkeiten ,ob ich weiter klettern oder absteigen sollte, bediene ich mich meiner Erfahrungen , die in mir „verzargt “ sind. Ich kann mich ihrer bedienen, weil sie aus dem Lebendigen gekommen, in mein Lebensgerüst “ einbaubar“ waren; sie schützen mich vor dem Sturz in die unbekannte Tiefe , während ich mit dem Bausatz ( dem Schein, der Fiktion ) , der mir schon verpackt , vorprogrammiert ,scheinbar risikoarm und griffbereit vor die Füße gelegt wurde , wenig anfangen kann, wenn es gilt, mit „Schubladen zu hantieren“. Dieser Bausatz ist keinesfalls nur unnütz, – nur : um mich dieses Werkzeuges zu bedienen, brauche ich die Gebrauchsanweisung, denn hier ist etwas , was ich lernen muss, an meine lebendigen Erfahrungen “ zu befestigen“ . Meine Wirklichkeit , mein Bewusstsein lässt mich kritisch sein, der nächste Schritt im Felsgestein ist ein Schritt in ein unbekanntes Terrain…Aber warum steigen wir auf diese Berge, warum diese Höhe? Warum gehen wir auf Menschen zu, die unsere „Höhen und Tiefen“ sind ? Weil die Neugier und der Mut zur „unbekannten Schublade“ da ist, weil um mit sich und der Wirklichkeit umgehen zu lernen, nicht nur der Bausatz ausreicht. Weil ich die Brüchigkeit der Wirklichkeit ( lat. actualitas) im Alltag erfahre, lasse ich mich darauf ein, beschäftige ich mich näher damit, und kann mit dieser Unbekannten wie in einer mathematischen Gleichung gut umgehen , so weiss ich auch, wo ich in der späteren Brüchigkeit meiner Zukunft ( die kausal bedingt ist ) hinfassen muss, um die richtige Erfahrungsschublade aufzuziehen .

Aber selbst dann, wenn ich die Schublade nach geraumer oder längerer Zeit öffne , ist sie noch so unverändert “ einsortiert“, so hat sich doch mein Blickwinkel auf sie verändern müssen, denn die Zeit und die Begegnung mit Menschen hat etwas in meiner Wirklichkeit bewirkt, während die Schublade äußerlich möglicherweise zwar ramponiert aussieht , aber die Zeit hat den Inhalt in der Schublade ist nur passiv gestreift …

Ob die in der Schublade überdauerten Konstrukte/ Vorurteile/ Verbindungen / Denkweisen noch der Wirklichkeit genügen , oder ob ich mich ihnen mit meiner veränderten Sichtweise annehmen kann , ob ich „stimmig“ werde mit diesem einst aktuell gewesenen Inhalt ( also in die Tiefe springen könnte) , oder – ob ich trotz Wetterwarnung und heraufziehenden Sturm den Schritt wage, jenen Felsvorsprung zu überwinden, ob meine stabile „Schrankkonstruktion mit den Erfahrungsschubladen“ diesem Risiko wirklich die Stabilität verspricht, oder ob der vorgefertigte Baukasten mir eine suggerierte Scheinstabilität als WAHR erscheinen lässt, das kann nur DER SCHRITT entscheiden, die Bewegung und nicht die Erstarrung.

Man kann stürzen , man kann stehen , aber man kann bei zu langem Zögern in einer einem unendlich erscheinenden Zeit über dem Abgrund schweben…. und in diesem Moment der ÜBERLEGUNG , den Schritt zu wagen, ist es von entscheidender Wichtigkeit, Wirklichkeit und Fiktion unterscheiden zu können , es ist von Wichtigkeit Begrenzungen des Zumutbaren zu erkennen.

Die Wirklichkeit als ein Gerüst / als Schrank/ als Regal / als Authentizität – eben als etwas Stabiles – , die verbunden, verzargt, verknüpft oder vernetzt erst möglich macht , das innerhalb dieser Stabilität AUCH die Fiktion, die brüchige Begrenzung, die Phantasie , und Schublade etc. als instabiler Faktor ihren Platz findet, ohne das man sich selbst aus der “ Verankerung im Fels „reißt.

Vielleicht sehe ich auch in der Schublade eben nicht unbedingt die Wirklichkeit , sie hat nichts Stabiles, nichts Feststehendes , sie ist austauschbar, inhaltlich revidierbar, ist Phantasie , sie ist fiktiv, kann sie nicht dingbar machen.

