
Ganz tief im Dunkel
ist Deine Welt so leuchtend.
Du schließt die Augen.
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mar 2009

Ich bin an der Nacht
vorübergegangen,
an ihrem schimmernden Stufen
durchsichtigen Blau’s,
an ihrer schamhaft
geflüsterten Liebe
zum kühlen Wind…
vorübergegangen
am Perlenband
der schwindenden Silhouette
über der schattigen Stadt.
Ich bin an der Nacht
vorübergegangen,
an ausgetrunkenen Pfützen
täuschender Tiefe,
am verschlafenen Ruf
nach der Verschwiegenheit
der ersten Liebe…
vorübergegangen
an verblassenden Sternen,
diese weitentfernte Gaukler
am Zaum des Mondes.
Ich bin an der Nacht
vorübergegangen,
an ihrer flatterhaften Gedanken
verwandelbarer Tiefe,
an Blicken, die mich
in Neugier mustern
und suchten, mich zu entflammen…
vorübergegangen
am erdachten Betrug
der letzten Liebe
des Tages vorher.
MAR 2009 __________
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jeder , der seine erkenntnis und seine wahrheit an sich selbst festzurrt und sie damit zu seiner gefangenen macht und glaubt, sie damit dinghaft und glaubhaft für andere zu machen, ist noch weit von der wahrheit entfernt.
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Der Schlaf gefriert
und mit ihm alle Träume.
Im Schrank versteckt
die Einsamkeit der Nacht.
Mondschatten ruht
auf dem Tag
um sich zu erneuern
wenn die Zeit kommt.
Kalt bläst der Atem
das letzte Leben aus.
Täuschung aus Wahrheit
und Wahrheit täuscht.
Im Dachgiebel ruft
das morsche Holz,
denn es weiß,
er wird mit Dir begraben.
Dann ist selbst
der Schein der Sterne
nur ein welker Strauß
auf altem Papier.
Wenn es läutet
an der Tür
werde ich bereit sein-
Der Schatten ist mein Licht.
MAR

Sehr flüchtig,
fast ätherisch
schwebt dieser Tag ein,
landet wie ein
weicher Hauch
auf feuchten Dächern,
löst sich auf
und spinnt sich
wie ein Kokon
um das Leben;
legt sich auf
Dich und mich,
lässt uns kosten
vom göttlichen Tau
eines Frühlinstages.
Wieder einmal
darf ich
dieses Wunder erleben,
wenn das Grau
zu Farbe wird,
und sich auflöst
im Regenbogen
des Daseins.
MAR 2009

Ein Gedanke,
der aus dem Dunkel
ans Licht drängt,
sich mit Regen schmückt,
wie ein Morgen…
der mit
gläsernem Beiwerk Regen ,
so wie Inspiration,
die scheinbar klar,
auch Staub mit sich
fortschwemmt.,
um durch steinigen Boden gesickert,
als Quelle
für nie Dagewesenes.
Ohne sich
an etwas festzuhalten,
macht er
Dinge dinghaft
und löst aus
steinernen Bergen
Lawinen , die anfangs Geröll,
doch dann
gefestigt und verwoben
mit dem Wurzelwerk,
als Ganzes dem Tal
des Schweigens
entgegen donnert,
um doch als kleine Kiesel
Wege zu befestigen.

Thiais
Jene fiebrigen Nachmittage
die ich verbrachte
mit Deinem Schmerz,
den Du verschnürt
in Wortbündeln
zu meinen Füßen legtest.
Die schwarze Kerze
tropft auf meine Menorah
an den Tagen in Thiais,
wenn ich wie Leonie *
so einsam am Tag danach
um Dich weinte.
Am Ufer der Seine
finde ich heute
seltsame Monumente.
Weiße Kiesel ,
die mir das Herz brechen,
wie Deine einsamen Verse.
Bruchstellen im Gestein
sprechen Zeugnis von Dir,
von der Kraft des Widerhalls,
rundgeschliffen in der Bukowina,
und nie hier ertrunken,
Dein brennendes Wortemeer .
Mit heißer Hand
und angehaltenem Atem
stehe ich vor Dir
und schenke Deiner Unsterblichkeit
diesen Stein von dem Ort,
den Du als letztes erblicktest.
Erklärung: das ist ein Gedicht, welches auf einer Frankreichreise entstand Anmerkung: Paul Celan ist ein jüdischer Dichter, der sich in Paris das Leben nahm. Er konnte die Schrecken der Shoah und eigenes, persönliches Leid nie verwinden. Aus diesem Schmerz heraus verfasste er die tiefsten und schmerzvollsten Gedichte, die oft schwer zugänglich erschienen und erst mit dem Verstehen um sein eigenes Schicksal dem Leser Zugang gewährten zu den innerlichen Kämpfen, die er zwischen Leben und Tod mit sich ausfochten musste. Sein Freitod in Paris erschütterte die Schriftstellergemeinde und * Nelly Sachs, die mit Celan eine enge Freundschaft verband, verstarb am Tag nach seiner Beerdigung.

Wer atemlos durch das Leben jagt
und das Sein in Gedankenstrichen misst,
kann nie Zeitzeuge werden
von den Landschaften,
die unsere Sprache bereithält.
Er wird versäumen,
den Wortfragmenten
Lebendigkeit einzuhauchen,
weil im Vorübereilen das Erblickte
im gleichen Moment erstirbt.
Sprache ist das Haus,
und dem Ungesagtem Wesen einhaucht.
mit dem Tiefsten des Ursprungs…
Atem ist sein Fundament.
Und der Mensch sein Erdreich.
MAR 2009