Silk and Paper

November 15, 2008

Wenn Männer in Bewegung kommen-muss sogar der Kopf herhalten !


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Wenn Männer in Bewegung kommen-muss sogar der Kopf herhalten !

Natürlich musste wieder die gute , alte U-Bahn den Hintergrund liefern , um Geschichten entstehen zu lassen, kleine Begebenheiten und Begegnungen. Wo sonst ist man auf so engem Raum beisammen und kann sich ungestört an den Gesichtern der mitfahrenden Gäste sattsehen.

25 Minuten Fahrtzeit bieten schon einen recht schönen Zeitrahmen für einen Einakter, der fast aufführungsreif wäre, ob wegen meiner Begriffsstutzigkeit oder der belustigenden Reaktion des Fahrgastes mir gegenüber, wer weiß.
Station Berliner Straße, der Umsteigehafen für die Neuköllner Richtung , immer auch die passende Gelegenheit, einen Sitzplatz zu ergattern. Wunderbar, gleich in der ersten reihe macht jemand einen Sitzplatz frei und ich packe mich mit Handtasche , Büchertasche und einem etwas dickerem Paket, was zur Post sollte, an die Fensterreihe.
Mir schräg gegenüber sitzt ein Mann so in den Fünfzigern. Graumeliertes Haar und einen sehr gepflegten grauen Bart. Etwas unruhig rutscht er auf dem Sitz hin-und her und schaut zur decke, zum Boden, auf die Mitreisenden und dann bleibt sein Blick auf mir stehen. „was meinen Sie ? Ibo gut? “ Am Akzent höre ich , das er kein geborener Berliner ist. Ibo, das ist ein mir geläufiger Name , den ich mal hier und mal da gehört habe, Simones Mann heisst Ibo, also gehe ich in diesem Moment davon aus, das der Mann Türke ist, und die geläufige Koseform benützt.

Ich schaue ihn ganz irritiert an und antworte ( man will ja nicht unhöflich sein) , das ich nicht wüsste, ob Ibo gut sei, denn ich kenne Ibo nicht. “ Du Deutsche bist, oder? Ich habe fragen alle Leute und keiner kennt Ibo! “ Ich entschuldige mich höflich und sage, das ich ihn heute zum ersten Mal sehe und bin etwas belustigt über den Fortgang der Unterhaltung. Mittlerweile schaut der Nachbar von der anderen Seite auch schon in unsere Richtung…
„Ja, aber alle Leute von Laden haben gesagt, Ibo das Beste und ist gut und ich nicht verstehe, warum keiner Ibo kennt.“

Ich glaube in meinen Augen zeigte sich schon ein Anflug von Heiterkeit, denn ich mutmaßte, das er vielleicht aus gekränkter Eitelkeit heraus nun volle Unterstützung für sich und seinen edlen Charakter suchte- ausgerechnet in der U- Bahn, wo die Leute meist genervt oder sich gestört fühlen, wenn man was von ihnen will.
Ich mache dem Gespräch ein Ende und meinte zu ihm, das ich nicht verstehe, was er von mir will.
Kaum gesagt, steht er auf und fährt mit seiner Hand in die Hosentasche. Er wühlt und sucht und zieht ein Päckchen heraus. Ein kleines, weißes mit der Firmenaufschrift : Pharma. “ Du gucken, hier, alle sagen Ibo gut und du nicht kennen ? „

Ich schaue auf die Packung und lese die großen Buchstaben IBU und etwas kleiner gedruckt : Ibuprofen .
Ich musste plötzlich so breit lachen – er meinte Tabletten!
Ich versicherte ihm, das ich Ibuprofen kenne und das es Tabletten gegen Schmerzen seien. “ Ja, ich wissen, Frau aus Laden hat gesagt, sehr gut. Was denken du? “ Ja ich sage ihm, das ich gute Erfahrung mit Ibuprofen hatte und er diese ohne Sorge nehmen kann.
“ Ja , ich Kopfschmerzen jetzt haben. Frauen mir immer Kopfschmerzen machen“.
Ich liege innerlich fast flach vor Lachen auf dem Waggonboden. Ich war mir gar nicht bewusst, das man, wenn sich mit mir unterhält, immer IBU bei der Hand haben muss…