Die Schubladen als Möglichkeit , als Hilfskonstrukte zu sehen , die unsichtbare Begrenzung nach draußen sichtbar zu machen – ist eine Möglichkeit. Ein der lebendigen Wirklichkeit zugewandter Mensch aber überdenkt jeden Tag Grenzen oder Begrenzungen neu , er befreit sich aus Erstarrungen und erweitert sich innerlich….er erstarrt nicht in einer Scheinwelt und würde nicht auf „dem Felsvorsprung stehenbleiben “ .

Schublade, das ist ein anderes Wort als das , welches im Dialog schnell mit Schubladendenkweise egalisiert wird –Schubladendenkweise : dieses so ganz andere Wort hatte ich bisher ganz bewusst nicht einbinden wollen ; ich nehme mal das Wort einfach mal auseinander SCHUBLADENDENKWEISE: es ist die Weise , wie ich die Schublade denke! Möchte ich weiterklettern, dann denke ich mir die Schublade als flexibel, herausziehbar aus dem Schrankgerüst , und ich kann mein stabiles Ich flexibel sein zu lassen, kann das Schrankgerüst , so fragil es erscheint auch schwanken lassen ( wie ein Hochhaus bei einem Erdbeben) ohne in mich selbst zusammenzufallen.

Würde ich nicht weiterklettern wollen , dann würde ich mir die Schubladen als festvernagelt mit dem Schrankgerüst denken , ich würde die Schubladen nicht anrühren aus Sorge vor der Fragilität , würde inflexibel bleiben, was mir das Zerbrechen oder Zerschellen bei einem Sturze wahrscheinlicher erscheinen ließe ….

Und so bin ich wieder bei Nietzsche in der philosophischen Stube gelandet, und bin den langen Weg vom Meer zum Berge gewandert ….und möchte mich nun gut gesichert am Seil im Fels festhalten , weil ich mir jetzt plötzlich gar nicht mehr so klar bin , ob ich aus Kausalität und Kybernetik einen Schrank gezimmert habe, den der Wind gleich umpustet…

Trotzdem möchte ich Z [...] Nietzsche zitieren:

Du sagtest die Wahrheit, Zarathustra. [...]Ich verwandele mich zu schnell: mein Heute widerlegt mein Gestern. Ich überspringe oft die Stufen, wenn ich steige,—das verzeiht mir keine Stufe.

Bin ich oben, so finde ich mich immer allein. Niemand redet mit mir, der Frost der Einsamkeit macht mich zittern. Was will ich doch in der Höhe?

Meine Verachtung und meine Sehnsucht wachsen mit einander; je höher ich steige, um so mehr verachte ich Den, der steigt. Was will er doch in der Höhe?

[...]

Hier schwieg der Jüngling.

Und Zarathustra betrachtete den Baum, an dem sie standen, und sprach also:

„Dieser Baum steht einsam hier am Gebirge; er wuchs hoch hinweg über Mensch und Thier.

Und wenn er reden wollte, er würde Niemanden haben, der ihn verstünde: so hoch wuchs er.

Nun wartet er und wartet,—worauf wartet er doch? Er wohnt dem Sitze der Wolken zu nahe: er wartet wohl auf den ersten Blitz?“

September 15, 2007

ZUFÄLLIG ist mal wieder sommer

Gespeichert unter: philosophische FRAGMENTe — silkandpaper @ 5:41

Zufällig ist wieder mal Sommer…

Gibt es den Zufall? Interessanterweise ist mir diese Frage gleich zweimal in den letzten Tagen ins Auge gesprungen. Nicht nur das Wort , sondern auch das Ereignis, welches an sich diese Frage nach der Wiederkehr bestimmter Ereignisse oder Ähnlichkeiten aufwirft Und heute sitze ich an meinem Schreibtisch und halte einen Akademie-Bericht in der Hand, dessen Titel mich auffordert, die Seiten aufzuschlagen. Moderne Physik und New Age – so heißt dieser viel-und nichtssagenden Titel. Ein weißer Einband mit einem tanzenden Shiva und den kybernetischen Formeln einer Berechnung als eye- Catcher. Man darf den Titel nicht missinterpretieren, es ist eine wissenschaftliche Studie über das „Tao der Physik“ von Fridjof Capra

