Silk and Paper

April 24, 2008

… IST ein poem

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ist es ein vers? ein gedicht? ohne reim….
wenn ich schreibe,
das die musiker heute
aufspielten auf der strasse
und sie bei jedem menschen stehenblieben
der ihnen zulächelte

klingende münze
in einem becher aus papier
… ein kind tanzt und lacht und
im geschäft nebenan lassen die verkäuferinnen
ihre hände sinken ,um der straßenkapelle lauschen;
ist das ein poem, dieses bild?

ein betrunkener mann
läuft an der mauer entlang und weint
leise tränen und spricht von der
verlorenen liebe. am blumenstand greift er sich
einen frühlingsstrauß und ohne zu bezahlen
flieht er davon.

im bahnhof wartet er mit den gestohlenen blumen
und erinnert sich plötzlich, daß er
niemanden mehr hat, wen er damit glücklich machen kann.
flüsternd überreicht er einer alten frau
das bouquet und schläft auf der bank seinen rausch aus.
ist das ein lied? ist das ein vers?

der himmel steht wie ein großes Gewölbe
und es riecht nach musik und
nach blumen, die gerade knospen.
die bäume spielen traubaldachin und
die häuser stehen spalier,
wenn der bräutigam umsonst zum altar schreitet…

mit gestohlenen blumen und der kapelle
aus einem anderen land. männer, die kleine münzen
von uns erbitten, um morgen das tägliche brot
kaufen zu können…mit dem lächeln der frau,
die unerwartet beschenkt in die bahn einsteigt.
ist das ein vers, ein bild? es ist: leben.

MAR 2008 / Rheinstrasse in Berlin

 

 

 

KOMM und halt den himmel fest

Gespeichert unter: sprach-RÄUME lyrik — silkandpaper @ 6:04


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Komm, und halt den Himmel fest,
hier, an diesem Regenschnürenband.
Laß ihn nicht von dannen flattern
in ein weites, fernes Land…
wo die Wolken schnell vergehen,
aufgelöst von Sommersonnenglut.
Und die Unendlichkeit des Lebens
im weichen Überflusse ruht…
Und laß die Amsel … sie ist schon weitergezogen,
und singt ganz anderswo ihr Lied.
Hier regnet es, hier ist es grau und kalt,
Frühlingsmorgen. Und die Sehnsucht zieht….
Doch erst die Sehnsucht sagt mir, daß es Sommer gibt,
der satt und grün von großer Liebe spricht,
Komm, halt den Himmel fest und auch den Augenblick,
mit all den Schatten und mit all dem Licht.
MAR 2008

abschied

Gespeichert unter: sprach-RÄUME lyrik — silkandpaper @ 5:56

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Es müsste immer jemanden geben, der sich erinnert…
Dann, wenn der Spiegel blind geworden ist,
und wenn aus dem gläsernen Schweigen heraus
sogar der Name vergessen sein wird.

Es scheint, als lösche jede Träne ein Jahr meines Lebens aus;
Deshalb weine ich schon lange nicht mehr.
Doch auch dann lebe ich nicht länger oder besser-
Nur trage ich mein Gesicht seitdem etwas höher …

Ob jene versiegten Tränen schuld daran haben,
daß alles Leben verwittert zu einer Statue aus Basalt
weiß ich nicht… doch auch steter Tropfen höhlt den Stein
und versickert irgendwann, wenn seine Zeit vorüber ist.

Deshalb sollte sich immer jemand besinnen, wie es aussah,
das unbekannte Gesicht ,welches man Sonntags ausführte
und das doch keinen fand, der es mitnahm
in sein schon längst zerfallenes Haus.

 

MAR 2008

 

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