August 24, 2008

wenn Männer in Bewegung kommen-oder Navigationssysteme für Mann und Frau

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wenn Männer in Bewegung kommen-oder Navigationssysteme für Mann und Frau

Eigentlich bin ich in vielen Dingen, insbesondere mit dem Schreiben so richtig altmodisch. Wenn ich unterwegs bin und ich möchte unbedingt etwas notieren, dann habe ich die altbewährten fliegenden Blätter bei mir. Schon seit Kindestagen lebe ich mit diesem System, daß in irgendeiner Manteltasche doch irgendwo diese Notiz sein müßte….!
Die Zeiten ändern sich, die Bleistifte weichen dem Kugelschreiber und die Kugelschreiber weichen dem Computer.
Vor nicht einmal 15 Jahren gab es solche ausgefeilten Suchsysteme wie “ Tante Google“ . Tante Google ich eine meiner Lieblingstanten. Als Mensch, der immer auf der Suche nach interessanten Büchern ist , gibt sie mir wertvolle Tips und kann mich sogar ab und zu Schnäppchenkäufen in Online-Buchhandlungen verleiten.

Kürzlich , als es draußen regnerisch und düster war, und meine Stimmung ebenso dunkel, erinnerte ich mich an einen Spontankauf von vor zwei Jahren. Da erstand ich ein Buch, welches mich einen ebenso regnerischen Tag wie der heutige durch seine Heiterkeit und Wortwitzigkeit wirklich vergessen ließ.
Mein neuzeitliches Schreibgerät von Compaq schnurrte noch ; und so fragte ich Tante Google, ob es noch andere Bücher gäbe von diesem Witzbold, der in nullkommanix Wellness pur für meine Lachmuskeln war.
Ja, sagte die Tante, schau mal, da gibt’s eine ganze Menge. Kauf mich, riefen die Bücher! Es geht in diesem Online-Laden zu wie im Märchen von Frau Holle , wenn die Brote rufen: zieh mich raus , zieh mich raus….
Nur hier hieß das : Klick mich an und Du hast mich!

Mein kleiner Finger gehorchte aufs Wort und klickte an und in einer Rekordzeit von 3 Minuten kaufte ich zu den Büchern des Satirikers noch 2 Romane von Frau Schrobsdorff und ein neues Wörterbuch der Englischen Sprache.
Fast zufrieden lehnte ich mich zurück. Wie wunderbar es doch ist, das alles auffindbar und durchschaubar und bestellbar ist. Und das , ohne die Wohnung zu verlassen. Nun musste ich nur noch warten, das mein Briefträger ein braunes Päckchen in meinen Kasten wirft…
Der Tag, der für mich wie Weihnachten und Ostern zugleich war, ist nicht etwa mein Geburtstag , sondern der, an dem ich , die Stufen hinauf zur Wohnung eilend , schon im Hausflur die Bücherpakete aufriß. Vorsorglich zog ich den Stecker des Telefons heraus und innerhalb von 2 Tagen verschlang ich jedes Wort und ich meinte fast, der Witzbold, der die Bücher schrieb, säße zum Tee neben mir auf der Couch.

Ich dachte, das muss der Mensch doch wissen, das er aus einem Regentag Sonnenstunden zaubern kann. Tante Google schnurrte immer noch….komm, komm, hier darfst du dich bedanken…
Da ich ein gut erzogener Mensch bin, sollte man auf „Tanten“ ab und zu hören und ich nehme ihre angebotene Hilfe in Anspruch und finde tatsächlich ein kleines Gästebuch, wo hinein ich meine Freude und mein Glücksgefühl kundgeben kann. Und wohlerzogen erwartet man nicht unbedingt , daß der mit Lob Beschenkte dank dieses ausgeklügelten Systems im Internet bei mir melden wird.