Und siehe da, das Tao wurde doch auch gerade kürzlich in einem Gespräch erwähnt, als eine Freundin einer anderen die  Sinnfrage nach momentanen seelischen Zuständen  in einer Weise erklären  wollte, die meinem philosophischem Hunger sehr nahe kommt. Dann fielen mir auch noch die gesamten Gedichte im 12. Band der Gesamtausgabe seiner Werke von Johannes Kepler in die Hände… also ich weiß nicht recht: es liegt etwas in der Luft. …Merkwürdig? Denkwürdig? Zufälle physikalischer Natur oder mystischer Vorgang der Intuition, die sich nach innen öffnet und den Fokus nach Außen weitet… ?
„Mystiker und Physiker kommen zur selben Schlussfolgerung , die von einem Reich im Inneren ausgeht, und einem Reich der äußeren Welt. Die Harmonie zwischen beiden bestätigt die alte indische Weisheit, das die letzte äußere Realität mit der inneren Realität identisch sind“ ( Capra: Das Tao der Physik) .. …

Das Tao von Laotse hatte ich jahrelang in meiner Manteltasche und meiner Aktentasche herumgetragen und natürlich bis zur Unkenntlichkeit „abgelesen“. Ich könnte jetzt nicht einmal sagen, ob ich zu dieser Zeit in einem ähnlichen Zustand von Zweifeln oder Eigenbefragung war, aber ich war mit diesem dünnen Büchlein sehr gut bedient. Das ist , wie gesagt, schon eine Weile her; doch wie der „Zufall“ es will, treffen ( bei mir ) mehrere Signale in kürzester Zeit aufeinander: Tao, Zufall, verschiedene Sinnfragen, Capras Buch und die Kritik an demselben, der Auslöser zur Studie 1975 ein Erlebnis , sagen wir , eine Seinserfahrung , die rein physikalischer Natur zu sein schien, und ihn (Capra) am MEER zur spirituellen Erkenntnis brachte, sich des Gottes Shiva ( ind. Gott der Zerstörung) näher anzunehmen. Die mystische Betrachtungsweise, gepaart mit wissenschaftlichem Background, mit der Sehnsucht nach der Ganzheit des Menschen und der inneren , kritischen Betrachtung der existierenden Moderne , die Betrachtung der Welt mit holistischem, ökologischem und feministischem Blick muss in dieser Zeit , als das so genannte NEW-AGE- Zeitalter in aller Munde war, beängstigend auf einige theoretische Physiker gewirkt haben. Ich selbst konnte nur mit NEW AGE gar nichts anfangen, weil ich mich eigentlich immer auf meine eigenen innerlichen Erfahrungen verlassen habe, und keinen Strömungen gefolgt bin. Deshalb war ich doch plötzlich sehr fasziniert, das „AHA-Erlebnis“ von Capra nachzulesen und den Wissenschaftler Capra als einen interessanten Gedankenbruder zu entdecken. Holistische Gedanken finden sich bei Hegel und Leibniz, so das ich, als ich weiterblätterte in dieser kleinen Studie doch höchst erfreut war, all den Gedanken wieder zu begegnen , die sich manchmal zerstreut und manchmal geballt in meinem Kopf festsetzen.
Physik war zu Beginn des 20 Jahrhundert ein philosophisches Fach, also kein rein naturwissenschaftliches. Dies erklärt wohl auch (noch), dass Naturwissenschaftler dieser Zeit Zusammenhänge meist mit philosophischem Grundtenor in der Sprache erläutern konnten. Capra greift diesen Sprachduktus zumindest im „TAO der Physik „ auf. .

Das Suchen nach einer Konvergenz zwischen Physik und Mystik habe ich  ja schon in vorangegangenen Einträgen in meine Tagebücher  und beim  Suchen nach Rationalität im Einklang / Ergänzung zur Intuition mit Ereignissen und Erfahrungen aufgeworfen.

Man lebt im Gleichklang dahin, so meint man. Trotz offenen Geistes erschließt sich die Welt nicht im wissenschaftlichen Sinn, sondern im intuitiven, im wahrnehmenden Sinne. Doch auch Wahrnehmungen sind verfremdet oder nicht aufschlüsselbar, weil Grundmodelle der modernen Physik nicht immer eingängig dem Menschen offenbart werden , sie auch als mystische innere Abläufe der Seinswerdung zu erkennen.

Ich bin so fasziniert von dieser über 400 Seiten-Schrift, die das Thema „Capra-und das Tao der Physik“ behandelt, das ich mich wirklich fragen muss, wieso habe ich es gerade JETZT entdeckt. Zufall?

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