Diese Zuverlässigkeit dieser Tante ist phänomenal! Was alles möglich ist und in welcher Geschwindigkeit…Ja sitzt denn der lustige Geschichtenschreiber tatsächlich mit seinem heißen Kaffee neben mir und mag sich unterhalten?
Tante Google kann mir jetzt nicht weiterhelfen; die Worte , die ich jetzt sage oder schreiben möchte, können nur aus dem Fundus meiner altmodischen Erfahrungen mit Sprache geschöpft werden. Also spielen der Schriftsteller und ich Pingpong mit kleinen, feinen Sätzen und senden uns diese per Klick zu.
„Hallo Du“ schreibt er mir „Du kannst mich kommenden Tag im Fernsehen sehen!“ Und da er wahrscheinlich in der Eile einen einzigen, klitzekleinen Buchstaben falsch geschrieben hatte, konnte ich diesem Hinweis gar nicht folgen und landete immer auf der Error-Seite. Puhh, dachte ich, dieser Mensch will sich wohl einen Scherz machen. Andererseits aber regte sich in mir mein gesundes Gefühl, das dies sicher ein Versehen war…

Also mußte ich doch wieder Tante Google in meine Privatsphäre hineinlassen und sie fragen, was um alles in der Welt meint er und vor allem wo befindet sich der Fernsehsender .
Geübte Finger tippten den Namen ein , Schlagworte wie Fernsehen, das erahnte richtige Wort und siehe da! Tausende von Informationen stürzten auf mich ein, überfluteten mich geradezu mit Informationen, so das es mir ganz schwindelig wurde. So viel wollte ich eigentlich gar nicht wissen über den geheimnisvollen Mann gegenüber ! Eigentlich genügte mir doch das Fernsehprogramm, denn auch wenn hinter einer Mattscheibe, kann ich mir dann doch aber ein lebendiges Bild machen…

Ach Tante Google! Deine Geschwätzigkeit hat mich und mein inneres Navigationsgerät für besondere Worte und besondere Menschen etwas durcheinander gebracht! All diese Informationen sind zwar gut gemeint, aber sie sagen mir all das, was ich als Briefeschreiberin gar nicht so schnell von meinem gegenüber wissen wollte…
Ich fand unter all den Informationen , die mich sehr beeindruckten , endlich auch den Fernsehsender. Unglücklicherweise konnte ich diesen Sender nicht empfangen.
Egal, wie ich meine Digitalantenne auch drehte und wendete, es wollte mir nicht gelingen. Tante Google erzählte mir von Streams und Videos , aber auch da wurde ich nicht fündig; nur eine Aufzeichnung vom letzten Jahr . Was sollte ich tun?

Eine wahre Flut von blinkenden Versuchungen: Klick mich, drück mich, downloade mich, speichere mich ab, mach eine Notiz in deine Merkliste, stell mich zu den Favoriten ein, zu den Lesezeichen….
Nein, ich wollte das alles nicht!
Ich schrieb dem erwartungsvollen Briefpartner, das ich mir die Sendung anschauen werde. Ich verschwieg ihm allerdings, das es die Aufzeichnung sein wird. Mein einfaches Navigationsgerät zum auffinden der richtigen Wörter muss einfach aktiviert werden. Wie kann ich ihm mitteilen, das ich seine Sendung nicht gesehen habe, aber auch, das ich es nicht so schlimm finde, weil dann doch noch so etwas Geheimnisvolles bestehen bleibt…

Vielleicht ist Tante Google doch nicht nur so modern und so flink und so überaus korrekt…Sie ist zudem auch sehr feinfühlig und Warum ich das sage? Trotz der Fülle , trotz der Schnelle und trotz der Treffergenauigkeit konnte sie mir vermitteln, das ich mich nicht nur auf das System verlassen sollte. Zwischen all den Ergebnissen, die mir diesen Briefpartner quasi als offenes Buch präsentieren wollten, lag immer noch all das Unausgesproche, was ich für mich als eher wichtig empfand. Die Moral von der Geschicht‘- immer trau ich Tante Google nicht!

Und so weiß ich bis heute nicht, wie die Sendung gelaufen ist. Ich hoffe, mein Briefeschreiber wird es mir erzählen. So auf altbewährte Art. Persönlich. Ohne Tante Google zwischenzuschalten…

MAR

Juni 2, 2008

WENN Männer in Bewegung kommen- oder warum karierte Hosen nicht unbedingt langweilig sein müssen

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Sehr oft, wenn ich U-Bahn fahre, werde ich das Gefühl nicht los, das ich mit meinen Blicken die Leute „ausziehe“. Nein, ich meine das nicht in dem Sinne, wie man es sonst verstehen wollte, sondern eher in dem Sinne, als zöge ich all die traurigen, fröhlichen, nachdenklichen oder flatterhaften Stunden im Leben dieser Menschen an ; wie meine Morgengarderobe, die mir stets Sorgen bereitet…
Immer und immer wieder drehe ich mich vor dem Spiegel, um letztendlich doch wieder Vertrautes überzustreifen.
Ich verstehe es selbst nicht! Wieso kauft man sich ein neues T- Shirt oder einen teuren Pullover, wenn sie doch allesamt in der gleichen Farbe sind. Aber erst dann, wenn mir das Vertraute, Bewährte auf der Haut liegt, verlasse ich mein Zuhause mit dem , was meine Zufriedenheit ausstrahlt und meine Gefühle wiedergibt.
Es ist fast wie Einkaufen, wenn ich den U-Bahn-Waggon betrete und mich mit kreischenden Farben, Blümchenmustern und zerrissenen Jeans konfrontiert sehe . Ich fühle mich wie in einem Kaufhaus, wo man Gefühle, Laune oder Provokationen kaufen kann und manches Mal halte ich inne und frage mich selbst, wieso ich den bunten Ringelpulli wieder beiseite gelegt habe – und schwarz gewandet in die Sonne gegangen bin.

Andererseits kommen mir dann so absurde Gedanken, das mein Schwarz wohl all den anderen Farben die Möglichkeit geben will, heller zu leuchten, zu strahlen, oder gar in ihnen die Sehnsucht zu wecken, sich mit dem Schwarz zu verbrüdern , es umarmen. Vielleicht verursacht dann dieses unsichtbare „hinüberspringen“ auf meine schwarze Alltagskleidung dieses Gefühl, daß ich denke, die Leben oder besser gesagt die Lebendigkeit der anderen Menschen spränge auf mich über und baut dieses satte Empfinden um mich herum auf, als würde sich eine bunte und lustige Energiequelle in diesem einen Waggon zusammenbrauen.

Allerdings fasse ich an melancholischen Tagen dieses Aufeinanderprallen der farblichen Gegensätze als etwas wie Heimatlosigkeit auf, weil alle Farbenklänge die Sehnsucht nach der Ferne wecken, und in diesem Schmelztiegel verschiedener Kleidungsstile entdecke ich sogar, das Pink eine schöne Farbe sein kann, wenn darunter gebräunte Haut sichtbar wird und sich pechschwarzes Haar darüberlegt.
Heute aber ist so ein Tag, der etwas aus dem „schwarzen“ Rahmen fällt. Heute trage ich mal alles in Weiß, na ja, nicht ganz alles, denn meine Tasche ist zwar mit weißer Seide gefüttert, aber mit schwarzen Herzchen bedruckt, die ganz versteckt unter dem derben Leinenstoff auf der Suche sind nach dem Rot und Blau und Grün und vorwitzig aus dem umgekrempelten Rand meiner Tasche heraus lugen.

Ich sitze auf einem harten Polster inmitten schwitzender Körper, die schon am frühen Morgen dampfen und dabei einen Duft von Seife verströmen. Ich beginne wie immer die Umgebung mit meinen Blicken zu erforschen, als sich plötzlich die zwei Pobacken eines Mannes vor meinem Gesicht plazieren. Kariert scheint IN zu sein, denn als ich halb empört und halb belustigt versuche, meine Augen anderswohin wandern zu lassen…und treffen sie auch das Gegenüber.

Auch mein Gegenüber liebt Kästchen! Es ist komisch, denn ich assoziiere karierte Hosen immer mit älteren Männern , aber diese beiden sind jünger als ich und sehen auch nicht so aus, als hätten sie einen verirrten Geschmack. Beim näheren Betrachten der beiden Gesichter, das eine im Profil und das andere frontal, fällt mir auf, das die beiden „Karierten“ sehr zufriedene und aufgeräumte Gesichter haben, so , als hätten sie ihr ganzes Leben wohlgeordnet in diesen kleinen schwarzweißen Kästchen ihrer Bekleidung verstaut. Ich bin mit meiner Phantasie sogar geneigt zu sagen, das diese beiden Männer sicher eine ganz und gar geradlinige Lebensspur fahren müssten, schlösse ich dies von der Pepita-Musterung ihrer Kleidung auf das Innenleben eines Menschen.

Doch halt! Zwischen dem Weiß und dem Schwarz hat sich ein lichtblauer Faden verirrt, der dort eingewebt, dieses geordnete Quadratische aufzubrechen scheint dem mathematischen Augenschein den Hauch einer unbekannten Variablen oder besser das Wissen vom angedeuteten Chaos ankündigt.

Plötzlich ist mir meine eigene heutige weiße Bekleidung nicht mehr recht.
Und das schon am frühen Morgen. Ich vermisse mein gewohntes Schwarz, das mich wie ein Beobachtungsposten distanziert und zurückhaltend sein lässt… Weiß – das ist so ein unbeschriebenes Blatt, eine Art Leere, in das man alles hineinschreiben und hineinprojezieren kann. Weiß scheint Menschen aufzufordern,es zu bemalen. Ich streife mit meinen Händen über meine weiße Hose und zupfe die schwarzen Herzen etwas weiter aus dem Innenfutter heraus, so, als wolle ich wenigstens ein klein wenig Farbe bekennen. Aber sind schwarze Herzen denn wirklich farbig? Und überhaupt, schwarze Herzen! Schlimm genug, daß es Menschen zu geben scheint, die gar kein Herz besitzen, aber ein schwarzes Herz nach außen zu kehren, kommt mir noch viel schlimmer vor…
Ich belächle meinen eigenen absurden Gedanken und schiebe das Innenfutter wieder zurück in die Hosentasche. Es ist wirklich zum Lachen! Zwei karierte Hosen , die auf dem ersten Blick etwas unzeitgemäß daherkommen, lösen bei mir eine Hinterfragung über die Zustände in den Herzen der Menschen aus ; und nicht nur das- sie lassen mich nachdenken, ob Weiß denn tatsächlich rein und klar und geordnet sein kann…

Der Mann mit dem blauen Streifen im Karo blickt auf und lächelt mich an. Er muß wohl bemerkt haben, das ich ihn betrachte.
Ich werde rot und fingere am Reißverschluß meiner Tasche herum. Ich bin verlegen und nehme mir vor, nicht andauernd die Leben anderer Menschen „überzustreifen“, während ich in der U-Bahn sitze. Ich zupfe und ziehe immer weiter am Reißverschluß und plötzlich fällt meine Tasche zu Boden. Alles, was an Inhalt darin ist, ergießt sich in den Waggon. Meine Überlebenstasche schüttet alles , was ich so am Tag benötige , vor die Füße der Fahrgäste.
Der Abdeckstift kullert unter die Bank, mein Schlüssel schlägt hart auf dem Metall auf, meine Stulle schimmert durch eine Plastiktüte und offenbart ihr Geheimnis: Salami und Gurke. Der halbdefekte Kugelschreiber zerfällt nun vollends in seine Bestandteile und meine unfreiwillige Sammlung aus Plastikkarten schlittert wie auf Eis durch den halben Wagen und der Schlüsselanhänger mit meiner Campuskarte verrät, wo ich arbeite und die Aspirin petzt, das ich manchmal Kopfweh habe….

Ich springe auf und versuche meinen ganzen Kleinsthaushalt wieder in die Tasche zu raffen. Der karierte Mann hockt sich mit mir auf den Boden und versucht zu helfen. Er kichert und sagt ziemlich gut hörbar für alle Mitfahrgäste zu mir: „recht bunt geht’s in ihrer Tasche zu! Irgendwie passt das gar nicht zu diesem Weiß. Ich habe die ganze Zeit darüber nachgedacht, ob es bei ihnen zu Hause auch so blitzblank sei…“

Nun muss ich laut loslachen. „Nö, sage ich zu ihm, auch bei mir schlingert sich ein chaotischer blauer Faden durch die Wohnung, wie in ihrer karierten Hose“ Er schaut mich verdutzt an. Woher soll er denn wissen, was ich meinen könnte? Er blickt an sich selbst herab und entdeckt wohl wirklich zum ersten Mal den blauen Faden in seinem wohlgeordnetem Leben. „Man sagt eigentlich immer , das der rote Faden sich durch alles ziehen kann, hier ist es eben ein blauer Faden, der einem Klischee Lügen strafen will…“ Jetzt schaut er noch verdutzter und ich nehme meinen Mut zusammen und meine zu ihm, daß jeder so etwas wie ein kleines verstecktes Chaos beherbergt ; der eine in der Tasche, der andere als karierte Hose… Der Mann lacht lauthals los und meint zu mir: „ ich hatte mir am morgen Kaffee über meine andere Hose geschüttet und mir danach die erstbeste Ersatzhose gegriffen. Die ist von meinem Mitbewohner…“

Oh je, dachte ich , jetzt habe ich auch noch meine Phantasie um ihre Authentizität betrogen ! Eine halbe Stunde lang mache ich mir bizarre Gedanken um karierte Hosen , um Menschen , die solche Hosen tragen. Und dann sind es nicht einmal seine Hosen- also ist es auch nicht sein wohlgeordnetes Leben, welches er spazieren trägt, sondern das eines anderen… !

Was für ein Morgen! Ich nehme mir vor, in den nächsten Tagen etwas weniger intensive Gedanken zu machen- zumindest nicht über Muster an männlichen Hosenbeinen….

 

Januar 14, 2008

gedicht, beim putzen entstanden

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gedicht, beim putzen entstanden

und wieder habe ich
das alte haus herausgeputzt
und hab‘ mich neu in es verliebt.

die alten dielen; brüchig , honigfarben
knistern, zwitschern, singen…
gut, das es sie gibt.

ich höre meine eigenen schritte
selbst auf
zehenspitzen gehend

manchmal sehe ich die
nächtlichen gespenster
durch die räume wehend

sie flüstern märchen,
deshalb höre ich sie .
sie hinterlassen keine tritte

sie flattern durch die träume
lachen leis und
nehmen mich in ihre mitte.

und heute , als ich ihre spuren suchte
da fand ich sie als kleinen fleck
auf einen dieser bretter.

naschkatzen sind sie.
es war braune schokolade.
mein scheuerlappen war ihr retter.

ich wischte sie weg und
mit einem wehmutstropfen
der erinnerungen

erkunden sie nun
als aufwischwasser aufgeweicht
die kanalisationen

und heute nacht, wenn alles schläft
dann suchen sie ein neues haus
und werden bei dir wohnen.

mar. 12. januar 2008

Dezember 9, 2007

adam sandler

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fun fun fun  das ist jüdischer humor….I love it !

adam sandler- The Chanukah Song- FUN FUN FUN!

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November 24, 2007

nora- the piano playing cat

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November 17, 2007

skate-bording dog –

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Oktober 21, 2007

FINLAND loituma polka

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Oktober 3, 2007

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